Verfassung des Kathedralkapitels von Konstantinopel


Diese Verfassung wurde festgelegt zu Konstantinopel im Jahre des Herrn 945 durch den Patriarchen und die Mitgliedern des Kathedralkapitels. Sie stellt die Funktionen und die Zusammensetzung des Kathedralkapitels von Konstantinopel dar. Die Provisionen der Verfassung sind bindend und können nur durch die festgeschriebene Prozedur geändert werden.


Titel I - Zusammensetzung des Kathedralkapitels
  1. Das Kathedralkapitel besteht aus 32 Mitgliedern.
  2. All jene Mitglieder sollen angesehene Mitglieder der Konstantinopolitaner Gesellschaft sein, über 25 Jahre alt, gesund im Geiste und gottesfürchtig. Auch müssen alle männlich sein.
  3. Mitglieder des Kathedralkapitels müssen zwingend aus dem 1. Stand kommen.
  4. Dem Kathedralkapitel vorstehen soll ein Dekan, sodass es jeweils einen solchen gibt und der Rest des Kathedralkapitel aus Kapitularen besteht.
  5. Der Patriarch von Konstantinopel soll nicht Mitglied des Kathedralkapitels sein, aber ein Beisitzrecht haben.
  6. Jede Änderungen in dieser Verfassung muss von einer Zweidrittelmehrheit verabschiedet werden, jede Aufnahme ins Kathedralkapitel aber mit einer einfachen Mehrheit.

Titel II - Ämter im Kathedralkapitel
  1. Es ist nötig, sich als Kathedralkapitel einmal pro Jahr zu versammeln zum Zwecke der Wahl zur Bestätigung des Dekan.
  2. Es ist außerdem nötig, sich zu versammeln, um beim Falle des Todes, des Amtsverzichts oder der schlechten Amtsausführung eines Dekan einen Amtsnachfolger zu bestimmen.
  3. Dem Dekan obliegen die Finanzen, die Verwaltung des Gutes des Kathedralkapitels und die Vertretung des Kathedralkapitels nach außen. Ferner steht er dem Kathedralkapitel nach innen hin vor. Er kann die Kapitulare zu Aufgaben einteilen und ist verantwortlich für sie.

Titel III - Pflichten des Kathedralkapitels
  1. Es ist die wichtigste Pflicht des Kathedralkapitels, dem Patriarchen als beratendes Organ zur Seite zu stehen.
  2. Alle Mitglieder des Kathedralkapitels haben die Pflicht, sich zu treffen, sowie sie vom Dekan oder aber vom Patriarchen einberufen werden.
  3. Es obliegt den Mitgliedern des Kathedralkapitels, die Messen in der Hagia Sophia zu lesen, und seelsorgerische Aufgaben ebendort zu verrichten, sowie dies nicht der Patriarch tut.
  4. Das Kathedralkapitel überwacht etwaige Bauarbeiten an der Hagia Sophia.

Titel IV - Rechte des Kathedralkapitels
  1. Das Kathedralkapitel ergänzt sich gegenseitig durch Kooptation, es ist also das Recht des Kathedralkapitels, Lücken in der Mitgliedschaft selber auszufüllen.
  2. Das Kathedralkapitel hat das Recht, sich den Dekan selber zu erwählen.
  3. Es hat das Kathedralkapitel das Recht, Kapitulare abzusetzen.
  4. Das Kathedralkapitel ist eine juristische Person und kann deshalb auch Geld und Gut besitzen, welches ihm als Budget vom Patriarchat zugestanden wird und welches es ausgeben kann zugunsten der Weiterentwicklung der Hagia Sophia und der Ausübung des Glaubens ebendort.
  5. Zudem verfügt das Kathedralkapitel über die Kathedralfreiheit, das heißt, im Bereich im und um die Hagia Sophia sowie im Patriarcheion besteht Abgabe- und Gerichtsfreiheit.
  6. Fürderhin steht den Mitgliedern des Kathedralkapitels eine Entgeltung für ihr Wirken zu.

Titel V - Rechte des Patriarchen gegenüber dem Kathedralkapitel
  1. Zwar hat der Patriarch kein Stimmrecht, jedoch hat er ein Vetorecht und kann jede Entscheidung des Kathedralkapitels blockieren.
  2. Der Patriarch darf ebenso wie das Kathedralkapitel Kapitulare entlassen.
  3. Der Patriarch darf Änderungen im Kathedralkapitel wie auch neue Mitglieder ebenso wie jeder Kapitular vorschlagen.
  4. Im Bereich der Kathedralfreiheit in Konstantinopel, also in der Hagia Sophia, am umgrenzenden Gelände und im Patriarcheion, besitzt der Patriarch die höchste Rechtssprechung.


   
 www.byzantinisches-reich.eu