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Rhomäisches Reich: Die Lage im Osten spitzt sich zu. Während die Stimmung in der Hauptstadt zu eskalieren droht, wurden Verhandlungen über einen möglichen Waffenstillstand aufgenommen.
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Dienstag, 4. Dezember 2018, 20:15

Staatsempfang für den Kronprinzen und Regenten von Armenien (Dezember 951)

Nach etwa einmonatiger Reise gelangte Aschot, Kronprinz und neuerdings auch Regent des Königreiches Armenien, mit seinem Gefolge nach Konstantinopel. Er war sogleich abgereist, sowie er Nachricht vom Thronverzicht seines Vaters erhalten hatte. König Abbas weilte noch immer in der Kaiserstadt; vielleicht gedachte er dort ja seinen Alterssitz zu nehmen. Aschot, ein junger Mann von fünfundzwanzig, war in der Vergangenheit vor allem durch seine Prunksucht aufgefallen, die er offen zur Schau stellte. In selbem Maße, wie er sich gerne angeberisch gab, war dieser arrogante Schnösel aber auch naiv und leichtgläubig. Im Grunde genommen völlig ungeeignet, um ein Land in einer solch krisenhaften Zeit zu führen, war er umso stolzer darauf, dass er nun endlich die Macht selbst ausüben sollte. Dass man eine Heirat mit irgendeiner byzantinischen Prinzessin arrangiert hatte, kam ihm nur Recht. Er hatte sich den Ruf eines ausschweifenden Lüstlings erarbeitet, vor dem keine junge Frau sicher war.

Da Armenien eine eng befreundete Nation war, die gar als erste das Christentum zur Staatsreligion gemacht hatte, glaubte Aschot, er könnte gar dem Kaiser auf Augenhöhe begegnen. Die wirklichen Machtverhältnisse waren ihm nicht wirklich bekannt, auch wenn er sie hätte kennen müssen. Als scheinbares Entgegenkommen war der Staatsempfang nicht in den großen Thronsaal, die Magnaura, sondern ins Chrysotriklinos, die Goldene Halle, verlegt worden, was ein wenig intimer und heimlicher war. Aschot betrat mit seinem Anhang hochnäsig stolzierend den Saal und bestaunte die kunstvollen Verzierungen, die ihn schmückten. Er hatte sofort nach Bekanntgabe seiner Regentschaft die alten und bewährten Berater seines Vaters in den Ruhestand geschickt und denkbar unpassende Nachfolger ernannt, die ihn nun ständig umgaben und berieten. Gleich schon würden hier wohl der Kaiser sowie seine künftige Gemahlin eintreffen, von der er sich nur den Vornamen, Thekla, gemerkt hatte.

"Recht annehmbar, diese Halle", tat er den prächtigsten Raum des Großen Palastes überheblich ab und fügte hinzu: "Man wird in Kars etwas ungleich Beeindruckenderes errichten - mit der Mitgift meiner zukünftigen Gattin." Seine Ratgeber stimmten in sein Lachen ein, das ziemlich kindisch und unreif herüberkam. "Wo bleibt sie denn? Wir haben doch nicht den ganzen Tag Zeit", schimpfte er und zeigte sich ungehalten.

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Dienstag, 4. Dezember 2018, 20:28

Die Ankunft des armenischen Kronprinzen war in der Reichshauptstadt selbstredend nicht unbemerkt geblieben. Der Autokrator, der ganz eigene Pläne mit Armenien verfolgte, zeigte sich sogleich interessiert, dem Kronprinzen Honig um den Mund zu schmieren und ließ einen Staatsempfang in der Goldenen Halle anberaumen. Dass er für Aschot genauso wenig übrig hatte wie für dessen Vater König Abbas I., wusste die Eingeweihten bestens.

Zusammen mit König Abas, seiner Tante Agatha Lekapene und deren Tochter Thekla, seiner Cousine und der künftigen Kronprinzessin von Armenien, begab sich der Kaiser schließlich in Begleitung von einem Dutzend der Manglabitai ins Chrysotriklinos. Es galt rasch die Formalitäten dieser Eheschließung hinter sich zu bringen, auf dass sie baldigst stattfinden konnte. Dass sich Aschot und Thekla im Leben noch nicht gesehen hatten, interessierte keinen so wirklich. Die Machtgier des jungen Armeniers kam dem Kaiser zupass, der sich mittels dieser Heirat den unmittelbaren Zugriff auf Armenien erhoffte.

Betont freundschaftlich und scheinbar auf Augenhöhe begrüßte Romanos daher Aschot, der ihn an Alter ein wenig überragte, ihm an Intellekt aber sicher nicht das Wasser reichen konnte, wie sich bald schon zeigen sollte. Wie ein Pfau wirkte der Kronprinz und gab sich gerade so, als sei er hier eigentlich der Höherrangige. "Es freut mich, endlich Eure persönliche Bekanntschaft zu machen, Kronprinz Aschot", umarmte er den Armenier gar kurz und war gespannt, wie Thekla wohl auf ihn reagieren würde, dem man schon aus einer Meile Entfernung ansah, dass er nicht der Allerhellste war. "Ich hoffe, Ihr hattet eine gute Anreise. Darf ich Euch meine Cousine, die Prinkipissa Thekla Lekapene Argyre, vorstellen." Als sei dies zufällig, führte er Aschot zu dieser hinüber.

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Mittwoch, 5. Dezember 2018, 16:19

An der Seite des Kaisers betrat auch König Abas den prachtvollen Saal und erblickte dort sogleich seinen Sohn Aschot, umgeben von einer Meute von Speichelleckern, die er allesamt als unfähige Tunichtgute kannte, die sich aber der persönlichen Freundschaft des Kronprinzen erfreuten und nun wohl zu seinen Ratgebern zählten. Abas hatte auch deswegen bisher gezögert gehabt, seinen Sohn an den Regierungsgeschäften zu beteiligen. Nun zwang ihn Byzanz, dem nachzukommen. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war nicht das innigste, wusste der Alte doch um den Charakter des Jungen, dem eine wahrhaft königliche Ausstrahlung abging und der zu sinnlosen Ausschweifungen neigte.

"Ich sehe, du hast es wider Erwarten bis hierher geschafft", begann der König ohne wirkliche Macht zu seinem Junior und versuchte erst gar nicht, seine nach wie vor vorhandenen Bedenken zu verschleiern. "Eine schöne Ansammlung an Hofschranzen hast du da um dich versammelt." Er beäugte diese ihm unangenehmen Berater, die sicher einen noch schlechteren Einfluss auf Aschot haben würden. "Du bist dir hoffentlich deiner Verantwortung bewusst", meinte der König bestimmt zum Kronprinzen und schwieg dann erst einmal, traten doch seine zukünftige Schwiegertochter und die Brautmutter heran.

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Mittwoch, 5. Dezember 2018, 16:33

Aschots Blick verfinsterte sich, als er seines ungeliebten Vaters gewahr wurde. Den alten Herrn konnte er nicht ausstehen, da er es ihm verübelte, dass ihn Abas nicht schon früher an die Regierung herangelassen hatte. Dass dies auch am Kronprinzen selbst lag, war Aschot natürlich nicht bewusst, der sich selbst maßlos überschätzte und für den Größten der Größten hielt. So hielt er sich auch lieber an den Kaiser als an den König und erwiderte Romanos II.: "Die Anreise war schrecklich, mein Kaiser, ganz unter meiner hohen Würde. Ich hasse Reisen sowieso, sind sie doch unbequem und sogar gefährlich. Unseresgleichen sollte doch lieber in komfortablen und sicheren Palästen verweilen, umgeben von hübschen Weibern, die einem das Leben versüßen." Er lachte kindisch und klopfte dem Kaiser unpassend wie einem Saufkumpanen auf die Schulter. "Die schicke Schnecke dort drüben ist wohl diese Thea? Ich muss schon sagen, schnittig und hübsch anzuschauen, Eure Cousine. Aber einem wir mir kann eh kein weibliches Wesen widerstehen", prahlte er, hob sein Haupt noch mehr und starrte unentwegt auf die Brüste seiner zukünftigen Gemahlin.

Kurz darauf näherten sich die Prinkipissa und eine ältere Frau, während der Kaiser die einander Versprochenen formell miteinander bekannt machte. "Sehr hübsch", meinte Aschot zu Thekla und blickte zu Agatha hinüber. "Aber wer ist denn die alte Wachtel dort drüben?", meinte er dann auf einmal und war sich des peinlichen Fauxpas aufgrund seiner angeborenen Dummheit gar nicht bewusst. Einer der Berater flüsterte Aschot dann etwas zu. "Ah, die künftige Schwiegermutter! Darf ich Mutti zu Euch sagen? Aber das muss Euch gar nicht verlegen machen. Wir vertrocknen schließlich alle eines Tages, da kann man nichts machen." Wieder kicherte er wie ein unreifer Junge und sorgte für ungläubige Gesichter.

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Mittwoch, 5. Dezember 2018, 16:51

Der große Tag war schneller gekommen, als es Agatha lieb war. Heute würde Thekla ihren zukünftigen Ehemann, den Kronprinzen von Armenien, kennen lernen. Niemand wusste so recht, was der Kerl für einer war, wie er aussah und ob er überhaupt irgendwelchen Ansprüchen des Hauses gerecht werden würde. Der Empfang sollte in der Goldenen Halle stattfinden, allein dies war schon eine Ehre für den Kronprinzen. Diesen konnten Agatha und Thekla bereits früh aus dem Hintergrund beobachten, war doch Kaiser und König der Vortritt zu überlassen. Agatha blickte durch die schweren Vorhänge, die den Durchgang zum Nebenraum, wo sie und ihre Tochter warteten, verhangen. "Sieht aus wie ein Pfau", meine Agatha abschätzig und machte keinen Hehl daraus, was sie dachte. "Etwas feminin." Sie blickte zu ihrer Tochter, gespannt, wie wohl ihr erster Eindruck sein würde. Im nächsten Moment verlangte man bereits nach den beiden, sodass keine Zeit mehr blieb, im Verborgenen zu sprechen. Erhobenen Hauptes erschienen die beiden Lekapenoi und näherten sich dem Kronprinzen. "Wenigstens ist er nicht klein", richtete Agatha einige aufmunternde Worte im Stillen an ihre Tochter. Sie konnte sich kaum vorstellen, dass sie allzu begeistert von der schmächtigen Erscheinung des jungen Mannes war, der dem Kaiser in diesem Moment wie ein Flegel von der Straße auf die Schulter klopfte.
Der Kaiser persönlich stellte die beiden Verlobten dann einander vor. Was folgte, hätte die meisten Menschen der Welt ihren Kopf gekostet. Wäre Agathas Gatte anwesend gewesen, er hätte den Kronprinzen ungeachtet jeglicher Konsequenzen mit bloßen Händen augenblicklich getötet. Agatha verzog keine Miene, stattdessen näherte sie sich dem Kronprinzen mit einem gefährlichen Lächeln. Eine Umarmung andeutend ging sie auf ihn zu, packte ihn dann am Kragen und zog ihn zu sich. Das Lächeln war binnen Sekunden gestorben. "Pass auf Kleiner", zischte sie bedrohlich in gedämpfter Lautstärke, sodass nur Aschot es hören konnte, "für einen Provinzadligen bist du ganz schön vorlaut. Ein Bauer bist du, nichts weiter. Ein falsches Wort von dir, nur ein gekrümmtes Haar an meiner Tochter und du bist die längste Zeit ein Mann gewesen." Was damit gemeint war, brauchte sie wohl nicht näher auszuführen. Ihr Blick gab ihrem Gegenüber zu verstehen, dass mit ihr nicht gut Kirschen zu essen war. Nun ließ sie wieder von dem jungen Mann ab. Für die umstehenden Anwesenden musste es ausgesehen haben, als habe die Brautmutter den Kronprinzen umarmt und ihm gut zugeredet. Im Nu hatte sie wieder ihr falsches Lächeln aufgesetzt und gab den Weg zu Thekla frei. "Komm nur, meine Liebe, und lerne deinen... Mann kennen." Es widersprach ihr, den Milchbubi als 'Mann' zu bezeichnen. Es war unmöglich, dass der Kerl einer Frau wie Thekla auch nur ansatzweise gewachsen war. Die Sache versprach, spannend zu werden...

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Freitag, 7. Dezember 2018, 16:39

Ein Mal mehr stand eine Hochzeit auf dem Plan, dieses Mal würde jedoch nicht der Kaiser, sondern seine Cousine, die Prinkipissa Thekla Lekapene Argyre den Bund der Ehe eingehen. Die Tochter der Kyria Eugenis Agatha war bereits 29 und damit so gut wie aus dem besten Alter heraus. Für jemanden wie die Lekapenoi sollte es doch ein Anliegen sein, ihre Linie zumindest halbwegs zu erhalten und viele Nachkommen zu zeugen, die das Vermächtnis dieser altehrwürdigen Familie in die Welt hinaus tragen würden. Stattdessen waren beide Töchter von von Agatha und ihrem Gatten Romanos Argyros unverheiratet und kinderlos. Jeder Mann von Welt, der etwas auf sich hielt, musste doch denken, dass mit seinen Töchtern etwas nicht stimmte, wenn sie so lange auf dem Trockenen sitzen blieben. Wie dem auch sei, hatte man nun für Thekla im Kronprinzen von Armenien einen Bräutigam gefunden. Mit dessen Vater, Abat... Abar... Abas - so genau hatte Zenon sich das nicht merken wollen - hatte der Basileus bereits Bekanntschaft gemacht, als dieser persönlich nach Konstantinopel gereist war, um ihm die Ohren vollzujammern. Schlussendlich hatte der Kaiser im Sinne seines Onkels Romanos entschieden und die Heirat beschlossen.
Zenon war bereits anwesend und unterhielt sich angeregt mit der Kaiserinmutter, als der Thronfolger Armeniens aufgetaucht war. Kurze Zeit später erschienen auch der Kaiser samt Anhang. Der Basieleus musterte den jungen Mann, der sich als regelrechter Flegel herausstellte, keinerlei Sinn für derartige Anlässe besaß und ganz offenbar mehr einem Bauerntrottel glich denn einem König. Für Zenon verstärkte dies das Bild des Kleinkönigtums, dessen Regent sich dieser Emporkömmling nun schimpfen durfte. Einzig seine Vorliebe für junge, unfähige Berater die ihn umschwärmten schien Aschot mit dem Kaiser zu teilen, mit dem er sonst nur wenig gemein zu haben schien.

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Montag, 10. Dezember 2018, 08:59

Immer dann, wenn es Aussicht auf eine üppige Mahlzeit gab, konnte man mit dem Erscheinen des dicken Patriarchen rechnen. So galt dies auch für den Staatsempfang, den man dem armenischen Kronprinzen bereiten würde. Durch die strenge Diät seiner Ärzte bedingt hatte Basiliskos einige Kilogramm an Körpergewicht verloren - wenngleich er heimlich aß, wo er nur konnte, weswegen die Erfolge zwar sichtbar, aber weniger ausgeprägt waren, als sie hätten sein können. Die Mediziner dachten sich nicht viel dabei, sie gingen just davon aus, dass der Patriarch eben so veranlagt war.
Der Dicke hatte sich unter die Gäste gemischt. Den Weg zum Palast war er tatsächlich freiwillig zu Fuß gegangen (freiwillig bedeutet in diesem Fall: Er hat gar nicht erst versucht, an seine Sänfte zu kommen, weil die Ärzte sie ihm ohnehin vorenthaltet hätten). Gerade unterhielt er sich mit dem Innenminister über die mysteriösen, brutalen Morde, die vor einiger Zeit an Geistlichen verübt worden waren. Auch der Legat Lucas Crescentius war anwesend und schien ganz interessiert zu sein. Im nächsten Moment wurde die Ankunft des Kaisers angekündigt, der den Bräutigam sogleich seiner Angetrauten bekannt machte. Die Brautmutter war indes die erste, die den Armenier ganz herzlich zu umarmen schien. Dass sie dem Prinzen hingegen ganz offen drohte, war der Situation von außen nicht anzusehen. Der Patriarch begab sich watschelnd zum Kaiser, den er freundlich begrüßte. "Einen wunderschönen guten Tag, Majestät. Ein herrlicher Tag, nicht wahr?" In der Tat meinte das Wetter es gut mit den Kosntantinopelern oder "Byzantinern", wie sich die Bewohner der Hauptstadt selbst nannten. Für die Jahreszeit war es ungewöhnlich mild. "Habt Ihr bereits ein Datum für die Trauung ausgewählt? Und einen Priester? Ich kann den Erzbischof von Derkos wärmstens empfehlen." Der junge Ignatios war nach langer Abwesenheit in die Stadt zurückgekehrt. Für den Patriarchen war die Möglichkeit, diese Hochzeit zu vollziehen, ein großer Vertrauensbeweis, den er in Angelos und seine Fähigkeiten hatte.

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Donnerstag, 13. Dezember 2018, 16:56

Seine Cousine hielt sich vornehm zurück. So kannte der Kaiser sie gar nicht, aber man wurde schließlich nicht an jedem Tage mit seinem zukünftigen Gemahl bekanntgemacht. Vielleicht war Thekla auch nur irgendwie schockiert von diesem Kronprinzen, der sich gab wie ein ungebildeter Bauer und dazu großspurig tat, dass es selbst Romanos übel aufstieß. Da mochte Aschot auch ganz ansehnlich sein, aber nicht einmal dem Autokrator war der Kerl übermäßig sympathisch. Der Armenier schien ein Talent dafür zu besitzen, in Fettnäpfchen zu treten. Anders konnte man seinen Auftritt kaum interpretieren. Daheim in Armenien konnte er sich das wohl folgenlos erlauben, hier war er aber in Konstantinopel, dem Haupt der Welt. Da es um die Staatsraison ging und eben eine rein politische Heirat war, verzichtete Romanos gleichwohl auf irgendeine Belehrung und machte guten Miene zu bösem Spiel.

"Fürwahr, dies ist Thekla", bestätigte er Aschot (der nicht mal ihren Namen kannte) und ließ es sich nicht nehmen, seiner Cousine einen Handkuss anzudeuten, bevor er sie dem Kronprinzen offiziell vorstellte. Der war offenkundig wirklich nicht der Hellste, denn dass er seine zukünftige Schwiegermutter deutlich hörbar als erstes als 'alte Wachtel' bezeichnete, musste den unerfreulichsten Eindruck hinterlassen. Romanos bewunderte die scheinbare Zurückhaltung seiner Tante.

Zum Glück mischte sich der pausbäckige Patriarch gleich darauf ein, so dass der Kaiser einen Grund hatte, die beiden sich Versprochenen erst einmal unter sich zu lassen. "Euer Allheiligkeit", neigte Romanos pflichtschuldig kurz sein Haupt und küsste den Ring des Patriarchen wie ein gewöhnlicher Gläubiger. "Fürwahr, ganz herrlich", musste sich Romanos etwas überwinden, um glaubhaft zu klingen. "Sobald als möglich", platzte es dann aus dem Kaiser heraus, wollte er dieses Theater doch alsbald hinter sich gebracht haben, damit die Pläne bezüglich Armenien in die Tat umgesetzt werden konnte. "Ihr meint Erzbischof Ignatios Angelos? So Ihr ihn vorschlagt, soll er die Ehre haben." Ob es wirklich eine Ehre war, eine rhomäische Prinzessin einem solchen flegelhaften Ausländer in die Hand zu geben, blieb dahingestellt.

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Mittwoch, 3. April 2019, 09:30

Die Zeit verging für Thekla schneller als ihr lieb war. Die sonst so selbstsichere junge Frau merkte nun, dass etwas wirklich Ernstes bevorstehen würde, dass nun etwas im Gange war, was ihr bisherigers Leben merklich verändern und prägen würde und bei dem sie eher ein Spielball Anderer war als Herrin über sich selbst, wie sie es sonst immer gewohnt war. Sie hatte kaum Zeit die Rückkehr ihrer lieben Mutter zu genießen und oder auf das Kommen Vaters zu warten, da war schon die heutige Festivität in diesem prachtvollen Saal des Palastes anberaumt und selbstredend hatte sie keine andere Wahl als zu erscheinen. Man wollte dieses politische Spiel wohl schnellstens über die Bühne bringen. Die Anwesenheit ihrer Mutter, die sie die letzten Tage in dieser Angelegenheit immer wieder bestärkt und ihr gut zugeredet hatte, verlieh ihr nun etwas Halt und Selbstvertrauen. Am Ende hatte Mutter, wie so oft, ja recht. Sollte Thekla erst einmal Königin sein und die Thronfolge sichern, würde sie ihren Traum eines prachtvollen Lebens an einem königlichen Hof leben können. Und was sollte ihr geschehen? Ihre Familie würde für sie da sein. Ihre Mutter und auch ihr Vater, der wohl stärkste und furchteinflößendste Mann im gesamten Reich, würden jeden, der sie gefährden wollte, am Ende in Stücke reißen. Der Gedanke daran und auch an die Möglichkeiten, die vor ihr lagen, ließ sie wieder Mut fassen, dass dieses politische Spiel am Ende auch für sie Gutes bringen könnte.

Noch ehe der Kronprinz eintraf, wartete sie mit ihrer Mutter und anderen hohen Würdenträgern und Gästen in der Halle. Kurze Zeit später traf auch der Kaiser ein, der, typisch für ihn, mit seinen glänzenden Leibwachen in die Halle einzog. Ein Bild, was auch Thekla immer wieder gefiel, aber nicht wegen der prächtigen Rüstungen, sondern eher deswegen, was sich unter den Rüstungen befand... Die Bediensteten und Höflinge bereiteten alles entsprechend vor und sie hatte die Gelegenheit, noch das ein oder andere Wort mit ihrer Mutter zu wechseln und auch mit anderen Angehörigen des Hofes. Doch auch die Anwesenheit des Zarides bemerkte sie dann. Dieser Mann war schlicht und einfach eine Augenweide. Keine Dame am Hofe konnte das leugnen, außer natürlich sie war vom "anderen Ufer" wie man es beispielsweise der verrückten Cousine Theodora nachsagte, die sich immer nur mit anderen kräftigen Weibern umgab. Sie Blickte dem Zarides kurz hinterher, als sie ihn bemerkte, biss sich ein wenig auf die Liebe und fiel Gefallen daran, ihn von oben nach unten mit ihren ganz auf diesen Mann fixierten Augen zu betrachten, fast so als würde sie ihn am liebsten damit verschlingen. Sie konnte schon verstehen, warum Romanos ebenso Gefallen am Zarides hatte, denn nach dem, was man so hörte, war ja nicht nur ihre Cousine etwas anders geraten in dieser Hinsicht, sagte man so etwas ja bisweilen auch Romanos nach. Aber selbst wenn dies nicht stimmte, würde der Zarides wohl auch einen normalen Mann mit Leichtigkeit in seinen Bann ziehen können, dachte sie sich. Während sie sich dann weiter mit Umstehenden unterhielt, sprach sie auch einige kurze Worte mit dem dicken Patriarchen. Vielleicht würde ihre Trauung ja sogar von ihm vorgenommen. Immer mal wieder aber, warf sie dem Zarides währenddessen noch einige interessierte Blicke zu und wartete nun auf die Ankunft des Kronprinzen.

Schließlich war es so weit, dass die Ankunft verkündet wurde. Thekla betete innerlich, dass der Kronprinz, der Mann, den sie heiraten würde, nicht vom Format eines Patriarchen war. Mit allem anderen würde sie ja umgehen können. Dann trat er herein. Und sogleich die Erleichterung! So schlimm würde es in jedem Fall nicht kommen. Sie und ihre Mutter schauten sich den Mann, der sich näherte, nun genau an. "Ja, er hat was weibisches", sprach sie mit einem erleichterten Tonfall und einem leichten Lächeln der Erleichterung über den Einzug des Prinzen. Er war zwar kaum mit einem "wirklichen" Mann zu vergleichen, aber besonders hässlich war er nun auch nicht, sodass es keine große Überwindung von ihr verlangen würde, ihn zum Mann zu haben. "Ich denke, dass ich damit leben kann", sprach sie erneut erleichtert und jetzt auch entschlossen zu ihrer Mutter, ehe sie beide dann näher zum Prinzen traten. Das Äußerliche war also kein Problem, doch als sie ihm näher kamen und sich der Prinz schließlich das erste Mal äußerte, wurde klar, dass er mehr einem unverschämten Flegel, der keine Manieren hatte, glich als einem richtigen Prinzen. Dieser Typ nahm es sich heraus, ihre Mutter "alte Wachtel" zu nennen und das im Palast, vor dem Kaiser! Die Frau des stärksten und mächtigsten Mannes im Reiche hat er vor dem Hofe beleidigt. Thekla wurde still und blickte ihn etwas zornig an. Sie war wütend, dass dieser Aschot sich das herausnahm. Am liebsten hätte sie ihm eine verpasst. Niemand sollte so mit ihrer Mutter reden! Doch Agatha, schlau wie sie war, ging souverän mit der Situation um und auch der Kaiser ging noch einmal dazwischen, um die Situation zu beruhigen und sie dem Prinzen persönlich vorzustellen. Eine Ehre! Sie wusste, dass sie jetzt nicht aufgrund dieses schlechten Eindrucks unüberlegt handeln sollte. Es stand ja einiges auf dem Spiel und würde sie es richtig machen, würde sie Königin und diesen Flegel am Ende um den Finger wickeln und unter Kontrolle halten. "Eure kaiserliche Majestät", sprach sie zuerst lächelnd zu Romanos, der ihre Hand nahm und einen Kuss andeutete. Vom Kaiser konnte der armenische Tölpel noch was lernen, was Manieren angig. Dann setzte sie ein leichtes Lächeln auf und, verneigte sich leicht in Richtung des Armeniers und begrüßte ihn ebenfalls. "Eure Hoheit". Souverän und graziös reichte sie ihm ihre Hand hin. Er sollte ja nun von Romanos gesehen haben, was zu tun war. "Man hat mir bereits viel von Euch berichtet. Viel Beeindruckendes!", blickte sie ihm in die Augen und schenkte sie ihm ihre ganze Aufmerksamkeit. "Aber Euch nun persönlich zu begegnen, lässt mich noch glücklicher werden. Denn jetzt weiß ich, dass die Berichte über meinen zukünftigen Gemahl nicht wahr sind...Sie werden Euch nämlich bei Weitem nicht gerecht, wenn Euch nun mit meinen eigenen Augen vor mir sehe..." Sie lächelte ihn erneut an und versuchte ihm weiter zu schmeicheln und ihm das Gefühl zu geben, im Mittelpunkt zu stehen und begehrt zu werden. Das war zwar am Ende alles gelogen und dieser Armenier würde nicht einem der kaiserlichen Leibgardisten, von denen sie ja schon welche hatte, das Wasser reichen, aber sie wusste ja, was zu tun war und was von ihr erwartet wurde. Sogleich gingen die Festivitäten weiter, bei denen sie dem Armenier die ganze Zeit über hübsche Augen machen würde. Dem Anschein nach war dieser Aschot ein dümmlicher, weichlicher Flegel. Mit den richtigen Mitteln einer Frau aber, würde sie ihn wohl einfangen können, denn sie wusste genau, wie die Männer waren und was sie begehrten. Wenn sie schon richtige Männer in ihren Bann ziehen konnte, würde das bei diesem Weichling wohl nicht scheitern. Sie war nur glücklich, dass sie es nicht zu viel Überwindung kosten würde. Am Ende könnte sie wohl gut damit leben, sollte weiter nichts Unvorhergesehenes eintreten, aber zur Not würde sie ja immer ihre Familie hinter sich wissen.

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Mittwoch, 3. April 2019, 11:53

Die dezente Drohung der künftigen Schwiegermutter sorgte dafür, dass sich der Kronprinz-Regent von Armenien fast verschluckte. Er hatte dieses Weib eindeutig unterschätzt und wagte es nicht, weiter in denkbar unpassender Weise das Wort zu erheben. Vielmehr setzte er ein falsches Grinsen auf und widmete sich dann seiner zukünftigen Ehefrau, die es scheinbar sehr gut verstand, ihn in ihren Bann zu ziehen. Dass sie Aschot im Grunde genommen für einen unreifen Tölpel hielt, erkannte er natürlich nicht im Mindesten. Er war eben das Mittel zum Zweck, wollte Thekla selbst wirkliche Macht erlangen. Bald schon wären sie beide vermählt und die Sache niet- und nagelfest.

So nahm der Staatsempfang seinen Lauf. Es wurden noch viele oberflächliche Höflichkeiten ausgetauscht und über noch mehr unbedeutende Dinge gesprochen. Vor allem war der Andrang an der Festtafel enorm, konnte man sich hier doch umsonst den Wanst vollstopfen und sich zusaufen. Schließlich wurde auch schon ein Termin für die Trauung anvisiert, die noch in diesem Jahr stattfinden sollte, genau genommen Silvestertag des Jahres 951. Damit würde Thekla zur Kronprinzessin von Armenien aufsteigen, womit Byzanz einen direkteren Einfluss auf das kleine Königreich im Osten bekäme.

Sim-Off:
Die Trauung wird nicht mehr gesondert ausgespielt, sondern darf in künftigen Threads als gegeben vorausgesetzt werden.


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