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[Arbeitszimmer des Papstes] Ein Auftrag von höchster Tragweite

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Mittwoch, 28. November 2018, 00:20

Ein Auftrag von höchster Tragweite

Ioannes saß alleine in seinem Arbeitszimmer hinter seinem Schreibtisch. Giulia war bei ihrem Schneider, sein bester Freund Adelphus war im hohen Norden unterwegs, um den Landschelm Theodoulos ein für alle mal aus dem Verkehr zu ziehen und Macht und Einfluss des Papstes hatten sich bis östlicher der Elbe ausgeweitet. Es wurde ein wenig langweilig im Lateran, weswegen Ioannes auf eine höchst unterhaltsame Idee gekommen war. Der Gedanke, die heidnischen Stämme östlich der Elbe zu missionieren und zu christianisieren, gefiel dem Heiligen Vater zusehends. Zudem war es eine Möglichkeit, Otto an sich zu binden, würden christliche, gesittete Völker sich vermutlich auch eher der Herrschaft des Königs unterwerfen, vor allem wenn dieser bei der Missionierung tatkräftig mithalf. Es galt nun, einen Koordinator nach Norden zu schicken, jemand, der die Kontrolle hatte und nicht vor eisernen Methoden zurückschrecken würde...

2

Mittwoch, 28. November 2018, 14:47

Es begab sich aber zu jener Zeit , dass der hochwürdigst in CHRISTO Erzbischoff Adeodat , seins Zeichens frömmig Ordens Benedikti , sich von dem newen Rom , welches da lag zwischen Europa und Asien , zurückbegab ins alte Rom , welches da lag am Tiber. An Seiten des eminenten wie hochwürdigst in CHRISTO Herrn Legaten Lukas Kreszenz ward Adeodat in der Kaiserstadt gewest , wo der vorgemelte Legatus nach wie vor weilte , zwangen Adeodatum doch Umbstände zurück ins Italyenische , ward er doch Weihbischoff zu Porto nahe Rom.
Unser Hl.Vater der Papst aber bestellte den frommen Erzbischoff zu sich in den Lateran , gab es doch Dinge von grosser Wichtigkeit zu besprechen. Dahero schickte sich Adeodat an , dem päpstl.Wunsche nachzukommen , wie es sich geziemte. Wes nämlich ward das römische Papsttum , des ward all Ehr zutheil.
So ward der Erzbischoff zum Studierzimmer dero päpstl.Hlg.keit geleitet , wo da befand sich bereits unser Hl.Vater in all seine aller christlichsten Pracht , sodass der fromme Mönch sein Haupt neigte vor dem Statthalter GOTTES auff Erden.
Adeodat aber hub an : Ew.Hlg.keit liessen mich Euern unwürdigen Diener hieher bestellen ; so also find ich mich allhier ein , umb dero Befehlniß zu folgen. Darzu warf sich der Erzbischoff zu Füssen des Papsten.

3

Donnerstag, 29. November 2018, 01:01

Ioannes musste nicht lange warten, nachdem er einem Bediensteten aufgetragen hatte, Adeodatus zu ihm zu bringen. Standesgemäß warf der Titularerzbischof sich in den sprichwörtlichen Staub (die Räumlichkeiten des Heiligen Vaters waren in der Regel so sauber, dass man selbst vom Boden gefahrlos hätte essen können), um dem Papst zu huldigen. Dieser genoss die Unterwürfigkeit seines Gegenübers für einen Moment, ehe er ihm andeutete, sich zu erheben und auf einem der Stühle platz zu nehmen. "Mein lieber Freund, du weilst noch nicht allzu lang in Rom, dennoch muss ich dich bitten, schon wieder aufzubrechen", hub Ioannes an und lehnte sich in seinem bequemen Stuhl zurück. "Es gibt Neuigkeiten aus dem Norden. Offenbar haben die Siedler des Betrügers Theodoulos ihrem einstigen Sektenführer den Rücken gekehrt und sich dem Christentum zugewandt. Ein gewisser Pribislaw, Erzbischof der Polacken, hatte mir ein äußerst aufschlussreiches Schreiben zukommen lassen. Wie mir mitgeteilt wurde, weilt Otto derzeit vor Ort und hat sich der Treue der einstigen Heiden versichert. Ich habe diesen Pribislaw aufgefordert, es zu seiner Lebensaufgabe zu machen, die Heiden zu bekehren, notfalls mit Gewalt. Allerdings ist Petersburg weit weg und ich kenne diesen Mann nicht."
Nun erhob Ioannes sich und ging langsam und erhaben um den Schreibtisch herum, dabei eine Kunstpause einlegend, um den folgenden Worten mehr Gewicht zu verleihen. Er blieb neben Adeodatus stehen und legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Ich möchte, dass du nach Petersburg reist und diesen Bischof kennen lernst. Und ich möchte, dass du diese Missionierung leitest. Dafür werden dir 5.000 Soldaten zur Verfügung gestellt, mit denen du noch heute aufbrechen wirst." Ioannes übte gerade genug Druck auf die Schulter seines Mannes fürs Grobe aus, um das Gesagte zu unterstreichen, jedoch nicht zu sehr, damit Adeodatus sich nicht zu sehr unter Druck gesetzt fühlte. "Eine Alpenüberquerung wird kaum möglich sein, du wirst also in Richtung Venedig und um das Gebirge herum reisen müssen; doch duldet die Sache keinen Aufschub." Die Treuebekundungen dieses Polacken waren ja schön und gut, doch hätte der Papst gerne auch jemanden vor Ort, den er kannte und der den Überblick behielt.
"Damit du deine neue Aufgabe problemlos erledigen kannst, ernenne ich dich hiermit zum Großinquisitor des Heiligen Stuhls." Ioannes' Augen leuchteten. Dieser Schachzug gegen die Heiden östlich der Elbe kam einer Art Mini-Kreuzzug gleich, eine Maßnahme, auf die sicher jeder Papst gerne einmal während seines Pontifikats zurückgreifen würde. Im Gegensatz zu dem Landschelm Theodoul richtete sich die Waffengewalt des Kirchenstaats jedoch nicht gegen andere Christen, sondern gegen Heiden, was der Herr ja nur gut heißen konnte.
"So zieh aus und beschere uns Ruhm und Ehre, Bruder Adeodatus. Ich bin sicher, dass du mich nicht enttäuschen wirst."

4

Donnerstag, 29. November 2018, 23:15

Unser Hl.Vater der Papst begrüsste den frömmigen Erzbischoff gar gebührlich und so nahm Adeodat Platz.
Sodann führete der Papst aus , dass Adeodat mit päpstl.Weisung gen Norden aufbrechen sollte , umb dort die Thätigkeit der Heiden=Missionierung zu überwachen , welche vom Erzbischoffen der Polacken vollzogen wurde. Darzu sollt Adeodat gar Grossinquisitor sein und dies im teutschen Lande überwachen auf Geheiss der päpstl.Hlg.keit.
Ew.Hlg.keit ehren mich über Gebühr , doch will ich alles in meiner Macht Stehende thun , umb Eurem Befehlniß zu folgen und die Christliche Religion in heidnischen Gefilden heimisch zu machen , zur Noth mit Fewer und Schwert hub Adeodat an und ward gar erfreuet ob dieser Aussicht , die sich nunmehro bot.
Die Sach aber duldete keinen Verzug , sodass der frömmigst aller Bischöffe sich anschickte , des Papsten Befehlniß alsogleich auszuführen und sich dahero wiederumb erhob.
So soll es geschehen , auf dass des HEILANDS Geboth auch den Heiden dargebracht werd und sie allsamt das dem römischen Papstthume unterworffen werden. Denn GOTT der Allmächtige regieret auf immer und ewig. Halleluja ! Halle-lu-jahahaha ! lobpriess Adeodat sodann den HERRGOTT und stimmte einen wohlklingenden Psalm an zur höhern Ehr GOTTES.
So ward dies alles geratschlagt und von unserm Hl.Vater beschlossen , sodasz der GOTTES=fürchtige Erzbischoff auch Mönch und nunmehr Grossinquisitor sich auf den Weg machte mit nicht weniger als fünff tausent Mannen.