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[Gemächer des Autokrators] Von Schwester zu Bruder

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Samstag, 24. März 2018, 01:09

Von Schwester zu Bruder

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte der Kaiser seine so deklarierte Lieblingsschwester Theophano, die nunmehrige Gattin von Zenon Zarides, zu sich in seine Gemächer bestellt. Tatsächlich hatten die beiden schon eine ganze Weile nicht mehr unter vier Augen gesprochen, auch wenn man sich bei einigen offiziellen Anlässen selbstredend begegnet war, so zuletzt beim Staatsbankett für den Papst. So befand Romanos, dass es an der Zeit wäre, Theophano einmal wieder zu sich zu beordern. Wobei er ihr es sicherlich nicht befehlen musste, schätzte sie ihren Bruder doch nach seiner ureigensten Überzeugung im selben Maße wie er sie.

Als sie schließlich nachmittäglich seine Gemächer betrat und zu ihm geführt wurde, konnte er nur gespielt so tun, als sei er überrascht. Tatsächlich war sie auf die Minute pünktlich, was ihrem loyalen Wesen gleichsah. "Schwester, was für ein liebreizender Anblick, wie eh und je", begann der Kaiser das Gespräch und erhob sich sogar von seiner Sitzgelegenheit, um Theophano zu umarmen. "Ich nehme an, du hast unsere geistreichen Konversationen bereits genauso vermisst wie ich. Freilich wollte ich dich nicht vernachlässigen, doch die vielfältigen Aufgaben eines Autokrators ... Du weißt ja, was ich damit sagen will." Im Grunde genommen hätte er indes genügend Zeit gehabt, doch verbrachte Romanos die letzte Zeit mit Kriegsplänen, die er nächtens bis in die frühen Morgenstunden studierte, um dann erst weit nach Mittag überhaupt ans Aufstehen zu denken, wodurch der ganze restliche Tag gleichsam im Eimer war.

"Wie geht es Zenon? Ihr führt ja eine bilderbuchähnliche Ehe", merkte er etwas schelmisch an. "Nun, da wir unter uns sind, kannst du mir ja gewiss dies und das berichten. Wie ist er denn so im Privaten? Du hast ja wahrhaftig ein unsagbares Glück, mit diesem Mann vermählt zu sein." Der Kaiser grinste und schenkte seiner Schwester und sich etwas Wein ein. "Was macht ihr denn so, wenn ihr allein seid?", fragte er etwas indiskret nach und harrte ihrer Antwort.

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Samstag, 24. März 2018, 02:06

Es war wirklich eine gefühlte Ewigkeit her, seit Theophano etwas Zeit allein mit ihrem Bruder verbringen konnte. Immerhin waren die Zwillinge nun schon zweieinhalb Jahre alt und fühlten sich immer sicherer auf den eigenen Beinen, sehr zum Leidwesen der Kindermädchen, die den Kindern nun durch den ganzen Gebäudetrakt hinterherlaufen durften. Theophano legte jedoch viel Wert auf eine persönliche Erziehung - Zeit genug hatte sie ja schließlich - und versuchte daher, möglichst viel Zeit mit den Kindern zu verbringen.
"Rommy", begrüßte sie ihren Bruder, nachdem ihr ein Wachmann die Tür zu den kaiserlichen Gemächern geöffnet hatte. Außer ihr und der Kaiserinmutter gab es wohl nicht viele Menschen, die den Autokrator so nannten, gar nennen durften. Sie schenkte ihrem Bruder, der sie leicht überragte, eine warme Umarmung. Ein zarter Hauch von duftigen Rosen umspielte die Nase ihres Bruders, denn sie hatte bevor sie ihre Gemächer verlassen hatte ein sanftes Duftöl aufgelegt. Bald würde die Wärme zurück nach Konstantinopel kehren und die Rosen in den Palastgärten würden in allen schönen Farben der Natur erblühen. Dann hielt sich Theophano am liebsten draußen auf, zwischen dem Farbenmeer und dem betörenden Duft ihrer Lieblingsblumen.

"Du musst ein ganzes Reich regieren. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie anspruchsvoll eine solch verantwortungsvolle Aufgabe ist", entgegnete sie ihrem Bruder mit einer abtuenden Handbewegung und nahm auf einem einladenden Sofa Platz und strich die Falten auf ihrem weißen Kleid glatt. "Die Zwillinge halten mich in letzter Zeit selbst ganz schön in Atem. Dazu kommt noch Sophia, die langsam ihre alte Lebensfreude wieder entdeckt, nachdem sie Monate lang kaum ein Wort gesprochen hat." Sophia war eigentlich Zenons Nichte. Ihre Eltern kamen jedoch während der Schreckensherrschaft unter Romanos I. ums Leben, als Schergen das Bankhaus von Zenons Schwager ausgeraubt und niedergebrannt hatten. Zwischenzeitlich hatten Theophano und ihr Gatte die Kleine adoptiert und bei sich im Palast aufgenommen. Fortan war Sophia ihrem Traum, eine Prinzessin zu sein, einen großen Schritt näher gekommen. Romanos hatte die Kleine schon vor einigen Jahren kennen gelernt und sich prächtig mit ihr verstanden. Inzwischen war das Mädchen sieben Jahre alt.
Die Frage ihres Bruders verwirrte Theophano dann ein wenig. "Im Privaten?", fragte sie laut lachend und nahm den Silberbecher entgegen, den ihr Bruder ihr reichte, wartete, bis er
einen Schluck trank und nippte erst dann selbst an dem Wein, den er ihr offeriert hatte. "Du kennst ihn deutlich länger als ich, schließlich seid ihr gemeinsam aufgewachsen, Witzbold." Dass Romanos meinte, sie habe unsagbares Glück, mit Zenon verheiratet zu sein, sah sie auch so. "Er ist so gut zu mir... und er kann prächtig mit den Kindern! Aber höre ich da ein wenig Neid?", konterte sie gekonnt und nahm nun einen richtigen Schluck aus ihrem Weinbecher. Bei ihrem Bruder fühlte sie sich merkbar wohler als an vielen anderen Orten und vergaß so oft ihre eigentlich introvertierte Art. "So oft sind wir gar nicht allein. Eigentlich haben wir immer die Kinder um uns herum. Warte nur ab, bis Zoe ihres bekommt und Alexandros etwas älter wird. Das wirst du schon merken." Wieder musste Theophano lachen und blieb ihrem Bruder im Grunde eine Antwort schuldig.

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Samstag, 24. März 2018, 12:17

Von all seinen Schwestern stand ihm Theophano am nächsten. Dies lag vermutlich in ihrer introvertierten, ruhigen Art begründet. Romanos konnte sich nicht erinnern, dass sie ihm jemals widersprochen hätte. Sie schien ihren einzigen Bruder zu vergöttlichen. Romanos' Zwillingsbruder Leon war ja kurz nach der Geburt verstorben. Eine seltsame Fügung, dass Konstantinos VII. und Helena Lekapene mit nur einem überlebenden Sohn, aber sechs Töchtern gesegnet worden waren. Höchst ungewöhnlich, dass alle von diesen das Erwachsenenalter erreicht hatten, geistig gesund und körperlich attraktiv waren. Es war für den objektiven Betrachter indes schwer zu sagen, welche unter ihnen die schönste war. In jedem Fall war Theophano sicherlich in der engeren Wahl, was das anbelangte.

"Die Vorsehung wollte es, dass diese schwere Bürde auf meinen zarten Schultern lastet", gab sich Romanos voller Selbstmitleid ob seiner kaiserlichen Würde, um die ihn viele beneideten. Natürlich gehörten zum Kaiseramte nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten, gerade auch im Bezuge auf die Orthodoxie, deren oberster Hüter man war. "An die kleine Sophia erinnere ich mich gerne", meinte der Kaiser dann und dachte an das seinerzeit bereits sehr aufgeweckte Mädchen zurück, das einen schweren Schicksalsschlag erleiden musste, indem es im Bürgerkrieg die Eltern verlor. Freilich fand es in Theophano und Zenon die bestmöglichen Stiefeltern, hatte sie Sophia doch adoptiert. Eigentlich konnte Romanos wenig mit Kindern anfangen, doch es gab eben auch gewisse Ausnahmen.

Auf galante Art wusste die Schwester den intimen Fragen des Bruders auszuweichen, verwies auf seine enge Freundschaft mit Zenon und führte an, diesen nicht halb so gut zu kennen wie es Romanos tat. "Ich kenne ihn freilich über viele Jahre hinweg, doch als meinen besten Freund, nicht aber im Bett. Das ist ja nun doch etwas anderes", schmunzelte der Kaiser und wurde nun deutlicher. "Neid wäre das falsche Wort, Schwesterlein. Nur würde ich eben gerne die mir bislang verborgenen Facetten meines treuen Zenon kennenlernen." Wieder verwies sie auf die Kinder und erwähnte nun auch Zoes Schwangerschaft und den Thronfolger Alexandros. "Ich habe bereits darüber nachgedacht, Alexandros in absehbarer Zeit zum Basileus krönen zu lassen. Es ist wichtig vorzusorgen." Die meisten byzantinischen Thronfolger wurde bereits zu Lebzeiten des Vaters zum Mitkaiser erhoben, so auch Romanos seinerzeit selbst, von daher wäre es keine Ausnahme.

Neben ihr sitzend, legte Romanos nun brüderlich seine Hand um Theophanos Schulter. "Trinkt er, bevor er sich nachts zu dir gesellt? Schläft er vor dir ein? Schnarcht er gar?" Der Kaiser grinste. "Ich nehme an, er ist sehr zärtlich zu dir. Wo berührt er dich denn so? Zeig es mir." Er führte ihre Hand zu sich.

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Montag, 26. März 2018, 20:44

Theophano hatte bisweilen ganz vergessen, wie schön es war, mit ihrem Bruder einige Zweisamkeit genießen zu können. Seit sie die Kinder nahezu rund um die Uhr beschäftigten musste und sie einen Ehemann hatte, der unterhalten werden wollte, blieb ihr Bruder in letzter Zeit ein wenig außen vor. Insgeheim hoffte sie, dass Romanos ihr das nicht übel nahm. "An manchen Tagen redet Sophia pausenlos von dir. Du musst wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Wenn deine Zeit es zulässt, lass uns doch einmal gemeinsam mit den Kindern im Garten spazieren gehen." Theophano lächelte. Die Gänge des privaten Traktes waren inzwischen erfüllt von tapsenden Kinderschritten, lebten inzwischen doch nicht weniger als sage und schreibe vier Kinder hier. Mit dem neuen Nachwuchs des Kaiserpaares würde es bald noch mehr. "Zu schade, dass keine unserer Schwestern bisher kein Kind ihr eigen nennen darf. Ich würde gerne noch viele Male erneut Tante werden." Zoe hatte mit ihrem letzten Gatten einen ordentlichen Griff ins Klo gelandet, nachdem Romanos sie mit diesem jungen Doukas verheiratet hatte. Theodora dachte wohl nicht im Geringsten daran, sich die (in ihren Augen) Handschellen der Heirat anlegen zu lassen, während Annas Ehemann seit dem Bürgerkrieg als verschollen galt.

Dass Romanos nun direkter wurde überraschte Theophano nicht, schließlich kannte sie ihn und seine direkte Art. Nach inzwischen vier Jahren als Kaiser hatte er wohl jegliche Hemmschwelle verloren und war sich seiner Stellung mehr als bewusst. Auch dass er sie nun ganz unverblümt fragte, wie er denn im Bett sei, war keine allzu große Überraschung, denn er hatte in der Vergangenheit bereits Kommentare in diese Richtung gemacht. Auch die Gerüchte, der Kaiser ließe sich mit dem ein oder anderen Buben ein, hielten sich seit Jahren Palast, sodass sie durchaus einen gewissen Wahrheitsgehalt haben mussten. Verwerflich fand Theophano daran in des nichts, letzten Endes konnte sie es gar nachvollziehen, denn wer konnte einem gut aussehenden, attraktiven Mann schon widerstehen?

Als Romanos erwähnte, er wolle seinen Sohn womöglich schon bald zum Basileus krönen lassen, fuhr Theophano ihm vorsichtig durch sein güldenes Haar. Was das Haupthaar anbelangte, so kamen sie und ihr Bruder gänzlich nach der Mutter, die selbst ein Blondschopf war - eher ungewöhnlich für die Region, doch wiederum einzigartig. Im Gegensatz zu Romanos hatte Theophano selbst noch helleres Haar, das einer Mischung aus Gold und Platin glich, eben wahrlich hochgeboren. "Es wird bestimmt eine wunderschöne Zeremonie. Er ist zwar noch jung, doch wird er sich an diesen Tag sicher auch in ferner Zukunft noch erinnern. Ich habe gehört, du hast Mutter die Erziehung von Alexandros überlassen?", hakte sie nun nach. "Eine wunderbare Entscheidung, wenn man bedenkt, was für ein wundervoller Mensch aus dir geworden ist." Die dunkle Seite des Kaisers, die Manglabitai mit einem Flammenwerfer verschmoren zu vermochte, kannte Theophano nicht. Vielleicht wollte sie sie auch nicht kennen. In ihren Augen war Romanos schon immer ihr lieber, kleiner Bruder, und stets - oder zumindest meistens - unfehlbar.

Erneut kam Romanos auf ihren Gatten zu sprechen und stellte diesmal ganz direkte Fragen. Theophano nippte an ihrem Silberbecher und lehnte sich zurück, während sie eine nachdenkliche Miene machte.
"Zenon trinkt nicht sehr viel", antwortete sie schließlich nach einer kurzen Pause. "Nicht viel" war relativ, aber in der Relation zu Romanos oder dem Altkaiser Konstantinos wohl beinahe noch untertrieben, aber auf jeden Fall adäquat. "Manchmal schläft er vor mir ein. Dann lege ich meinen Kopf auf seine Brust und höre ihm beim Atmen zu. Ich könnte Stunden lang so daliegen", schwärmte sie und wurde sich erneut bewusst, welchen Glückstreffer sie mit ihrem Ehemann hatte. Letzten Endes war es die Entscheidung ihres Bruders gewesen, eine seiner Schwestern mit seinem besten Freund zu verheiraten. Innige Blicke, schüchterne Worte und heimliche Beobachtungen hatten die beiden jedoch schon lange vorher ausgetauscht, sodass es zu guter Letzt eine glückliche Fügung des Schicksals gewesen war, als Romanos es Zenon gar offen hielt, zwischen seinen Schwestern zu wählen. "Schnarchen? Nein, nein. Manchmal atmet er sogar so leise und liegt so regungslos da, dass man meinen könnte, er lebt gar nicht mehr. Wie unschuldig und verwundbar in diesen Momenten aussieht..." Theophanos Blick wirkte ganz verloren, nahezu glasig sah sie eine nicht identifizierbare Stelle irgendwo auf einem der Teppiche an, als sei dort ein hartnäckiger Fleck, während sie sich in ihren Gedanken verlor. Plötzlich fing sie sich wieder und lachte auf einmal.
"Manchmal ist er zärtlich. Vor allem zu Beginn, ich erinnere mich an unsere Hochzeitsnacht, als die Heirat vollständig vollzogen wurde. Er war sehr vorsichtig und liebevoll. Manchmal habe ich Schmerzen, vor allem am Anfang, aber er sorgt stets dafür, dass es uns beiden gefällt. Meine größte Sorge war, dass ich es nicht schaffe, ihm einen Sohn zu schenken. Seit der Geburt von Alexios hat sich vieles entspannt."
Tatsächlich hatte Theophano deswegen oft Nächte lang wach gelegen und auch mit ihren Eltern gesprochen. "Manchmal nimmt er sich aber auch das, was er möchte. Ich muss sagen, inzwischen finde ich Gefallen daran...", fügte sie ein wenig kleinlaut hinzu.

Auf die Nachfrage hin, wo er sie denn berührte und Romanos sie schließlich gar aufforderte, es ihm zu zeigen, stellte sie ihren Weinbecher ab und setzte sie auf dem Sofa so hin, dass sie ihren Bruder nun direkt ansehen konnte und nur einige Zentimeter von ihm entfernt war. Wortlos legte sie ihre Hand auf seine Wange, streichelte sanft darüber, während sie Romanos aus ihren eisig-grünblauen Augen ansah. Behutsam legte sie ihre andere Hand nun an den Nacken ihres Bruders und näherte sich mit ihrem Gesicht langsam den seinigem, sodass sie seinen warmen Atem auf ihrer zarten Haut spüren konnte. Sanft berührte sie mit ihre Nase die von Romanos, während sie ihm unablässig in die Augen sah. Als sie meinte, etwas Nervosität seitens Romanos spüren zu können, drückte sie ihm einen feuchten Kuss auf die Wange und musste erneut so heftig lachen, dass sie sich auf den Rücken zurückfallen ließ.

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Samstag, 31. März 2018, 19:30

Dass die kleine Sophia vom Kaiser einen solch bleibenden Eindruck bekommen hatte, verwunderte Romanos dann doch einigermaßen. Scheinbar hatte er auf Kinder keine so üble Wirkung, auch wenn er sich selbst einredete, mit diesen wenig anfangen zu können. Er bejahte dann auch durchaus Theophanos Anfrage, ob man nicht beizeiten gemeinsam mit den Kindern im Garten spazieren gehen sollte. Thronfolger Alexandros war mittlerweile immerhin schon vier Jahre alt. Als Theophano die Kinderlosigkeit der übrigen Schwestern thematisierte, musste der Kaiser schmunzeln. Tatsächlich hatte es bislang keine andere zustande gebracht, ein Kind zu gebären. Agatha, die Gattin des Konstantinos Phokas, würde wohl auch vergeblich darauf hoffen, kannte man die Vorlieben ihres Gatten.

Ein nüchterner Betrachter hätte wohl ungläubig die Augenbrauen verzogen, als die Kaisarissa von der wunderbaren Entscheidung sprach, Alexandros der Obhut der Kaiserinmutter Helena zu überlassen. Die Kritiker des Kaisers sahen gerade bei ihr die Schuld für seine wankelmütigen und oftmals überheblichen Charakterzüge. Es war ja auch nicht unbedingt ein Vertrauensbeweis für Kaiserin Zoe, dass Romanos seiner Mutter den bisher einzigen Sohn überließ. Doch durfte Zoe ja bald schon selbst auf Nachwuchs hoffen. Die Merkmale ihrer Schwangerschaft konnte sie bereits seit geraumer Zeit nicht mehr verbergen.

Dann begann die Kaiserschwester mit den Ausführungen über ihren Gemahl Zenon. Hier wurde Romanos besonders hellhörig, interessierte ihn dies doch am meisten. "Ein vorbildlicher Ehemann", meinte der Kaiser dann, auf die Trinkgewohnheiten seines besten Freundes referierend. Tatsächlich hatte er selbst schon des Öfteren bemerkt, dass sich Zenon zurückhielt und zum Zechen selten aufgelegt war. Vielleicht befürchtete er ja, die Kontrolle über sich selbst zu verlieren, wenn er berauscht war. Deswegen legte er sich wohl eine in diesen Kreisen recht ungewöhnliche Zurückhaltung zu, galten die Byzantiner doch als weinseliges Volk. Bei den weiteren Ausführungen Theophanos musste Romanos stellenweise tief durchatmen, vernahm er doch zum ersten Male Details aus dem Intimleben der beiden, die ihm bis dato nicht bekannt waren. "Eine sehr harmonische Eheverbindung", merkte er kurz angebunden an. Offenbar gab Zenon gut acht auf sein Eheweib, auch wenn er zuweilen mehr zu wollen schien. Aber auch damit hatte Theophano scheinbar keine Probleme. Dass sie tonangebend war in diesen Liebesdingen, konnte sich Romanos ohnehin kaum vorstellen. Dazu war seine Lieblingsschwester zu introvertiert und schüchtern.

Soviel zur Theorie, doch sollte nun ja gewissermaßen die praktische Demonstration erfolgen. Tatsächlich hatte die Schwester auch hiermit augenscheinlich kein Problem. Als sie die brüderliche Wange berührte, schloss derselbe kurz die Augen und stellte sich vor, es handle sich um Zenon. Freilich fixierte sie ihn danach unablässig, so dass er ihrem Blick gar nicht ausweichen konnte. Sein Atemzug wurde vermehrt hitzig. Das bildhübsche Antlitz Theophanos machte es Zenon gewiss auch leicht, tiefgehende Gefühle für sie aufzubringen. Gerade als die Spannung den Siedepunkt erreichte, liebkoste sie Romanos' Wange und ließ sich fast kindlich lachend rückwärts auf den Rücken fallen. Der Kaiser war einen Moment lang noch ganz betört ob dieser Vorstellung, ehe auch er in ihr Lachen mit einstimmte.

"Faszinierend, ganz faszinierend", meinte er dann und gewann allmählich die Fassung zurück. Er griff wieder nach seinem Weinbecher und fuhr fort: "Unsere außenpolitischen Anstrengungen werden es in nächster Zeit bedingen, dass ich mich intensivst mit dem Reichskanzler besprechen muss." Indem er nicht Zenons Namen direkt nannte, versuchte er dem Gesagten eine nüchternere Feststellung zu verleihen. "Ich gehe davon aus, dass du dies verstehst. Zudem dürftest du ja mit den Kindern ohnehin beschäftigt sein", versuchte er Theophano ein etwaiges Unbehagen darüber von vornherein auszureden. Konkret wollte er sich mit Zenon eben bis ins kleinste Detail austauschen, um allen Eventualitäten vorzubeugen. "Die diplomatischen Bemühungen hinsichtlich Ostfrankens sind nun mal das Ressort deines Gatten", fügte er hinzu und verschonte Theophano mit der genauen Planung, die sie wohl ohnehin nur bedingt interessierte. Dass nämlich die Diplomatie nur als Ablenkungsmanöver fungieren sollte, um die wahren Absichten des Reiches zu verschleiern, war in der letzten Kronratssitzung ohnehin bereits beschlossen worden. Und es war ja noch nicht einmal übertrieben. Natürlich musste die Staatsraison vorgehen vor dem eigenen Liebesleben. Eine willfährige und gehorsame Schwester würde das schon kapieren.

6

Mittwoch, 4. April 2018, 22:08

Egal worüber sie sprachen, Theophano genoss einfach die Gesellschaft ihres Bruders, der für sie nicht besser hätte sein können. Sie hatte es wirklich gut getroffen, sowohl was ihre Eltern anging, als auch ihre Geschwister. Gut, die Unterschiede zu Theodora waren unübersehbar und schlugen sich auch im Verhältnis der beiden wieder - Theophano liebte ihre Schwester, doch hatten sie eben nicht viel gemeinsam. Mit Zenon hatte sie zudem ein gutes Los gezogen, vor allem wenn man bedachte, mit wem sich ihre anderen Schwestern abzugeben hatten: Zoe, die Teridates Doukas hatte heiraten müssen, einen weibischen Kerl, dem inzwischen nicht mehr zufiel als eine Fußnote in den Geschichtsbüchern und Agatha, die mit Konstantinos Phokas einen Mann geheiratet hatte, der mehr Augen fürs eigene Geschlecht hatte als für seine eigene Gattin. Dass dies zudem Bardas Phokas nicht schmecken durfte, da Konstantinos die letzte Hoffnung auf Nachwuchs innerhalb der Phokadai war, interessierte Theophano dann weniger als die fehlende Zuneigung und die Gefühlswelt ihrer Schwester.

Offenbar konnte sich auch Romanos darüber freuen, dass sein bester Freund mit Theophano eine gute Ehefrau abbekommen hatte. Sie war eben genau so erzogen worden, dass sie die Pflichten erfüllte, die mit ihrem Stand eben einherkamen. Gerade hier fanden sich große Unterschiede zu ihrer Schwester Theodora, die wohl im Traum nicht daran dachte, sich verheiraten zu lassen, auch wenn mit den Rechten und Privilegien einer Porphyrogennete eben auch gewisse Pflichten verbunden waren. Schließlich gab es einen Grund, warum Romanos Kaiser wurde und nicht die erstgeborene Tochter.


Romanos schien für einen Moment verwirrt, ganz offenbar hatte er mit einer derartigen Vorführung nicht gerechnet. Theophano setzte sich wieder auf und umarmte ihren Bruder. Erneut gab sie ihm einen Kuss auf die Wange, diesmal jedoch deutlich zarter und viel weniger feucht, so wie sie es in ihrer geschwisterlichen Liebe eben in der Regel tat. Der Autokrator erwähnte nun, dass Zenon in den nächsten Wochen deutlich eingespannter sein würde, als bisher. Er wirkte dabei angestrengt unbeteiligt und erwähnte den Namen seines Schwagers nicht, was Theophano ein wenig stutzig machte. Eigentlich waren Rommy und ihr Gatte seit ihrer Kindheit gute Freunde. "Gibt es einen Zwist zwischen euch?", fragte sie nun daher unverblümt und ergriff die Hand ihres Bruders. "Ich würde es nicht aushalten, wenn etwas zwischen den beiden wichtigsten Männern meines Lebens steht." Schon vor langer Zeit hatten Romanos und Zenon ihren Vater auf Platz 1 dieser Liste verdrängt. Nahm man die Frauen hinzu, wäre es wohl eine zu dritt geteilte Führung zwischen den beiden und der Kaiserinmutter Helena.
Romanos fügte nun hinzu, dass die diplomatischen 'Bemühungen' bezüglich Ostfranken in den Aufgabenbereich ihres Gatten fielen. "Ostfranken?", fragte Theophano, die über das politische Geschehen und die anstehenden Kriegshandlungen bezüglich Zypern und Ostfranken nichts wusste. "Gibt es etwa noch mehr Ärger? König Otto wird doch nicht verspätet auf die Annullierung deiner Ehe mit Eirene reagieren, oder?" Dass Otto in Italien eingefallen war, hatte Theophano am Rande mitbekommen, doch hielt sie diese Sache augenscheinlich für eine Lapalie und verstand es mehr als einen symbolischen Akt, schließlich waren die Gebiete längst ohne Widerstand der Ostfranken wieder in byzantinische Hände gelangt. "Zenon spricht nicht viel über die Politik. Ich frage in der Regel nicht danach und ich glaube, er will mich damit nicht langweilen. Vielleicht möchte er in meiner Gesellschaft auch einfach den Kopf frei bekommen."


7

Montag, 16. April 2018, 19:00

Gab es am byzantinischen Kaiserhofe so etwas wie die Reinheit in Person, so war dies zweifellos Theophano Porphyrogennete. Sie war von einer absoluten und völligen Aufrichtigkeit, wie man diese höchst selten vorfand. Selbst im Kloster hätte man schwerlich eine formvollendetere Persönlichkeit, die sich durch vollumfängliche Güte und Rechtschaffenheit auszeichnete, ausfindig machen können. Zenon durfte sich wirklich glücklich schätzen, gerade mit dieser Kaiserschwester vermählt worden zu sein. Die fünf anderen hatten dieses Unschuldige keinesfalls so ausgeprägt mit auf den Weg bekommen.

Gern ließ Romanos die geschwisterliche Umarmung und Liebkosung über sich ergehen, als Theophano plötzlich, für sie fast untypisch, eine ernste Frage stellte und dazu des Kaisers Hand umfasste. "Einen Zwist zwischen Zenon und mir? Oh nein, nicht im Ansatz", beruhigte er sie wahrheitsgemäß. "Alles in bester Ordnung." Er schien selbst davon überzeugt zu sein. "Bevor ich es vergesse: Damianos Doukas ist zurückgekehrt. Vielleicht erinnerst du dich noch an ihn." Tat sie fraglos, war der nämliche doch ein ständiger Begleiter in der Kindheit ihres Bruders gewesen. Gewissermaßen der Dritte im Bunde neben Zenon. "Er hat sich für das Dasein eines Eunuchen entschieden", fügte der Kaiser noch hinzu. Nichts gänzlich Untypisches, wenngleich doch ein völlig anderer Karrierezweig, als ihn Zenon eingeschlagen hatte.

Dann kamen sie doch noch auf die große Politik zu sprechen. Theophano machte keinen Hehl daraus, dass sie davon wenig mitbekam und vermutlich auch wenig mitbekommen wollte. Ihr war das wohl einerlei, solange ihre Familie, Freunde und Bekannten nicht unmittelbar davon betroffen waren. "Es wird einen Krieg im Westen geben, Theo", erwiderte Romanos ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. "Es mag sein, dass Eirene eine undurchsichtige Rolle dabei spielte, als ihr Vater in Italien einfiel. Ungesühnt kann und wird das jedenfalls nicht bleiben. Doch sorge dich nicht. Für uns in der Hauptstadt wird sich dadurch nichts ändern." Dass tausende junge Männer, die durchaus auch aus Konstantinopel stammten, bald schon in den Krieg ziehen und nicht alle von ihnen zurückkehren würden, blendete Romanos geflissentlich aus. Da Zenon Zarides sowieso kein Militär war, wäre er sowieso aus dem Schneider und würde bestimmt nicht mitziehen. Dies war wohl das Wichtigste für Theophano.

8

Sonntag, 22. April 2018, 14:28

Theophanos Gesichtszüge entspannten sich, als Romanos ihr bekräftigte, zwischen ihm und Zenon sei alles "in bester Ordnung". Dann erwähnte er, dass Damianos Doukas nach Konstantinopel zurückgekehrt sei und sich sogar habe kastrieren lassen. "Damianos... natürlich", erwiderte sie und lächelte. Sie konnte sich gut daran erinnern, dass Romanos, Zenon und der Doukas in ihrer Kindheit viel Zeit miteinander verbracht hatten. Theophano hatte das Ganze immer aus der Ferne beobachtet, zum einen war es ihr nicht gestattet gewesen, mit den Jungen zu spielen, zum anderen schien sie als Kind ebenso wie heute nicht allzu extrovertiert gewesen zu sein, um sich ihnen überhaupt annähern zu wollen. Stattdessen wuchs sie ganz wohlbehütet von Mutter und Mägden auf, malte und lernte sogar, ein Instrument zu spielen.
Dass Damianos sich freiwillig dazu entschieden hatte, sich entmannen zu lassen; dass sich überhaupt jemand freiwillig dazu entscheiden konnte, war etwas, das die Kaisarissa nicht verstehen konnte und wollte. Natürlich öffneten sich dadurch Tor und Tür, was eine Karriere am Hof anging, doch verzichtete man damit freiwillig auf das Gründen einer Familie, das Weiterführen einer Dynastie und bußte nebenbei Ansehen und Respekt ein. Ob sich die Doukai deswegen wohl von Damianos distanziert hatten?

Das Lächeln im Gesicht der blonden jungen Frau erstarrte, als Romanos ihr eröffnete, dass es einen Krieg geben würde. Es war noch kein volles Jahr vergangen, seit Frieden herrschte. Wie konnte ihr Bruder da nur erneut in den Krieg ziehen? Erinnerungen stiegen in Theophano auf, Bilder, die sie ihr Leben nicht mehr aus dem Kopf bekommen würde. Der Geruch nach Tod und Verderben, das Knistern, das in der Luft lag, das Geschrei von Soldaten, die in den Kampf zogen. Mitten drin Theophano und einige ihrer Hofdamen, an ihrer Hand die kleine Sophia, auf der Flucht zum Hafen. Mit Schrecken erinnerte sie sich an das Schiff, auf das sie gebracht wurden, die Rufe der Seemänner, der verängstigte Blick Sophias, deren Eltern zurückgeblieben waren. Während das Schiff auslief und sich auf den Wellen schaukelnd immer weiter von der Hauptstadt entfernte, fiel diese in die Hände der Armee des Usurpators. Selbst nachdem sie kilometerweit entfernt waren, sah man die Rauchschwaden über ihrer einstigen Heimat.
Selbst die beruhigenden Worte ihres Bruders, in der Hauptstadt würde sich durch den Krieg nichts ändern, schienen Theophano nicht aufmuntern zu können. Damals war man schließlich von selbiger Tatsache ausgegangen; unzählige Male hatte man gehört, Konstaninopel sei uneinnehmbar. Eine einzelne Träne bahnte sich den Weg ihrer Wange entlang nach unten und tropfte auf das Kleid, das sie trug. Es war, als habe sie auf einmal einen unendlich großen Kloß im Hals, das Schlucken fiel ihr schwer.
Sie gab Romanos einen sanften Kuss auf die Wange und verließ die Gemächer, ohne ein weiteres Wort zu sagen.

9

Dienstag, 24. April 2018, 15:19

Wie kritisch Theophano das Eunuchentum sah, konnte der Kaiser allenfalls ahnen. Dass damit automatisch ein Ansehensverlust verbunden gewesen wäre, traf jedenfalls mitnichten zu. Es kam natürlich immer darauf an. Den eigenen Erben hätten die Doukai schwerlich dafür hergegeben, so dass der jüngere Sohn Damianos sich dazu entschloss – und dies scheinbar aus eigenem Antrieb heraus.

Dass es bald wieder Krieg geben würde, schien die Schwester dann allerdings einigermaßen zu verstören. Aus ihrer Sicht konnte man dies nachvollziehen, obwohl auch Romanos ja ungute Erfahrungen gemacht hatte während des Krieges. Doch all dies musste nunmehr hintanstehen, ging es doch um etwas Größeres: die Glorie des Imperiums. Persönliche Belange waren dem in jedem Falle unterzuordnen.

Nach einem Kuss auf die Wange verabschiedete sich Theophano jedenfalls wortlos. Romanos wollte sie nicht aufhalten. Mit ihr über den Sinn des Krieges zu diskutieren, wäre auch müßig gewesen. Sie war zu devot, um ihrem Bruder offen zu widersprechen, doch ahnte Romanos durchaus, dass sie Bedenken hegte. Diese sprach sie indes nicht aus, sondern zog sich lieber zurück. Vermutlich war dies Theophanos Art, eine Antwort zu geben. Zumindest etwas nachdenklich blieb der Kaiser dann jedenfalls schon zurück.