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Rhomäisches Reich: Eine Heiratsverbindung zwischen dem Imperium und dem Königreich Armenien ist beschlossen worden: Der armenische Kronprinz wird Thekla Lekapene Argyre ehelichen.
Kirchenstaat: Der Papst hat Legaten nach Konstantinopel und Augsburg entsandt. Des Schelmenromans zweiter Teil "Neues vom Theodul" erweist sich als Verkaufsschlager.
Alemannien: Dem Papstdarsteller Theodoulos Philanthropenos wird vor einem Kirchengericht in Augsburg der Prozess gemacht.

[Gemächer des Autokrators] Krieg oder Frieden?

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Donnerstag, 1. November 2018, 23:24

Krieg oder Frieden?

Kurz nach den Feierlichkeiten zum Geburtstag des Kaisers war ein Schreiben des Generals und kaiserlichen Oheims Romanos Argyros per Eilpost in der Reichshauptstadt angekommen. Letztlich ging es darin um die Frage, ob man an der Ostgrenze einen offenen Krieg mit dem Kalifat riskieren wollte oder nicht. Zwar gab es im Osten ohnehin häufig kleinere Scharmützel und gehörten dort Grenzüberschreitungen gleichsam zum Alltag, doch hatte vor allen Dingen die Brandschatzung von Theodosioupolis dem Ganzen eine neue Qualität aufgesetzt.

Anders als man vielleicht erwartet hätte, berief der Kaiser in dieser Frage weder den Reichsmarschall Bardas Phokas noch den Reichskriegsminister Gregorios Monomachos zu sich, womit er im Grunde genommen beide einigermaßen brüskierte, waren sie doch die ersten Ansprechpartner in der Sache. Vielmehr bestellte er seinen neuen Günstling, den Protoarchitektonas Konstantinos Phokas, zumindest Sohn des Bardas, ein. Desweiteren wurde ausgerechnet der Protovestiarios Kosmas Laskaris herbeigerufen. Niemand der drei Anwesenden wusste um die denkbar enge Verwandtschaft der beiden Berater, war doch auch Kosmas ein natürlicher Sohn des Bardas Phokas. Ein Geheimnis, um das nach jetzigem Stande allein der Eunuch und sein Erzeuger wussten. Dass er den zweithöchsten Eunuchen und nicht den höchsten, Damianos Doukas, herbei rief, war durchaus gewollt. Ein wenig musste man das Prinzip divide et impera schließlich auch hier ausüben.

Selbstredend war der Protovestiarios schneller zur Stelle, stand er doch auf Abruf gleichsam jederzeit bereit und bewohnte die Gemächer direkt neben denjenigen des Kaisers. So kam es, dass sich Romanos und Kosmas bereits angeregt unterhielten, als man Konstantinos ankündigte. Ob sich die beiden bisher überhaupt je wirklich über den Weg gelaufen waren, wusste Romanos nicht; zumindest war es aber das erste persönliche Treffen in seiner eigenen Gegenwart.

"Mein Protoarchitekt", begrüßte der Kaiser seinen Schwager freundlich und stellte ihm kurz den Protovestiarios vor. "Wir unterhielten uns gerade über dieses Schreiben meines Oheims Argyros", begann er und reichte nun auch Konstantinos das Pergament von der Ostgrenze. "Was sagst du dazu, Konstantinos?", fragte er ihn, um sofort nachzuschieben: "Ich denke, es ist nur würdig und recht, auf die Provokation von neulich in Theodosioupolis scharf zu reagieren." Damit verdeutlichte Romanos sogleich seine Haltung und machte es den Günstlingen leicht, auf dieselbe einzuschwenken, wollten sie ihm schmeicheln.

"Gerade die Meinung eines Eunuchen würde mich hier brennend interessieren, lieber Kosmas", meinte er auch zu diesem, damit er sich nicht außen vor fühlte. "Was also raten mir meine treuen Paladine?", endete der Kaiser erst einmal, beide Hände auf die Schultern der zwei Ratgeber gelegt und selbst gleichsam im Zentrum stehend.

Konstantinos Phokas

Protoarchitektonas tes Rhomaikes Autokratorias

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Samstag, 3. November 2018, 14:31

Ganz unerwartet wurde Konstantinos durch einen Kurier davon in Kenntnis gesetzt, dass seine Anwesenheit in des Autokrators Gemächern erwünscht sei. Er solle unverzüglich dorthin kommen. Der Kaisar spazierte also angemessenen Schrittes zum Palast und begab sich schnurstracks in den ihm nur allzu wohl bekannten Privattrakt. Er kannte sich hier genau so gut aus wie im Lausospalast.
Bestens gelaunt grüßte er die Manglabites mit einem militärischen, jedoch lässig ausgeführten Salut und betrat nach kurzem Anklopfen die Gemächer des Kaisers. Romanos war indes bereits mitten im Gespräch mit einer Person, die dem Phokas bekannt vorkam. Und nach einem Moment erinnerte er sich auch, wer dieser jemand war: Kosmas Laskaris, der Fremde, den er vor einiger Zeit im Lausospalast getroffen und sogar gemeinsam gefrühstückt hatte. „Mein Kaiser“, erwiderte Konstantinos ganz ähnlich die Begrüßung des Romanos, dann nickte er lächelnd dem ihm bekannten Mann zu. „Kosmas.“

Kaum dazugestoßen, hielt ihm der Kaiser auch schon ein Stück Pergament entgegen. Scheinbar ein Schreiben des brutalen Schlächters Romanos Argyros, dem Oheim des Autokrators. Schnell überflog er das Pergament und zog eine Augenbraue hoch. Der General schien einen Angriff auf das Kalifat im Osten erzwingen zu wollen. Scheinbar handelte er dort wirklich unerhört eigenmächtig; auch die Anwesenheit des armenischen Königs war dem Phokas nicht entgangen. Konstantinos reichte dem Kaiser das Pergament und rieb sich die Schläfe. „Interessant. Der Überfall der Muselmanen ist mir bekannt. Allerdings auch die eigenmächtigen Reaktionen deines Oheims.“ Dazu gehörte der Übertritt der Reichsgrenze nach Armenien und die dortige illegale Aushebung von Rekruten. „Zunächst finde ich das provokative Handeln deines Oheims ohne jedweden Befehl – von dir oder vom Reichskriegsministerium - ein wenig … hm … gelinde gesagt, unerhört und frech. Vergessen wir nicht, dass mein Vater und sein Kollege, der Herr Reichskriegsminister, eifrig am planen sind. Feldzüge, auch gegen nicht so mächtige Gegner, müssen wohl geplant sein; Peinlichkeiten jedweder Art müssen wir uns unbedingt ersparen, den Nimbus der Unbesiegbarkeit und der Perfektion auf jeden Fall erhalten.“

Als der Kaiser ihm die Hand auf die Schulter legte, schloss er kurz die Augen. Alleine die Berührung durch den Autokrator ließ selbst seinen Schwager erschauern; als würde man von Gott berührt werden.
Dass Romanos nunmehr jede Hand auf einem Phokas ruhen hatte, wusste Konstantinos natürlich nicht. Für ihn war Kosmas Laskaris einfach irgendein Eunuch, der ihm allerdings äußerst sympathisch war. „Die Armee ist wie ein feines Zahnrad. Und dieses wird von diesem Hof aus gesteuert. Hier befindet sich sozusagen der Schlüssel, der das ganze aufdreht. Daher finde ich ein derart eigenmächtiges Handeln bedenklich, entschuldige, Oheim hin oder her. Aber immerhin schickte er dir diese Nachricht und bat für sein weiteres Handeln um Erlaubnis. Das ist ja wohl das Mindeste, immerhin bist du der Kaiser und oberste Kriegsherr und du allein entscheidest über Krieg und Frieden.“ Die Kritik am Oheim verpackte der Phokas in eine Huldigung an den Kaiser.

Romanos schien indes vom Gedanken eines Feldzuges überaus angetan zu sein. Konstantinos rümpfte kurz die Nase, dann gab er auch hierzu seine Meinung preis: „Wenn man ihn ordentlich plant, würde so ein Feldzug bestimmt eine Kleinigkeit für unsere Armee darstellen. Mein Vater, aber auch der Monomachos, sind die wohl besten Kenner des Ostens. Beide waren sie gemeinsam über Jahrzehnte dort tätig gewesen. So erzählte es mir jedenfalls mein ehrwürdiger Vater. Grundsätzlich stimme ich dir also zu, wer sich einmal provozieren lässt, ohne zu reagieren, der wird noch einmal provoziert; und sich so etwas gefallen zu lassen, wie diese Überfälle, wäre ein Zeichen von Schwäche. Da kämen die Ratten aus ihren Löchern gekrochen und glaubten, an unserem Käse knabbern zu können. Ich spreche mich also für einen Feldzug aus, doch soll er nach guter rhomäischer Art genau geplant werden, Hand und Fuß haben.“
Er neigte sein Haupt vor dem Kaiser. „Dein Oheim ist als brutaler Schlächter bekannt, das wissen wir beide. Anstatt den Gegner niederzumetzeln, könnte man ihn ganz wunderbar in Arbeitslagern einsetzen…zumindest die Gesunden und Fähigen in Steinbrüche und dergleichen deportieren…kostenlose Arbeitskräfte, deren Verschleiß zugleich die Lösung des Problems, nämlich ihrer Existenz, mit sich bringt.“ Bei den letzten Worten grinste er breit und er brauchte wohl nicht zu betonen, welchem Zwecke diese Arbeitslager dienen würden, nämlich dem Aufbau ihrer künstlichen Prachtstadt.

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Samstag, 3. November 2018, 16:28

Dass Konstantinos Phokas den Kosmas Laskaris bereits kennen musste, ergab sich aus der vertrauten Anrede, die er ihm zuteil werden ließ, als er eintrat. Woher und in welchem Zusammenhang sich die beiden kannten, war dem Kaiser nicht geläufig; es spielte auch keine so bedeutende Rolle, als dass er dem nun auf den Grund hätte gehen müssen. Gegen Konstantinos wirkte Kosmas ziemlich klein. Man wäre im Traume nicht darauf gekommen, dass sie denselben Vater hatten, wobei man dazu sagen musste, dass keiner von ihnen äußerlich etwas vom starken Bardas geerbt zu haben schien, sie beide wohl nach ihren Müttern gingen.

Der Protoarchitektonas gab sich ganz staatstragend, indem er einigermaßen deutlich Kritik übte an der Amtsführung des kaiserlichen Oheims Romanos Argyros, der ja aufgrund seiner Heirat mit Agatha Porphyrogennete auch gewissermaßen sein eigener angeheirateter Onkel war. Zunächst konnte man eine Verwunderung heraushören, dass der Kaiser nicht die naheliegendsten Ansprechpartner in militärischen Dingen, seinen Vater Bardas und Gregorios Monomachos, zu Rate gezogen hatte. Tatsächlich war es im besten Sinne typisch byzantinisch, dass nun ausgerechnet zwei Kaisergünstlinge, die mit Krieg reichlich wenig zu schaffen hatten, die ersten Ansprechpartner des Kaisers waren. Konstantinos mochte in der Hinsicht sogar noch einiges an Erfahrung vorweisen können, doch Kosmas verkörperte den effeminierten Eunuchen ja geradezu beispielhaft. Genau das, was die Militärs seit langem ankreideten, hier konnte man es in natura erleben. Eigentlich völlig ungeeignete Männer und Halbmänner entschieden über Krieg oder Frieden.

"Argyros ist ein Eigenbrötler, war es immer. Seine Methoden sind teilweise äußerst fragwürdig. Er hat in Alemannien den Hochverräter Wido von Brescia eiskalt eigenhändig hingerichtet, noch bevor dieser seine letzte Beichte tun konnte." Mit einer Mischung aus Verwundung und Bewunderung dachte der Kaiser daran zurück. "Seine eigenmächtigen Vorstöße gegen Armenien waren zwar auf der einen Seite fragwürdig, doch eröffneten sie uns auf der anderen Seite den Weg zum lange angestrebten rhomäischen Protektorat über dieses Königreich. Vielleicht hat die Vorsehung gerade ihn zu meinem Werkzeug auserkoren." Er blickte dazu pathetisch gen Himmel.

Von seinen Günstlingen erst einmal ablassend, schritt der Kaiser ein paar Schritte durch den Raum. "Die Frage, die sich stellt, ist nicht: Krieg oder Frieden, sondern vielmehr, wie der Krieg genau geführt werden soll", stellte Romanos klar. "Es ist undenkbar, dass diese Ungläubigen mit ihrem infamen Angriff auf eine unserer Städte ungeschoren davonkommen." Er blickte in die Richtung seines Schwagers. "Geplant will es sein, fürwahr, daher werden dein Vater und der Reichskriegsminister auch einen detaillierten Angriffsplan entwerfen, der Argyros zuzusenden ist." Damit bezog der Kaiser nun doch noch den professionellen Militärs mit ein, auch wenn sie nicht einmal vorgeladen worden waren.

"Ausgezeichneter Einfall. Es wird sich auf dem zu erobernden Terrain genügend Gelegenheit ergeben für diese Einrichtungen, in denen alles ordentlich zentralisiert und verdichtet werden soll. Es dürfte keinen geeigneteren Mann geben als meinen Oheim, um dies voranzutreiben." Auch hier pflichtete der Kaiser seinem Schwager also bei. "Unsere Vision von Romanoupolis soll schließlich Realität werden. Eine gewaltige Metropole im Osten", meinte er dann erklärend zum Laskaris, der darüber bisher nicht eingeweiht war.

"Liebe Freunde, es gibt noch einen weiteren Grund, weswegen wir uns gen Osten wenden müssen", fuhr der Kaiser schließlich fort und schritt zu einem Tisch, wo bereits drei identisch scheinende Kelche mit Wein gefüllt worden waren. Er ergriff einen und bedeutete Konstantinos und Kosmas, dass sie es ihm gleichtun sollten. Das Trinkgefäß langsam hebend, betrachtete Romanos es eingehend. Es war aus purem Gold und mit kostbaren Edelsteinen besetzt. "So in etwa muss er aussehen, nur noch ungleich prächtiger", begann er in einem Anfluge von Faszination. "Der Heilige Gral, der Kelch unseres Erlösers Iesous Christos, der das ewige Leben verleiht." Des Kaisers Augen funkelten, während er nun mit seinen beiden Gästen anstieß. "Ich will ihn haben, koste es, was es wolle."

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Sonntag, 4. November 2018, 09:41

Kosmas hatte sich zuerst einmal zurückgehalten. Er wollte nicht den Eindruck erwecken das er sich anmasste mehr über politische und militärische Dinge zu verstehen als der junge Phokas. Es war ja schon erfreulich genug das ihn der Autokrator zu dieser Unterredung dazugerufen hatte. Zusätzlich war er froh das Bardas Phokas, der Erzeuger von sowohl Konstantinos und ihm, nicht eingeladen war. Kosmas hätte sich garantiert nicht getraut vor dem alten General militärische Ratschläge zu geben. Nun jedoch gab er wohlüberlegt von sich:

"Ein Krieg im Osten wäre fürwahr eine grossartige Fortsetzung Eurer erfolgreichen Feldzüge, doch muss ich mich der Warnung Konstantinos anschliessen. Es wäre unglücklich wenn der Argyros einen Triumph im Osten seiner eigenen militärischen Stärke und nicht der überlegenen Macht des rhomäischen Reiches und seines Autokrators zuschreiben würde. Dies könnte ihn zu unangemessenen Schlussfolgerungen kommen lassen. Ihm eine klare siegreiche Strategie aus dem Kaiserpalast vorzugeben würde dies unterbinden. Siegt er so aufgrund der genialen Strategie von Euch, mein Basileus, und versagt er so kann dies nur an seiner eigenen inkomptetenten Ausführung Eurer Strategie gelegen haben."


Das eine solche Strategie natürlich von Bardas Phokas geschrieben würde und dies die Position des alten Fuches gegenüber des Argyros stärken würde erwähnte er natürlich nicht, doch war es ein willkommener Nebeneffekt den sicher auch Konstantinos gut fand. Die Nutzung von Gefangenen als Arbeitskräfte interressierte ihn dann sehr. Dies könnte die Lösung für eines seiner Probleme sein. Von der Wahnsinnsidee einer gigantischen Metropole im Osten lies er sich nicht ablenken. Das war ja mal wieder eine typische Romanosidee. Schnell stimmte er zu und sagte:

"Eine hervorragende Idee! Romanoupolis! Ihr seit für wahr der wiedergeborene Alexander! Auch ich stimme zu das man Gefangene lieber nutzen als abschlachten sollte. Konstantinos, ich hoffe ihr könnt ein paar der gebildeten jungen Männer unter den Gefangen erübrigen. Der neue Palast in Romanoupolis wird viele Eunuchen brauchen und auch hier im Palast wäre Verstärkung hilfreich. Ich würde es sehr schätzen wenn man den jungen Männern unter den Gefangenen die lesen und schreiben können die Wahl zwischen dem Kastrationsmesserchen und der harten Arbeit bei den Bauvorhaben lässt. Das könnte uns mit einigen hundert motivierten Eunuchen versorgen. Sollten es mehr werden als wir brauchen, könnten wir sie gewinnbringend an die reichen Bürger Konstantinopels verkaufen."


Der Eunchenmangel war nicht wirklich so ausgeprägt wie Kosmas es darstellte doch wollte er gerne eine grosse Gruppe neuer Eunchen rekrutieren die ihm ergeben sein würden und nicht Damianos. Sollte dann noch was von den Einkünften vom Verkauf der überzähligen Eunuchensklaven in Kosmas Tasche landen wäre das sicher auch nicht schlecht. Als der Kaiser dann anfing vom Heiligen Gral zu schwafeln gelang es Kosmas gerade noch statt einem verwirrten Grinsen einen beeidnruckten Blick hinzubekommen.

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Montag, 5. November 2018, 15:29

Dass der Protovestiarios mehr konnte als der kaiserlichen Garderobe vorstehen, stellte er eindeutig unter Beweis durch seinen klugen Vortrag, der gerade den Kaiser in jedem Falle gut dastehen ließe, gleich wie dieser Vorstoß gegen Edessa denn ausginge. Zudem würde es, folgte man den Worten des Laskaris, den kaiserlichen Oheim an seine Stellung erinnern, die natürlich diejenige eines Ausführenden des kaiserlichen Willens war, den es umzusetzen galt.

"Ein geradezu genialer Gedanke", lobte Romanos den Eunuchen, der sich an diesem Tage ein besonders schickes Gewand angelegt hatte, kannte er sich mit Kleidern doch wohl besser aus als jeder andere bei Hofe. Er trat gönnerhaft an Kosmas heran und legte den Arm in fast brüderlicher Manier um dessen Schulter. "Dieser Umstand erinnert mich daran, dass ich dich längst befördern wollte. Ab sofort sollst du im Range eines Patrikios Senator sein, Kleisourarka im Adel und zudem Mitglied im Kronrat, wo du deinen weisen Rat auch in dieser illustren Runde vermehrt einbringen kannst." Es war ja tatsächlich merkwürdig, dass der zweithöchste Eunuch des Reiches bisher lediglich ein Akrita und Spatharios war. Damit zog der Laskaris mit seinem natürlichen Rivalen Damianos Doukas beinahe gleich.

Der Kaiser musste herzhaft lachen, als der Protovestiarios weiter ausführte, man sollte den gebildeten jungen Männern unter den Gefangenen die Wahl lassen zwischen schwerer körperlicher Arbeit bei der Errichtung von Romanoupolis und dem Dasein als Eunuchen. Dass Kosmas damit auch seine eigene Politik betrieb und sich eine breitere Hausmacht bei Hofe schaffen wollte, war ein netter Nebeneffekt. Bisher hatte der Doukas ja deutlich mehr Anhänger im Eunuchenstaate, doch musste dies ja nicht immer so bleiben. Bedachte man zudem, dass Damianos schwerer Alkoholiker war und seine Pflichten nur unzureichend erfüllte, mochte die große Stunde des Kosmas noch kommen.

"Ja, ihr habt recht gehört, meine Lieben", sprach der Kaiser weiter und deutete den scheinbar beeindruckten Blick des Eunuchen als Anzeichen für dessen Sprachlosigkeit. "Ich habe etliche alte Handschriften dazu studiert und bin kürzlich auf folgende vielsagende Zeilen gestoßen, die ich euch nicht vorenthalten möchte." Die kaiserliche Bibliothek beherbergte Unmengen an solchen uralten Pergamenten, von denen viele über Jahrhunderte in Vergessenheit geraten waren. Nun auch wieder den Phokas mit einbeziehend, stolzierte Romanos mit seinen beiden treuen Anhängern zu seinem Schreibtisch und kramte eine auf den ersten Blick nicht weiter auffällige Schriftrolle herbei; eine unter vielen. Außer, dass sie recht betagt erschien, war sie nicht weiter auffällig. Er rollte sie auf und suchte eine bestimmte Stelle, die er nun mit dem gebührenden Pathos laut vorlas: "'Wer nun dem Gral zu dienen ist erkoren, / den rüstet er mit überirdischer Macht; / an dem ist jedes Bösen Trug verloren, / wenn ihn er sieht, weicht dem des Todes Nacht.'" Er ließ diese Worte wirken und sagte danach einige Zeit nichts, scheinbar höchst angeregt durch ihren Klang. "Euch ist die Tragweite sicherlich begreiflich. Tausendfältig wurde darüber gemutmaßt, hier steht es nun schwarz auf weiß als unumstößliches Faktum. Mithilfe des Grales wird es mir gelingen, Megas Alexandros zurück unter die Lebenden zu holen." Er grinste mit leicht verrückter Miene. "Die ihn umgebende tödliche Nacht wird aufgrund des Grales überirdischer Macht hinweggefegt werden und ihn wieder im herrlichsten Licht des Tages erstrahlen lassen. Wie einst unser Heiland Lazarus von den Toten auferweckte, wird dies auch bei Alexandros der Fall sein." Fest davon überzeugt, war der Kaiser nun auf die Reaktion der beiden gespannt, die ihn darin sicherlich noch bestärken würden.

Konstantinos Phokas

Protoarchitektonas tes Rhomaikes Autokratorias

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Mittwoch, 7. November 2018, 20:51

Konstantinos konnte eine gewisse Überraschung über die Klugheit und Weitsicht des Kosmas Laskaris nicht verbergen. Er nickte immer wieder zustimmend zu dessen Ausführungen und verschränkte die Arme vor seiner Brust. „Dem Herrn Protovestiarios kann ich nur zustimmen. Alles Heil muss – und kann nur - von dir, Romanos, ausgehen.“

Das Ansinnen des Laskaris betraf nun direkt die Aufgabenbereiche des Phokas. Es ging darum, ein paar intelligente Leute aus den künftigen Zwangsarbeitern herauszunehmen und sie als Eunuchen in Romanoupolis einzusetzen. Konstantinos räusperte sich merklich. „Die Intelligenten brauchen wir in der Tat nicht in unseren Steinbrüchen und Lagern“, ließ er zunächst Zustimmung anklingen. „Allerdings frage ich mich doch, wie es um die Moral solcher Leute steht. Außerdem werden überhaupt nur rein-blütige Rhomäer diese Prachtstadt betreten, geschweige denn sich dort ansiedeln dürfen. Mischlinge oder gar Ausländer kommen mir da nicht rein. Tut mir Leid, aber da muss und will ich hart bleiben. Die Perfektion darf nicht durch Leute zerstört werden, die dort schlichtweg fehl am Platze sind.“

Damit stellte er sich automatisch sowohl gegen den Laskaris als auch gegen Romanos, der dieser Idee bereits zustimmte. Nach einer Lösung für dieses Problem suchend – und ein Problem war es für den perfektionistischen Phokas wirklich – überlegte er angestrengt. „Mir wäre es lieber, man würde sie anderswo einsetzen, etwa hier in Konstantinopel, wo ohnehin hundertfache Völker zusammenkommen. Von Warägern bis zu Arabern. Nur Romanoupolis soll allein jenen vorbehalten sein, die sich selbst einen echten Rhomäer nennen können.“ Eine wirkliche Lösung war das gleichwohl nicht; andererseits brauchte es doch nicht zwingend Eunuchen im Palast in Romanoupolis. Dass sich der Phokas derart daran störte zeigte indes nur, wie sehr er auf das Projekt vernarrt war. Es war sein Lebenswerk, gewidmet dem Kaiser und all seinen rhomäischen Untertanen.

Romanos beförderte indes den Laskaris zum Senator, außerdem zum Kleisourarka im Adel und ernannte ihn zugleich zu einem Mitglied des Kronrates. Konstantinos lächelte und sagte ehrlich erfreut für das Glück des Eunuchen: „Herzliche Gratulation.“
Schon wandte sich der Kaiser dem nächsten Thema zu – es ging um den Heiligen Gral. Immer wieder überraschte ihn der Kaiser mit neuen Ideen. Dieses Mal sollte es die Suche nach dem Heiligen Gral sein. Während der Kaiser darüber sprach, dass er mithilfe des Grales Megas Alexandros wiedererwecken wolle, fuhr der Blick des Phokas zum Tisch hinüber, nachsehend, ob dort etwa eine leere Karaffe Wein und ein Becher stand. Oder war er selbst angetrunken? Nein. Es waren doch bislang nur zwei Becher zum Frühstück gewesen. Seine Irritation überspielte er natürlich gekonnt. „Seit Jahrhunderten ist er verschwunden. Es würde an ein Wunder grenzen, könnten wir ihn finden. Doch Glückauf, eine Suche danach kann nicht von Schaden sein, zumal diese allerhöchste Reliquie ohnehin in unsere, das heißt, in deine geheiligten Hände gehört.“

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Donnerstag, 8. November 2018, 19:03

Durch jahrelange Erfahrung wusste Konstantinos Phokas, doppelt verschwägert mit dem Autokrator, wie er bei diesem punkten konnte. Indem er ihn gewissermaßen als einen neuen Heiland bezeichnete, schmeichelte er dem Ego von Romanos. Siege waren eindeutig dem Kaiser zuzuschreiben, Niederlagen beruhten hingegen stets auf unzureichender Ausführung der kaiserlichen Befehle. So einfach war das. Zumindest die hier Anwesenden stimmten darüber auch überein.

Nun gab es einige weitere Erläuterungen des Protoarchitektonas, dem der Gedanke nicht behagte, man könnte den Glanz von Romanoupolis durch Elemente, die nicht dorthin gehörten, gefährden. Er konnte sich nicht vorstellen, dort etwaige in Gefangenschaft Geratene, die sich zu Eunuchen kastrieren ließen, einziehen zu lassen. Der Kaiser nickte deutlich sichtbar und sprach: "Wohl wahr, mein Gedanke war auch nicht, diese Eunuchen in Romanoupolis zu haben, sondern hier in Konstantinopel. Wir laufen sonst Gefahr, einen Eunuchenmangel zu erleiden." Natürlich war dies nicht ganz ernst gemeint, schließlich wimmelte es im Großen Palast nur so von Eunuchen, die zumindest im Privaten Trakt sicherlich die Mehrheit stellten. "Sicherlich war dies auch die eigentliche Absicht des Protovestiarios", mutmaßte Romanos und blickte zu Kosmas. Was nützten ihm neue Eunuchen auch im fernen Romanoupolis, wollte dieser seine Hausmacht doch hier vor Ort ausbauen.

"Ich merke, wie sehr dir unser kleines Projekt am Herzen liegt", spielte der Kaiser das Mammutvorhaben lapidar herunter und stellte sich direkt neben Konstantinos, der ein Stück größer war. Der Kaiser liebte es, seine Günstlinge bei sich stehen zu haben, als wären sie mit ihm verwachsen, vergrößerten sie doch sein unzweifelhafte Ausstrahlung noch. Dass sein Schwager schon ein Auge auf den feschen Laskaris geworfen hatte, war ihm nicht völlig entgangen. Der nämliche, der als einziger um die Wahrheit seiner Abstammung wusste, fand dies wohl nicht unbedingt im selben Maße anregend.

"Es ist ja nicht nur irgendeine Reliquie, Konstantinos. Vielmehr würde sie mir und den von mir Auserwählten, wozu ihr beiden zweifellos zähltet, die ewige Jugend verschaffen", wollte es der Kaiser den zweien schmackhaft machen. "Ihr wäret gleichsam natürliche Anwärter auf unsere exklusive Gralsgemeinschaft." Er lachte kurz auf und ergriff den Vorsteher der kaiserlichen Garderobe am Unterarm, ihn fast wie ein Spielzeug zu sich her ziehend, um sich auf ihm abzustützen. Die Eunuchen waren ja gewissermaßen persönlicher Besitz des Kaisers, wie die sonstigen Einrichtungsgegenstände. "Wenn ich mir euch so ansehe, könnte man fast meinen, ihr würdet euch gegenseitig recht gut ergänzen." Anders als den Protovestiarios, den der Kaiser zwar pfleglich, aber doch wie einen Gegenstand behandelte, konnte der Kaiserschwager von Glück reden, nicht zum menschlichen Inventar dieser Gemächer zu gehören. Um die Neigungen des Phokas wissend, wandte sich der Kaiser an den Laskaris, was ziemlich leicht war, musste er dazu doch nur seinen Kopf etwas drehen, hatte er doch den Arm fast würgegriffartig um seine Schulter gelegt. "Würdest du dich gerne mit meinem Schwager einlassen, Kosmas?" Dazu kicherte er beinahe kindisch und war sich nicht bewusst, in welche Zwickmühle er den vermeintlichen Laskaris damit bringen mochte.

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Samstag, 10. November 2018, 07:48

Der junge Eunuch war überrascht wie schnell er wieder mal befördert wurde, obwohl er doch inzwischen wissen sollte wie spontan der Autokrator mit Gunstbeweisen um sich warf. Er würde sich auf jeden Fall nicht beschweren, den besonders die Teilnahme am Kronrat war ein deutlocher Gunstbeweis der dem Protovestiarios nun öffentlich sichtbaren Einfluss bescherte. Dies würde ihm sicherlich Feinde bringen und gerade Damianos Doukas konnte nicht glücklich darüber sein, doch im Moment war das weit weg und Kosmas dankte Romanos II übersschwänglich.

Die Sache mit den Eunuchen verlief auch nicht zu seinem Missfallen. Der Kaiser hatte da ganz Recht und Kosmas antwortete:

"Ihr seit weisse über alle Massen, mein Autokrator! Für wahr können wir die Eunuchen gut hier in Konstantinopel gebrauchen. Sollte die Anzahl der Kandidaten ausreichend sein könnte der Hof sie dem Adel des Reiches zu einem ansprechendem Preis verkaufen. Die Adligen wären sicher dankbar für die Gelegenheit qualitativ hochwertige Eunuchen preisgünstig zu erwerben und es wäre möglich ausgewählte Eunuchen die zu besonders "interessanten" Familien gehen vorher darin zu unterrichten wie sie Ihrem Kaiser treu dienen können indem sie über jedewegen etwaigen Verrat Meldung machen. Ihr könntet Geld damit verdienen das Reich mit einer wertvollen Ressource zu versorgen die gleichzeitig noch einen geheimen Zusatznutzen hat."


Unerwähnt blieb das Kosmas vorhatte das gleiche auch mit einigen neuen Eunuchen die an Damianos gingen zu tuen. Mal sehen ob der Säufer clever genug war ihnen zu misstrauen. Kosmas war hochzufrieden wie sich die Dinge entwickelten. Das er gerade einige hundert junge Männer zum Verlust ihrer Hoden verurteilt hatte bereitete ihm nicht die geringsten Gewissensbisse. Er selbst war mit den Vorteilen die ihm die Kastration gebracht hatte höchstzufrieden und erwartete das viele der Gefangenen von der Entmannung sehr profitieren würden. Wer unbedingt ein Mann bleiben wollte konnte sich ja auf Konstantino's Baustelle zu Tode schuften, aber die cleveren würden vor der so nutzbringenden, kleinen Operation nicht zurückschrecken.

Der Autokrator wurde mal wieder sehr anhänglich als er über die Gralsgemeknschaft sprach, doch das störte Kosmas nicht, war es doch ein Gunstbeweis. Als Romanos II dann anfing ihn mit Konstantinos zu verkuppeln musste er zwar schlucken war dieser doch, ihm selbst und dem Kaiser unbekannterweise, Kosmas Halbbruder, aber am Ende machte das doch keinen grossen Unterschied. Sodomie war sowiso eine Sünde, da machte Inzest den Braten auch nicht wirklich fett. Besonders da eine Liaison zwischen einem Mann und einem Eunuchen ja nun garantiert keine inzestiösen Bastarde produzieren würde. Kosmas lächelte verschämt zu Konstantinos und sagte zum Kaiser gewannt:

"Ich würde mir nicht anmassen über so etwas nachzudenken, dient doch mein ganzes Bestreben Euch, meinem Autokrator, zu dienen."




Konstantinos Phokas

Protoarchitektonas tes Rhomaikes Autokratorias

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Sonntag, 11. November 2018, 14:07

Der Kaiser schien Verständnis für das Unbehagen des Protoarchitektonas aufzubringen und stimmte ihm zu, dass man in Romanoupolis keine solche Eunuchen einsetzen würde. Die würde man hier im Kaiserpalast in Konstantinopel unterbringen. Ganz zufrieden nickte der Phokas daher und damit schien diese Sache auch abgehakt. Ihr „kleines Projekt“ würde keinen Schaden nehmen, keinen Glanz verlieren.

Die Idee des Kaisers verblüffte Konstantinos dann aber; er meinte, Konstantinos und Kosmas würden sich ganz gut ergänzen und fragte den Laskaris gar, ob er sich mit dem kaiserlichen Schwager einlassen würde. Während Romanos kicherte, schoss dem Phokas das Blut in den Kopf, was zur Errötung seiner Wangen führte. Nach einem Moment fasste sich der Phokas wieder und musterte den Laskaris, der ihm schon bei ihrem ersten Treffen im Lausospalast durchaus positiv aufgefallen war. Hübsch war er ja wirklich und auch ein Eunuch konnte ihm für seine Zwecke dienen.

„Natürlich würdest du dich nicht anmaßen, über so etwas nachzudenken. Aber der Kaiser brachte das Thema nunmal auf und ich muss gestehen, ich finde seinen Gedanken recht anregend. Das wichtigste Teil hast du ja noch.“ Ein beinahe schmutzig bzw. anrüchig wirkendes Grinsen lag auf seinen Lippen und er trat einen Schritt auf den Eunuchen zu, der ja praktisch das private Eigentum des Kaisers war. Mit anderen Worten, ein lebendiges, kaiserliches Spielzeug und Romanos schien ganz geneigt zu sein, ihm dieses Spielzeug zu seinem Vergnügen auszuleihen. „Du bist schon ganz hübsch anzusehen, ja, gar anziehend, das fiel mir schon damals, bei unserem ersten Treffen auf“, meinte Konstantinos dann zum Laskaris und zwinkerte Romanos zu. „Dem Autokrator kann man auf den verschiedensten Wegen dienen. Bestimmt ist er am Wohlergehen seines Schwagers interessiert.“, sagte er dann kryptisch, wobei es ganz eindeutig war, worauf er hinauswollte. „Im Grunde ist es eine geniale und zugleich diskrete Idee, insofern kann sie nur von dir, Romanos, stammen“, schmeichelte er dem Kaiser sodann. Tatsächlich war es eine grandiose Idee, konnte ein Eunuch dem Kaisar ja kaum Probleme bereiten. Außerdem war es weitaus diskreter und unauffälliger, als es mit einem Erzbischof im Patriarchat zu treiben.

Nun wandte er sich wieder an den Laskaris und fixierte ihn mit seinem Blick. „Nun, die Frage des Kaisers hast du indes noch nicht beantwortet. Dabei würde sie mich doch brennend interessieren.“ Mit dem dem Adel eigenen Hochmut meinte er dann weiter: „Es müsste dir doch eine Ehre sein, lieber Protovestiarios, stamme ich doch aus einem der edelsten Geschlechter des Erdreiches ab, eines Geschlechts, welches nunmehr eins mit der glorreichen Dynastie der Makedonen wurde. In meine Adern fliet das reine Blut der Rhomäer.“ Er sagte das in einer Art, als müsste sich der Protovestiarios gleich dafür bedanken, dass Konstantinos überhaupt darüber nachdachte, mit ihm Sodomie zu betreiben, gar so, als wäre es gleichsam eine Adelung für den Eunuchen.

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Sonntag, 11. November 2018, 17:57

Erwartungsgemäß fiel die Reaktion des Laskaris zurückhaltend aus, wollte er dadurch doch seine unbedingte und unverbrüchliche Treue zum Kaiser unter Beweis stellen. Er selbst käme auf derlei Gedanken mitnichten, so Kosmas. Zurecht wandte der Phokas dann aber ein, dass es ja der Kaiser selbst gewesen war, der den Gedankengang überhaupt aufbrachte. Der Schwager schien jedenfalls sehr empfänglich für diesen Vorschlag, was Romanos nicht sonderlich wunderte, hatte Konstantinos doch einen gewissen Ruf anhaften. Fast meinte man, der Protovestiarios wolle sich hinter der Autorität des Kaisers verstecken, schien ihm die Sache doch nicht ganz geheuer zu sein. Dass es noch einen weiteren Grund geben könnte, der auf unbekannter Verwandtschaft beruhte, wusste ja keiner außer ihm. Etwas prahlerisch formulierte der Protoarchitektonas seine hochedle Herkunft, unwissend, dass er damit eigentlich auch jene seines Halbbruders skizzierte.

"Gerade dadurch dienst du deinem Autokrator ja", meinte Romanos und klopfte Kosmas aufmunternd auf die Schulter. Wahrscheinlich hatte auch er schon vom scheinbar unerschöpflichen sexuellen Appetit des Phokas gehört, so dass er vielleicht nicht zu Unrecht etwas verschreckt war. Der Kaiser selbst hatte ihn ja vergleichsweise bis dato mit Samthandschuhen angefasst, lag Romanos doch nicht an der sexuellen Interaktion, sondern umgab er sich primär einfach gerne mit seinen Favoriten, allesamt junge Männer, und wollte sie in seiner Nähe wissen. Für einen Eunuchen war es seit jeher das Höchste, ins kaiserliche Bett zu dürfen, war er dem obersten Gebieter dadurch doch so nahe wie sonst nur die Kaiserin selbst. In der Praxis konnten sich die derart Geehrten meist nur bruchstückhaft daran erinnern, waren es durch durchzechte Nächte, die es schon faktisch unmöglich machten, dass sich irgendetwas Anstößiges ereignete. Einmal hatte Romanos Kosmas derart abgefüllt, dass dieser kaum mehr bei Bewusstsein gewesen war. Meistens war es aber eher so, dass Kosmas den orientierungslosen Monarchen geleiten musste. Eigentlich also ein denkbar einfacher Job, vertrug Romanos doch keineswegs so viel, wie er selbst glaubte, und war im angetrunkenen Zustand recht handzahm.

"Zwingen wollen wir den lieben Kosmas aber nicht", sprach der Kaiser weiter, nachdem sein Schwager schon drauf und dran schien, jenen in jedem Moment anzuspringen. Tatsächlich meinte Romanos zu verspüren, wie sich der Eunuch an seinen Arm drückte, als wollte er ihm sagen: Lass mich bloß nicht mit dem dort allein. Es war allerdings auch möglich, dass dies auf den bisherigen Alkoholpegel des Kaisers zurückzuführen war und der Laskaris keine solchen Vorbehalte hegte. Zumindest dürfte Kosmas dies im wahrsten Sinne des Wortes gespürt haben, als ihn die Fahne des Kaisers erfasste, als er sich wieder zu ihm drehte und schloss: "Es liegt bei dir."

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Sonntag, 18. November 2018, 08:23

Kosmas konnte es nicht fassen als Konstantinos auchnoch seinen Familienhintergrund herausstrich. Wenn der wüsste!

Der junge Eunuch hatte natürlich nicht vor den jungen Phokas und den Kaiser über sein verwandschaftliches Verhältniss zu Konstantinos aufzuklären. Stattdessen lächelte er nun schmutzig zurück und sagte:

"Es wäre mir wahrlich eine grosse Ehre! Bitte versteht mein Zögern nicht als mangelndes Interesse. Ich fürchte nur nicht angemessen zu sein. Wie Ihr bereits erwähnt habt besitze ich zwar noch das wichtigste Teil, doch befürchte ich das ich seit meiner Enteierung eine gewisse Schrumpfung festgestellt habe. Ich hoffe das ich nicht enttäusche."


Die ganze Sache musste delikat angefasst werden. Erstens natürlich wegen dem grossen Geheimniss um Kosmas Herkunft, aber auch weil man als Eunuch ja nicht zu potent erscheinen wollte. Das könnte einem sonst irgendwann karrierehemmend ausgelegt werden.

Konstantinos Phokas

Protoarchitektonas tes Rhomaikes Autokratorias

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Mittwoch, 28. November 2018, 12:38

Konstantinos konnte nicht umhin, breit zu grinsen. Scheinbar hatte er im Autokrator eine Art verschwägerten Freund gefunden, der seine Neigungen nicht nur kannte, sondern sie auch - zum Wohle der Diskretion - in eine bestimmte Richtung förderte. Besser ein Eunuch als ein Erzbischof. Besser im hermetisch abgeriegelten Palast, als im Patriarcheion. "Natürlich, zwingen wollen wir hier niemandem." Obwohl die Befehlsgewalt und die Gesamtsituation ja geradezu eine Zwangslage für den Eunuchen darstellte; er konnte ja schlecht seinem obersten Herrn vor den Kopf schlagen, genau so wenig konnte er einem Kaisar auf die Füße treten. Wenig überraschend zeigte sich der Eunuch also mit der Idee des Kaisers einverstanden.

Konstantinos rückte seine Kleidung ein wenig zurecht und musterte den Laskaris, wie man etwa eine schöne Rüstung, die man am liebsten gleich anlegen wollte, oder eine nach allen Künsten gebackene Torte ansah, die man am liebsten auf der Stelle vernaschen wollte. Bei der Bemerkung, dass seit seiner Kastration auch ein anderes - wichtiges - Stück seines Körpers geschrumpft sei, musste sich Konstantinos wirklich zusammennehmen, nicht laut loszuprusten. Alleine wie diese Worte schon klangen! Ein kurzer Blick zum Kaiser, dann mit einem Lächeln zum Laskaris: "Deine Offenheit in allen Ehren, mal schauen was da noch schrumpfen oder wachsen wird." Beim Liebesspiel pflegte das besagte Teil ja eher zu wachsen denn zu schrumpfen. Oder war das bei Eunuchen anders? Mit einem Eunuchen hatte der Phokas jedenfalls noch nie etwas gehabt. Interessant würde es allemal werden. Vielleicht auch der Beginn eines längeren Arrangements. Keineswegs wollte der Phokas, gleich einer Biene, von Blume zu Blume, Blüte zu Blüte, fliegen und sie allesamt bestauben. Das war in Wahrheit wider seine Natur; daher hing er ja auch so sehr an Ignatios. Doch den musste er sich eben aus dem Kopf schlagen. Mindestens zum Wohle des Erzbischofs, der ja im Gegensatz zum Kaisar nicht unangreifbar war.

Das Thema war damit beendet. Beizeiten würde er den Laskaris zu sich in seine Gemächer einladen. Am besten hier im Palast; seine Frau und sein Sohn lebten ja im Lausospalast. Hier hatte man mehr oder weniger diskrete Ruhe. Zum Abschluss fiel dem Phokas noch ein (für ihn) wichtiger Gedanke ein. "Romanos. Etwas gibt's da noch. Natürlich braucht es auch eine große Kathedrale in unserer geplanten neuen Stadt. Meine Architekten und ich, wir streiten uns darüber, wie hoch denn die Kuppel sein soll. Der erste Plan, der mir vorgelegt wurde, sah eine Kuppelhöhe von 55 Metern vor. Damit wäre die Kuppel aber einen Meter kürzer als jene der Hagia Sophia; mir erscheint dies wenig zufriedenstellend. Was unsere Vorfahren vor Jahrhunderten schufen, müsste unsere Handwerkskunst heute doch übertreffen können. Mir sinnt eine Kuppelhöhe von 60-70 Metern vor. Mancher Architekt meint, dies sei unmöglich, andere wiederum geben sich ganz angetan von dieser Idee. Romanopoulis soll ja alles übertreffen. Ich denke doch, es wäre auch dir Recht, würde die künftige Kathedrale die Hagia Sophia übertreffen, nicht wahr?"

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Mittwoch, 5. Dezember 2018, 01:02

Ob und wie das weiterginge zwischen den beiden, war dem Kaiser an und für sich einerlei; es amüsierte ihn eben in diesem Moment. So wurde die Sache erst einmal vertagt, was auch nur würdig und recht war, gab es doch wichtigere Dinge zu besprechen. Der junge Phokas ging nun nämlich in seinem neuen Amte voll auf und brachte etwas zu Gehör, was nach dem Ohr des Herrschers und seiner Entscheidung verlangte.

"Welch gewagtes Unterfangen", grinste Romanos und klopfte Kosmas wie einem Schoßhündchen auf die Schulter. "Mir würde es wohl nicht missfallen. Allein, Seine Allheiligkeit der Patriarch könnte es vielleicht als einen Affront auffassen, denn ließe sich daraus ja eine besonders exquisite Stellung eines etwaigen Metropoliten von Romanoupolis ableiten." Er atmete tief durch und war sich unschlüssig. "Kosmas, was meinst du dazu? Wie sollen wir in dieser Frage verfahren?" Damit überließ er seinem Protovestiarios die Entschließung, einem Eunuchen, der überhaupt nichts damit zu tun hatte und dem wohl auch der vollständige Überblick über die mögliche Tragweite dieses Entscheids nicht allumfassend gegeben war. Auch dadurch konnte sich die Gunst des Autokrators ausdrücken.

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