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Rhomäisches Reich: In der Magnaura des Großen Palastes gab es eine Explosion, deren Ursache bisher unklar ist. Da man von einem Anschlag ausgeht, wurden das Stadtviertel und der Palast selbst abgeriegelt.
Armenien: Sämtliche Zölle zwischen Armenien und dem Reich wurden aufgehoben. Das Kaiserreich plant den Bau einer Zweigstelle der Kaiserlichen Kreditanstalt in Kars.

[Sitzungssaal des Kronrates] Sitzung des Kronrates (Februar 952)

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Montag, 25. Februar 2019, 00:28

Sitzung des Kronrates (Februar 952)

Geraume Zeit war vergangen seit der letzten Kronratssitzung im September. Das offizielle Beratungsgremium des Kaisers tagte immer seltener. Die Entscheidungen fielen nun häufig in den Hinterzimmern, was gerade den Ministern nicht sehr behagte, verringerte dieser undurchsichtige Zustand doch ihren Einfluss. Umso größer wurde derselbe der Eunuchen, denn der Parakoimomenos Kosmas Laskaris wurde mittlerweile ganz offen als Premierminister bezeichnet und legte ein entsprechendes Auftreten an den Tag. Beinahe schien es so, als beließe der Kaiser das Amt des Reichskanzlers absichtlich unbesetzt, das seit Zenons Aufstieg zum Basileus vakant war und provisorisch von den Staatssekretären der Reichskanzlei verwaltet wurde.

Bezeichnenderweise erschien der Autokrator in Begleitung des Parakoimomenos zur Eröffnung der Sitzung. Die übrigen Kronräte hatten sich bereits eingefunden, darunter Zenon, der Patriarch, nicht weniger als drei Phokades (Bardas, Diokles und Konstantinos) und Gregorios Monomachos. Ferner war auch der neue Mystikos Belisarios Arianites mit dabei, als der Kaiser den Sitzungssaal betrat; er besaß zwar kein Stimmrecht, durfte aber als Hörer teilnehmen. Gut gelaunt nahm Romanos Platz. Es sprach Bände, dass Kosmas Laskaris zu seiner Rechten sitzen durfte.

"Euer Allheiligkeit, meine Herren", begrüßte Romanos knapp die Versammelten und ließ sich auf seinem Thron nieder. "Es gibt heute einiges zu besprechen. Zum Ersten der glorreiche Heimfall Edessas an das Reich. Zum Zweiten die Anhebung der Steuern für die vermögenden Großgrundbesitzer infolge einiger finanzieller Engpässe. Zum Dritten die Errichtung der Stadt Romanoupolis im Osten. Sollten es weitere Punkte geben, die zur Besprechung gelangen sollen, so bitte ich nun um Wortmeldung." Er blickte durch die Reihen und wartete erst einmal ab.

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Montag, 25. Februar 2019, 02:24

Die Sitzung des Kronrats, die kurz nach Diokles' Treffen mit dem Kaiser anberaumt wurde, versprach, für den Minister der Finanzen eine recht unangenehme zu werden. Dennoch: Da Diokles für den Militärdienst alles andere als geeignet war, wurden ihm eben in anderen Feldern Verantwortungen übertragen und er war nach wie vor bereit, in den Krieg zu ziehen und diese Schlacht der Wortgefetze zu schlagen. Es war nicht das erste Mal, dass er seinen Etat vor den anderen Kronräten einem Tiger gleich bis aufs Schärfste verteidigte, denn in seinem Metier machte ihm niemand so leicht etwas vor. Seit Urzeiten kümmerte er sich um die Finanzen der Familie und die Phokadai waren reicher als je zuvor. Auch als Minister der Finanzen war er bereits von 935 bis 945 tätig gewesen, ehe er aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurücktreten musste. Nach der Rückkehr des jungen Romanos auf den kaiserlichen Thron im Jahr 950 hatte er Diokles wieder in seinem alten Posten eingesetzt. Man konnte also durchaus mit Fug und Recht behaupten, dass der Phokas sich in diesem Amt etabliert und seine Kompetenz mehr als bewiesen hatte.
Diokles war recht früh im Sitzungssaal erschienen, hatte er doch eine ganze Menge Unterlagen dabei, die ihm ein Sekretär getragen hatte. So saß er nun auf seinem angestammten Platz und beobachtete die anderen Ratsmitglieder, wie sie nach und nach eintrudelten. Am Ende erschien schließlich der Kaiser mit seinem jüngst zum Parakoimomenos ernannten Schoßhund. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Kosmas in der Gunst des Kaisers sinken und die Leinwand der Welt wieder verlassen würde.

Konstantinos Phokas

Protoarchitektonas tes Rhomaikes Autokratorias

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Montag, 25. Februar 2019, 09:32

Der Sitzungssaal des Kronrats war ein in die Länge gezogener Raum mit einem massiven Tisch in der Mitte, um den herum die Kronräte saßen und – in der Theorie – den Kaiser berieten. Freilich hatte jeder Anwesende ein Fachgebiet und Konstantinos kannte die meisten bereits von der letzten Kronratssitzung. Allein der Mystikos, praktisch einer seiner Nachfolger, denn als Mystikos hatte auch Konstantinos seinerzeit begonnen, war ihm neu. Dieser hieß Belisarios Arianites und er sah ihn bei der Sitzung zum ersten Mal.

Wie sie da so saßen, die Kronräte, fiel dem Phokas auf, wie stark vertreten sein Haus hier im Grunde war; drei Phokadai saßen im engsten Rat des Kaisers, wobei er mittlerweile alle drei, sich selbst inbegriffen, als Koryphäen ihrer Fachgebiete bezeichnet hätte. Bardas stand außerhalb jeglicher Kritik und saß wie ein Monument seiner selbst zur rechten seines Sohnemanns. Zur Linken des jungen Phokas saß sein Onkel, sodass er sich fast wie ein Küken hätte fühlen müssen, welches von den Familienältesten beidseitig behütet wurde.

Diokles war ein ebenso außergewöhnlicher Phokas wie es sein Neffe war. Ein Interesse für Zahlen, für die Mathematik und das Theoretische waren einem Phokas normalerweise ebenso fremd wie eine Leidenschaft zur Poesie, der Philosophie und der Architektur. Bardas, der den klassischen Typus des Phokas darstellte, war hier ironischerweise in der Minderzahl. Was das wohl für das Hause Phokas bedeutete? Wohin würde sein eigener Sohn Alexandros wohl einmal hintendieren?
Drei Punke standen an der Tagesordnung: Die Eroberung Edessas, die Anhebung der Steuern für die Großgrundbesitzer sowie die Errichtung der Stadt Romanoupolis im Osten. Beim dritten Punkt horchte er auf, warf einen Blick nach links und rechts; Bardas brächte wohl wenig Verständnis für die Baupläne des Kaisers und seines obersten Architekten auf; und ebenso wenig Verständnis würde wohl Diokles aufbringen, der immerhin die finanziellen Mittel für dieses Wahnsinnsprojekt bereitstellen musste.

Einstweilen hielt sich Konstantinos aber nobel zurück. Die ersten zwei Themenfelder interessierten ihn wenig bis kaum; daher begnügte er sich damit, den Mystikos und den Parakoimomenos zu mustern. Ersterer war noch relativ neu am Hofe und hatte als Mystikos im Grunde nur ein Recht hier zuzuhören. Letzterer hatte dagegen eine machtvolle Position inne, verdeutlicht durch seinen Sitz zur Rechten des Kaisers. Kosmas schien sich am Hofe sehr gut eingelebt zu haben.
Sein Blick fuhr von Kosmas wieder zu seinem – ja im Grunde ihren! – Vater. Das erste Sitzungsthema schnitt ja gerade seinen und des Kriegsministers Tätigkeitsbereich.

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Montag, 25. Februar 2019, 13:29

Früher war Zenon einer der ersten gewesen, die im Sitzungssaal des Kronrats erschienen waren. Heute, als Basileus, als gemachter Mann, bestand die Notwendigkeit nicht mehr, Engagement zu zeigen. Ja, man konnte sagen, Zenon war ein wenig träge geworden. Gesättigt mit Macht und Prestige lernte er die andere Seite der Medaille des Reichtums und der macht kennen; etwas, wofür er früher keine Zeit gehabt hatte. Mit der Zeit konnte er das Tun und Lassen seines Freundes Romanos immer mehr nachvollziehen, er konnte verstehen, wie es war, wenn man den ganzen Tag nichts anderes zu tun hatte, als sich mit sich selbst zu beschäftigen. Der Basileus hatte sich rechtzeitig auf den Weg gemacht, sodass er eigentlich noch pünktlich hätte eintreffen müssen. Unterwegs war ihm allerdings die Kaisermutter über den Weg gelaufen und sie hatten ein recht interessantes und angeregtes Gespräch bekommen, wodurch er die Zeit ein wenig aus dem Auge verloren hatte. Deswegen also trat er - in Begleitung der Basilissa - verspätet ein. Die Verspätung schien ihm dann trotz allem etwas unwohl zu sein, er murmelte eine Entschuldigung in Richtung des Kaisers und nahm auf dem rechten der beiden freien Stühle Platz. Er würde also zur rechten der mächtigsten Frau des Reiches sitzen, die sich schon vor einiger Zeit die Freiheit genommen hatte, sich einen Thron gegenüber dem ihres Sohnes aufzustellen und niemand hatte es bisher gewagt, dies zu kommentieren.
Da er die Eröffnung der Sitzung nicht mitbekommen hatte und nicht wusste, worum es ging, schwieg auch Zenon erst einmal und musterte die illustre Runde. Beim jungen Phokas blieb sein Blick kurz hängen, denn er hatte ein Anliegen, welches er an den Protoarchitektonas herantragen wollte - dies würde allerdings bis nach der Sitzung warten müssen.

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Montag, 25. Februar 2019, 14:25

Anders als der junge Zarides hatte Helena nicht den Anspruch an sich selbst, unbedingt pünktlich zur Sitzung des Kronrats zu erscheinen. Sicher, sie wusste, wann die Veranstaltung beginnen würde und tauchte meistens auch rechtzeitig auf, doch hin und wieder ließ sich eine prominente Verspätung nicht vermeiden. Eine Verspätung, die Jahre später als akademische Viertelstunde gesellschaftsfähig werden würde. Auf dem Weg zum Sitzungssaal des Kronrates lief sie dem Basileus über den Weg. Zweifellos hatte er dasselbe Ziel, dennoch blieben sie beide stehen und plauderten ein wenig - natürlich waren es nur Themen weltbewegenden Ausmaßes - ehe sie, noch immer ins Gespräch vertieft, ihren Weg zum Sitzungssaal fortsetzten. Und anders als der junge Zarides entschuldigte Helena sich nicht, sie ging erhobenen Hauptes um den Tisch herum, legte beim Vorbeigehen ihrem geliebten Sohn kurz die Hand auf die Schulter und drückte sanft zu, ehe sie zu ihrem Thron schritt, der direkt gegenüber jenem des Kaisers stand und ließ sich nieder. Auch sie musterte die anderen Ratsmitglieder, wenngleich ihr Blick strenger wirkte, ja, als durchbohrte sie einen jeden einzelnen mit ihren Augen. Die beiden neuen, den Parakoimomenos und den Mystikos, kannte sie noch nicht und schenkte ihnen ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit als den übrigen Herren.

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Montag, 25. Februar 2019, 19:45

Der unspektakuläre Beginn der Sitzung wurde durch das verspätete Erscheinen Zenons und Helenas ein wenig angereichert. Dass sich die Kaiserinmutter hierher begäbe, war bis zuletzt nicht festgestanden. Ihr Einfluss auf den Sitzungsverlauf war bei den letzten Malen erheblich gewesen. Romanos erschrak beinahe, als er ihren zupackenden Handgriff auf seiner Schulter spürte. Niemand sonst konnte sich dergleichen erlauben. Dass sie ihm direkt gegenüber saß und ständig anstarren konnte, hinterließ das Gefühl, sich ständig beobachtet zu fühlen. Gleichwohl konnte oder wollte er ihr die Teilnahme am Kronrat natürlich nicht untersagen.

"Was nun Edessa anbelangt, so ist mein Oheim General Argyros aufs Freudigste zu beglückwünschen, gelang ihm doch die lang ersehnte Rückeroberung dieser bedeutenden Stadt und somit ein nachhaltiger Schlag gegen die Ungläubigen." So lobte Romanos dann seinen Namensvetter Argyros, der sich zwischenzeitlich wie ein König gebärdete. "Ich befürworte die Errichtung des Doukats von Edessa, welches neben der eigentlichen Stadt auch die Themata Trans-Euphrates, Mesopotomia und Melitene beinhalten soll. Als militärischer und ziviler Generalstatthalter wird mein Oheim dadurch außerordentliche Machtbefugnisse erhalten und den dortigen Provinzstatthaltern vorgesetzt sein." Damit erhielte Argyros die Befugnisse eines Vizekönigs in dieser Region.

Der Kaiser ging von keinem großen Widerspruch aus. Auch wenn sich die Anhängerschaft des Argyros in diesem Gremium stark in Grenzen hielt, waren die meisten wohl froh, dass dieser unbändige Zeitgenosse dadurch auf unbestimmte Zeit im Osten gebunden sein würde und in Konstantinopel keinen Schaden anrichten konnte.

Sim-Off:
Bzgl. des Doukats von Edessa vgl. hier Karte 2.

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Dienstag, 26. Februar 2019, 09:24

Der junge Parakoimomenos sah hoch zufrieden aus. In weniger als zwei Jahren hatte er es vom Kaufmannsgehilfen der seinen Vater nicht kannte zum Parakoimomenos und de facto Premierminister des Reiches gebracht. Diese rapide Karriere wollte er nicht gleich wieder verspielen und so hielt er sich vornehm zurück als die Kronratssitzung began. Er wollte warten bis sich die Gelegenheit ergab etwas bedeutsames zu sagen, das jedoch keinen der mächtigen Anwesenden zu sehr verärgern würde. Dem jungen Eunuchen war klar das zum Beispiel mit der Kaiserinnenmutter nicht zu Spassen war. Sein (unbekannter, zumindest für ihn) Halbbruder Konstantinos war da schon anderes. Je nachdem wie sich die Diskussion über die Wahnsinnsstadt des grössten Bauherrn aller Zeiten (aka Romanos II) und seines Chefarchitekten entwickelte würde Kosmas versuchen moderierend einzugreifen um hoffentlich als potentieller Verbündeter von allen wahrgenommen zu werden, aber ohne sich zusehr festzulegen. Es war vieleicht etwas dran an dem Vorurteil das Eunuchen nicht zu trauen war oder vieleicht wurden ehrliche Eunuchen einfach nie Parakaimomenos.

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Dienstag, 26. Februar 2019, 09:56

Der Reichskriegsminister wirkte an diesem Tage noch mürrischer und düsterer, sein Gesicht noch rauer und zerfurchter, als dies normalerweise der Fall war. Gregorios war ganz glücklich darüber, dass das Thema Edessa samt dem unleidigen General Argyros in einem abgehakt werden würde; und zwar als erstes zu besprechendes Thema.

Wenig überraschend kündigte der Autokrator an, seinen Oheim mit einer Generalstatthalterschaft im neu eingerichteten Doukat von Edessa zu belohnen. Immerhin würde das den Romanos Argyros über längere Zeit an diese Örtlichkeit binden. Natürlich gab es keinen Widerspruch, doch der Reichskriegsminister machte sogleich deutlich, dass er zu sprechen wünsche.
Um die Bedeutung seines Vortrages zu unterstreichen stand er sogar auf, wie er es auch immer im Zelt seines Stabes auf dem Schlachtfeld tat, wenn es um die Planung des Angriffs oder der Verteidigung ging und er seine Vorstellungen in die Köpfe seines Stabes hämmern musste.

„Kaiserliche Majestäten, werte Kronräte“, begann er mit seiner tiefen Stimme und legte eine bedeutungsschwangere Pause ein. „Heute, an diesem jungen Tage, erreichte mich eine äußerst besorgniserregende Nachricht.“ Er atmete tief durch und wünschte sich jetzt, in seinem Kommandozelt zu sein und das ganze anhand einer Landkarte erläutern zu können. Einem Sekretär raunte er zu, auf der Stelle eine große Landkarte vorbeizubringen. Der Logothetes wandte sich dann wieder an die Kronräte, wobei er seine Arme hinter seinem Rücken verschränkte.„Ein Meldereiter sah eine große Armee der Muslime auf der Straße nach Edessa ziehen. Der Emir von Aleppo persönlich soll an der Spitze dieser Armee stehen.“ Sein Blick ging durch die Runde und blieb schließlich am Sekretär haften, der mittlerweile eine große Landkarte geholt hatte, die er aber nirgendwo befestigen konnte. Also musste sie der Sekretär mit ausgestreckten Armen vor sich in die Höhe halten.

Hier in etwa wurde die Armee des Emirs vor über einer Woche gesichtet. Sie kommt nur langsam voran, was wohl an der typisch muselmanischen Trödlerei liegt.“ Er zeichnete mit seinem Finger die Straße nach Edessa nach, indem er den Finger langsam in Richtung der Stadt bewegte. „Der Kurier schwört darauf, ein Heer von Tausenden gesehen zu haben. Viele Tausend. Ein gewaltiges Heer, Majestät, das eine Planänderung unsererseits erfordert.“ Zuletzt blickte er sehr ernst den Kaiser an und so waren seine Worte auch direkt an diesen gerichtet gewesen - daher auch der Gebrauch des Singulars ("Majestät"). Wieder verharrte er in Schweigen.
„Unglücklicherweise zeigt sich der General bzw. nunmehrige Generalstatthalter Argyros äußerst uneinsichtig, was jegliche Zusammenarbeit mit dem Kriegsministerium anbelangt. Seit Wochen und Monaten verweigert er, jeglichen Bericht an das Ministerium zu schicken. Er hielt und hält es nicht einmal für notwendig, überhaupt noch auf die Nachrichten seines Vorgesetzten, also mir, zu reagieren. Das muss man hier schon einmal kritisch anmerken. Die Kampfstärke und den Zustand seiner Truppen kann ich daher ebenso nur ungefähr abschätzen, genau wie jene der feindlichen Muselmanen. Er dürfte bei der Erstürmung Edessas und bereits zuvor einige Männer seiner Exkoubitoi und Auxiliaren verloren haben, seine Kampfkraft ist theoretisch also nicht mehr diejenige, mit der er vor einem halben Jahr ausgestattet worden war.“ Auf den kleinen Seitenhieb konnte er schlichtweg nicht verzichten. Er warf einen Blick zu Bardas, dessen Meinung ihm hier sicherlich am wichtigsten war.

„Ich schlage daher folgende Gegenmaßnahmen vor: Das Kaisermanöver, welches in vier Tagen stattfinden sollte, muss in Anbetracht der Umstände verschoben werden. Die vormals zur Teilnahme eingeplanten Truppenverbände, also die Scholai und die Hikanatoi, müssen umgehend mobilisiert werden und alsbald in Richtung Edessa aufbrechen. General Argyros, der sich wie ein Löwe gegen die Einmischung des Kriegsministeriums wehrte, wird bald auf uns angewiesen sein.“
Er zeigte nach Konstantinopel und fuhr mit dem Finger in Richtung Edessa, quer über Kleinasien, dieses Mal etwas schneller als vorhin, als er noch den langsamen Zug der Muselmanen nachgezeichnet hatte. „Ich schlage weiters vor, das Kommando über das Heer zwischen mir und dem Herrn Reichsmarschall aufzuteilen; wenn wir persönlich das Heer anführen, wird es durch unsere Anwesenheit einerseits die Truppen beflügeln, andererseits gibt es uns größeren Handlungsspielraum vor Ort. Sind wir erst einmal auf den Feind getroffen“, fuhr er weiter fort und fuhr mit beiden Zeigefingern auf der Landkarte aufeinander zu, bis sie sich in der Gegend von Edessa berührten: „Und ist diese Feldarmee erst einmal geschlagen, so steht uns womöglich der Weg in feindliches Gebiet völlig frei; ein Nachstoßen kann dann nach besten Wissen und Gewissen entschieden und durchgeführt, der Spieß der Muselmanen sozusagen umgedreht werden.“ Sein Blick ging von Bardas zum Kaiser, dann wieder zurück zu Bardas. Ihre zwei Stimmen waren ihm die Entscheidenden.

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Dienstag, 26. Februar 2019, 13:34

Nur zwei Männer im Raum wussten, welche folgenschwere Nachricht in Konstantinopel eingetroffen war. Fast gleichzeitig waren sowohl der Kriegsminister als auch der Megas domestikos vom Herannahen einer gewaltigen sarazenischen Armee auf Edessa in Kenntnis gesetzt worden. Der Emir von Aleppo, ein übler und nicht zu unterschätzender Zeitgenosse, an den er sich noch gut erinnern konnte aus seiner Zeit im Osten, hatte offenkundig so ziemlich alles mobilisiert, was er mobilisieren konnte, um den Fall Edessas zu verhindern. Dies war ihm zwar nicht geglückt, doch es war kaum davon auszugehen, dass er deswegen einen Rückzieher machen würde.

Nachdem sich Monomachos, der von Rechts wegen formal der oberste Militär war, zu diesem Punk geäußert hatte, lag eine seltsame Stille im Raum. Schon während seines Vortrages waren einige der Kronräte, die gemeinhin einen lockeren Eindruck vermittelten, etwas bleich geworden. Eine Spitze gegen Romanos Argyros konnte sich der Minister nicht verkneifen, und im Grunde genommen war es auch richtig, dass diese Dinge hier angesprochen wurden. In Rücksprache mit Bardas hatten er und der Kriegsminister bereits einen Plan ersonnen, den letzterer nun zum Besten gab. Nachdem der Generalskollege geendet hatte, sah es der Reichsmarschall als seine Pflicht an, ebenfalls das Wort zu erheben. Anders als Monomachos behielt er dabei indes Platz, was seine naturgegebene Autorität nicht im Mindesten beeinträchtigte.

"Genauso, wie soeben geschildert, verhält es sich. Und ich möchte mich den Worten meines Vorredners ausdrücklich anschließen, wenn es darum geht, ohne Verzug und der Situation entsprechend zu handeln. Denn Spontaneität ist hier das A und O." Er blickte kurz zu Gregorios Monomachos, der die Anspielung sicherlich gut verstand, hatten sie doch erst ganz kürzlich darüber gesprochen. "Zwar ist nicht davon auszugehen, dass es den Muslimen -und wären es tatsächlich zehntausend Mann - gelingen wird, Edessa sofort zu überrennen." Er hielt kurz inne und jeder wusste, dass nun noch ein aber folgen wurde. "Aber ewig wird sich General Argyros, der nunmehrige Generalstatthalter, dort allein auf sich gestellt nicht halten können. Bereits die klimatischen Verhältnisse werden dagegen arbeiten, wenn erst die in dieser Region typische Hitze hinzukommt, an welche die Sarazenen nun einmal besser gewöhnt sind als unsereins." Aus persönlicher Erfahrung wusste er nur allzu gut darum, wie unklug es war, die Muselmanen zu unterschätzen. Seit Jahrhunderten lieferte sich Byzanz mit ihnen einen unerbittlich geführten Stellungskrieg, der einmal diese, einmal jene Seite bevorzugte, ohne dass sich die Grenzziehung wirklich nachhaltig verändert hätte. "Von daher ist auch aus meiner Sicht keine Zeit zu verlieren. Die vereinigten Scholai und Hikanatoi, zusammen achttausend Mann, sind unverzüglich in Marsch zu setzen." Für den Schutz der Hauptstadt standen mit den Viglen und den Noumeroi ja noch immer zwei Eliteregimenter in voller Stärke zur Verfügung.

Hinsichtlich möglicher weiterer Vorstöße hielt sich Bardas zunächst bedeckt. Die Hauptsache war nun eben, Edessa zu halten, was schwierig genug werden konnte. Mit dieser Stadt hatten die Rhomäer einen wichtigen Brückenkopf an der äußersten Ostgrenze gewonnen, der unerlässlich war für etwaige weitere Expanionsversuche. An eine Abhaltung des Kaisermanövers war unter diesen Umständen natürlich nicht mehr zu denken, was jedermann mit etwas Hirn klar sein musste. Damit endete Bardas erst einmal und wartete etwaige weitere Wortmeldungen ab, bevor sich der Kaiser selbst dazu äußerte.

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Dienstag, 26. Februar 2019, 16:47

Der Kaiser beachtete die beiden zu spät kommenden Basileis nicht wirklich und fuhr mit der Sitzung fort. Offenbar war es seinem Onkel gelungen, Edessa ohne größere Schwierigkeiten einzunehmen und Romanos beschloss, den General als Statthalter vor Ort zu installieren. Zunächst meldete sich der Kriegsminister mit äußerst beunruhigenden Nachrichten, schlug aber auch direkt ein mögliches weiteres Vorgehen vor. Der Reichsmarschall gab sodann seinen Wortbeitrag und pflichtete dem Reichskriegsminister bei. Zenon, der vor seiner Ernennung zum Basileus Kanzler und damit Regierungschef und Chefdiplomat des Reiches gewesen war, hatte sich früher in solchen Diskussionen weitgehend zurückgehalten, hatte den Kaiser bezüglich einer diplomatischen Strategie zu anderen Ländern beraten und Friedensverträge ausgehandelt. Als Basileus hatte er nun jedoch das Bedürfnis, sich direkt einzumischen und erhob als dritter Redner das Wort.
"Dass der General sich gleichsam vom Kriegsministerium abkapselt und seine eigene Linie fährt, ist empörend", urteilte er, der selbst ein Liebhaber des geregelten Ablaufs war. So wie er Argyros bei den Friedensverhandlungen in Magdeburg kennen gelernt hatte, war es das beste, den General an der kurzen Leine zu halten. "Doch vorerst sollten wir handeln. Wir wissen nicht, wie viele Männer auf unserer Seite geblieben sind, vor allem wenn man an den Überfall denkt, den das byzantinische Lager vor einigen Wochen ertragen musste. Soweit mir bekannt ist, verweilen gut 10.000 byzantinische Soldaten noch immer in Augsburg und an der Grenze zwischen Italien und Alemannien. Ich denke, die Lage vor Ort hat sich genug entspannt, um die Männer - und sei es auch nur ein Großteil davon - abzuziehen, die wir an anderer Stelle deutlich besser gebrauchen können. Es ist damit zu rechnen, dass die Bevölkerung in und um Edessa sich gegen Argyros und seine Armee wendet, wenn sich erst die Nachricht verbreitet, dass der Emir von Aleppo persönlich unterwegs ist, um es zu befreien." Eine Rebellion in der Stadt wäre das letzte, was man in so einer Situation gebrauchen konnte. "Ich bin kein Soldat, doch denke ich, werden mir die beiden Herren beipflichten, dass Argyros umgehend aufzufordern ist, die Stellung zu halten und nicht weiter gen Osten vorzudringen, bis Verstärkung eingetroffen ist. Das Kommando ist dem Reichskriegsminister zu übertragen, der in Alemannien und Ostfranken hervorragende Dienste geleistet hat." Zenon hatte Monomachos als äußerst fähigen Strategen in Erinnerung, der selbst in Krisensituationen einen kühlen Kopf bewahrte. "Das impulsive Handeln des General Argyros könnte uns in dieser Sache das Genick brechen", fügte er dann noch warnend hinzu und pflichtete im Großen und Ganzen seinen beiden Vorrednern zu, wobei er nicht mit Kritik an dem vor dem triebhaften Onkel des Kaisers zurückhielt.

"Um unseren zweiten Tagesordnungspunkt in dieser Thematik anzuschneiden, wäre über die mögliche Erhebung einer Kriegssteuer nachzudenken." Eine solche würde zwar auch andere Bevölkerungsschichten als nur die Großgrundbesitzer belasten, wäre aber zeitlich absehbar und stieße auf mehr Verständnis, als eine zusätzliche, dauerhafte Steuer.

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Dienstag, 26. Februar 2019, 17:23

Ganz anders als erwartet, bekam die Kronratssitzung schon zu Beginn eine Eigendynamik, da sich im Osten wohl etwas zusammenbraute, was so gar nicht ins Konzept passte. Vorrückende muslimische Truppen ließen das von Romanos schon heiß ersehnte Kaisermanöver sich in Luft auflösen. Vielmehr stand nun gar der mögliche Verlust der kürzlich so glorreiche zurückeroberten Stadt Edessa zu befürchten. Zumindest, wenn man die Sache überdramatisch betrachtete. Monomachos schien auch eine gewisse Genugtuung zu verspüren, da er offen gegen Argyros austeilen konnte. Der alte Phokas klang da etwas nüchterner und stellte in den Raum, dass Edessa zwar nicht unmittelbar an den Feind zurückfallen, aber mittelbar eben doch bedroht war, da eine lange Belagerung die Verteidiger an ihre Grenzen bräuchte. Nun mischte sich auch Zenon ein, der einen erkennbar aggressiveren Kurs fuhr als noch während seiner Kanzlerschaft und nun eben viel eher wie ein Herrscher denn ein Erster Minister argumentierte. Er regte eine Entlastung der im Westen an, um die Truppen dorthin zu verfrachten, wo sie wirklich benötigt wurden. Zudem rief er zu einer Kriegssteuer auf, wohl durchaus mit dem Hintergedanken, dass man so das benötigte Geld leichter eintreiben und den Konflikt im Osten als Vorwand benutzen konnte.

Der Autokrator wurde erst im Laufe der Sitzung richtig wach. Er hatte bis in die frühen Nachmittagsstunden im Bett gelegen und seinen vortägigen Rausch ausgeschlafen, wobei ihn letztlich vor allem der Parakoimomenos, der die ganze Zeit über dabei gewesen war, dazu bewegen konnte, sich endlich zu erheben. Die Selbstbeweihräucherung wegen Edessa musste nun erst einmal entfallen, sprachen sich doch die beiden führenden Militärs und auch Zenon für sofortigen Handlungsbedarf aus. Naturgemäß hielten sich diejenigen Kronräte, die mit dem Militär wenig zu schaffen hatten, geflissentlich zurück. Ein Blick des Kaisers zum Laskaris schien ihm anzuzeigen, dass auch der es für notwendig hielt, dass man nun tabula rasa machte. So zumindest Romanos' Interpretation.

"So soll es also geschehen. Die Scholai und due Hikanatoi unverzüglich gen Osten abkommandieren unter dem paritätischen Oberbefehl des Reichskriegsministers und des Reichsmarschalls." Denn wie konnte man den Oberbefehlshaber der Armee zum Zweiten degradieren? "Und aus dem Westen ist das Gros der Truppen zurückzubeordern." Genaue Zahlen vermied er, da die Experten das besser abschätzen konnten. Zumindest weitere 8.000 Mann konnte man aber wohl dadurch bestimmt dazu gewinnen.

"Was die Reichskriegssteuer angeht, so ist dem beizupflichten. Hier sind die notwendigen Modalitäten vom Reichsfinanzministerium zu erarbeiten, wobei die unteren Schichten ausgenommen bleiben sollen und auch der Klerus seinen Teil beitragen soll." Ungewohnt sozialpolitische Töne. Dass auch die Kirche Kriegssteuern berappen sollte, würde wohl nicht nur auf Gegenliebe stoßen. Doch da es um die Bekämpfung der Ungläubigen ging, konnte sie sich dem schlecht entziehen, wollte sie der Verteidigung des wahren Glaubens gerecht werden. Eine solche Sondersteuer konnte die Haushaltslücken zu schließen helfen.

Soviel also zunächst vom Kaiser. Bestimmt gäbe es nun weitere Wortmeldungen, hatten sich doch gerade die Kaiserinmutter und der Patriarch bisher bedeckt gehalten.

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Dienstag, 26. Februar 2019, 19:19

Basiliskos, der ökumenische Patriarch, hatte bisher keine Kronratssitzung unter der Herrschaft des Kaisers Romanos II. verpasst. Während der Schreckensherrschaft des Usurpators Romanos I. war er kein willkommener Gast im kaiserlichen Palast; der Alte war sogar soweit gegangen, Basiliskos als Patriarchen abzusetzen und einen Nachfolger zu bestimmen. Der Dicke hatte die Entscheidung des falschen Kaisers schlichtweg ignoriert und seine Absetzung nicht anerkannt, so wie er Romanos Lekapenos nicht als Autokrator anerkannte. Die Sache drohte zu eskalieren, Basiliskos hatte sich im gut gerüsteten Patriarcheion eingeschlossen und wusste ein Gros der byzantinischen Bevölkerung hinter sich, weswegen sein Orden ungeachtet des Tyrannen im Dunkeln agieren konnte. Von einer groß angelegten militärischen Operation hatte der Lekapenos abgesehen, denn wer wollte schon einen offenen Krieg innerhalb der eigenen Hauptstadt anzetteln, die ohnehin ein Pulverfass war? Letzten Endes war es nicht zuletzt Basiliskos gewesen, der den Truppen unter Romanos II. bei der Wiedereroberung Konstantinopels die Tore der Hauptstadt geöffnet hatte. Die bereits bestehende Freundschaft des Patriarchen mit dem Kaiser hatte einen seither andauernden Höhepunkt und Staat und Kirche gingen Hand in Hand, was auch bei der Bevölkerung nicht unbemerkt blieb. Beide - Basiliskos und Romanos - erfreuten sich durch alle Bevölkerungsschichten großer Beliebtheit. Dass sein Wort einiges wog, war dem hohen Kirchenmann durchaus bewusst und er genoss einige Freiheiten unter Romanos, der ihm vor nicht allzu langer Zeit weitreichende Zugeständnisse in der Causa Italien gemacht hatte, um den Patriarchen wegen der Wiederherstellung des Kirchenstaats nicht zu sehr vor den Kopf zu stoßen.

Nach einigen gesundheitlichen Problemen war der Patriarch wieder einigermaßen fit - so fit ein Mann seiner Statur eben sein konnte - und mischte sich hier und da in politische Themen ein; der Einfluss der Kirche auf den Alltag befand sich auf einem anhaltenden Höhenflug. Diese Tatsache war nicht zuletzt auch dem Orden der Heiligen Sophia zu verdanken, der die Stadt und die umliegenden Ländereien gut im Griff hatte - höchst inoffiziell natürlich. Nicht nur mit dem Kaiser, auch mit der Kaiserinmutter verband den Patriarchen eine enge Bindung, was den Einfluss des Dicken deutlich gewichtiger werden ließ.
Nach seiner Herzattacke hatten die Ärzte den Patriarchen auf eine strenge Diät gesetzt. Diese zeigte durchaus Wirkung, sodass Basiliskos inzwischen ein Gewicht erreicht hatte, das mit dem vor seiner Ernennung zum Patriarchen zu vergleichen war (seit diesem Zeitpunkt hatte er stetig zugenommen). Das machte ihn bei weitem nicht schlank, er war nach wie vor in hohem Grade fettleibig, doch musste eine ganze Reihe neuer Gewänder angefertigt werden, da die alten einfach zu groß geworden waren. Die Ärzte waren mit ihrem prominenten Patienten zufrieden, sodass ihre strenge Überwachung nach und nach an Sorgfalt vermissen ließ. Basiliskos nutzte dieses aus, um sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Wanst vollzustopfen; und solche Gelegenheiten boten sich meist außerhalb des Patriarcheions an.
Und so kam es also, dass der Dicke ganz offen die Dreistigkeit besaß, sich zu der Kronratssitzung etwas zu essen kommen zu lassen. Während der Kaiser also die Sitzung eröffnete und Reichskriegsminister, Reichsmarschall und der Basileus ihre Redebeiträge zum besten gaben, machte sich der Patriarch über ein gegrilltes Hühnchen her, das mit einer schweren Weinsoße verfeinert war und zu dem kleine gebackene Pastetchen gereicht wurden.
Hellhörig wurde der Dicke dann, als er hörte, dass der Kaiser irgendetwas über den Klerus sagte. Sein erster Blick ging zu Helena, dann schaute er zum Kaiser, dann in die Runde. Was hatte der Kaiser gesagt? Etwas peinlich berührt (nicht wegen des Essens, sondern wegen der Stille), lächelte er daher leicht verunsichert zum Kaiser und sagte - nichts.

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Dienstag, 26. Februar 2019, 20:31

Die hier zusammensitzenden Personen konnte man zweifellos als die mächtigsten im Reich bezeichnen. Wenngleich die Macht nur von einer Person allein ausging, so bediente er sich dieses Gremiums zum Zwecke der Beratung und jeder der hier Anwesenden würde versuchen, den Kaiser aus ganz eigennützigen Zielen von seiner Sache zu überzeugen. So dürfte die erhöhte Besteuerung von Grißgrundbesitzern vor allem den Phokadai mächtig gegen den Strich gehen, würden sie hierdurch doch verhältnismäßig am meisten belastet werden, während der Patriarch alles daran setzen würde, eine Besteuerung des Klerus zu vermeiden. Und oblgeich der ein oder andere in diesem erlesenen Kreise davon ausgehen dürfte, sie seien alle gleichermaßen an Diskussionen und der Entscheidungsfindung beteiligt, so war diese Annahme eben so blauäugig wie zu denken, der Senat besäße irgendeine Macht im Reich.

Es stand völlig außer Frage, dass Helena deutlich einflussreicher war als einige der anwesenden Herren zusammen. Nicht nur, weil sie Romanos' Mutter war und schon seit jeher Macht und Einfluss auf ihren Sohn ausübte, der schon so manche Entscheidung nach den Wünschen seiner Mutter gerichtet hatte, sondern auch, weil es zwei Personen im Raum gab, die ihr mehr oder weniger hörig waren: Zum einen war da der Reichsfinanzminister, der der Kaiserinmutter deutlich öfter Bericht erstattete als dem Kaiser, zum anderen war da der Patriarch, den die taffe Frau schon seit Jahren mit Insider-Informationen aus dem Palast versorgte und dem sie auch während der Herrschaft ihres Vaters Romanos Lekapenos den Rücken frei gehalten hatte. Ein Umstand, der den Dicken auf ewig in ihrer Schuld stehen lassen würde. Als einzige Frau im Kronrat strahlte Helena eine ganz besondere Autorität aus, die sich durchaus mit der des alten Phokas messen lassen konnte, wenngleich sie anderer Natur war. Wenigstens wusste man bei Bardas, woran man war, während die Kaiserinmutter stets mit verdeckten Karten spielte und etwas hatte, was man später als erstklassiges Pokerface bezeichnen würde. Oft hielt Helena sich bei Diskussionen zurück und meldete sich erst ganz zuletzt zu Wort. Dies hatte verschiedene Gründe, zum einen wollte sie sich auf keine Debatte einlassen, sondern das letzte Wort haben und zum anderen würden ihre gesprochenen Worte am prästentesten in den Köpfern der Ratsmitglieder bleiben - vor allem in dem Kopf, der die Entscheidungen traf. Auch aus diesem Grund hatte Helena ihren Thron direkt gegenüber dem ihres Sohnes platzieren lassen, auf diese Weise entstand der Eindruck, sie könne ihn jederzeit mit ihrem Blick durchbohren und ihn zu ihren Gunsten beeinflussen; auch ohne ein einziges Wort zu sagen.

In der Causa Edessa schienen sich die Redner alle einig zu sein. Die beiden Offiziers dieser Runde plädierten für ein schnelles Handeln und wurden vom Basileus, dessen Wort einiges an Gewicht haben durfte, in ihren Argumenten unterstützt. Auch der Kaiser schloss sich der allgemeinen Stimmungslage an und folgte in seiner Entscheidung den Vorschlägen des Ministers und des Basileus. Man würde also einige tausend Soldaten aus Alemannien abziehen und in den Osten verlegen, was einige Wochen in Anspruch nehmen durfte. Helena erinnerte sich in diesem Moment an einen Brief, den ihre Schwester ihr kürzlich gezeigt hatte und der von ihrem Gatten, General Argyros stammte. Das Ansinnen des Generals war obsolet geworden, entsprach man doch mehr oder weniger seinem Wunsch, ihm Soldaten zu entsenden. "Euer Bericht, Minister, erweckt den Eindruck, als sei eine Reaktion des Emirs völlig überraschend gekommen", wendete sie sich offen an Monomachos und behielt dabei einen Tonfall bei, der es weniger hart gesottenen Männern eiskalt den Rücken herunterlaufen ließ. "Fakt ist doch, dass General Argyros einen Angriffskrieg gegen die Muselmannen gestartet hat. Ein Handeln des Feindes war zu erwarten - warum sind nicht länger viel mehr Soldaten vor Ort? In diesem Moment könnten unsere Truppen einem übermächtigen Feind gegenüber stehen und wir wissen nicht einmal, wie stark unsere Truppen vor Ort sind. Dass Ihr Eure Leute nicht im Griff zu haben scheint, fällt nicht zuletzt auf Euch zurück. Offenbar fehlte dem Minister die Autorität, einen Mann wie Argyros unter Kontrolle zu halten."
Helena durchbohrte Monomachos mit ihrem Blick, auch wenn sie nicht davon ausging, dass er sich davon einschüchtern ließ. "Statt Euch beim Kaiser zu beklagen, hättet Ihr längst die Initiative ergreifen können. Wollt Ihr dem Autokrator mit Eurem Beklagen denn verdeutlichen, dass Ihr diesem Amt nicht gewachsen seid?" Wer brauchte schon einen Minister, der sein Amt nicht ausüben konnte? Statt sich Tage, gar Wochen lang mit Argyros zu fetzen, war wenig zielführend. Zudem erlaubte sich die Basilissa ganz offen Kritik am Vorgehen des Heeres in dieser Sache; Kritik, die zuletzt auch auf Romanos abfiel - die Schuldigen an der brenzligen, gar gefährlichen Lage des Generals saßen heute in diesem Raum.

14

Mittwoch, 27. Februar 2019, 00:40

Der Finanzminister kam gut vorbereitet zu dieser Sitzung. Er hatte in den letzten Tagen einen vollumfänglichen Sparplan ausgearbeitet, mit dessen Hilfe man das Loch in der Staatskasse einigermaßen stopfen konnte. Dass Romanos eine Erhöhung der Steuer für Großgrundbesitzer anvisierte, gefiel Diokles - der schließlich ein Phokas war - ganz und gar nicht, weswegen er sich mit dem Vorschlag des Basileus bezüglich einer Kriegssteuer viel eher anfreunden konnte. Er nickte, als dieser den Gedanken äußerte, und nickte noch heftiger, als der Kaiser die Idee aufgriff. "Eine hervorragende Idee, Majestät. Wir befinden uns im Krieg mit den Ungläubigen, da sollte der Klerus mit gutem Beispiel vorangehen. Viel mehr noch, er sollte es als seine Aufgabe ansehen, den Staat bei der Erhebung der Steuer zu unterstützen und diese nicht nur propagieren, sondern stellenweise auch in Form von Spenden eintreiben." Wenn er an den bürokratischen Aufwand dachte, der mit der Erhebung einer solchen Steuer verbunden war, wurde ihm schon ganz schwarz vor Augen. Würde jedoch jeder Priester den sonntäglichen Klingelbeutel um eine kleine Abgabe erweitern, würde dies dem Staat personelle Kapazitäten sparen, die an anderer Stelle gebraucht wurden. "Dieser Krieg steht unter einem Motto; Deus vult, Gott will es. Ihr pflichtet mir doch bei, Allheiligkeit?", fragte er fordernd in Richtung des Patriarchen und warf dann seinem Bruder einen vielversprechenden Blick zu, dass er ihm doch beipflichten möge. Auch Bardas musste bei dem Wort "Großgrundbesitzer" hellhörig geworden sein.
Die Kritik der Basilissa, die in Diokles' Augen durchaus berechtigt war, verleitete den dicken Minister dazu, in sich hinein zu grinsen. "Die Anmerkung Ihrer Majestät ist durchaus gerechtfertigt. Vor Ort soll ein großes Manöver abgehalten werden, während die Waffenbrüder der hier stationierten Soldaten tapfer für die Freiheit und die Werte unseres Reiches kämpfen." Die Sache war nur schwer nachvollziehbar. Dass es Diokles bei seiner Zustimmung zur Kaiserinmutter weniger um den Inhalt des Gesagten ging, als darum, dieses abnormal teure Manöver zu umgehen, musste an dieser Stelle ja nicht laut gesagt werden; doch der Umstand war dem Minister der Finanzen nur recht.

15

Mittwoch, 27. Februar 2019, 09:04

Der Kriegsminister hatte sich wieder hin gesetzt und irgendwie den Braten gerochen, dass man nur allzu schnell zum nächsten Thema übergegangen war. Irgendwas würde da noch kommen, dessen war er sich sicher. Die Kriegssteuer befürwortete er freilich, war gedanklich indes bereits in der Organisation des schnellstmöglichen Aufbruchs. In 24 Stunden? Unmöglich. 48 Stunden? Machbar aber riskant. 72 Stunden? So würde er es wohl festlegen müssen. Fast kam er sich lächerlich vor, dass er nicht sofort gegangen war; hier verstrichen kostbare Minuten. Und da waren dann noch unnötige Agenden am Sitzungsplan wie diese neue Stadt, von der der Kaiser und sein Protoarchitektonas, der Sohn seines kameradschaftlichen Kollegen Bardas Phokas, die weitere Zeit kosten würden.

Da saß er nun, nahm die Zustimmung seitens des Reichsmarschalls und des Basileus Zenon wohlwollend zur Kenntnis, doch der Drang, endlich an die Arbeit zu gehen, wollte nicht nachlassen. Zu seinem Entsetzen begann seine Heiligkeit, der Patriarch, inmitten dieser staatstragenden Kronratssitzung zu Essen. Als wäre das nicht schon genug, wurde der Logothetes auch noch von der Basilissa – ja, er könnte es nicht anders ausdrücken – von der Seite her angeschnauzt! Er blickte sie mit völlig reglosem Gesicht an, atmete langsam einmal tief ein. Sein Gesicht war starr wie ein Brocken Fels; man hätte den Kriegsminister kurz für eine kriegerische Steinskulptur halten können. „Bei allem gebotenen Respekt, Majestät! Aber hierfür habe ich keine Zeit! Ich habe mein Können und meine Fähigkeit in der rhomäischen Armee bereits in einer Zeit bewiesen, da Eure Majestät noch nicht einmal geboren waren!“, sagte er selbstbewusst mit einem Hauch von Verachtung und Zorn und stand abrupt auf, wobei sein Stuhl laut auf dem Boden nach hinten schrammte. Er warf ihr noch einen letzten Blick zu, dieser Hexe, dann wandte er sich von der Basilissa ab und an den Autokrator selbst.

Letztendlich entschied des Autokrators Wort und nicht dasjenige der Basilissa; sie konnte Angst verbreiten, dem Sohne Dinge einflüsstern, aber was scherte ihn diese giftige Schlange "Verzeiht, mein Kaiser. Ihr habt die Kunde gehört und die Zeit drängt. Ich bin Soldat, nicht Politiker und gewiss kein Rhetoriker. Ich werde Euch einen Sieg erringen, so Gott will, und mit dem Herrn Reichsmarschall den General Argyros aus seiner prekären Situation retten, in die er sich durch vorschnelles Vorgehen, Ungehorsamkeit, Gehorsamsverweigerung und Widersetzung gegenüber seinem Vorgesetzten selbst hineingeritten hat. Die Maschinerie muss umgehend angekurbelt werden. Da das Manöver ohnehin anstand, sind alle Truppen bereits praktisch hier vor Ort: der geordnete Abmarsch kann binnen 72 Stunden erfolgen.“ Der Kriegsminister würde der Basilissa nun keinen Vortrag über standardisiertes Vorgehen im Kriege vorhalten. Dass man nämlich, sofern nicht ärgste zeitliche Not herrschte, zunächst anhielt und um Verstärkung bat, diese möglichst abwartete und dann mit gestärkten Kräften zuschlug. Argyros aber hatte nie aktiv um Hilfe gerufen. Dennoch war er weiter in die Offensive gegangen, wie der Narr, der er auch war.

Die Wortmeldung des Diokles Phokas ignorierte er. Der Mann musste Tomaten in den Ohren haben, zweifelte er doch gerade die Sinnhaftigkeit eines Manövers an; war das Manöver nicht schon zu Beginn der Sitzung wegen der beunruhigenden Neuigkeiten abgeblasen worden? Gregorios schüttelte nur den Kopf, verzichtete aber auf jeden weiteren Kommentar. Immerhin war der Fette ein Phokas und ein Phokas war sein engster militärischer Verbündeter.
Der Kriegsminister verneigte sich vor dem Kaiser und den übrigen Herrschaften und verließ erhobenen Hauptes und gemäßigten Schrittes - es war keine Flucht, kein Rückzug vor der Basilissa, sondern ein Gang in den Kampf! - den Raum.

16

Mittwoch, 27. Februar 2019, 15:22

An eine Kronratssitzung, in der es so hoch her gegangen war, konnten sich selbst langjährige Kronräte nicht leicht erinnern. Es kam nämlich zum regelrechten Schlagabtausch zwischen der Kaiserinmutter und dem Reichskriegsminister, etwas, was man unter normalen Umständen für unmöglich gehalten, ja ins Reich der Phantasie verwiesen hätte. Helena versuchte Monomachos nämlich ziemlich bloß zu stellen. Und tatsächlich mochte man ihre Argumentation nicht völlig von der Hand weisen. Vermutlich stand der Kriegsminister bereits auf ihrer berüchtigten Liste derjenigen, die sie gerne aus ihren Ämtern entfernt haben wollte und sich damit zumeist auch durchgesetzt hatte, zuerst bei ihrem Vater, dann bei ihrem Gatten und nun bei ihrem Sohn. Und dass an Monomachos' Stuhl gesägt wurde, lag durchaus auf der Hand, hatte sich der Minister doch nicht nur Freunde gemacht mit seiner rauen, wahrlich soldatischen Art. Und doch: Solange der Autokrator die schützende Hand über ihn hielt, war die Position des Mannes sicher. Monomachos reagierte nun so, dass es einem Befreiungsschlag gleichkam. Vielleicht war dies sogar die einzige Chance gewesen, sein Amt über den heutigen Tag hinaus zu retten, auch wenn selbst Helena schwerlich seine sofortige Absetzung gefordert hätte angesichts des Kriegszustandes im Osten. Es stand ja auch keiner bereit, der Monomachos mir nichts, dir nichts ersetzen hätte können. Das heißt mit einer Ausnahme. Denn Bardas Phokas, der Oberbefehlshaber der Armee, der sich betont zurückhielt, wäre dann selbstredend zum Zuge gekommen. Widerwillig vermutlich, doch hätte er das Kriegsministerium diesmal kaum ausschlagen können, so ungeliebt es ihm auch gewesen wäre. Dieser Kelch aber schien an ihm vorbeizugehen, da der Auftritt des Monomachos den Kaiser nachhaltig beeindruckte. Ja er ließ sich sogar davon anstecken, wohl ganz zum Ärger Helenas, die mit Monomachos' pathetischem Abgang nun sogar einen handfesten Grund hatte, Bardas Phokas als neuen Kriegsminister vorzuschlagen.

"Fürwahr, es ist nicht an der Zeit, sich gegenseitig zu zerfleischen", schaltete sich Romanos dann Allerhöchstselbst ein und gab die Richtung vor. "Die sofortige Mobilmachung ist nun oberstes Gebot. Wir haben bereits lange genug gezögert. Sofortiges Handeln ist das Gebot der Stunde!" Damit stellte Romanos dem Kriegsminister einen Blankoscheck für dessen höchst ungewöhnlichen Flucht nach vorne aus. Nur Augenblicke später verließ dieser den Raum. Um Helena gleichwohl ein wenig versöhnlich zu stimmen, fuhr der Kaiser fort: "So soll denn diese Operation gleichsam als Bewährungsprobe dienen, um etwaige Zweifel an der Amtsführung des Reichskriegsministers aus der Welt zu schaffen." Dies konnte man so deuten, dass Monomachos im Falle einer Niederlage seinen Posten räumen musste und Helena doch noch ihren Willen bekommen würde. Wer würde nun auch an Monomachos' Statt gerne die Verantwortung für diesen Feldzug übernehmen?

"So ist die Reichskriegssteuer beschlossene Sache. Über Details werdet Ihr mich unterrichten, Reichsfinanzminister." Damit blickte er zu Diokles Phokas, der nun eben ein brauchbares Papier vorlegen sollte, wer wieviel abzuleisten hatte. "Die Causa Romanoupolis wird vertagt, bis dass wir Nachricht vom Siege erhalten haben." Denn dieses großangelegte Prestigeobjekt konnte nur geplant werden, wenn die Ostgrenze gesichert war. Nun erhob sich auch der Autokrator, was alle übrigen ebenfalls dazu nötigte. "Die Sitzung ist geschlossen." So endete die Tagung des Kronrates viel eher als erwartet, da der Entsatz Edessas nun doch von größter Wichtigkeit war. Der Parakoimomenos folgte dem Kaiser wie sein eigener Schatten auf den Fuß, als dieser den Sitzungssaal verließ.

17

Mittwoch, 27. Februar 2019, 20:50

Der alte Phokas hatte schon gewusst, wieso er das Amt des Reichskriegsministers immer bescheiden abgelehnt hatte, handelte es sich doch um eine Art Schleudersitz in einem Imperium, das ich nahezu permanent im Kriegszustand befand. Der Minister trug immer die Letztverantwortung und selbst Romanos Argyros, Onkel des Kaisers, war letzten Endes darin gescheitert - was indes nicht bedeutete, dass er nun weniger einflussreich geworden wäre. Zum Leidwesen der übrigen hohen Militärs ganz im Gegenteil, hielt er mit seinem eigenmächtigen, um nicht zu sagen selbstherrlichen Aktionismus das Militär doch ganz schön auf Trab.

Ein handfestes Wortgefecht zwischen der Kaiserinmutter und General Monomachos zeigte, wie schnell die Stimmung hier eskalieren konnte. Niemand schien Monomachos wirklich zu beneiden, doch saß er vorerst zumindest doch fester im Sattel als seine Kritiker dies glauben mochten. Er tat vermutlich das in dieser Situation Gescheiteste und ging im wahrsten Sinne des Wortes sogleich an die Arbeit. Unter anderen Umständen hätte man dies wohl als Unverfrorenheit gegenüber dem Kaiser gedeutet. Hier und jetzt wirkte er dadurch sogar besonders motiviert und engagiert. So kam er auch wirklich damit durch, wie des Kaisers Worte bezeugten. Bardas, der im Notfall zugunsten Monomachos interveniert hätte - schon um nicht dessen etwaiger Nachfolger werden zu müssen -, gab ein Bild von altersweiser Gelassenheit ab und ergänzte den eher hektischen Gregorios Monomachos dadurch wohl ganz vorzüglich. Mit gestrengem Blick erhob auch er sich nach der Beendigung der Sitzung und fixierte besonders Helena, die wohl nicht ganz zufrieden war mit dem Ergebnis.

Da der Autokrator mit seinem neuen Schoßhündchen Kosmas - den der Alte auch genau beobachtet hatte - bereits verschwunden war, schritt Bardas in seinem Alter angemessenen Tempo an der Kaiserinmutter vorüber und verabschiedete sich mit einem "Majestät" fast auf Augenhöhe von derselben.

Dass Bardas nicht auf dem alleinigen Oberbefehl bestanden hatte, durfte man als Entgegenkommen ansehen. Faktisch würde er die Scholai und Monomachos die Hikanatoi befehligen. Darüber machte er sich keine Gedanken. Viel schwieriger würde wohl die Kommunikation mit Argyros ausfallen, der nun als Generalstatthalter den großen Macho mimen könnte, der sich in nichts hineinreden wollte. Mit diesen Gedanken verließ der Phokas-Patriarch den Raum, nicht ohne seinem Bruder noch einen wenig anheimelnden Blick zuzuwerfen.

18

Mittwoch, 27. Februar 2019, 21:39

Äußerst abruptund völlig unerwartet nahm die Sitzung eine Wende. Der Kriegsminister schickte sich an, den Raum schnellstmöglich zu verlassen, wohl um nicht verargumentieren zu müssen, warum er seinen Kameraden und die eigenen Leute im Osten im Stich gelassen hatte, während er selbst ein Manöver hatte abhalten wollen, um sich mein Kaiser einzuschmeicheln. Diokles klappte sein Notizbuch zusammen. Der Auftrag an ihn war klar, er hatte eine Kriegssteuer auszuarbeiten. Den Gedanken, die Großgrundbesitzer stärker zu besteuern, hatte Romanos offenbar bereits verworfen, was den Minister glücklich stimmte. Nachdem der Kaiser den Auftrag an seinen Reichsfinanzminister bekräftigt hatte, wurde die Sitzung aufgelöst. Nach Romanos erhob sich auch Diokles, um direkt an die Arbeit zu gehen.

19

Donnerstag, 28. Februar 2019, 15:17

Helena lächelte teuflisch, als sie die Reaktion des Kriegsministers vernahm. Er bestand sogar darauf, sofort aufzubrechen und die Vorbereitungen für einen Aufbruch gen Edessa zu treffen, weil die Sache keinen Aufschub duldete. eine Drehung um 180 Grad, bedachte man doch, dass der ehrwürdige Soldat seine Kameraden bisher völlig allein gelassen hatte, während er ein Manöver plante, um sich beim Kaiser einzuschmeicheln oder sich selbst eine Art Denkmal zu setzen. Dass er zu seiner Verteidigung nicht mehr vorzubringen hatte, als sich wie ein kleines Kind beim Kaiser auszuweinen ob des trotzigen Verhaltens des Generals Argyros, sollte einen jeden hier nachdenklich stimmen, ob der Minister seinem Posten noch gewachsen war.

Anders als Romanos dies vermutete, war Helena nicht daran gelegen, Monomachos seines Amtes zu entheben, doch war es ihr gutes Recht, Missstände zu kritisieren. Die Reaktion des Ministers bewies doch nur, dass sie einen wunden Punkt getroffen hatte und mit ihren Aussagen völlig richtig lag.

Der Kaiser löste die Sitzung dann recht abrupt auf und verabschiedete sich. Dem Reichsmarschall Phokas nickte Helena wohlgesonnen zu, als dieser sich des Respekts halber bei ihr verabschiedete. Obwohl die Familien Lekapenos und Phokas lange Zeit verstritten waren, war dieser Zwist inzwischen Geschichte und Helena hatte in Bardas einen würdigen, ehrbaren Mann kennen gelernt, den sie durchaus zu schätzen wusste.

20

Freitag, 1. März 2019, 06:49

Obwohl der Sitzungsverlauf recht angespannt war und es zwischendurch recht hitzig zuging - die Basilissa nahm kein Blatt vor den Mund bei ihrer Kritik gegenüber dem Reichskriegsminister, der dann abrupt aufsprang, um in den Krieg zu ziehen - war die Sitzung die wohl kürzeste, die Zenon lange erlebt hatte. Wäre er auch nur ein paar Minuten später gekommen, er hätte dem Kaiser die Klinke in die Hand gegeben. Romanos, Helena, Bardas, der Mystikos, der Finanzminister und nahezu alle anderen Ratsmitglieder hatten den Saal inzwischen verlassen, nur Zenon saß noch da und überflog ein Papier, das da so herumlag und recht interessante Informationen beinhaltete. Anscheinend stammte es aus dem Innenministerium und war nicht unbedingt für fremde Augen vorgesehen. Als der Basileus aufsah, erblickte er Konstantinos Phokas, der ebenfalls noch anwesend war, sich jedoch bereits zum Gehen aufmachte. "Exzellenz!", rief Zenon dem Architekten hinterher und sprang auf, um ihm hinterher zu eilen. "Wenn Ihr einen Augenblick Eurer kostbaren Zeit entbehren könntet... ich bräuchte Eure Expertise für ein Projekt, das ich mein eigen nennen darf. Ich würde Euch gerne etwas zeigen. In meinem Arbeitszimmer." Grinsend musterte Zenon sein Gegenüber. Obwohl beide schon lange im Palast lebten und unter Romanos dienten, hatten sie nie sonderlich viel miteinander zu tun gehabt. Dies würde sich möglicherweise jedoch bald ändern.

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