Statuta Legis Criminalis Canonici Constantinopolitani Anno Domini DCCCXXXXV


Wir, der im Jahre des Herrn DCCCCXXXXV (945) in Konstantinopel versammelte Klerus des Patriarchats Konstantinopel,erkennen die Notwendigkeit eines eindeutigen Strafkodex in unserem Patriarchat an, um dem sündigen Wesen Einhalt zu gebieten und sicher zu stellen, dass die Sünder entsprechend des Geistes der heiligen und einzigen Kirche Gottes bestraft werden. Dies tun wir zum Zwecke des Zusammenhaltes der Herde der Gläubigen und zur Besserung der Disziplin in der Kirche. Möge Gott verhindern, dass wir uns genötigt sehen, allzu oft die hier festgesetzten Strafen anzuwenden, und möge er uns Weisheit und Einsicht walten lassen in unseren Urteilen.


Titel I - Allgemeines

  1. Dieses Statut zielt darauf ab, das kirchliche Strafrecht in verständlicher Form zusammenzustellen und die in seinem Wirkungskreis anzuwendenden Strafen darzustellen.
  2. Dieses Statut gilt für das Patriarchat Konstantinopel wie in allen ihm unterstellten Bistümern.
  3. Dieses Statut ist verbindlich und muss nicht nur in griechischer, sondern auch in lateinischer Sprache bekannt gegeben werden.
  4. Dieses Statut bezieht sich auf alle Gläubigen, da es das angeborene Recht der Kirche ist, über alle Gläubigen zu richten, selbst die, die von der einzig wahren Kirche Gottes abgefallen sind.
  5. Da Kleriker nicht dem weltlichen Recht unterstehen, unterliegen sie strafrechtlich dem Kirchenrecht.
  6. Dieses Statut gilt unter Vorbehalt anders lautender päpstlicher Beschlüsse, deren Existenz, Gültigkeit und Anwendbarkeit von der sich auf sie stützenden Partei erbracht werden muss.
  7. Wenn Verbrechen von der weltlichen Gerichtsbarkeit bestraft werden, so werden kirchliche Strafen für jene Vergehen nicht mehr verhängt.
  8. Das kirchliche Strafrecht zielt vorläufig darauf ab, die Straftäter zur Einsicht und Rückkehr zu bewegen, die Bestrafung ist eine weltliche Angelegenheit.
  9. Die Strafen in ihrer vollen Härte sind nur anzuwenden, wenn der Ordinarius sich vergewissert hat, dass eine Rückkehr oder Reue beim Straftäter unwahrscheinlich oder unvorstellbar ist. Bevor sich der Richter der Unbelehrbarkeit des Delinquenten nicht gewiss ist, sei eine mildere Strafe anzuwenden.
  10. Der Richter darf Strafen im Laufe der Zeit, so der Straftäter nicht Reue empfindet, stufenweise erhöhen.
  11. Kumulative Strafen sind möglich.

Titel II - Strafarten
  1. Es gibt zuerst die Beugestrafen. Jene sind rein spirituelle Strafen.
  2. Die Beugestrafen sind der Kirchenbann, die Exkommunikation, das Interdikt sowohl für Personen wie auch Ortschaften und die Suspendierung.
  3. Der Kirchenbann schiebt eine Trennwand zwischen dem Menschen und Gott. Der Verurteilte ist dazu verdammt, nach seinem Tod in die Hölle zu fahren. Jene kann nur der Patriarch oder der Papst verhängen. Zudem bedeutet der Kirchenbann den Verlust der Kirchengemeinschaft. Diese Strafe kann nur vom Papst für außerordentliche Verbrechen verhängt werden.
  4. Die Exkommunizierung bedeutet den Verlust der Kirchengemeinschaft. Exkommunzierte sind von den Sakramenten ausgeschlossen, dürfen kirchliche Ämter nicht ausüben und können nicht kirchlich begraben werden.
  5. Interdikte bedeuten für eine Person, dass sie Gottesdiensten nicht mehr beiwohnen darf, und für einen Ort, dass dort keine Gottesdienste gefeiert werden dürfen.
  6. Fürderhin gibt es die Sühnestrafen. Diese sind von physischerer und körperlicherer Natur als Beugestrafen.
  7. Die Sühnestrafen bestehen aus der Versetzung, der Abschiebung in ein Kloster, der Entlassung aus dem Klerikerstand, der Verlust eines kirchlichen Amtes, Aufenthaltsverbot, und Arrest.
  8. Als Bestrafung für kleinere Verstöße können auch Bußen auferlegt werden.
  9. Zudem gibt es Strafen, bei deren Verurteilung der Sünder der weltlichen Gerichtbarkeit auszuliefern ist. Diese Strafen können nicht Geistlichen auferlegt werden, jene müssen dazu erst laisiert werden.
  10. Auch kann die Kirche finanzielle Wiedergutmachung bei einem Verbrechen verlangen.

Titel III - Straftaten gegen die Religion
  1. Häresie nennt man die nach Empfang der Taufe erfolgte beharrliche Leugnung einer kraft göttlichen und orthodoxen Glaubens zu glaubenden Wahrheit oder einen beharrlichen Zweifel an einer solchen Glaubenswahrheit. In ihrer Natur ist sie eine besonders schlimme Sünde, die mit dem Kirchenbann oder zumindest mit der Exkommunikation bestraft wird. Zudem wird bei Klerikern, die der Häresie anheimfallen, der Papst gebeten, den Kleriker aus dem ersten Stand zu entlassen. Fürderhin ist es notwendig, unbelehbare Häretiker an die weltliche Gerichtsbarkeit zu übergeben.
  2. Schisma nennt man die Verweigerung der Unterordnung unter den Papst oder der Gemeinschaft mit den diesem untergebenen Gliedern der Kirche. Dies wird mit der Exkommunikation bestraft. Zudem werden Kleriker, die Schisma betreiben, suspendiert, und sind auf mindestens ein Jahr hin einzusperren; wenn danach noch kein Willen zur Umkehr gezeigt wird, wird der Papst gebeten, den Kleriker aus dem ersten Stand zu entlassen.
  3. Apostasie nennt man die Ablehnung des christlichen Glaubens im Ganzen, dies wird mit der Exkommunikation bestraft. Zudem werden Kleriker, die Schisma betreiben, suspendiert, und sind auf mindestens ein Jahr hin einzusperren; wenn danach noch kein Willen zur Umkehr gezeigt wird, wird der Papst gebeten, den Kleriker aus dem ersten Stand zu entlassen.
  4. Wer einem Häretiker, einem Schismatiker oder einem Apostaten Unterschlupf oder Schutz gewährt, dem soll die selbe Strafe zugefügt werden wie dem in den Schutz genommenen Straftäter selbst.
  5. Eltern oder solche, die Elternstelle vertreten, welche die nichtorthodoxe Taufe oder Erziehung ihrer Kinder veranlassen, sollen mit einem Interdikt bestraft werden.
  6. Wer die eucharistischen Gestalten wegwirft oder in sakrilegischer Absicht entwendet oder zurückbehält, zieht sich die Exkommunikation als Tatstrafe zu; ein Kleriker kann außerdem mit einer weiteren Strafe belegt werden, die Entlassung aus dem Klerikerstand nicht ausgenommen.
  7. Wenn jemand etwas vor einer kirchlichen Autorität versichert oder verspricht und dabei einen Meineid leistet, soll er mit einer gerechten Strafe belegt werden, im Falle eines Klerikers mit einer Gefängnisstrafe von nicht weniger als drei Monaten.
  8. Wer in einer öffentlichen Aufführung oder Versammlung oder durch öffentliche schriftliche Verbreitung oder sonst unter Benutzung von sozialen Kommunikationsmitteln eine Gotteslästerung zum Ausdruck bringt, die guten Sitten schwer verletzt, gegen die Religion oder die Kirche Beleidigungen ausspricht oder Hass und Verachtung hervorruft, betreibt Blasphemie. Ein Blasphemist ist zu exkommunizieren. Kleriker sind auf mindestens ein Jahr hin einzusperren; wenn danach noch kein Willen zur Umkehr gezeigt wird, wird der Papst gebeten, den Kleriker aus dem ersten Stand zu entlassen, damit man ihm der Weltlichkeit übergebe.
  9. Wer die Bibel predigt, aber kein Kleriker ist, muss exkommuniziert werden.
  10. Wer als Flagellant oder Begine durch die Lande marodiert, muss exkommunziert werden. Außerdem sind Wiedergutmachungen an alle zu leisten, die durch die Verwüstungen, verursacht durch Flagellanten und Beginen, geschädigt wurden.

Titel IV - Straftaten gegen die kirchliche Autorität
  1. Wer physische Gewalt gegen einen Patriarchen oder einen Bischof anwendet, zieht sich die Exkommunikation als Tatstrafe zu, wenn es ein Kleriker ist, auch eine Gefängnisstrafe, in schwerwiegenden Fällen auch die Entlassung aus dem Klerikerstand. Auch soll der Missetäter, soweit nicht Kleriker, der Weltlichkeit übergeben werden. Wer hingegen physische Gewalt gegen einen sonstigen Kleriker anwendet, ist mit einem Interdikt zu bestrafen. Es können je nach Situation weitere Strafen, zum Beispiel Gefängnisstrafen, gegeben werden.
  2. Mit einer gerechten Strafe, mindestens einer Versetzung oder aber einem Interdikt, soll belegt werden, wer dem Patriarchen, dem Ordinarius oder dem Oberen, der rechtmäßig gebietet oder verbietet, nicht gehorcht und nach Verwarnung im Ungehorsam verharrt.
  3. Wer sich gegen eine Maßnahme des Patriarchen an einen Kleriker wendet, soll versetzt oder mit einem Interdikt belegt werden.
  4. Wer öffentlich wegen irgendeiner Maßnahme der kirchlichen Gewalt oder eines kirchlichen Amtes Streit der Untergebenen oder Hass gegen den Patriarchenstuhl oder den Ordinarius hervorruft oder die Untergebenen zum Ungehorsam gegen diese auffordert, soll mit dem Interdikt, gegbenenfalls der Suspension und mindestens einer anderen gerechten Strafe belegt werden.
  5. Wer die Freiheit eines Dienstes, einer Wahl, der kirchlichen Gewalt oder den rechtmäßigen Gebrauch geistlicher oder anderer kirchlicher Güter behindert oder einen Wähler oder einen Gewählten oder jemanden einschüchtert, der kirchliche Gewalt oder einen kirchlichen Dienst ausübt, kann mit einer gerechten Strafe, mindestens aber einem Interdikt und bei Klerikern mit einem Arrest belegt werden.
  6. Wer eine bewegliche oder unbewegliche heilige Sache entweiht, soll mit einem Interdikt und gegenfügig einer Suspension belegt werden und gegebenenfalls eine finanzielle Wiedergutmachung erstatten.

Titel V - Amtsanmassung und Amtsmissbrauch
  1. Die Tatstrafe des Interdikts und in schweren Fällen der Exkommunizierung oder, falls es sich um einen Kleriker handelt, der Suspension, zieht sich zu, wer ohne Presbyterweihe das eucharistische Opfer zu feiern versucht; oder wer, obwohl er die sakramentale Absolution nicht gültig erteilen kann, diese zu erteilen versucht oder die sakramentale Beichte hört.
  2. Wer außer in den obrigen Fällen eine Sakramentenspendung vortäuscht, soll mit einer gerechten Strafe belegt werden.
  3. Wer Simonie betreibt, soll mindestens mit dem Interdikt oder der Suspension bestraft werden, bei besonders schwerwiegenden Fällen mit einer Gefängnisstrafe. Durch Simonie erlangte Amtserhebungen sind ungültig.
  4. Wer sich ein Kirchenamt anmaßt, soll mit der Exkommunikation belegt werden. Einer widerrechtlichen Amtsanmaßung wird der unrechtmäßige Amtsverbleib nach Entzug des Amtes oder nach Ausscheiden aus dem Amt gleichgesetzt.
  5. Ein Bischof, der jemanden ohne patriarchalen Auftrag zum Bischof weiht, und ebenso, wer von ihm die Weihe empfängt, zieht sich die Exkommunikation als Tatstrafe zu.
  6. Einem Bischof, der widerrechtlich zum Presbyter, Diakone, Hypodiakone oder Agnosten geweiht hat, wird für ein Jahr verboten, eine Weihe zu spenden. Wer aber eine Weihe so empfangen hat, ist ohne weiteres von der empfangenen Weihe suspendiert.
  7. Wer, außer in den oben genannten Fällen, eine Aufgabe eines Presbyters oder einen anderen geistlichen Dienst unrechtmäßig ausübt, kann mit einer gerechten Strafe belegt werden.
  8. Wer irgend etwas schenkt oder verspricht, damit jemand, der einen Dienst in der Kirche ausübt, etwas unrechtmäßig tut oder unterläßt, soll mit mindestens einer Buße belegt werden; ebenso, wer diese Schenkungen oder Versprechungen annimmt.
  9. Ein Presbyter, der bei der Spendung des Bußsakramentes oder bei Gelegenheit oder unter dem Vorwand der Beichte einen Pönitenten zu einer Sünde gegen das sechste Gebot des Dekalogs zu verführen versucht, soll, je nach Schwere der Straftat, mit Suspension, mit Verboten, mit Entzug von Rechten und, in schwereren Fällen, mit der Entlassung aus dem Klerikerstand bestraft werden.
  10. Ein Beichtvater, der das Beichtgeheimnis direkt verletzt, zieht sich die Exkommunikation als Tatstrafe zu; verletzt er es aber nur indirekt, so soll er je nach Schwere der Straftat bestraft werden.
  11. Wer kirchliche Gewalt oder einen kirchlichen Dienst missbraucht, soll je nach Schwere der Tat oder Unterlassung bestraft werden, den Amtsentzug und eine Kerkerstrafe nicht ausgenommen.

Titel VI - Verleumdung, Fälschung und finanzielle Delikte
  1. Wer einen Beichtvater ungerechtfertigt und niederträchtig wegen einer Verletzung des Beichtgeheimnis anzeigt, zieht sich die Tatstrafe des Interdiktes zu, und, wenn es sich um einen Kleriker handelt, auch die Suspension.
  2. Wer einem kirchlichen Oberen eine andere verleumderische Anzeige eines Delikts macht oder sonst den guten Ruf eines anderen verletzt, soll mit einer angemessenen Beugestrafe bedacht werden.
  3. Der Verleumder kann in beiden oben genannten Fällen auch gezwungen werden, eine angemessene Wiedergutmachung zu leisten.
  4. Je nach Schwere des Vergehens kann mit einer gerechten Strafe, vor allem mit der Pflicht einer finanziellen Wiedergutmachung, aber auch einer Gefängnisstrafe, belegt werden, wer ein falsches öffentliches kirchliches Dokument herstellt oder ein echtes verändert, zerstört, unterdrückt oder ein falsches oder verändertes Dokument benutzt; oder wer ein sonstiges gefälschtes oder verändertes Dokument in einer kirchlichen Angelegenheit verwendet; oder wer in einem öffentlichen kirchlichen Dokument falsche Angaben macht.
  5. Wer kirchliches Geld veruntreut, soll die veruntreute Summe wieder erstatten, und mit einem Interdikt und einer Suspension, gegebenenfalls mit einer Kerkerstrafe, bestraft werden.
  6. Wer ohne die vorgeschriebene Erlaubnis Kirchenvermögen veräußert, soll mit Interdikt belegt werden und Wiedergutmachung erstatten.
  7. Wer Wucher betreibt, muss den Zins zurückerstatten und wird mit einem Interdikt belegt. Wenn ein Kleriker Wucher betrieben hat, ist er zu suspendieren.
  8. Wer stiehlt, raubt oder betrügt, muss das Gestohlene oder Geraubte zurückerstatten, und wird gegebenenfalls mit einer Suspension und einer Gefängnisstrafe bestraft.

Titel VII - Straftaten gegen klerikale Verpflichtungen
  1. Kleriker, die entgegen den kanonischen Vorschriften Gewerbe und substantiellen Handel betreiben, sollen je nach Schwere des Vergehens bestraft werden.
  2. Wer die ihm aus einer Bestrafung auferlegten Verpflichtungen verletzt, kann mit einer gerechten Strafe belegt werden.
  3. Ein Kleriker, der eine Eheschließung versucht, zieht sich die Tatstrafe der Suspension zu; wenn er aber trotz Verwarnung nicht zur Einsicht gekommen ist und fortfährt, Ärgernis zu geben, kann er schrittweise mit Entzug von Rechten und auch mit der Entlassung aus dem Klerikerstand bestraft werden.
  4. Ein Kleriker, der in einem eheähnlichen Verhältnis lebt, sowie ein Kleriker, der in einer anderen äußeren Sünde gegen das sechste Gebot des Dekalogs verharrt und dadurch Ärgernis erregt, sollen mit der Suspension bestraft werden, der stufenweise andere Strafen bis zur Entlassung aus dem Klerikerstand hinzugefügt werden können, wenn die Straftat trotz Verwarnung andauert.
  5. Ein Kleriker, der sich auf andere Weise als oben genannt gegen das sechste Gebot des Dekalogs verfehlt hat, soll, wenn nämlich er die Straftat mit Gewalt, durch Drohungen, öffentlich oder an einem Minderjährigen unter vierzehn Jahren begangen hat, mit gerechten Strafen, beispielsweise eine Kerkerstrafe, belegt werden, gegebenenfalls die Entlassung aus dem Klerikerstand und die Übergabe an die Weltlichkeit nicht ausgenommen.
  6. Wer die Residenzpflicht schwer verletzt, an die er aufgrund eines Kirchenamtes gebunden ist, soll mit einer gerechten Strafe belegt werden, nach erfolgter Verwarnung den Amtsentzug nicht ausgenommen.
  7. Ein Kleriker, der Chirurgie durchführt, soll mit einer angemessenen Bußstrafe bedacht werden, bei besonders bedenklichen Fällen sollte eine Kerkerstrafe von angemessener Länge verhängt werden.
  8. Die grobe Vernachlässigung eines kirchlichen Amtes führt zur Absetzung oder Suspension des Amtsinhabers.

Titel VIII - Straftaten gegen Leben und Freiheit des Menschen
  1. Wer einen Menschen tötet oder durch Gewalt oder Täuschung entführt, festhält, verstümmelt oder schwer verletzt, soll je nach Schwere der Straftat mit Rechtsentzügen und Verboten, sowie auch einer Gefängnisstrafe und finanzieller Wiedergutmachung, oder aber Verlust des Klerikerstandes und Übergabe an die Weltlichkeit, bestraft werden.
  2. Wer eine Abtreibung vornimmt, zieht sich mit erfolgter Ausführung die Tatstrafe der Exkommunikation zu. Weitere Strafen müssen nach Ermessen des Ordinarius ausgeteilt werden.

Titel IX - Straftaten gegen die göttliche Ordnung
  1. Hexerei ist die Ausübung von wider- und übernatürlichen Kräften. Die Strafe hierfür ist die Exkommunikation. Kleriker, die dessen überführt werden, müssen aus ihrem Stand entlassen werden. Hexen und Hexer sollen der Weltlichkeit übergeben werden.
  2. Sodomie ist widernatürlicher Geschlechtsverkehr. Insbesondere ist dabei der gleichgeschlechtliche Geschlechtsverkehr hervorzuheben, aber auch die Liebe von Toten und Tieren. Die Strafe hierfür ist die Exkommunikation. Kleriker, die dessen überführt werden, müssen aus ihrem Stand entlassen werden. Sodomiter sollen der Weltlichkeit übergeben werden.
  3. Aberglaube ist der Glaube an heidnische mythologische Überbleibsel und somit abzulehnen. Abergläubische sind mit einem Interdikt zu belegen. Besonders auffälliger und latenter Aberglaube kann als Ketzerei interpretiert werden und ist dementsprechend zu behandeln.
  4. Transvestitismus ist es, wenn eine Frau Männerkleider oder ein Mann Frauenkleider anzieht. Dieses Verhalten ist mit einer Arreststrafe oder aber einem Interdikt zu bestrafen und kann auch als Ketzerei interpretiert werden.
  5. Wer vor Gott gültig verheiratet ist und die Ehe bricht, sei es durch Unzucht oder Bigamie, ist mit einem Interdikt zu belegen, gegebenenfalls zu exkommunizieren.
  6. Wer auf Gott oder die Heiligen einen Meineid leistet, ist mit einem Interdikt zu belegen, gegebenenfalls zu exkommunizieren.

Titel X – Allgemeine Norm
  1. Außer den Fällen, die in diesem oder in anderen Gesetzen geregelt sind, kann die äußere Verletzung eines göttlichen oder eines kanonischen Gesetzes nur dann mit einer gerechten Strafe belegt werden, wenn die besondere Schwere der Rechtsverletzung eine Bestrafung fordert und die Notwendigkeit drängt, Ärgernissen zuvorzukommen oder sie zu beheben.

Titel XI - Der Umgang mit Straftätern
  1. Niemand wird bestraft, es sei denn, die von ihm begangene äußere Verletzung von Gesetz oder Verwaltungsbefehl ist wegen Vorsatz oder Fahrlässigkeit schwerwiegend zurechenbar.
  2. Straffrei bleibt, wer bei Übertretung eines Gesetzes oder eines Verwaltungsbefehls das vierzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat; oder gehandelt hat aufgrund physischer Gewalt oder aufgrund eines Zufalls, den er nicht voraussehen oder, soweit vorhergesehen, nicht verhindern konnte; oder durch schwere Furcht gezwungen oder aufgrund einer Notlage oder erheblicher Beschwernis gehandelt hat, sofern jedoch die Tat nicht in sich schlecht ist oder zum Schaden der Seelen gereicht; oder aus Notwehr einen gegen sich oder einen anderen handelnden ungerechten Angreifer unter Beachtung der gebotenen Verhältnismäßigkeit abgewehrt hat; oder des Vernunftgebrauchs entbehrte; oder der Inquisition oder einer äquivalenten geistlichen oder kirchlichen Organisation angehörte und Folter zum Zwecke der Wahrheitsfindung einsetzte, jedoch nicht mehr, als absolut nötig war für diesen Zweck.
  3. Der Straftäter bleibt nicht straffrei, aber die im Gesetz oder Verwaltungsbefehl festgesetzte Strafe muß gemildert werden oder an ihre Stelle muß eine Buße treten, wenn die Straftat begangen worden ist von jemandem, der einen nur geminderten Vernunftgebrauch hatte; oder von jemandem, der schuldhaft wegen Trunkenheit oder ähnlich gearteter Geistestrübung ohne Vernunftgebrauch war; oder aus schwerer Leidenschaft, die jedoch die Verstandesüberlegung und die willentliche Zustimmung nicht gänzlich ausschaltete und behinderte, und nur wenn die Leidenschaft selbst nicht willentlich hervorgerufen oder genährt wurde; oder von einem Minderjährigen, der das vierzehnte Lebensjahr vollendet hat; oder von jemandem, der durch schwere Furcht gezwungen oder aufgrund einer Notlage oder erheblicher Beschwernis gehandelt hat, wenn die Straftat in sich schlecht ist oder zum Schaden der Seelen gereicht; oder von jemandem, der aus gerechter Notwehr einen gegen sich oder einen anderen handelnden ungerechten Angreifer abgewehrt und dabei nicht die gebotene Verhältnismäßigkeit beachtet hat; oder von jemandem, der ohne volle Zurechenbarkeit eine Handlung vorgenommen hat, sofern nur die Zurechenbarkeit schwerwiegend bleibt; oder von jemandem, der nach getaner Tat seine aufrichtiger Reue dem Richter überzeugend beweist.
  4. Härter als Gesetz oder Verwaltungsbefehl es bestimmen, kann der Richter bestrafen denjenigen, der nach der Verhängung oder der Feststellung einer Strafe weiterhin in seinem strafwürdigen Verhalten verharrt, so daß aus den Begleitumständen vernünftigerweise auf sein Verharren im schlechten Wollen geschlossen werden kann; oder denjenigen, der sich in einer höheren Stellung befindet oder der seine Autorität oder sein Amt zum Begehen einer Straftat mißbraucht hat; oder einen Täter, der, obwohl eine Strafe für eine schuldhafte Straftat festgesetzt ist, den Ausgang vorhergesehen hat und gleichwohl Vorsichtsmaßnahmen zu ihrer Vermeidung unterlassen hat, die jeder Gewissenhafte angewendet hätte; oder diejenigen, die besonders konsequent und zu sehr großem Ausmaß Sünden wider den kirchlichen Gesetzen begangen haben.
  5. Wer zum Begehen einer Straftat etwas getan oder unterlassen hat und trotzdem unabhängig von seinem Willen die Straftat nicht vollendet hat, zieht sich nicht die für die vollendete Straftat vorgesehene Strafe zu.
  6. Diejenigen, die durch gemeinsame Planung einer Straftat an einer Straftat mitwirken und im Gesetz oder im Verwaltungsbefehl nicht ausdrücklich genannt sind, werden, wenn gegen den Haupttäter Spruchstrafen festgesetzt sind, den gleichen oder anderen Strafen derselben oder aber geringerer Schwere unterworfen.
  7. Wenn der Richter denkt, dem Ansehen der Kirche könnte irreparabler Schaden durch eine rigide Anwendung der vorgeschriebenen Strafmaßnahmen zugefügt werden, so muss er nach gutem Gewissen das Strafmaß in vernünftigen und der Situation angemessenen Dimensionen erheben oder senken.
  8. Wenn der Richter sich davon überzeugt hat, dass der Straftäter nach seiner Bestrafung sein Vergehen bereut, sollen jenem die Beugestrafen erlassen werden; die Erlassung der Sühnestrafen ist dem Richter überlassen.


   
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