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[Schankraum] Der Preis für Treue

1

Donnerstag, 24. Januar 2019, 00:41

Der Preis für Treue

Michael Isaurikos war wütend und enttäuscht auf alles und jeden um ihn herum.
Nachdem er endlich Fortschritte gemacht hatte bei der Kur seiner schweren Verletzung und mit Freuden dem Tag des Wiederantritts seines Dienstes als Anführer der kaierlichen Leibgarde entgegensah (war jeder Tag im Bett doch eine Qual für den an Aktivität gewöhnten Isauriker) schien alles eigentlich wunderbar zu sein... bis zu jenem Tag. Isaurikos war wieder fast ganz genesen und auch Hermokrates, sein Arzt und Freund meinte, Michael könne demnächst auch seiner Meinung nach wieder in den aktiven Dienst überwechseln von seiner körperlichen Verfassung her, als da urplötzlich ein einfacher Diener in seine Gemächer trat und ihm eine Urkunde überreicht hatte, die ihm seiner sämtlichen Ämter am kaiserlichen Hof enthob wegen "Unfähigkeit". Garniert wurde diese "Freudennachricht" mit der schroffen Bitte des Dieners, Isaurikos möge doch bitte dieses Gemach verlassen, da es ihm als Privatmann jetzt nicht mehr zustünde.

Das wars.

Ein Brief und ein, einen achtkant aus dem Palast werfender niederer Diener waren alles, was Isaurikos bei seiner Entlassung aus dem kaiserlichen Dienst bekommen hatte nach seiner Verletzung. Keine Abfindung und schon gar keine Unterredung mit Seiner Majestät. Er war einfach so entlassen worden. Michael hatte es wirklich nicht fassen können in jenem Moment. All seine Treue und seine Verdienste waren mit Schimpf und Schande entlohnt worden. Hermokrates hatte während dieser Situation seinen Freund genau aus den Augenwinkeln heraus beobachtet. "Michael, es tut mir ja so leid! Willst du, dass ich..."
"Geh bitte" hatte ihn Michael daraufhin unterbrochen. Mit einem Blick ins Leere und einer argwohnerregend ruhigen Stimme. Hermokrates hatte es dann erneut versucht: "Aber ich könnte doch für dich..."
ICH SAGTE VERSCHWINDE!!!! brüllte der Akrita daraufhin überaus heftig und schleuderte ein kleines Tongefäß, das sich zufällig neben ihm befunden hatte gegen die nächstbeste Wand. Hermokrates zuckte zusammen und zog sich geduckt rasch zurück. Michael selbst war daraufhin dann irgendwann wie ferngesteuert durch die Korridore des Palastes gewankt, mit all seinem Habe in der Hand. Viel war das ja nicht, hatte er ja ohnehin nie viel Wert auf weltlichen Besitz gelegt. Nur seine Waffen und seine Rüstung, ein paar Dokumente und einige andere kleinere persönliche Gegenstände, neben Kleidung für den Alltag, zählten zu Isaurikos' persönlichem Habe. Während er den Palast verließ war er immer noch wie betäubt gewesen, während sich alles und gleichzeitig nichts in ihm abspielte. Wut, Trauer, Hass, Verzweiflung über die erlittene Schande, das Gefühl verraten und betrogen worden zu sein von Menschen, denen er die Treue geschworen und ihnen vertraut hatte und noch so vieles mehr. Während Isaurikos durch die Gassen Konstantinopels gewankt war in seinem geistigen Delirium, brach er innerlich gleichzeitig mit dem byzantinischen Kaiserhaus. Später würde er erneut mächtig wütend sein über deren ruchloses Fallenlassen ihres größten und treuesten Kriegers, doch jetzt im Moment war da nichts, außer tiefe, tiefe Taubheit.

Und so war Michael Isaurikos schlussendlich im "Spucknapf" gelandet. Nicht durch eine bewusste Entscheidung, er hatte bloß das Schild draußen gesehen und war sogleich zur Tür herein. Alkohol sollte jetzt seine Medizin sein, um wieder klarer denken zu können. Viel viel Alkohol. Am besten das doppelte von dem, was schon als unchristlich galt. So ging Isaurikos zum hintersten Tisch in einer Ecke und setzte sich. Sein Zeug fegte er genau in jene und deutete dem Wirt, um zu bestellen. Als dieser endlich bei ihm war bestellte Isaurikos: "Ich nehme einen großen Becher von deinem schlechtesten Wein und spare nicht! Hinterher will ich noch so einen Krug dann und nach diesem noch einen, verstanden? Und wenn wir diese durch haben sehen wir weiter..." meinte er und bezahlte schon einmal die ersten drei bestellten Weine zum Zeichen, dass er es sich leisten konnte sich in diesem Loch hemmungslos zu betrinken. Als er dann von seinem ersten Wein nippte, zog sich kurz alles in ihm zusammen. Das Zeug schmeckte wirklich scheußlich. Doch das war immerhin sein Wille gewesen. So trank und trank Michael den ersten Becher schnell in mächtigen Zügen leer und bekam darauf den zweiten gereicht. Mit diesem saß er nun hier in dieser Spelunke alleine mit seinen finsteren Gedanken und seinem wenigen Habe, das zwischen seinem Tisch und der Zimmerecke eingezwängt war. Einen Dolch trug Isaurikos verborgen unter seinem Gewand, so könnte er sorgenlos saufen und immer dichter werden, ohne fürchten zu müssen bestohlen zu werden, denn jener Spelunkendieb müsste dazu zuerst an ihm vorbei und das wollte man ihm gewiss nicht raten, wenn ihm sein Leben lieb war.

2

Donnerstag, 24. Januar 2019, 23:49

Es dauerte einige Weinbecher, bis Michael so richtig benebelt war, dabei unentwegt in seinen Gedanken vertieft. Als ihn dann jedoch einmal kurz besonders schwindelig war, war das der Anlass für ihn für einige Momente zu überlegen was er hier eigentlich gerade trieb und das Ergebnis brachte ihn dazu einmal laut aufzulachen. Er soff wie ein Loch und fühlte sich auch noch gut dabei, sein alter Vater wäre stolz auf ihn gewesen. Sein jüngeres Ich jedoch wäre maßlos vom aktuellen Michael Isaurikos enttäuscht gewesen, wo er gerade als Jugendlicher fanatisch Alkohol und seine Wirkung verdammt hatte, nachdem er seine gesamte Kindheit über zugesehen hatte, wie der Wein seinen Vater regelrecht zerstört und das letzte bisschen Familienbesitz für immer verlorengehen hatte lassen, damit sein alter Herr ja auch bis ganz zum Schluss seinen kostbaren Götternektar bezahlen konnte und Michael selbst mit seinem (inzwischen verstorbenen) Bruder mit leeren Händen dagestanden hatten.
Jetzt jedoch war Isaurikos nicht besser, als früher sein Vater. Er hatte seinen Posten in der Leibgarde (wenn auch unverschuldet) verloren und suchte deshalb sein Heil im Alkohol, sogar besoffen wusste er, dass es gewiss andere Wege gab, um mit dieser neuen Lage umzugehen.

Denn genau betrachtet stand er heute ja trotzdem bei weitem besser da, als vor Jahren, kurz nach des Vaters Tod, hatte er doch immer noch einiges an Gold, seine Stellung in der kaiserlichen Armee als Tagmarchos und natürlich unschätzbare Lebens-, Kampf- & Kommandoerfahrung aus seiner langjährigen Militärkarriere. Doch damit hatte er abgeschlossen. Auch wenn er nicht wusste, wohin er als nächstes ginge, so war auf jeden Fall klar, dass er seinen weiteren Lebensweg soweit weg vom Autokrator wie nur möglich führen wollte...andererseits könnten ihn eines Tages seine Wut über die erlittene Schmach doch noch Überhand nehmen und was er dann tun würde, daran wollte er besser nicht denken. Also wäre einer seiner nächsten Wege der, seinen Dienst als Tagmarchos zu quittieren, anschließend könnte er sich vielleicht für eine Weile als Söldner verdingen, oder seine alte Heimat um Thessalonike herum wieder aufsuchen. Soweit war das noch nicht festgeschrieben, doch Isaurikos vertraute darauf, dass sich alles schon wieder zum besseren bewenden würde. Das hatte es bisher immer.

3

Montag, 4. Februar 2019, 21:49

Hin und wieder kam es vor, dass sich gar feinste Pinkel in die Spelunke verirrten, deren ausladender Name auf dem Hängeschild vor der Einrichtung den geneigten Besucher davon abhielt, einzutreten. "Spucknapf" schimpfte sich das Etablissement, in dem sich Mörder, Diebe und Verbrecher die Klinke in die Hand gaben. Die wenigen Frauen, die hier saßen, waren meist Prostituierte, die nach ihrem Feierabend einen heben wollten, um die Gedanken frei zu bekommen oder aber noch mitten im Arbeitstag steckten und sich Kundschaft suchten.Der Inhaber des Spucknapf verzeichnete das Gros seiner Einnahmen nicht durch die Wirtschaft an sich, sondern viel mehr den Untermietern, die sich in den Gästezimmern Glückspiel, Hurerei und anderer düsterer Machenschaften hingaben, zu denen auch das Panschen von Wein und Likören und sogar die Geldfälscherei angehörten. Zwischen all dem Gelumpe und Gesocks fiel ein gepflegter Herr direkt auf, noch dazu, wenn er den Wirt im Voraus bezahlte.
So kam es also, dass sich Isaurikos die Aufmerksamkeit des jungen Mannes verdient hatte, der an einem Tisch in einer dunklen Ecke der Spelunke saß, von wo aus er die recht gut besuchte Wirtschaft überblicken konnte, jedoch selbst kaum zu erkennen war. Allein die Tatsache, dass der Mann sich Wein bestellt hatte, zeichnete ihn schon als Fremden aus. Wein - hier, im Spucknapf! Lachhaft!

"Alkohol kann Sorgen nicht ertränken, Sorgen können schwimmen", meinte Leon keck, als er plötzlich wie aus dem Nichts erschienen dem Fremden gegenüber saß. Der Mann mochte zwar nicht hierhergehören, doch gerade das machte ihn interessant; und sei es nur, weil er ein potenzielles Opfer darstellte, das man beklauen konnte. Bis dahin konnte Leon sich zumindest ein wenig die Zeit vertreiben. "Frauen?", fragte er und klang dabei desinteressiert, während er einen tiefen Schluck aus seinem Humpen zu sich nahm.

4

Freitag, 8. Februar 2019, 13:45

Zuvor noch in seinen eigenen nebligen Gedanken vertieft, meldeten ihm plötzlich seine Sinne, dass sich etwas in seiner Umwelt verändert hatte. Sofort fokussierte er mit seinen antrainierten militärischen Sinnen auf die neue Situation, die jene war, dass sich ein Unbekannter zu ihm gesetzt und ihn unaufgefordert angesprochen hatte. Nicht nur das, der Kerl meinte auch noch kluge Ratschläge verteilen zu können und das ihm! Wofür hielt der sich? Gerade heute! Unmut und Groll begannen sich in Isaurkos' Brust hochzuarbeiten, während er den Fremden anstierte und ihn dann anfuhr: "Was geht dich das an? Verschwinde von meinem Tisch!" Den Dolch würde er jetzt noch nicht gebrauchen, weshalb dieser in seinen Gewändern vorerst verborgen blieb.

Schon ärgerlich, wenn man mitten im Saufen unterbrochen wurde, oder war das ein Wink des Himmels, dass es nun genug war und er besser aufbrechen sollte?

5

Montag, 11. Februar 2019, 20:38


Hektor

"Gibt's hier drüben ein Problem, Leon?", schaltete sich plötzlich ein schrankartiger Kerl, der gut zwei Meter hoch und einen Meter breit war, ein. Es war Hektor, ein gelernter Wagner, der für einen Fuhrunternehmer arbeitete und den man in hiesiger Taverne nur "den Schrank" nannte. Leon gehörte gewissermaßen zum Inventar des "Spucknapfs" und die Leute, die hier regelmäßig verkehrten, kannten ihn natürlich, der er mit seiner leutseligen Art einigermaßen beliebt war. "Wer meine Freunde beleidigt, beleidigt auch mich, merk dir das, du abgehalfterter Landstreicher!" Bedrohlich stand er unmittelbar vor dem Tisch des Kerls und war drauf und dran, handgreiflich zu werden, was er nur mit Mühe unterdrückte. Tatsächlich wirkte der Typ wie ein schwerer Alkoholiker, der sich um seinen Verstand gesoffen hatte und nun vermutlich in der Gosse landen würde. "Pass also bloß auf, wen du hier anschnauzt, sonst mach ich ein Wagenrad aus dir." Damit ließ es der Schrank erst einmal bewenden und klopfte Leon aufmunternd auf die Schulter.

6

Mittwoch, 13. Februar 2019, 13:05

Ha! Ein kleiner Rüpel von der Straße dachte doch tatsächlich er hätte eine Chance hier vor Isaurikos den großen Macker zu spielen, Lachhaft! Typisches Rudeltier der Kerl, doch was sollte es, er hatte Glück, dass Michael angetrunken war, da würde er keinen Kampf beginnen, immerhin wollte er sich ja hinterher erinnern können, wen genau er da gerade fertig gemacht hatte. So deutete er nur in seine Richtung und meinte: "Du Glücklicher" und dann hob er seine Sachen von der Ecke auf und ging ohne ein weiteres Wort an den beiden vorbei und hinaus zur Tür. Bezahlt war schon alles und nachgedacht hatte er auch fürs Erste genug. Nun war es Zeit sich vollkommen vom Dienst im kaiserlichen Heer zu befreien und somit die letzte Fessel zum undankbaren Autokrator entgültig zu lösen.

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