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Rhomäisches Reich: Der Ex-Innenminister Ioustinianos Doukas ist tot. Der Prozess gegen Romanos Argyros ist vorüber; der Kaiser hat die lebenslange Haft auf zwanzig Jahre verkürzt.
Armenien: Sämtliche Zölle zwischen Armenien und dem Reich wurden aufgehoben. Das Kaiserreich hat umfassende Investitionen in die Infrastruktur zugesagt, um den Handel anzukurbeln.

[Arbeitszimmer des Basileus Zenon II.] Das achte Weltwunder

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Freitag, 11. Januar 2019, 21:00

Das achte Weltwunder

Zenon saß in seinem Arbeitszimmer. Zwar stand ihm seit seiner Ernennung zum Basileus ein neues im Privaten Trakt zu, fernab von den Amtszimmern der anderen Ministerien und Sekretäre, doch konnte Zenon sich nicht so recht von seinem bisherigen Büro trennen. Nach seiner Ernennung zum Kanzler, ein Amt, das er fortan in Personalunion mit dem des Kouropalates ausgeübt hatte, hatte er die Wand zum benachbarten Arbeitszimmer einreißen lassen und sich eine Arbeitsumgebung geschaffen, die an Prestige und vornehmen Prunk kaum zu überbieten war. Hier fühlte er sich wohl, hier arbeitete er gerne. Warum also aufgeben? Dass die Kanzlei quasi um die Ecke war störte ihn mitnichten, auch der Betrieb draußen auf dem Flur konnte er ausblenden. Nun, vielleicht würde er sich im Privaten Trakt ein neues Arbeitszimmer der Superlative einrichten lassen – irgendwann in nicht zu naher Zukunft.
Und genau in dieses Arbeitszimmer hatte er für diesen Vormittag den Mystikos bestellt. Zwar war Belisarios Arianites eigentlich der Privatsekretär des Kaisers, doch hatte er genau durch dieses Amt die besten Kontakte, die Zenon für seine Pläne brauchte. Romanos hielt sich in letzter Zeit ohnehin recht bedeckt und verließ seine Gemächer nur selten, sodass Belisarios durchaus Kapazitäten hatte, um dem Basileus zur Verfügung zu stehen. Sicher hätte Romanos nichts dagegen gehabt, hätte Zenon ihn gefragt.
Bei einem Glas ägyptischen Omar Khay­yams, einem edlen Rotwein aus dem fernen Süden, saß er auf einem bequemen Sessel und blickte in die knisternden Flammen des Kamins, der eine wohlige Wärme im Raum verbreitete. Draußen fielen dicke Schneeflocken vom Himmel, die die Häuser der Stadt bedeckten, auf der Straße jedoch nicht liegen blieben. Jetzt war der richtige Zeitpunkt, mit der Planung zu beginnen, damit man im Frühling, wenn der Schnee den ersten warmen Sonnenstrahlen weichen würde, zur Tat schreiten konnte.

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Freitag, 11. Januar 2019, 22:05

Belisarios widmete sich in den letzen Tagen der Philosophie. Die Schriften des gallo-romanischen Schriftstellers Ausonius über die Stadt Trier war das neuste Werk dass er gerade las. Doch neben der Lektüre widmete er sich den täglichen Aufgaben eines Privatsekretärs des Kaisers. Korrespondenz aus den Ministerien und aus den Provinzen, Bittgesuche an den Kaiser etc die musste fein säuberlich geordnet und bearbeitet werden. Denn der Kaiser wollte sich nur noch mit den wichtigsten Dingen beschäftigen. Belisarios sass also damit an einer Schaltstelle zur Macht. Aber der pflichtbewusste und gewissenhafte Beamte wollte dies nicht zum eigenen Vorteil nutzen, sondern um wichtige Reformvorhaben voranzutreiben. Auch diesen Reformvorschlägen arbeitete und verfeinerte sie. Der Byzantinische Staat brauchte eine Staatsreform, und zwar eine die das Reich in seinen Grundfesten konsolidierte.

Es war gegen elf Uhr als es an der Tür zu den Gemächern des Mystikos. Belisarios bat den Wartenenden herein. Ein Diener trat ein und teilte dem Mystikos mit dass ihn der Basileus Zenon II. sofort zum einem Gespräch erwartete. Belisarios erhob sich und nahm seine Unterlagen mit. Er wollte dem Basileus auch seine Reformvorhaben vortagen die er schon dem Kaiser vorgetragen hatte. Also machte sich Belisarios auf den Weg zum Arbeitszimmer des Basileus. Er überlegte sich aber auch was der Basileus wohl von ihm wollte. Irgendeinen Grund gab es schon. Während er sich dem Arbeitszimmer näherte sah Belisarios nach draußen und sah den Schnee der auf die Dächer der Häuser fiel. Belisarios faszinierte die weiße Schneedecke. Irgendwie hatte ihn der Schnee immer fasziniert. Er liebte den Schnee im Gegensatz zu anderen. Belisarios betrachtete den Schneefall noch ein wenig und machte dann auf zum Basileus. Als vor der Türe des Arbeitszimmers stand, klopft er an und trat ein nachdem die Türe von einem Diener geöffnet wurde. Belisarios trat ein und verneigte sich vor dem Basileus der in einem bequemen Sessel sass und sich vor dem Kamin aufwärmte. Belisarios verneigte sich und sprach dann: Eure Hoheit. Man hat mir mitgeteilt dass ihr mich sprechen wollt. Wie kann ich euch zu Diensten sein? fragte er Zenon respektvoll.

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Freitag, 11. Januar 2019, 23:03

Nahezu pünktlich erschien Belisarios im Arbeitszimmer des Basileus. Nahezu, weil Zenon einen Moment länger warten musste, als es ihm lieb war. Verstimmt war er deswegen jedoch nicht, schließlich hatte er es bei einem guten Glas Wein recht gemütlich vor dem Kamin. Als der Mystikos eintrat, verneigte er sich direkt und begrüßte seinen Gastgeber. Zenon erhob sich nicht, das hatte er als Basileus nicht nötig. Er rang sich jedoch zu einem freundlichen Nicken durch. „Mystikos, schön, dass Ihr nun endlich hier seid. Bitte, nehmt Platz.“ Er deutete auf den leeren Sessel neben ihm, der schräg dem Kamin zugewandt war, so wie der eigene auch. So konnte man sich zwar unterhalten, die Position der Stühle zum Kamin hin vermittelte dennoch eine recht intime und gemütliche Atmosphäre. Nun erhob sich Zenon doch, ging zu seinem Weinschrank und holte ein Glas aus teurem venezianischem Kristall heraus, welches er mit dem Rotwein füllte, den er auch selbst gerade trank. Das Glas reichte er dann dem Mystikos. „Einer der wertvollsten Weine, die ich besitze. Ägyptisch. Nicht viele dürfen den Wein hierzulande genießen, doch habe ich meine Kontakte, Ihr versteht.“ Zenon rang sich zu einem süffisanten Grinsen durch. Als einstiger Chefdiplomat hatte er natürlich auf der ganzen Welt Kontakte und man kannte seinen Namen. Zu Ägypten hatte er jedoch eine besondere Beziehung. Hierher war während des Bürgerkriegs seine Gattin Theophano geflohen und hatte die Zwillinge zur Welt gebracht. Zenon stand für den Rest seines Lebens in der Schuld des Walis.

„Euer Aufstieg zieht einige Aufmerksamkeit auf Euch, Mystikos“, eröffnete Zenon das eigentliche Gespräch nun, nachdem er sich in seinen Sessel hatte fallen lassen. „Ein einfacher Bürger in der großen Stadt, plötzlich Privatsekretär des Kaisers.“ Es lag durchaus ein wenig Bewunderung in diesen Worten, gelang dies doch den wenigsten Menschen. Die meisten höheren Hofbeamten waren aufgrund ihres Namens hier, nicht aufgrund ihrer Arbeit. Das Ringen um Macht und Einfluss spornte die Familien an, dem Reich möglichst gut zu dienen und dem Kaiser aufzufallen, weswegen sie ihre Sprösslinge entsendeten. So war es damals auch Zenon ergangen. Bereits in jungen Jahren war er mit Romanos befreundet gewesen und hatte schließlich die ihm vorbestimmte Laufbahn eines Diplomaten eingeschlagen, von denen es in der Familiengeschichte der Zaridai zahllose gab. Im Gegensatz zu Belisarios entstammte Zenon einem alten adeligen Geschlecht, das viele Diplomaten und Kaufleute hervorgebracht hatte und es im Laufe der Jahrhunderte zu einer der reichsten und einflussreichsten Familien des Kontinents gebracht hatte. Anders als beispielsweise die Doukai oder Phokadai spielten die Zaridai allerdings eine nicht ganz so offensichtliche Rolle auf der Bühne der Welt und zogen die Stränge eher aus dem Hintergrund. „Wie Ihr wisst, sprecht Ihr mit einem Basileus, dem natürlich die Anrede einer Majestät zusteht. Eurer niederen Herkunft geschuldet will ich es Euch verzeihen, dass Euch dieser Faux-Pas passiert ist und gehe davon aus, dass dies nicht wieder geschehen wird.“ Zenons Tonfall klang jovial und bedrohlich zugleich, er unterstrich das Gesagte jedoch mit einem kurzen Lächeln.

„Sicher fragt Ihr Euch, weswegen ich nach Euch habe schicken lassen. Nun, die Sache ist einfach. Ihr seid ein belesener Mann und kennt Euch in der Verwaltung bestens aus.“ Er erhob sich und ging einige Schritte im Arbeitszimmer auf und ab, ehe er vor einer kleinen Statuette stehen blieb, ein Modell, das ein geradezu allbekanntes Gebäude zeigte. Nahezu liebevoll strich Zenon über das aus Bronze gearbeitete Kunststück. „Was wisst Ihr über den Pharos von Alexandria, Belisarios?“

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Samstag, 12. Januar 2019, 18:36

Belisaros galt eigentlich als sehr pflichtbewusste Mann. Pünktlichkeit war ein muss. Aber das konnte auch schon mal den pflichtbewusstesten Menschen passieren dass er sich für etwas faszinierte oder von einer anderen Sache abgelenkt wurde. Aber das war selten der Fall, den als Privatsekretär des Kaisers war er in Nahezu allen Sachen bestens unterrichtet. Dass musste man auch angesichts der vielen Bittgesuche, der Korrespondenz und weiteren Aufgaben. Die Höflinge machten sich über Belisarios immer noch lustig. Sie bezeichneten ihn als "Germanen" oder "Teutonen. Der findigste Spitzname den sich diese überheblichen Höflinge hatten einfallen lassen war aber "Belisarios von Nursia" angelehnt an den Hl. Benedikt den " Pater Europae" den Vater Europas und wohl prägendsten Geistlichen der Antike und des frühen Mittelalters. Das Motto des Hl. Benedikt war "ora et labora" bete und arbeite. Belisarios war anders als die Höflinge. Er lebte bescheiden. Er war kein Mann des Luxus, natürlich gab es ab zu ein wenige Vergnügen zum Zeitvertreib und zur Entspannung, aber ansonsten konnte er das Motto " ora et labora" für sich persönlich unterschreiben. Es war nicht seine Aufgabe verschwenderisch zu sein, sondern seinen Dienst für Kaiser und Reich oder besser gesagt für Kaiser und Vaterland" Pro Imperator et Patria".

In den Gemächern des Basileus war es eindeutig wärmer als in den Gängen des Verwaltungstraktes in denen sich die Ministerien befanden. Der Basileus erhob sich nicht aber er nickte freundlich und bat Belisarios einen Sitzplatz an. Belisarios erhob sich und nahm Platz auf dem Sessel. Die Wärme des Karmins war wohltuend und tatsächlich war die Stimmung hier entspannter als in den kalten Korridoren des Verwaltungstraktes.Dann erhob sich der Basileus ging zum Weinschrank und holte ein Glasaus feinstem venezianischen Kristall hervor und füllte es Wein. Dann gab er es Belisarios: Ich danke Euch, sprach Belisarios und nippte ein wenig an dem köstlichen Wein: Natürlich Ich verstehe, sprach Belisarios als der Basileus seine Kontakte in Ägypten erwähnte. Belisarios lächelte. Immerhin war Zenon bis zu seiner Ernennung zum Basileus. Als Reichskanzler und Reichsaussenminister der oberste Diplomat des Reiches. Die grosse Verbundenheit mit Ägypten war aber noch etwas anderes, wie Belisarios flüchtig erfahren hatte. Theophano die Frau des Basileus und Schwester des Kaisers war nach Ägypten geflohen und hatte dort ihre Kinder geboren. Für ihren Schutz hatte der Wali von Ägypten gesorgt der als treuer Verbündeter des Byzantinisches Reiches galt.

Dann liess sich Zenon auf seinen Sessel fallen und eröffnete das Gespräch mit einem überraschenden Einstieg. Der Basileus meinte der Aufstieg des Mystikos ziehe einige Aufmerksamkeit auf ihn. Ein einfacher Bürger der plötzlich zum Privatsekretär des Kaiser aufstieg. Naja Belisarios hätte sich dass auch nicht unbedingt vorstellen können. Eigentlich wollte er ja Diplomat werden und nach seinem Studium der Philospohie hätte er sich auch vorstellen als Dozent zu arbeiten. Aber es kam anders und nun war er hier: Es war auch für mich ein Zufall. Wenn ich ehrlich bin ich wäre gerne in den diplomatischen Dienst des Reichs eingetreten, meinte Belisarios. Dann kam der Basileus noch auf etwas ganz anderes zu sprechen. Die Anrede. Der Titel des Basileus war mit der Anrede Majestät verknüpft. Belisarios entschuldigte sich kurz: Natürlich verzeiht mir eure Majestät.


Dann klärte Zenon den Mystikos über sein Anliegen auf. Als erstes folgte ein Kompliment. Belisarios sein belesener Mann der sich in der Verwaltung bestens auskannte meinte Zenon. Der bescheidene Technokrat antwortete freundlich: Nun ich danke Euch für das Kompliment. Ich tue nur meine Pflicht für Kaiser und Reich, sprach Belisarios. Dann erhob sich der Basileus und ging einige Schritte bis er vor einem des Pharos von Alexandria. Zenon fragte Belisarios was er über den Pharos wisse: Dass er in Alexandria steht, scherzte Belisarios: Nun die Insel Pharos liegt ja vor der Ägyptischen Küste und ist etwa 13 - 14 Knoten westlichen des kanopischen Nilarmes. Wenn man der Odyssee des Homer glauben schenkt, landete der griechische König und Troja-Gegner Menelaos auf der Insel gelandet sein die damals noch keinen Namen trug. Daraufhin fragte er einen Mann wie die Insel hieß und wer dessen Besitzer war. Der Ägypter antwortete ihm auf alt ägyptisch mit Pera'a was Pharao bedeutet. Menelaos verstand aber nur Pharos was zu griechisch ja Tuch oder Segel bedeutet. So erhielt die Insel laut der Legende ihren Namen. Naja es gab ja vor der Errichtung Alexandrias durch Alexandros den Grossen im Jahre 331 v. Chr. es noch eine alte Ägyptische Siedlung gab die natürliche Bucht als Hafen nutze. Tja später wurde Insel durch den Bau des Heptastadiondamm mit dem Festland verbunden zum Schutz der Häfen von Alexandria. Naja der Turm wurde östlich Insel Pharos gebaut bei der grossen Hafeneinfahrtda es dort mehrere Riffe gibt Und der Pharos steht ja bei einem Riff zwischen den beiden Hauptpassagen. Gebaut wurde der Turm Sostratos von Knidos dessen Vater schon den Damm errichtet hat. Gebaut wurde er unter der Herrschaft von Ptolemaios. I Soter fertiggestellt wurde 282 v. Chr unter seinem Ptolemaios II Soter. Die Krönung des Turmes ist eine Statue die hoch in Himmel reicht. Es handelt sich dabei um eine Poseidonstatue. Andere Quellen berichten allerdings davon dass sich um Zeus den Göttervater handelt. Weil Zeus über Herakles Stammvater der Ptolemaier ist. Die Lichtquelle ist bei Tage ein von Archimedes entwickelter Metallhohlspiegel bei Tage und bei Nacht Öl und Pechfeuer. Er hat eine Gesamthöhe von 3000 Ägyptischen Ellen und ist das dritthöchste Bauwerk der Welt. Und natrülich gehört auch zu den sieben Weltwundern. Da die Babylonische Mauer zerfallen war. Nun ja der Turm wurde angeblich im Jahr 365 n. Chr von einem schwerem Seebeben getroffen dass sich vor Kreta ereignet hat beschädigt. Andere Angaben beziehen sich auf das Jahr 769. Die abschließende Götterstatue sei Mitte oder Ende des 4. Jahrhunderts entfernt worden, da unter Kaiser Theodosios da dieser das Christentum zur Staatsreligion erhob und alle anderen heidnischen Kulte verbot. Spätestens als Die Araber Ägypten eroberten stand die Statue nicht mehr. Dass weich ich eure Majestät, sprach Belisarios.

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Montag, 14. Januar 2019, 18:29

Der Mystikos nahm Zenons Tadel hin und entschuldigte sich artig, so wie der Basileus es erwartet hatte. Der Fehler würde Belisarios fortan nicht mehr passieren (dürfen). Er berichtete nun, zur Überraschung des Basileus, dass er viel lieber eine diplomatische Laufbahn eingeschlagen hätte. Zenon lachte. "Nun, ich denke, hier zeigt sich ganz offen, warum es nützlich ist, ein starkes Haus hinter sich zu haben. Ein vielsagender Name öffnet Tür und Tor und kann durchaus karrierefördernd sein. Eine Annehmlichkeit, auf die Ihr offensichtlich schmerzlich verzichten müsst. Welch ein Paradebeispiel." Hieße Belisarios nämlich eben nicht Arianites sondern Doukas, Phokas oder gar Zarides, wären seine Wünsche hinsichtlich seiner Karriere wohl viel eher auf offene Ohren gestoßen. "Wenn man, so wie Ihr, nicht über den nötigen Hintergrund verfügt, so gibt es nur eines, was Euch weiterhelfen kann: Kontakte. Nur, wer die richtigen Leute kennt, kann es zu etwas bringen." Ein vorzügliches System, das Grünschnäbel und Taugenichtse von Beginn an aussortierte. Wer niemand war, sollte auch nicht beachtet werden. "Nun, mein lieber Mystikos, glücklicherweise habe ich einen ganz guten Draht zur Reichskanzlei", fuhr er dann fort und grinste erneut, "so bin ich also gewillt, ein gutes Wort für Euch einzulegen, wenn Ihr Euren Auftrag zu meiner Zufriedenheit erfüllt. Die Diplomatie erfordert findiges Fingerspitzengefühl, Intelligenz und vieles mehr. Nur den Besten der Besten ist es vergönnt, sich um den Kanzler zu scharen und das Reich nach außen hin zu vertreten." Welch glücklicher Zufall, dass sich hier gerade ein zusätzlicher Ansporn für Belisarios auftat. "Ich werde Euch also an Euren Taten messen lassen. Ist dies nicht auch ein Anliegen, dass Ihr bereits dem Autokrator vorgetragen habt?" Welch wunderbare Gelegenheit, die These des Bürgerlichen zu überprüfen.

Der Mystikos schien deutlich mehr über den Pharos zu wissen, als Zenon es erwartet hätte. Die meisten wussten wohl, dass es ein Leuchtturm war, der vor Alexandreia lag und der höchste seiner Art auf der ganzen Welt war. Noch.
"Bravo, Mystikos. Ihr scheint bestens im Bilde zu sein. Darf man erfahren, woher Ihr Euer Wissen nehmt? Leuchttürme anderer Länder und Kulturen gehören ja wohl kaum zum alltäglichen Studium eines Doktors der Philosophie." Belarios war derart ins Detail gegangen, dass es doch schon recht ungewöhnlich erschien. Zenon interessierte nun, woher dieses Interesse für das Bauwerk kam. "Wie jedes Kind weiß, ist das Römische Reich ein Reich der Superlativen. Die größte Armee, die stolzesten Soldaten, den mächtigsten Kaiser, die schönsten Frauen", sagte Zenon mit einem Augenzwinkern. "Nun steht der Pharos vor Alexandreia und die Ägypter rühmen sich mit dem größten Turm dieser Art, den die Menschheit je kannte - dabei haben sie ihn nicht einmal gebaut... zumindest nicht die Ägypter, die heute dort leben. Nun frage ich Euch, mein Lieber, haltet Ihr das für gerechtfertigt?" Zenon stand noch immer und blickte nun zum Mystikos; die Antwort auf seine Frage konnte und durfte nur eine einzige sein. "Wir werden also dafür sorgen, dass wir Rhomäer auch in dieser Hinsicht die Ägypter vom Spitzenplatz vertreiben und einen Pharos errichten, der alles bisher gewesene in den Schatten stellt." Zenons Augen leuchteten. Der Gedanke an einen gigantischen Turm, der den Schiffen schon von weitem den Weg zur herrlichsten Stadt der Welt leuchtete, machte ihn ganz aufgeregt.
"Und hier kommt Ihr ins Spiel. Als Privatsekretär seiner Majestät kennt Ihr die besten Baumeister im Reich, habt Unterlagen über Ressourcen, Vorräte, Arbeitskraft etc." Der Basileus schritt zurück zum Kamin und setzte sich in seinen Sessel. "Zu allererst jedoch muss ein geeigneter Platz auserkoren werden. Am besten wird es sein, eine künstliche Insel anzulegen, ganz dem Beispiel der antiken Ägypter folgend. Der Boden des Bosporus ist jedoch tückisch, weswegen sich die besten Köpfe des Reiches zusammensetzen müssen, Baumeister, Statisten, wer auch immer. Ihr werdet Euch hierum kümmern, Pläne ausarbeiten und Berechnungen anstellen lassen und mir die entsprechenden Unterlagen dann zur Durchsicht überreichen." Zenon setzte sich auf und legte dem Mystikos eine Hand auf dessen Knie. "Seid Ihr bereit, Geschichte zu schreiben?"

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Samstag, 26. Januar 2019, 18:02

Der Mystikos hörte Zenon aufmerksam. Der Basileus verzieh ihm den kleinen Fauxpas auf dass nie wieder passieren würde. Belisarios war ja auch nur ein Mensch, aber er lernte schnell aus seinen Fehler und analysierte sie schnell, so dass ihm dieser nicht noch einmal passierte. Auf seinen Berufswunsch reagierte der Basileus überrascht. Dann lachte er nur und meinte dass sich hier die Problematik zeige, warum es ein Vorteil sei eins starkes hinter sich zu haben. Den ein vielsagender Name öffnet Tür und Tor und konnte durchaus karrierefördernd sein. Eine Annehmlichkeit auf die Belisarios verzichten musste. Für Belisarios waren die Äußerungen des Bassileus eine Bestätigung das der Byzantinische Staat, Staatsreformen im Inneren brauchte. Denn Namensträger eines grossen Namens zu sein, war ja schön und gut. Aber wer sagte dass diese den Staat nicht als Selbstbedienungsladen? Aber diese Gedanken behielt Belisarios für sich.

Dann erklärte sich der Basileus bereit für Belisarios ein gutes Wort einzulegen, wenn sich dieser als nützlich erweisen würde. Ob dass nicht schon ein Anliegen sein dass er dem Autokrator vorgetragen habe, fragte Zenon: Dies ist in der Tat so Majestät, antwortete Belisarios.

Und was Zenon noch mehr überraschte war das profunde Wissen des Mystikos über den Pharos. Und Zenon hakte nach, wieso Belisarios so viel über den Turm wusste. Nun ja Fremde Kulturen, Sitten und Gebräuche die Geschichte, Belisarios hatte sich dafür von klein auf schon interessiert: Nun Eure Majestät. Seit ich klein war interessiere ich mich schon für das Fremde. Ich interessiere mich für die Geschichte, die Historie. Und nun ja so auch für den Pharos von Alexandria. So habe ich mich auch intensiv mit der Christianisierung Britanniens oder mit Studien über die germanischen Völker. Wie Ihr seht Majestät bin ich auch ein Historiker, meinte Belisarios und schmunzelte.

Dann kam Zenon auf das eigentliche Anliegen zurück. Er wollte einen Pharos hier in Konstantinopel errichten. Er solle sogar den Pharos von Alexandria in den Schatten stellen. War das Grössenwahn hier am Werk fragte sich Belisarios? Einen Turm noch Höher als den Pharos von Alexandria zu erbauen. Allein schon die Kosten für das Bauvorhaben waren immens, und man musste kein begabter Mathematiker sein um zu errechnen was für gewaltige Ressourcen notwendig waren um diesen Bau zu vollenden. Und genau Belisarios ins Spiel. Er sollte alles nötige Materiale, alle Unterlagen besorgen und sie dem Basileus vorlegen. Belisarios dachte sich in diesem Moment"Oh mein Gott". Es war ein gewaltiges Vorhaben. Der Basisleus setze sich hin und legte seine Hand auf Belisarios Knie und fragte ob er bereit sei Geschichte zu schreiben. Belisarios zögerte aber dann sagte er: Wenn es dem Kaiser und dem Reiche dient, bin ich bereit eure Majestät.

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Donnerstag, 21. Februar 2019, 22:32

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Seit dem letzten Treffen mit dem Mystikos war gut ein Monat vergangen, bis der Basileus ihn erneut zu sich bestellen ließ. Seitdem hatte Zenon sich mit einigen Architekten und Baumeistern getroffen, um mit ihnen sein gigantisches Bauprojekt zu besprechen. Sie hielten den Bau an sich für durchaus machbar, wenngleich er auch einige Herausforderungen mit sich brachte. Wichtig war, dass man vor allen Dingen ein solides Fundament erschaffen würde, damit der Turm nicht eines Tages im Meer versinken würde.
Voller Ungeduld erwartete Zenon den Mystikos und als dieser endlich auftauchte, sprang er förmlich auf und begrüßte seinen Gast.
"Belisarios, da seid Ihr ja endlich!", rief er fast, ging auf jenen zu und zog ihn an dessen Arm mit sich, um ihn zu einem der bequemen Sessel an seinem Schreibtisch zu führen. Beim letzten Mal hatten sie noch vor dem Kamin gesessen, inzwischen war es jedoch wärmer und Zenon erwartete, dass der Mystikos einige erste Papiere vorbereitet und mitgebracht hatte. "Sagt, was konntet Ihr bisher in Erfahrung bringen?"

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Samstag, 23. Februar 2019, 15:54

Tatsächlich war schon ein Monat vergangen seitdem sich der Basileus Zenon II und der Mystikos Belisarios Arianites getroffen hatten über das "achte" Weltwunder zu reden. Seit diesem Treffen hatte sich Belisarios Pendenzenliste nicht verkleinert, im Gegenteil sie hatte sich vergrössert. Von Morgens früh bis Abend spät hatte Belisarios die ganze Zeit terminliche Verpflichtungen, sein Terminkalender war randvoll mit Sitzungen,Arbeitstreffen und terminlichen Verpflichtungen anderer Art. Das Projekt das am meisten Zeit in Anspruch nahm war der Pharos. Ein paar Tage nach dem Zusammentreffen mit dem Basileus hatte Belisarios eine Besprechung mit Statikern und Geologen, ob es möglich wäre eine künstliche Insel im Bosporus anzulegen und wie man diese stabilisieren könnte. So unternahm er mit Statikern und Geologen mehrere Exkursionen auf den Bosporus und tatsächlich fand man in der Nähe des Goldenen Horns einen geeigneten Platz für den Pharos. Der mögliche Standort wurde auf einer Karte markiert.

Dann begann die Arbeit einer von Belisarios einberufenen Kommission die sich aus Baumeistern,Architekten,Statikern etc. zusammensetzen. Man musste die Kommission für ihre Arbeit loben den sie leistete grossartiges. Innerhalb weniger Wochen hatte man Baupläne erstellt, Kostenaufstellungen, Berichte etc. So waren für das nächste Treffen mit dem Basileus alle nötigen Dokumente vorhanden. Belisarios Organisationsfähigkeit war erstaunlich, aber man brauchte sie, und für ein so grosses Projekt war sie notwendig. Neben den notwendigen Dokumenten hatte Belisarios ein Modell für neuen Pharos in Auftrag gegeben das pünktlich zum Treffen mit dem Basileus fertiggestellt wurde.

Es kam der Tag der Besprechung mit Zenon. Belisarios machte sich mit einer ganze Mappe voller akribisch geordneter Akten und dem Modell des Pharos zum Basileus auf. Es wurde wärmer in Konstantinopel. Der Frühling lag in der Luft. Als Belisarios im Arbeitszimmer ankam und eintrat und sich dazu verneigen wollte, stürmte der Basieus auf ihn zu und nahm ihn am Arm. Kurz bevor der Basisleus das gesagt hatte sprach Belisarios ihn mit formellen korrekten Anrede an: Eure Majestät, dann nahm er auf dem angebotenen Sessel Platz. Nun sass er dem Basileus gegenüber und der wartete folglich eine Bericht.

Nun Eure Majestät. Ich habe hier verschiedene Akten für euch vorbereitet, daraufhin legte Belisarios die Akten in akribischer Reihenfolge auf den Schreibtisch. Zuerst haben wir den Bericht der Statiker und Geologen für die Anlegung einer künstlichen Insel im Bosporus. Dazu müsst Ihr wissen dass ich mit den Experten mehrere Exkursionen auf den Bosporus unternommen habe und wir haben auch einen geeigneten Standort dafür gefunden, Belisarios zeigte dem Basileus den Standort auf der Karte. Die Statiker schlagen eine Sicherung durch ein solides Fundament auf den Boden des Bosporus vor, an dieser Stelle ist der Boden auch nicht so heimtückisch. Dann haben wir in der zweiten Akte die Berichte der Architekten und Baumeister, und auch die Baupläne, Belisarios nahm die Pläne aus der zweiten Akte hervor: Es gibt drei Entwürfe. Der Erste Entwurf gleicht dem Pharos von Alexandria und ist grösser als ebenjener. Der Zweite Entwurf ja schlägt ein etwas schmaleren Turm vor dafür wird der Radius der Lichtquelle vergrößert. Und der Dritte Entwurf gleicht dem zweiten schlägt aber vor auf dem Dach des Pharos eine riesengrosse Statue zu errichten um die Wirkung des Turms zu verstärken, ihn als noch mächtiger und herrlicher zu präsentieren. Wenn Eure Majestät aber Sachen aus Entwurf gut findet und ihr diese Sache einem zuordnen möchtet, kann ich gerne mit den Architekten darüber, dass ist sicher möglich.


Dann haben wir die Akte Nummer Drei, Belisarios kramte die entspreche Akten mit den Inhalten hervor. Hier haben wir eine Kostenaufstellung für alle drei Entwürfe sowie mehrere Listen mit den für den Bau nötigen Ressourcen. Es wurde alles auf einer sicheren Kalkulationsbasis errechnet eure Majestät. Und dann haben wir noch die Akte 4, Belisarios kramte diese Akte ebenfalls hervor: Dass sind die Empfehlungen der Baukommission für Eure Majestät. Die Komission empfiehlt es ist ein unverbindlicher Vorschlag den Ersten Entwurf des Turmes. Sollten Eure Majestät noch fragen haben kann ich gerne dazu Auskunft geben. Und wenn Ihr den Standort gerne besichtigen würdt, lasse ich das gerne arrangieren dann werden Euch ein Statiker und ein Geologe die Begebheiten erklären. Könnt Ihr mit meinen Angaben etwas anfangen Eure Majestät, fragte Belisarios und wartete die Antwort des Basileus ab.

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Sonntag, 24. Februar 2019, 21:04

Mit leuchtenden Augen verfolgte Zenon aufmerksam den Worten des Mystikos, der einige Unterlagen zusammengetragen hatte. Er berichtete davon, mit entsprechenden Experten einen optimalen Bauplatz für den Leuchtturm gefunden zu haben. Der Basileus nickte. Er hatte sich im Vorfeld auch wenig schau gemacht und die Berater, mit denen er weniger ausführlich gesprochen hatte wie Belisarios es getan hatte, waren zu demselben Ergebnis gekommen. Seinem Vorbild ähnlich würde man den Turm also auf einer künstlichen Insel platzieren, die den Elementen trotzen und dafür sorgen würde, dass der Leuchtturm selbst in tausend Jahren unerschütterlich Seefahrern den Weg weisen würde.
Die Arbeit des Mystikos hatte mit der Auswahl eines Bauplatzes jedoch nicht geendet, er hatte sich bereits mit Architekten zusammengesetzt, die sogar erste Entwürfe angefertigt hatten. Kurz umspielte ein verärgertes Zucken die Miene des Basileus, war Beliasrios hier doch deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Der Auftrag hatte gelautet, einen Bauplatz zu finden und mit fundierten Berechnungen und Plänen zu belegen, dass der auserwählte auch der optimale Ort für das Projekt war.
"Euer Eifer in allen Ehren, Mystikos, doch gedenke ich, den Protoarchitektones mit der Gestaltung des Turmes an sich zu beauftragen." Wer, wenn nicht der persönliche Architekt des Kaisers persönlich war würdig, ein derartiges Monument zu schaffen? Konstantinos und Zenon hatten bisher nicht viel gemeinsam, doch schien der Phokas in seiner neuen Aufgabe mehr als nur zu glänzen und schien dem Basileus optimal für sein Vorhaben. Er hoffte nur inständig, dass der Protoarchitektones zwischen den ganzen anderen Projekten auch etwas Zeit und Muße finden würde, um mit Zenon Geschichte zu schreiben.
"Ich bin zufrieden mit Euch", stellte der Basileus dann trotz allem fest und nickte. "Ich werde Eure Pläne hierbehalten und mich alsbald mit Seiner Exzellenz dem Protoarchitektones zusammensetzen. Sobald sein Entwurf steht, werdet Ihr Euch um die weiteren Maßnahmen kümmern. Zunächst reicht es, Euch zwecks der Finanzierung des Bauvorhabens mit dem Minister der Finanzen in Verbindung zu setzen." Zwar stand jedem Mitglied der Kaiserfamilie ein gewisser Betrag aus der Staatskasse als eine Art Aufwandsentschädigung zu, doch ging es hier schließlich um ein monumentales Prestigeobjekt, das dem Reiche zugute kam, weswegen Zenon nicht im Traum daran dachte, persönlich dafür aufzukommen. Nein, der Bau war Staatsangelegenheit und hatte höchste Priorität zu genießen!
"Wenn das alles ist, dürft Ihr Euch vorerst zurückziehen. Gute Arbeit", lobte er noch einmal und bekräftigte seine Worte mit einem kurzen Nicken. Damit war sein Interesse an dieser Unterhaltung ausgeschöpft und er widmete sich einigen Schriften, die auf seinem Schreibtisch lagen.

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Freitag, 1. März 2019, 07:09

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Gemeinsam mit dem Protoarchitektonas war Zenon vom Sitzungssaal des Kronrats zu seinem Arbeitszimmer gelaufen. Dieses befand sich recht zentral, sodass man von hier aus alle anderen Ministerien recht schnell erreichen konnte. In unmittelbarer Nähe befand sich die Kanzlei, in der die einzelnen Fäden der Regierung zusammenliefen. Und da Zenon zuletzt Reichskanzler gewesen war, hatte er eben hier sein Arbeitszimmer. Dass er als Basileus längst eines im Privaten Trakt haben könnte, störte ihn nicht, hatte er sich dieses doch so schick eingerichtet. Er war sogar soweit gegangen und hatte die Wand zum benachbarten Raum einreißen lassen, welches nun durch einen verzierten Bogen betreten werden konnte. Das Zimmer selbst ließ das Herz eines jeden (Innen-)Architekten höher schlagen ob seiner stilvollen Einrichtung und der vielen Akzente, die hier - auch baulich - gesetzt wurden. Über dem Kamin thronte das Wappen der Zaridai mit dem Familienmotto, welches auf Latein angebracht war: Aurum potestas est. Gold ist Macht. Die Zaridai gehörten seit Generationen zu den reichsten Familien des Reiches, die sich seit Jahrhunderten durch Handel und Diplomatie einen schier unendlichen Reichtum angehäuft hatten. An der Wand gegenüber hing seit kürzester Zeit ein riesiges Gemälde, welches den Basileus in heroischer Pose zeigte, auf einem majestätischen Gaul sitzend, der Blick in die weite Ferne gerichtet und eine mit verschiedenen Edelsteinen verzierte Krone tragend. Auf dem unteren Rand des Rahmens stand: Der ist mächtig, der vorwärts will. Auch ein einziger Mann kann eine Großmacht sein.
Zenon schritt zu seinem Schreibtisch, der aus teurem und schweren Holz aus dem fernen Afrika gefertigt wurde. Ein Regal daneben war verziert mit Statuetten, Büsten und allerlei kleiner Kunstwerke, die er in seiner Zeit als Diplomat angesammelt und von Regierungsvertetern anderer Staaten geschenkt bekommen hatte. Neben dem Regal war ein Schwert an der Wand angebracht, ungewöhnlich groß und mächtig. "Ein persönliches Geschenk König Liudolfs", kommentierte Zenon die Waffe, die den meisten Männern wohl zu schwer war, um damit zu kämpfen und betrachtete es beinahe liebevoll. Er erinnerte sich gerne an den alemannischen König, der ihn bei ihrer ersten Begegnung selbst für den Kaiser gehalten hatte. Ein klares Anzeichen dafür, dass Zenon seit jeher etwas Majestätisches ausstrahlte. Nun schritt der Basileus zu seinem Schreibtisch, auf dem ein heilloses Durcheinander zu herrschen schien: Unzählige Bücher und Papiere stapelten sich, Schriftrollen lagen überall herum. "Verzeiht die Unordnung, man wühlt sich einstweilen durch einen Berg Arbeit." Zielsicher griff er in das Chaos und zog ein einzelnes Blatt hervor, dass er sich nun vor die Brust hielt. "Sicher seid Ihr neugierig, warum ich Euch her gebeten habe. Seht her!" Mit diesen Worten und dem Grinsen eines Honigkuchenpferds im Gesicht drehte er das Papier um, damit Konstantinos die Zeichnung sehen konnte, die darauf angefertigt war. Sie zeigte einen ersten Entwurf des neuen Pharos. Im Prinzip hatte man den Pharos von Alexandria abgebildet, nur deutlich größer und vor dem Hafen Konstantinopels. Der Zeichner hatte sogar den Koloss mit einbezogen, der die Hafeneinfahrt markierte. "Konstaninopel, der Nabel der Welt. Eine Schande, dass unsere geliebte Stadt über keinen ordentlichen Leuchtturm verfügt. Es wird Zeit, das zu ändern. Es wird Zeit, dass wir das ändern", betonte er und reichte dem Architekten das Papier. "Wie Ihr seht, habe ich bereits einige Vorarbeit geleistet. Doch fehlt noch jemand. Baumeister und Architekten gibt es wie Sand am Meer, doch ich bin nicht gewillt, mich mit einem zweitklassigem Schlendrian zufrieden zu geben. Ihr seid der Beste in Eurem Fachgebiet und deshalb möchte ich Euch mit diesem Projekt betrauen - sofern Eure Zeit es zulässt." Zenon griff bereits zum nächsten Papier, auf dem erste Berechnungen der Statiker angestellt worden waren, was die künstliche Insel betraf, die man anlegen musste, um dem Turm ein festes Fundament zu geben. Hoffnungsvoll blickte er zu Konstantinos und hoffte, er würde von dem Projekt ebenso begeistert sein wie der Basileus.

Konstantinos Phokas

Protoarchitektonas tes Rhomaikes Autokratorias

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Freitag, 1. März 2019, 10:23

Die Sitzung des Kronrates war gerade eben ziemlich abrupt abgebrochen worden. Zum dritten und wichtigsten Tagesordnungspunkt, den Bauprojekten des Protoarchitektonas, waren sie gar nicht erst gekommen. Verdutzt, ein wenig ratlos und auch verärgert, war er schließlich dagesessen, die Unterlagen mit den Finanzaufstellungen und den Plänen vor sich, während ein Kronrat nach dem anderen den Saal verließ. Schließlich war noch der Basileus Zenon da gewesen, der mit ihm, dem Phokas, über ein Projekt sprechen wollte. Am besten im privaten Rahmen.

So war der Phokas dem Basileus zu dessen Gemächern gefolgt, die er wohl noch nie zuvor betreten hatte. Nun, endlich darin angekommen, bestaunte der Protoarchitektonas die geschmackvolle Inneneinrichtung des Basileus. „Verzeiht, Majestät, ich möchte nicht indiskret sein, aber das muss ich mir genauer anschauen!“, meinte er und besichtigte die vielen wertvollen Gegenstände; die Statuetten und Büsten, das Gemälde und das Schwert an der Wand; letzteres bewegte den Basileus zur Bemerkung, dass er dies vom König Liudolf geschenkt bekommen hätte. Konstantinos nickte anerkennend. „Ganz formidabel! Ein talentierter Innenarchitekt!“ Langsam schritt er auf den Basileus zu, ließ sich seine Neugier über den Grund der Einladung nicht anmerken. „Ich sehe auch, dass hier eine Wand ausgerissen wurde“, bemerkte er und das erstaunte Gesicht des Basileus veranlasste ihn dazu, sich zu erklären: „Ah, ich habe die Pläne des Palastes erst kürzlich studiert…ich erinnere mich klar daran, dass hier eine Wand stehen sollte, die den Raum abtrennte. Aber ich mag große Räume, sie geben einem das Gefühl der Freiheit…“

Nun kam es zum spannendsten Augenblick. Zenon entschuldigte sich für das Chaos auf seinem Schreibtisch, fand dennoch auf der Stelle das Blatt Pergament, welches er scheinbar gesucht hatte: Der Beweis der Existenz eines geordneten Chaos‘. Er hielt sich das Pergament vor die Brust und Konstantinos starrte ihn gebannt und mit großen Augen an, wie ein Kind, welches sein Geburtstagsgeschenk erwartete. Als Zenon das Pergament umdrehte entfuhr dem Phokas ein „Ahhh“ und er klatschte einmal mit den Händen und hielt sie dann vor seinem Herz zusammen, als wäre er von äußerster Ergriffenheit übermannt worden. „Jetzt verstehe ich. Eine wunderbare Idee, ja, ausgezeichnet! Daran hatte ich noch gar nicht gedacht!“

Konstantinos nahm das Pergament und betrachtete es im durch die Fenster einfallenden Sonnenlicht näher. Es war ein gigantisches Bauwerk, ein Turm von atemberaubender Größe, der alles andere in den Schatten stellen würde. „Es ist mir eine Ehre, Basileus“, murmelte er wie nebenbei und man merkte sofort, wie er sich das Endprodukt vor dem inneren Auge vorstellte. Mit dem Hauch von Zweifel und aber auch regem Interesse blickte er sein Gegenüber an: „Das habt Ihr selbst, ganz allein so entworfen?“ Ein zeichnerisches und geometrisches Talent wurde dem Betrachter des Planes sofort offenbar. „Aber das Fundament…es wird gigantisch sein müssen um das immense Gewicht überhaupt tragen zu können, außerd-“, begann er, unterbrach sich jedoch selbst, als der Basileus ihm das nächste Pergament reichte. Hier war eine Aufstellung mit allerlei Zahlen, Winkeln und Berechnungen aus den Händen der spitzfindigen Statiker. Konstantinos war ehrlich beeindruckt von der Vorarbeit des Basileus.

„Majestät. Gerne übernehme ich Euer Bauprojekt persönlich. Ich möchte jedoch betonen, dass ich für dieses bereits begonnene Projekt allein, oder hauptsächlich, auf Eure Ideen und Vorstellungen zurückgreifen möchte; der Leuchtturm soll so erstrahlen, wie Majestät es sich vorstellt. An mir liegt es, dies in die Tat umzusetzen und zu realisieren.“ Ähnlich funktionierte es auch mit dem Kaiser und ihm: Der Kaiser philosophierte und sinnierte über eine Vorstellung, sein Protoarchitektonas brachte es dann zu Papier und schließlich in Umsetzung. „An den Außenwänden des Turmes könnte man wunderbare Reliefs vergangener siegreicher Seeschlachten rhomäischer Geschichte eingravieren…“, brachte er sogleich eine erste eigene Idee ein. Darüber konnte dann jeder Besucher der Stadt, der über die See heranreiste, staunen. Der Turm war ja praktisch an die Marine – zivil und militärisch – gerichtet. Mit dem Turm könnte man auch der Marine ein gleichzeitiges ewiges Denkmal errichten. Das passte ihm auch wunderbar in die Symbolik der Stadt, die nur erobert werden konnte, wenn man sie von der See und vom Land her zugleich angriff; der Koloss stand für das Landheer, dieser Turm könnte für die Marine stehen.

Bald hatte Konstantinos einen ganzen Stapel Pergamente vor sich und sah sich jedes einzelne Blatt mit begierigen Augen an. Scheinbar gab es zur Zeit drei mögliche Entwürfe. Einen Turm, der dem Pharos von Alexandria glich; einem, der höher aber schmäler war; und einen letzten, der an der Spitze eine Statue tragen sollte. Fragend blickte er den Basileus an. „Welche dieser drei Ausführungen sagt Euch denn am ehesten zu, Majestät?“

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Sonntag, 10. März 2019, 14:35

Zenon beobachtete den Kaisar, als dieser die wertvolle Sammlung des Basileus betrachtete. Seine Anmerkung zur fehlenden Wand quittierte Zenon mit einem Grinsen. "Das Arbeitszimmer nebenan gehörte früher dem Reichskanzler. Als Romanos mir das Amt in Personalunion anvertraut hatte, sah ich nicht ein, warum ich auf dessen Arbeitszimmer verzichten sollte und ließ die Wand einreißen und diesen schönen Durchgang gestalten. Nebenan befindet sich ein kleiner Salon, ein Besprechungszimmer, wenn man so möchte." Mit einer Handbewegung lud er Konstantinos ein, sich auch nebenan umzusehen. Im Besprechungsraum stand mittig ein großer, aus wertvollem Königsholz gefertigter Tisch, in dessen Oberfläche eine Glasscheibe eingearbeitet war. Unter ihr war eine äußerst genau gearbeitete Karte der bekannten Welt platziert, die sogar die jüngsten Veränderungen der Geschichte zeigten, so waren die Landesgrenzen im Osten korrekt und auch der Kirchenstaat war wahrheitsgetreu eingezeichnet. Um den Tisch herum standen dunkle Stühle mit hohen, mit dunkelrotem Stoff bepolsterten Rückenlehnen, auf denen schon bedeutende Männer und Diplomaten Platz genommen hatten. Der Fußboden war in beiden Räumen aus hellem Marmor gefertigt, der sich von den anderen Räumlichkeiten im Verwaltungstrakt abhob und der das Budget des Kanzlers a.D. seinerzeit stark strapaziert hatte.

Schließlich war man also am Schreibtisch angekommen und Zenon hatte dem Architekten seine Pläne bezüglich des Leuchtturms offen gelegt. Der Protoarchitektonas schien völlig begeistert, er klatschte sogar in die Hände und Zenon hatte das gute Gefühl, dass dem erfolgreichen Bauabschluss des Pharos nichts mehr im Wege stand. Neugierig erkundigte Konstantinos sich, ob Zenon die Pläne selbst entworfen hätte. Dieser grinste etwas unbeholfen. "Ich hätte wohl sagen müssen: Ich habe einige Vorarbeit leisten lassen. Die ersten Entwürfe wurden nach meinen Vorstellungen konzipiert und der Mystikos wurde damit beauftragt, die besten Statiker des Landes mit den Entwürfen für das Fundament zu beschäftigen." Dass er, der Basileus, sich derart gut mit technischen Zeichnungen und Berechnungen auskennen würde, konnte man doch nicht von ihm verlangen. Dafür gab es ja Männer wie den Protoarchitektonas. Als jener zusagte, das Projekt persönlich zu übernehmen, fiel Zenon ein Stein vom Herzen. "Ich freue mich außerordentlich, dass Ihr Euch der Sache annehmen wollt. Ich hatte schon die Befürchtung, das neueste Projekt unseres Kaisers spannt Euch vollkommen ein. Letzten Endes hätte der Pharos darunter gelitten, wenn nicht der Beste der Besten sich mit ihm beschäftigte." Da ein Basileus es nicht nötig hatte, sich bei irgendwem einzuschleimen, durfte man davon ausgehen, dass das Kompliment aufrichtig war. "Es hat zwar eine Weile gedauert, aber endlich scheint ihr mit Eurem Beruf auch Eure Berufung gefunden zu haben. Romanos ist, so hört man, vollauf begeistert mit Eurer Arbeit - und bald wird die ganze Welt es sein, wenn der Pharos hoch über dem Bosporus erstrahlt."


An sich konnte man meinen, ein einfacher Leuchtturm sei kaum der Rede wert und die Aufregung bezüglich des Baus sei völlig unbegründet. Tatsache war jedoch, dass ein Bau dieser Größe unter derart schwierigen Umständen unglaubliche Kräfte (und schier endlose finanzielle Mittel) erforderte. Schließlich betrachtete Konstantinos die ersten Entwürfe, die Belisarios hatte anfertigen lassen. "Nun, ich muss dazu sagen, dass die Entwürfe bisher nicht mehr sind, als Ideen. Tatsächlich habe ich aber daran gedacht, sich bei dem Projekt am originalen Pharos, der mittlerweile auch nur noch ein Schatten seiner selbst ist, zu orientieren. Größer muss er natürlich sein, breiter und höher. Statt vier Ecken könnte er auch fünf haben, in Anlehnung an die fünf Patriarchate. Oder acht, zumindest in der untersten Ebene. Der oberste Teil könnte einem altgrichischem, runden Tempel nachempfunden sein, auf dessen Spitze eine goldene Statue thronen wird." Der Tonfall während des letzten Satzes ließ herausblitzen, wen diese Statue zeigen würde.
"Eure Ideen zur Gestaltung der Fassade klingen fantastisch. Ihr bringt mich auf die Idee, dass man aus dem Inneren des Pharos eine Art Museum der Marine gestalten könnte. Ihre Geschichte verdient es, einen besonderen Platz in dieser Stadt zu bekommen. Soweit ich weiß, wurden Teile der Thessarakonteres geborgen. Diese könnte man dort ausstellen, neben anderen Schätzen und Andenken. Auf diese Weise hätte die Landbevölkerung auch etwas davon." Dass Heer und Marine beim Volk hohes Ansehen genossen, war unabdingbar, wollte man eine Revolte oder gar Schlimmeres vermeiden und bisher schien die Sache gut zu funktionieren, waren die tapferen Männer doch der Stolz des Reiches.

"Was die Finanzierung angeht, so habe ich den Mystikos damit beauftragt, mit dem Reichsfinanzminister zu sprechen. Euer Oheim hat die Finanzierung des Bauprojekts bereits bewilligt."
Zenon grinste. Es konnte also losgehen, sobald der Protoarchitektonas bereit war.



Konstantinos Phokas

Protoarchitektonas tes Rhomaikes Autokratorias

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Montag, 11. März 2019, 10:09

Zenon entwickelte nun ein dem Phokas gänzlich unbekanntes, lebhaftes Wesen, als er über die Innenarchitektur seiner Gemächer sprach; er führte den Phokas sogar persönlich herum, zeigte ihm u.a. einen besonders prachtvollen Tisch aus Königsholz. Der Protoarchitektonas sog diese Idee sogleich für seine Pläne auf; dieses Königsholz könnte man auch im Landsitz des Kaisers in den thrakischen Bergen verwenden.
Der Fußboden war aus hellem Marmor, entsprechend rutschig konnte er sein, wenn man an einem regnerischen Tag direkt von den Außenanlagen in dieses Gemach kam. Zumindest dachte sich das der Phokas. In Romanoupolis würde er im kaiserlichen Palast den Boden mit glattem Marmor auslegen lassen, sodass jeder ausländische Abgesandte, der zum Kaiser vorwollte, endlos lang über diesen glatten Boden balancieren musste.

Mit dem Basileus hatte der Phokas, das muss hier angemerkt werden, noch relativ wenig Kontakt gehabt. Der Aufstieg Zenons war in die Zeit gefallen, in der Konstantinos einerseits als Statthalter in Macedonia residierte und vielmehr mit sich selbst und seinen Problemen beschäftigt war. Damals hatte der Phokas wohl auch noch ein gewisses politisches Misstrauen ihm gegenüber gefühlt; die Befürchtung, der junge, gutaussehende Zenon könnte ihm seinen Platz streitig machen. Aber mittlerweile war dem Phokas die Politik einerlei. Er hatte seine Profession gefunden, niemand würde ihm diese Stellung streitig machen – am wenigsten wohl der Basileus Zenon – sodass nun einer furchtbaren Zusammenarbeit und einem kollegialen, ja in Zukunft vielleicht sogar freundschaftlichen Verhältnis nichts mehr im Wege stand.

Derselbe gestand dem Protoarchitektonas indes ganz freimütig, dass er die Vorarbeit nur hatte leisten lassen. Die Entwürfe waren allerdings nach seinen Vorstellungen konzipiert worden, und zwar vom Mystikos. In ihrem kurzen Gespräch, das muss fast ironisch angemerkt werden, hatte der Basileus bereits zwei administrative Funktionen erwähnt, die sein Gegenüber, der Phokas, beide gleichsam schon innegehabt hatte: als Mystikos war er in den erlauchten Kreis am Palast eingedrungen, als Reichskanzler hatte er den Höhepunkt erlebt. An der letzten Aufgabe, die er damals nach dem Tode des kongenialen aber greisen Doukas übernommen hatte, war er letztlich auch gescheitert. Dies war aber keine große Überraschung, bedenkt man, dass Konstantinos damals – 947 - nur 18 Jahre alt gewesen war.
„In der Tat wird aus diesen Unterlagen sofort ersichtlich, dass hier professionelle Leute am Handwerk waren. Diese Leute sollten wir auch weiterhin in Diensten behalten; vielleicht nehme ich sie auch in meine Arbeitsgruppe auf. Ich versuche die Besten der Besten des Landes um mich zu scharen.“

Die Befürchtung des Basileus, dass Konstantinos zu eingespannt sein könnte, brachte diesen zum Grinsen. „Naja, ganz falsch ist das auch nicht. Die Landvilla in Thrakien, diverse Restaurationen und nicht zuletzt Romanoupolis, verschlingen natürlich Unmengen an Energie und Zeit. Aber es ist wie eine Sucht, ganz ehrlich, Majestät, wie eine Sucht.“ Die wohlwollenden Worte seines Gegenübers nahm er mit Freude auf und neigte sein Haupt zum respektvollen Dank.
Die Idee des Protoarchitektonas, Reliefs an den Wänden zu installieren, nahm der Basileus begeistert auf und erweiterte die Idee sogleich um einige weitere Aspekte: Man könnte ein Marinemuseum im inneren des Turmes einrichten. Konstantinos nahm den Notizblock und einen Kohlestift aus seiner Brusttasche – zwei Utensilien, die er immer bei sich hatte – und begann sogleich ostentativ die Vorschläge und Gedanken des Basileus in Kurzschrift niederzuschreiben. Im Übrigen wandte er die Kurzschrift des Tiro an, des Privatsekretärs des Cicero, die Konstantinos in seinem eigenen Sinne weiterentwickelt hatte. „Eine formidable Idee, Majestät! Für das Museum könnte man die wichtigsten Relikte unserer Marinegeschichte zusammentragen. Ich denke da etwa an die erbeutete muslimische Standarte von der Belagerung unserer Reichshauptstadt in den Jahren 717-718. Auch die jüngsten Verdienste sollten natürlich mitbeachtet werden; nicht zuletzt könnte man in dem Turm auch eine Marinebibliothek anlegen, mit den wichtigsten Werken, Berichten und Traktaten zur Marine, dem Seekrieg und der Kunst der Seefahrt.“ Beide wussten sie natürlich, wie immens wichtig die Seestreitkräfte für das Reich waren; nämlich mindestens ebenso wichtig, wie die Landstreitkräfte.
Dass die Finanzierung bereits bewilligt wurde, brachte den Protoarchitektonas zu einem entzückten Lächeln. „Natürlich, natürlich. Wie könnte mein guter, lieber Oheim Euch, Majestät, ein solch prestigeträchtiges Vorhaben nicht bewilligen? Alles für das Reich und dessen Glorie!“

Er klappte den Notizblock wieder zusammen und blickte auf die Papiere auf dem Schreibtisch. „Majestät, wenn Ihr erlaubt, so werde ich mich mit diesen Papieren und meinen Notizen zurückziehen und sogleich an die Arbeit gehen. Bevorzugt Ihr direkte Berichterstattung meinerseits oder indirekte über den Mystikos, der mir selbst ein kleiner Hobbyarchitekt zu sein scheint?“ Konstantinos blinzelte mehrmals und schien ganz erpicht darauf, sich sofort in die Ergebnisse der – gründlichen! – Vorarbeit zu stürzen und darauf weiter aufzubauen. Schnell fügte er noch hinzu: "Im Übrigen bitte ich Euch, etwaige Einfälle und Ideen von Eurer Seite an mich weiterzuleiten. Gerne verwebe ich sie mit meinen eigenen Ideen und den bereits bestehenden Plänen." Konstantinos wusste aus Erfahrung, dass es wichtig war, die hochrangigen Auftraggeber - meistens den Kaiser, nun den Basileus - in die Gestaltung mit einzubeziehen. Seine Majestät der Basileus solle das Projekt ruhig auch weiterhin als sein persönliches ansehen; und Konstantinos hatte nichts dagegen, ja, er war davon überzeugt, dass jedes Projekt einen eigenen Charakter haben sollte, in diesem Fall würde der Charakter des Basileus miteinfließen.

14

Montag, 1. April 2019, 22:20

Der Basileus beobachtete den Fachmann beinahe wie ein aufgeregtes Kind, als dieser die Zeichnungen studierte. Er ertappte sich sogar dabei, wie er die Luft anhielt, bis Konstantinos sich weiter äußerte. "Ich bin erfreut, dass Ihr mit der Vorarbeit etwas anfangen könnt. Nennt mir nur Ross und Reiter und ich werde dafür sorgen, dass Euch die entsprechenden Leute zur Verfügung stehen." Etwas, worauf er als Basileus ja unbestrittenen Einfluss hatte. Wer würde ihm schon einen Wunsch ausschlagen?
"Bisweilen versucht man doch, immer ausgelastet zu sein, damit das Leben nicht langweilig wird", kommentierte er die Aussage des Phokas, er habe zwar viel zu tun, aber könne quasi gar nicht anders, als immer mehr Arbeit anzuhäufen. Als Kouropalates war es Zenon ähnlich ergangen, man suchte sich die Arbeit, man brauchte den Stress, um zu funktionieren - und um zu brillieren, in dem was man tat. Auch von der Verwendung als Museum war der Architekt sichtlich angetan. "Die oberen Stockwerke könnten als Arbeitsräume für die Admiralität dienen oder man könnte gar Gemächer für hohe Gäste einbauen, die von der alltäglichen Umgebung im Palast gelangweilt sind. Ich bin mir sicher, es ist genug Platz für ein ausgeklügeltes Aufzugssystem - und wenn jemand ein solches realisieren könnte, dann wohl Ihr! Zieht Euch nur so viele Ingenieure zusammen, wie Ihr dafür braucht" Simple Flaschenzüge und Kräne waren ja gemeinhin bekannt, wurden sie doch beispielweise auf Baustellen verwendet. Auch kleinere Aufzüge für Personen mochte es geben, jedoch nichts, was für diesen Umfang gedacht wäre. Je länger Zenon darüber nachdachte, desto besser gefiel ihm die wahnwitzige Idee, Menschen über so viele Stockwerke, über hundert Meter hoch, hinauf fahren zu lassen. "Ja, es muss einen solchen Aufzug geben! Mit ihm soll man bis nach ganz oben fahren können, um die Aussicht von dort genießen zu können. Sie muss spektakulär sein!" Zenons Augen leuchteten. Es musste einfach funktionieren. Welche Möglichkeiten sich auftaten, wenn man so hohe Gebäude derart sinnvoll nutzen konnte!

Der Architekt machte sich gleich noch sympathischer, als er meinte, er wolle sich direkt zurückziehen und mit den Unterlagen befassen. "Ich sehe, Ihr seid ein Mann der Tat. Das gefällt mir. Ein richtiger Phokas, ein Mann, ein Wort. Der Mystikos wird Euch zur Verfügung stehen, solltet Ihr organisatorische Hilfestellungen benötigen. Ansonsten macht ein Mittelsmann die Sache nur unnötig kompliziert, meint Ihr nicht? Es genügt, wenn Ihr mir Bericht erstattet."
Damit verabschiedete man sich von einander. Zenon war bewusst, dass es noch Wochen, vielleicht Monate dauern würde, bis man tatsächlich mit dem eigentlichen Bau anfangen würde, doch kam ihm das Warten schon jetzt unerträglich vor. In seinem Kopf surrten Bilder von noch ganz anderen Dingen, mit denen er sich in der großartigsten aller Städte verewigen lassen konnte - lang lebe der Basileus!

Konstantinos Phokas

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15

Montag, 15. April 2019, 14:58

Nachdem der Phokas die Zeichnungen sorgfältig einstudiert hat, wedelte er mit ihnen kurz in der Luft herum. „Ich erlaube mir, die Zeichnungen einstweilen mitzunehmen. Meine Leute werden exakte Kopien herstellen, die Originale bekommt Ihr dann alsbald zurück. Ich möchte betonen, dass ich aufrichtig versuche, die Ideen der Auftraggeber wirklich einfließen zu lassen. Das ist keine Floskel.“

Er rollte die Pergamente zusammen und schob sie unter seine Achsel. „Dereinst werden sich die Rhomäer diese Originalpläne im geplanten Museion in Romanoupolis anschauen können“, fügte er träumerisch – aber überzeugt! – hinzu und erwähnte ein ums andere Mal das größte aller Bauprojekte: Die Erschaffung einer Metropole aus dem Nichts. Das war natürlich ein weitaus komplizierteres Unterfangen, als so ein Turm. In Romanoupolis musste alles stimmen, bis hin zur Kanalisation, die ausgeklügelt sein und den Anforderungen der Weltstadt gerecht werden musste. Selbst der einfachste Rhomäer in Romanoupolis sollte fließendes Wasser und sanitäre Einrichtungen zur Verfügung haben; Kosten spielten keine Rolle und ein besonders ausgeklügelter Architekt in der Mannschaft des Protoarchitektonas war sogar mit einem ausgeklügelten Plane einer Toilette mit Wasserspülung aufmarschiert. Dies umzusetzen wäre nahezu revolutionär. Alleine der Gedanke an Klospülungen zeigt, wie sehr die Megalomanie in Romanoupolis auch die unvorhergesehensten Lebensbereiche erfasste. Die Klospülung wurde da zum Teil einer großen Vision.

„Ein solcher Aufzug dürfte doch kein Problem sein. Hier geht es schlichtweg um Gewicht und Gegengewicht, wie auf einer Waage. Doch eines nach dem Anderen!“, sagte er und lächelte. Am Ende war er eben auch nur ein Mensch, der eines nach dem anderen angehen konnte. Er verneigte sich, denn er war ja praktisch am Gehen. „Tatendrang zeichnet uns Phokadai aus“, stimmte er ihm knapp zu und an dem Wahrheitsgehalt dieser Worte zweifelte wohl niemand im ganzen Reich. „So sei es denn. Ich melde mich, sobald es diesbezüglich etwas Neues gibt.“ Der Kaisar nickte dem Basileus zu und verließ den Raum.

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