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Sonntag, 15. Juni 2014, 21:31

Hauptportal

Hier befindet sich der Eingang zum Patriarcheion.

Es sind stets zwei Wachen davor positioniert, die nach dem Rechten sehen.

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Montag, 26. März 2018, 21:55

Wie der stadtbekannte Suffkopf Baristerotzes, kurz Rotzi, diesmal überhaupt ins Palastviertel gekommen war, wusste niemand so genau. Vermutlich wollte es auch keiner wissen. Da er als völlig harmlos galt, drückten die Wachen oft ein Auge zu, spendierte er ihnen doch insgeheim einen Schluck aus seinem immer mitgeführten Weinschlauch. Offiziell durften sie das natürlich nicht annehmen, aber wo kein Kläger, da kein Richter.

Baristerotzes hatte es tatsächlich zu einiger Bekanntheit gebracht. Er galt als der Philosoph unter den Säufern von Konstantinopel und hatte sogar schon Bekanntschaft mit dem Ex-Kaiser Konstantinos VII. gemacht, der ab und an durch die Straßen zog und diesen und jenen aufgabelte, um seinen Umtrunk zu begleiten. Dergestalt war Baristerotzes auch mit dem Palastviertel in Berührung gekommen, in das er von Zeit zu Zeit wieder hineinschaute.

Nachdem er seinen Weinschlauch wie allmorgendlich in einer der Schenken der Stadt hatte auffüllen lassen - da er als Berühmtheit galt, drückten die Wirte gerne etwas Wein ab -, war ihm der Gedanke gekommen, dass er doch eigentlich den Papst, der derzeit in der Stadt weilte, aufsuchen wollte. Bei dessen Ankunft war Baristerotzes schlichtweg zu besoffen gewesen und auf dem Fischmarkt zwischen vergammelten Makrelen gelegen. Auf diese Weise hatte er dieses Großereignis quasi verpasst.

Das Palastviertel hatte er bereits betreten, als er zunächst auf die Hagia Sophia zuwankte, unübersehbar und immer wieder ein Anblick sondergleichen, selbst wenn man über zwei Promille intus hatte. Zudem bot der riesige Kirchenbau eine willkommene Gelegenheit, die eigene Blase zu entleeren, schließlich war die Kirche groß genug, um dies ungesehen erledigen zu können.

Als er dies getan hatte, watschelte der Säufer auf das Hauptportal des Patriarcheions zu. Bei diesen handelte es sich um den Palast des Patriarchen, in welchem der Papst derzeit untergebracht war. Zumindest hatten ihm dies die Wachen vorhin gesagt. Vor den beiden Wachen, die scheinbar des Stehens auch schon überdrüssig waren, baute sich der Hobbyphilosoph auf und hub zu einer Rede an.

"Hörrrd, ihr Leut', und lasst euch sagen, die Uhr hat elfe geschlagen. Lööööscht das Feuer und das Licht, dass kein böser Geist ... einbricht", begann er, für die Tageszeit unpassend, schließlich war es helllichter Tag. Die Wachen hauten sich bereits ob dieses Vortrages ab und konnten sich vor Lachen kaum halten. "Heda, guter Mann, wohnt hier der ... Ba... Ba ... Babst? Sagt ihm, Baris... Barist... Barist... äh ... Rotzi is' hier!"

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Samstag, 14. April 2018, 15:24

Das Palastareal war bekanntlich riesig und von der restlichen Hauptstadt abgeschirmt. Hier nahm man vom Lärm und den nicht immer erquicklichen Gerüchen der Metropole praktisch nichts wahr. Der Altkaiser Konstantinos VII. schätzte diese Idylle und zog in der schönen Jahreszeit gerne durch die ausgedehnten Parkanlagen. Begleitet von einigen seiner Lieblingswaräger, mit denen er sich längst angefreundet hatte, genoss er die Beschaulichkeit und Ruhe. Selbstredend war die kleine Gemeinschaft niemals nüchtern unterwegs. Vielmehr musste der Alte zunehmend gestützt werden, war er doch mittlerweile bereits beinahe fünfzig und für die Zeit nun langsam wirklich ein alter Mann. So trug es sich zu, dass eine Art Karren benutzt wurde, in dem der Basileus mit seinem Weinschlauch lag und der von vier Ziegen gezogen wurde. Freilich befanden sich auch die kaiserlichen Affen stets in unmittelbarer Nähe. Konstantinos hatte diese sukzessive an die Genüsse des Alkohols herangeführt, so dass sie ohne nicht mehr sein konnten. Eine Nebenwirkung war indes, dass die Tiere dadurch zunehmend aggressiv wurden und sich auffällig verhielten. Außerdem befand sich ein ausgedienter Tanzbär in der geselligen Runde. Der Altkaiser gab dem Drängen des Bären nach Honig freigebig nach, was dazu führte, dass das arme Tier mittlerweile keinen einzigen Zahn mehr im Maul hatte.

Diese kuriose Runde näherte sich nun dem Patriarcheion und erregte einige Aufmerksamkeit. Die Ziegen hatten merklich Müh' und Not, den Karren zu ziehen, hatte der Alte doch in den letzten Monaten stark an Gewicht zugelegt. Lautstark johlend lenkte der Basileus die beiden Wachen vor dem Patriarcheion dergestalt ab, dass sie sich um den Streuner Baristerotzes nicht weiter kümmerten. Ein abrupter Achsbruch des Karrens bedingte sogar, dass sie sofort zum "Unfallort" eilten, um mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Den Alten hatte es durch dieses Malheur nämlich aus dem Karren geschleudert, wenngleich er sanft auf der Wiese landete. Die Waräger waren jedenfalls selbst zu sehr vom Met betäubt, um ihrem kaiserlichen Herrn nachhaltig helfen zu können. Sie hatten schon Mühe, sich selbst auf den Beinen zu halten. So mussten die Gardisten des Patriarcheions dafür sorgen, den Alten wieder hochzuheben. Natürlich lud Konstantinos die starken Männer sogleich zu einem Umtrunk ein, so dass an eine Bewachung des Patriarcheions nicht zu denken war, galt ein kaiserlicher Befehl doch, und war er auch nur von einem Altkaiser.

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Samstag, 14. April 2018, 16:19

Ungläubig beobachtete Konstantinopel's wohl berühmtester wenn auch gleichsam berüchtigster Einwohner, sofern man einen Obdachlosen so bezeichnen kann, das Geschehen, das sich ihm da gerade bot.
"Ich... Ich... habb wohl suviel gedrunngen. Ich hallusi... hallusi... ich sehä Geschpensda."
Fürwahr war es doch ein recht merkwürdiges Schauspiel was sich da abspielte. Wann sah man schon eine menschliche Kugel, die in einer mit Ziegen bespannten Quadriga herumgekarrt wurde, umringt von zugegebenermassen nicht mehr ganz adrett aussehenen Warägern. Obendrein wurde dieser ohnehin schon nicht alltägliche Tross von einem riesigen Fellknäuel begleitet. Dass es sich um einen Bären handelte, konnte Rotzi freilich nicht mehr bemerken, dann tatsächlich war sein Alkoholpegel auf einem nicht zu verachtenden Niveau.

Zu allem Überfluss brach auch noch die Achse des Wagens und die Kugel rollte heraus. Rotzi entfuhr ein von Alkohol gezeichnetes krächzendes Kichern. Sogleich eilten die Gardisten, die gerade noch das Tor bewachten dem Kugelkaiser zu Hilfe. Das wäre der Moment für den Penner gewesen sich unbemerkt hineinzuschleichen. Wäre... Doch die Jahre des Suffs hatten Rotzis Auffassungsgabe nun wirlich nicht gefördert; im Gegenteil. Verloren stand das Häufchen Lumpen am Tor und beobachtete die Szene.

Je länger Rotzi zuschaute, desto schärfer wurde sein Blick. Langsam nahm die Kugel die aus dem Wagen gefallen war auch vor seinen Augen Gestalt an.
Torkelnd und schlurfend näherte sich der Penner dem Altkaiser.
"Heeee.. *hicks* ... eee, du! Du Kuchelicher! Sach maa, isch kennä disch doch, oder? Aba, ja , du bissoch diesa Typ auss diesa Schengge. Die Schengge üba dem Elüsjum..."
Rotzi kratze sich am halbkahlen Kopf an den fettigen Haaren. Das Denken strengte ihn an und verstärkte das Dröhnen, das ohnehin ein permanenter Zustand bei ihm war.
Mit einem Mal weiteten sich seine Züge.
"Aba ja, du bis äs! Pollos is dein Namä oda?" grinste er, beinahe zahnlos.

Sein Blick wandte sich dem Tanzbären zu.
"Und der Auddokrador äs auch wieda dabei! HAHAHA! Du bis aber haarig gewordn!"

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Samstag, 14. April 2018, 23:16

Die Aufmerksamkeit, die diese nicht ganz alltägliche Szene auslöste, erfasste offenbar auch den stadtbekannten Trunkenbold, den Philosophen der Säufer Baristerotzes, der zufällig an jenem Tage auch auf dem Gelände war. Das nunmehr unbewachte Patriarcheion, worin der Papst derzeit weilte, interessierte ihn auf einmal gar nicht mehr, gab die komische Begebenheit draußen doch mehr her, zumal dort auch augenscheinlich Alkohol im Spiel war.

Während die Wachen des Patriarchen dem Altkaiser wieder aufhalfen, näherte sich auch Baristerotzes und begrüßte den vermeintlichen Senator Poltos. Den abgedankten Autokrator machte er indes in der Gestalt des zahnlosen Bären aus, der kaum mehr in der Lage war, feste Gegenstände zu kauen.

"Wenn das nicht der alte Rotzi ist", grinste Konstantinos mit roten Pausbäckchen und erinnerte sich gern an die erste Begegnung zurück. Misstrauisch beäugten sowohl die Wachen als auch die Waräger das Aufeinandertreffen der ungleichen Freunde, die im Suff miteinander verbunden waren. "Doch irrst du, Freund, denn ich bin Konstantinos. Dies aber ist der treue Tanzbär Archimedes, dem es, wie ich gerade feststelle, wieder nach Honig, dem flüssigen Gold, verlangt." Auf ein Handzeichen des Alten hin bemühte sich ein begleitender Diener, dem Bären eine große Honigration zu kredenzen.

"Was führt dich in diese Gegend, Kamerad? Wo du schon einmal hier bist, will ich dir gleich meinen Weinschlauch anbieten, auf dass sich deine ausgetrocknete Kehle wieder befeuchte, wie es eines Mannes würdig ist", schwadronierte der Alte und streckte ihm denselbigen entgegen. "Mehr Wein! Mehr Met! Mich dünkt, es dürstet auch mich", befahl er sodann. "Nehmen wir Speis und Trank an dieser beschaulichen Lichtung zu uns und erfreuen uns der Herrlichkeit des Lebens."

Die Affen näherten sich derweil interessiert dem abgesandelten Säufer und zupften an seinen Gewändern, die ein übermäßiger alkoholischer Teint auszeichnete. Dies nämlich lockte die schlauen Tiere an, genauso wie die Alkoholfahne, die Baristerotzes meilenweit vor sich her trug.

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Montag, 16. April 2018, 19:19

Derweil im Patriarcheion

Der unüberhörbare Lärm außerhalb des Patriarcheions, in welchem derzeit auch Seine Heiligkeit Papst Agapitus II., persönlicher Gast des dicken Patriarchen Basiliskos I. von Konstantinopel, untergebracht war, riss den kaum weniger beleibten Pontifex aus seinem Schlaf. Tatsächlich plumpste Agapitus beinahe aus dem Bett, als draußen ein Tohuwabohu seinen Lauf nahm. Er hatte bis tief in die Nacht mit Basiliskos in eher unchristlicher Manier gezecht, so dass ihm der massive Schädel ordentlich brummte, als er nach der nächtlichen Sauf- und Fressorgie langsam zu sich kam. Ungläubig starrte der etwas kurzsichtige Papst aus dem Fenster seines Zimmers und erblickte vor dem Gebäude eine gar ungewöhnliche Szene, meinte er doch einen kugelrunden Fettsack zu erkennen, dem gerade von zwei Helfern wieder auf die Beine geholfen wurde. Dem nicht genug, meinte er einen halben zoologischen Garten zu erblicken. Ungewiss, ob er wirklich wach war oder noch träumte, rieb sich Agapitus die Augen. Die Stimme des Altkaisers Konstantinos erkannte er jedenfalls einwandfrei wieder. In einer Lautstärke, die wenig diesem heiligen Ort angemessen erschien, gab derselbe Dinge von sich, die wenig zu einem Kaiser, und mochte es auch ein abgedankter sein, passten.

Rasch kleidete sich der wohlgenährte Papst an und stampfte dann mit markerschütternden Schritten schwer schnaufend zu den Gemächern des Patriarchen. Vielleicht wusste dieser ja mehr über diese Begebenheiten im Palastgarten. An der Türe angekommen, machten die Wachen keine Anstalten, den Papst aufzuhalten. Mächtig hämmerte er an das Holz und gähnte dann, seiner höchsten Würde wenig angemessen, im Angesicht der Wachen. "Bruder Basiliskos, seid Ihr schon wach?", erhob er seine markante Stimme und brummte in seinen nicht existenten Bart hinein. "Mir scheint, vor dem Patriarcheion spielen sich sonderbare Dinge ab." Bislang regte sich im Inneren nichts. Vielleicht schlief der Dicke ja auch noch. "Ein nahrhaftes Frühstück täte zudem not." Dazu drangen aus seinem Magen besorgniserregende Geräusche der Mangelernährung.

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Dienstag, 17. April 2018, 19:01

Es kam nicht selten vor, dass der Patriarch bis tief in die Nacht mit dem Studieren alter Schriften oder anderen Dingen beschäftigt war, die hauptsächlich seinem Orden zu gute kamen. Daher war es kaum verwunderlich, dass er oft bis in den späten Vormittag hinein im Bett verblieb, was jedoch den netten Nebeneffekt hatte, dass man vom Frühstück direkt und nahtlos ins Mittagessen übergehen konnte, sodass er seinen Untergebenen und anderen Bittstellern in der Regel erst weit nach der Mittagszeit zur Verfügung stehen konnte. Nicht selten hatte Agapitus II. deshalb seit seiner Ankunft in Konstantinopel mit dem Frühstück alleine beginnen müssen; er saß jedoch häufig noch bei selbigem, wenn Basiliskos zu ihm stieß, weswegen sie schlussendlich dann doch beinahe täglich gemeinsam "zu Mittag frühstückten". Der Patriarch hatte im Papst einen guten Freund gefunden, jeglicher Gram, den er dem Bischof von Rom gegenüber jemals verspürt haben könnte, war inzwischen verflogen. Die beiden Kirchenmänner hatten vieles gemeinsam, vor allem jedoch teilten sie ihre Vorliebe für gutes Essen, das in ihren Augen wohl kaum als Laster angesehen werden konnte.
Basiliskos wurde jäh aus einem wunderbaren, jedoch irgendwie auch ominösen Traum geweckt, als es an seiner Tür hämmerte. "Ja wie.. was.. wer? Oh.", stammelte der Patriarch vor sich hin, als er sich etwas zu schnell aufgerichtet hatte und ihm nun etwas schwindelig wurde. "Agapitus, bist du das? Wie spät ist es?", rief er nun voller Angst, das mittägliche Mahl bereits verschlafen zu haben. Er hatte doch hoffentlich die pochierten Eier nicht verpasst! Mit völlig zerzaustem Haar und in einem unvorteilhaften Nachthemd gekleidet öffnete er die Tür seiner Gemächer und fand nämlichen Freund ihm gegenüber, der mindestens ebenso zottig aussah wie er selbst. "Hat David die Pfannkuchen verbrannt?", fragte er und schnüffelte. Irgendeinen Grund musste dieser Aufruhr ja haben.

Nachdem der Papst ihn erneut auf das Treiben vor dem Gebäude aufmerksam gemacht hatte, schlurfte der Patriarch zurück in seine Gemächer, aus deren Fenster er das Geschehen besser beobachten konnte. Dabei hatte er völlig vergessen, die abgenagten Hühnerknochen, die rund um den Abdruck des massigen Körpers des Kirchenmannes auf dem Bett lagen, unter der Decke zu verstecken, ehe Agapitus den Raum betreten konnte - Spuren eines nächtlichen Imbisses.
"Das ist doch Konstantinos!", rief Basiliskos und machte sich in seinem einem Patriarchen unwürdigen Gewand, das von einigen Flecken versehrt war, auf den Weg nach unten. "Der Basileus!", rief er dann erklärend, nachdem der Papst ihm nicht direkt gefolgt war.

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Mittwoch, 18. April 2018, 19:41

Allzu lange musste sich der Heilige Vater nicht gedulden, vernahm man doch bald schon Laute aus dem Inneren. Es erweckte zumindest den Eindruck, dass auch der Patriarch bis jetzt im Bett gelegen hatte. Wenig später hörte man etwas Massiges auf die Tür zukommen, die sich alsdann öffnete. Man erblickte Basiliskos I. in einem äußerst unvorteilhaften und einigermaßen bekleckerten Nachthemd, das nur unzureichend seine Hängebrüste überdeckte, die ähnlich wie im Falle von Agapitus so manches Weib vor Neid erblassen ließen. "Es ist kurz vor Mittag", entgegnete der Bischof des Alten Rom demjenigen des Neuen. So ganz schien der Patriarch die Situation aber noch nicht erfasst zu haben, wähnte er doch ein Missgeschick bei den Pfannkuchen, die er offenbar als kleine frühmorgendliche Stärkung bestellt hatte. Der Bischof von Rom konnte den armen Basiliskos sogleich beruhigen, dass mit denselben alles in Ordnung sei und sie wohl bald schon gebracht würden. Dies sagte Agapitus nicht ganz uneigennützig, erhoffte er sich doch einen Happen als "Magentratzerl".

Nachdem die beiden Dicken die Gemächer des Patriarchen dann gemeinsam betreten hatten, meinte Basiliskos in dem dritten Dicken außerhalb den Ex-Kaiser Konstantinos VII. zu erkennen. Scheinbar war Basiliskos nicht ganz so kurzsichtig wie sein Mitbruder in Christo. "Der scheint einen mordsmäßigen Spaß zu haben", folgerte der römische Bischof. Zumindest konnte man dies annehmen, vernahm man doch ein lautstarkes Lachen da draußen, welches auf eine gesellige Zusammenkunft schließen ließ. Agapitus musste seinen fetten Hintern jedenfalls in einen der im Zimmer befindlichen Sessel zwängen (was gar nicht so leicht war), erschöpfte ihn die ganze Aufregung doch bereits. "Du erlaubst doch, Bruder", meinte er und griff nach einer Schüssel mit fettigem Schmalz, das er sogleich überreichlich in die grobschlächtige Hand nahm und es sich dann ins eigene Haar wischte, um sich die zerzauste Frisur zumindest ein wenig zu richten und die von Basiliskos fraglos längst bemerkte Halbglatze auf seinem Hinterkopf zu übertünchen.

Ehe er sich versah, war der Patriarch aber schon auf dem Weg nach unten. Beim zweiten Anlauf gelang es dem Papst dann, sich wieder zu erheben und nachzuhetzen. "Warte, Bruder, ich komm ja schon", brummte er.

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Freitag, 20. April 2018, 21:38

Für Außenstehende muss es ein gerade zu abnormal urkomisches Bild ergeben haben, als die beiden dicken Geistlichen, einer runder und fetter als der andere, in einer für sie doch recht beachtlichen Geschwindigkeit die Haupttreppe des Patriarcheons hinunter watschelten, ohne dabei zu fallen und uns rollen zu kommen.
Beide waren ordentlich außer Atem als sie unten angekommen waren und würden sich ihr baldiges Frühstück redlich verdient haben. Nur wenige Momente später kam man am Ort des Trubels an. Tatsächlich hatte Basiliskos recht gehabt, einer der beiden lauten Männer war wirklich der Ex-Kaiser Konstantinos, das andere Männlein kannte der Dicke hingegen nicht. Die beiden waren in Begleitung einiger Affen. Bei ihnen angekommen schlug den Geistlichen erst einmal ein ordentlicher Schwall aus Urin und Alkoholfahne entgegen und Basiliskos konnte in diesem Moment den unangenehmen Gestank keiner Quelle zuordnen; er vermochte nicht zu sagen, ob es die Affen waren oder gar die beiden Männer - beides war nicht auszuschließen.

"Kyrios...Konstantinos?", fragte der Patriarch und klang nur ein klein wenig verunsichert. "Alles in Ordnung?"

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Montag, 23. April 2018, 15:20

Der Papst musste schon alles aufbieten, um mit dem Patriarchen Schritt halten zu können. Und das, obwohl Basiliskos nüchtern betrachtet ohnehin eine lahme Ente war. Immerhin sorgte seine vorgelagerte Wampe dafür, dass ihn die Schwerkraft gleichsam von selbst die Treppenstufen nach unten zog, so dass er nicht viel beisteuern musste. Er musste sich nur ordentlich am Geländer anhalten, damit er nicht ausglitt und wie ein nasser Sack die Treppe hinunterpurzelte.

Unten angekommen, begaben sich die beiden Dicken ins Freie, wo eine Art Picknick stattfand. Es war schwer zu sagen, von wem oder was genau die üblen Ausdünstungen kamen, die sich hier zu einem undefinierbaren Gemenge zusammensetzten. Der römische Bischof hatte die betrunkenen Affen im Verdacht, doch belehrte ihn der faulige Mundgeruch des Bären, der ihm durch einen ungünstigen Windzug plötzlich entgegenkam, eines Besseren.

"Eine nette Zusammenkunft im Freien. Wie ein Karneval der Tiere", lachte Agapitus pausbäckig. Den Basileus Konstantinos kannte er ja bereits vom Staatsbankett, wo dieser durch übermäßige Trunkenheit aufgefallen war. Agapitus lehnte sich an einem Schatten spendenden Baumstamm an, wollte er sich doch nicht unbedingt ins Gras setzen, um sich die Peinlichkeit, nicht mehr alleine auf die Beine zu kommen, zu ersparen.

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Dienstag, 8. Mai 2018, 12:19

Eine Geldlieferung

Eine Karawane von nicht weniger als drei Karren näherte sich, vom Großen Palast kommend, dem Patriarcheon. Begleitet wurde der Zug von nicht weniger als 50 Soldaten zu Fuß und 40 weiteren zu Pferd, handelte es sich schließlich um eine stattliche Summe Geld, die transportiert wurde.
Mehr und mehr Schaulustige hatten sich versammelt, um diesem Spektakel beizuwohnen. Schließlich kam man vorm Patriarcheon an, vor dem stets bewaffnete Wachmänner postiert waren.



"Was ist Euer Begehr?", fragte einer der Soldaten, der das kaiserliche Wappen natürlich erkannte.




"Wir bringen eine Lieferung an den Patriarchen. Eine ganze Stange Geld, so lasst uns ein!", antwortete der Offizier, der den Trott anführte und überreichte dem Wachmann ein Schreiben:



Euer Allheiligkeit!


Nach eingehender Prüfung der Lage bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich tatsächlich um unverzeihliches Unrecht handelt, das Euch widerfahren ist. Nach Rücksprache mit Ihrer Majestät, Basilissa Helena, erreicht Euch mit diesem Schreiben alle ausstehenden Gelder samt Zins und einer Schadenswiedergutmachung bezüglich der ausgefallenen Spenden, in Summe 350.000 Solidi. Erlaubt Ihrer Majestät fürderhin, Euch eine Spende in Höhe von 50.000 Solidi zukommen zu lassen, als Zeichen der Freundschaft.

Hochachtungsvolle Grüße,


Diokles Phokas
Logothetes tou genikou

 

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Freitag, 13. Juli 2018, 22:55

Ein unscheinbarer Besucher

Ignatios hatte beinahe vergessen, wie gewaltig die Ausdehnung von Konstantinopel war. Er brauchte mehrere Stunden, ehe er von einem der gewaltigen Stadttore bis zum Patriarcheion im Palastviertel geschritten war, auch wenn man dazu sagen musste, dass er aufgrund seines noch immer leichten Humpelns auch ab und an innehielt. Jedenfalls hatte sich hier (zum Glück) nichts verändert, denn die Hauptstadt suchte noch immer ihresgleichen. Fast meinte man, es habe nie einen Bürgerkrieg gegeben. An einem Stand erstand der Protopresbyteros etwas Obst und ließ sich vom Händler mit dem neuesten Stadttratsch versorgen. Der Mann sprach irgendetwas von Kreta und Zypern. Ignatios konnte es erst gar nicht glauben, dass man diese beiden Inseln mittlerweile zurückerobert hatte. Auch halb Bulgarien war ja jetzt byzantinisch.

Derart gestärkt, erreichte er dann endlich das Palastviertel, wo man ihn nach einigem Zögern passieren ließ, konnte er sich doch eindeutig als Gottesmann ausweisen. Schließlich näherte er sich dem Hauptportal des Patriarcheions, wo offenbar alle Kriegsschäden mittlerweile beseitigt waren und es in neuem Glanze erstrahlte wie lange nicht. Zwei Wachen versahen ihren Dienst, als er gemächlich herannahte und aufgrund seines Stockes wohl älter wirkte als er war.

"Gott zum Gruße! Mein Name ist Ignatios Angelos, Protopresbyteros zu Konstantinopel und gewesener Megas oikonomos. Ich möchte bitte zu Seiner Allheiligkeit dem Patriarchen." Es war wenig wahrscheinlich, dass ihn einer der beiden wiedererkannte, selbst wenn er damals schon seinen Dienst hier verrichtet hätte. Durch sein fast noch bübisches Gesicht und ohne einen Bartansatz wirkte er eher wie ein kleiner Hypodiakonos denn wie ein wichtiger Geistlicher.

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Montag, 16. Juli 2018, 14:20

Wachdienst vor dem Patriarchen zu schieben, war einer der einfachsten aber gleichzeitig auch langweiligsten Aufgaben, die einem Soldaten zuteil werden konnten - auf gut deutsch ein reiner Schnarchjob. Nur selten kamen Besucher hierher, manche hatten einen Termin und entsprechende Dokumente vorzuweisen, manche hatten dies wiederum nicht nötig. Dass sich Bittsteller hierher verirrten, kam fast gar nicht vor, schließlich war das Palastviertel an sich bereits abgeriegelt und gut bewacht, sodass der Pöbel nicht einmal bis zum Hauptportal des Patriarcheon vordingen konnte.
Heute war so ein seltener Tag, an dem ein junger Mann, offensichtlich ein Angehöriger des geistlichen Standes, beim Wachposten aufschlug und um Audienz beim Patriarchen bat.


"Angelos?", fragte der Soldat, dem der Name natürlich gut bekannt war. "Etwa wie Niketas Angelos, der Metropolit von Chalkedon und Kanzler seiner Allheiligkeit?", hakte er nach und warf einen prüfenden Blick auf den Besucher. Wirklich ähnlich sahen die beiden sich ja nicht, vielleicht waren sie dennoch entfernte Verwandte - oder führten eben rein zufällig denselben Nachnamen.

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Montag, 16. Juli 2018, 16:06

Die Wache erwiderte sogleich und brachte einen anderen Namensträger ins Spiel: Niketas Angelos. Ignatios staunte nicht schlecht, als er vernahm, dass dieser es zum Metropoliten von Chalkedon und zum Kanzler des Patriarchen gebracht hatte. "Das ist mein Oheim zweiten Grades", meinte er knapp. Tatsächlich erklärte sich dies dergestalt, dass der Bruder von Ignatios' Großvater, also sein Großonkel, der Vater desselbigen Niketas war. Ein wirklich inniger Kontakt bestand nicht zwischen den beiden, auch wenn Niketas bei Ignatios' Priesterweihe anwesend gewesen war und sie einige Worte miteinander gewechselt hatten. Doch lag das auch schon wieder sechs Jahre zurück. Womöglich half ihm diese entfernte Verwandtschaft in der jetzigen Situation aber sogar, um hier ernst genommen zu werden. "Bitte, es ist wirklich dringend, guter Mann. Wenn Ihr mich bei Seiner Allheiligkeit anmelden könntet?"

15

Montag, 16. Juli 2018, 16:22




Der Soldat fuhr sich mit der Hand übers Kinn. Nur ungern würde er die Order missachten, keine Fremden hineinzulassen, doch schien dieser Mann kein Fremder zu sein. Sollte es sich herausstellen, dass er log und nur unter Vorwänden versuchte, ins Patriarcheon einzudringen, würde ihm eine hohe Strafe drohen. Zudem wollte der Soldat nicht verantworten, tatsächlich einen Anverwandten des leicht reizbaren Metropoliten abgewiesen zu haben, der noch dazu womöglich ein guter Bekannter seiner Heiligkeit selbst war.
"Also gut. Aber keine Sperenzchen! Nehmt es mir nicht übel, doch versucht allerlei Gesocks unter erlogenen Vorwänden hier hereinzukommen. Daher werde ich Euch begleiten, bis Eure Identität bestätigt wurde. Ihr habt doch nichts dagegen?", fragte er mehr rhetorisch. Selbst wenn dieser Angelos nun abwinken und zu gehen versuchen würde, war es bereits zu spät. Würde er einen Schwindel nun zugeben, würde man ihn festsetzen. Mit der Lanze in der einen Hand deutete er dem Besucher nun an, einzutreten. Gemeinsam begab man sich zu den Gemächern des Patriarchen.

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Montag, 16. Juli 2018, 17:22

Glücklicherweise gab es keine Probleme, auch wenn der Wachmann von "Gesocks" sprach, das hier scheinbar ab und an Zutritt verlangte. Hatte sich das in den letzten zwei Jahren so entwickelt? Vielleicht übertrieb die Wache aber auch einfach, um sich etwas wichtiger zu machen. Ignatios war es einerlei, solange er Zutritt zum Patriarcheion erhielt, was ihm hiermit auch geglückt war. Sollte der übervorsichtige Nachtwächter ruhig mitkommen. "Sehr wohl, ganz wie Ihr verlangt", erwiderte er. Was hätte er auch sonst tun sollen? Die Sache würde sich ohnehin gleich aufklären. So schritt er also gemeinsam mit dem Wachmann ins Innere zu den Gemächern Seiner Allheiligkeit.

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