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Rhomäisches Reich: Eine Heiratsverbindung zwischen dem Imperium und dem Königreich Armenien ist beschlossen worden: Der armenische Kronprinz wird Thekla Lekapene Argyre ehelichen.
Kirchenstaat: Der Papst hat Legaten nach Konstantinopel und Augsburg entsandt. Des Schelmenromans zweiter Teil "Neues vom Theodul" erweist sich als Verkaufsschlager.
Alemannien: Dem Papstdarsteller Theodoulos Philanthropenos wird vor einem Kirchengericht in Augsburg der Prozess gemacht.

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Dienstag, 23. Oktober 2018, 22:27

Der König von Armenien bittet um Gehör

Es waren einige Wochen vergangen seit den unerquicklichen Rekrutierungen, die der byzantinische Oberbefehlshaber im Osten, ein gewisser Prinkeps Romanos Argyros, einfach auf armenischem Territorium vornehmen ließ. Dem nicht genug, hatte Argyros äußerst brüsk auf einen diplomatischen Vorstoß des Königs von Armenien reagiert und diesen praktisch zurückgewiesen. Nun war Armenien zwar ein relativ kleines Königreich, aber seit Urzeiten christlich und von daher ein natürlicher Bündnispartner der mächtigen Oströmer. Die jüngste Eskalation war nur der Höhepunkt in einer langjährigen Entwicklung, in der Byzanz immer unverhohlener auf armenischem Gebiet operierte. Bereits Romanos I. aus dem Hause Lekapenos hatte versucht, sich einige Territorien unter den Nagel zu reißen. Allein die vordringlichere Bedrohung durch die Araber hatte sein Vorhaben vereitelt. Nun sah sich Armenien schon wieder in seiner staatlichen Souveränität bedroht, behandelten die Byzantiner es doch wie eine Art Protektorat, in dem sie tun und lassen konnten, wonach ihnen der Sinn stand.

Für Abas I. war dies völlig indiskutabel. Nach kurzer Absprache mit seinen Beratern hatte er sich bei Nacht und Nebel auf den schnellsten Weg in die Hauptstadt des Rhomäischen Reiches gemacht. Mit Argyros wollte er sich gar nicht länger aufhalten. Es gab schließlich noch diejenigen, die Macht über ihn hatten. Und genau das war sein Ziel. Es kam selten vor, dass ein armenischer Herrscher nach Konstantinopel reiste, so dass dies unter normalen Umständen wohl einen großartigen Empfang bedeutet hätte. Da Abas aber fast fluchtartig anreiste, wusste man im Neuen Rom darüber überhaupt erst in letzter Minute Bescheid, als die kleine armenische Flotte gesichtet worden war. Der König befürchtete nämlich, dass ihm dieser Argyros, dem er alles zutraute, den Weg abschneiden könnte. Dies hatte er nun geschickt verhindert.

Nach einem recht informellen Empfang an der Anlegestelle im Palastviertel geleitete man den König und seine Begleiter zunächst in den Großen Palast, wo man eilig einige Gemächer hergerichtet hatte. Wenn sich Abas eine pompöse Begrüßung durch Autokrator und Patriarch erhofft hatte, wurde er indes bitter enttäuscht. Man vertröstete ihn auf eine baldige Audienz, die dann gleichwohl geschlagene zwei Tage auf sich warten ließ, was den Armenier fast zur Weißglut trieb. Die Byzantiner blieben ihrer Arroganz auch hier treu, indem sie selbst einen König spüren ließen, dass sie es nicht nötig hatten, sich zu beeilen.

Endlich holte eine fast erbärmlich kleine Abordnung den armenischen König in seinen Gemächern ab. Es handelte sich um irgendeinen Staatssekretär - noch nicht einmal ein Minister war erschienen, vom Kanzler ganz zu schweigen! Für Abas eine weitere Dreistigkeit, die er nur dank seines ruhigen Gemütes nach außen hin verbergen konnte. Auf dem Weg zur Magnaura erklärte man ihm lapidar, der Autokrator sei außer Stande, ihn persönlich zu empfangen, weswegen dies der Basileus Zenon II. übernehmen würde. Das wurde ja immer besser! Dass dieser Zenon überhaupt Mitkaiser war, war bisher gar nicht nach Kars gedrungen. Abas machte indes gute Miene zu bösem Spiel und nickte nur.

Im Großen Audienzsaal der Magnaura angekommen, kündigten zumindest Fanfaren seinen Auftritt an. Die Halle war gewaltig und übertraf alles, was man in Armenien vorfinden konnte. Dennoch ließ sich Abas davon nicht sonderlich beeindrucken. Nicht einmal der goldene Baum mit den beweglichen Goldvögeln, die zwitschern konnten, und die Löwenstatuen vor dem riesigen Thron, die imstande waren zu brüllen, rührten ihn großmächtig. Auf dem Thron saß ein stattlicher junger Mann, offenkundig Zenon II., der zumindest eine wirklich kaiserwürdige Figur abgab. Der Zeremonienmeister klopfte sodann dreimal auf den Marmorboden und rief aus:


Zeremonienmeister

"Abas, dieses Namens Erster, König von Armenien!"

Er trat beiseite und ließ demselben dann den Vortritt. Abas war lange genug Herrscher, um sich eine herrscherliche Würde angeeignet zu haben. Er trat bis auf ein paar Meter an den Thron heran und verneigte sich tief. Auf die Knie ging er indes nicht, war er doch ein souveräner König und kein byzantinischer Lakai. Das erste Wort stand dem Basileus zu, den er nun fixierte.

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Dienstag, 23. Oktober 2018, 22:58

Seit der kaiserlichen Hochzeit war Ruhe eingekehrt im kaiserlichen Palast. Die unschöne Chose mit Lucas Crescentius, dem päpstlichen Legaten, hatte man geflissentlich unter den Teppich gekehrt und so gut wie vergessen. Während der Crescentier im Apostolischen Palast in Konstantinopel eingezogen war, ging man hier wieder seinen Alltagsgeschäften nach. Zwar hatte Romanos es vermieden, seinen Freund Zenon ganz offiziell zum Mitkaiser zu ernennen und damit augenscheinlich einen Teil seiner uneingeschränkten Macht abzugeben (augenscheinlich deswegen, weil er diese Entscheidung jederzeit rückgängig machen konnte und deswegen schlussendlich eben doch "allmächtig" war), doch hatte er ihn trotzdem mit einigen Aufgaben betraut, die in der Regel dem Kaiser zufielen. Bislang handelte es sich dabei um Entscheidungen mittlerer Tragweite, die Zenon mit Sinn und Verstand traf und seinen Kaiser nach bestem Wissen und Gewissen dort vertrat, wo auch immer sein Freund ihn brauchte. Ein wenig vermisste er seine Tätigkeiten als Reichskanzler, doch gab es nun eben neue Verpflichtungen. Ein Basileus konnte ja unmöglich Logothetes sein, wo käme man da denn nur hin?
Die monatliche 'offene Audienz', bei der ein jeder zum Palast kommen und sein Anliegen dem Kaiser vortragen konnte, hatte Zenon nun bereits zwei Mal hinter sich gebracht. Zu Beginn schien Romanos von der Idee, sich ganz der gütige Landesvater um seine Untertanen zu kümmern, angetan zu sein, doch verflog die anfängliche Euphorie wohl sehr schnell, sodass er sich aus der Angelegenheit wandte und sie an seine Mutter oder eben Zenon übertrug.

Recht überrumpelt fühlte man sich in Konstantinopel, als der Besuch des armenischen Königs angekündigt worden war. Da entsprechende Gastgemächer stets vorbereitet waren, entstanden selbstredend keinerlei Probleme, den König und seine Delegation standesgemäß im Palast unterzubringen, doch signalisierte man dennoch seinen Unmut darüber, von einem Staatsbesuch dieser Art nicht vorab informiert worden zu sein, indem man Abas geschlagene zwei Tage warten ließ. Immer wieder war er vertröstet worden, der Kaiser befände sich auf Reisen oder nehme äußerst wichtige Termine wahr, die scheinbar allesamt wichtiger waren als der hohe Gast, der unter seinem Dach auf ihn wartete. Schließlich also wollte man Abas empfangen - zu Zenons Überraschung hatte Romanos ihm spontan und kurzfristig aufgetragen, die Audienz an seiner statt durchzuführen. Es war ganz offensichtlich, dass der Kaiser schlicht keine Lust hatte, sich mit diesem Kleinkönig zu beschäftigen, was man selbigem natürlich nicht so sagen konnte (oder wollte). Offiziell war Romanos eben einfach verhindert, weswegen man den Basileus vorgeschickt hatte, damit Abas nicht noch länger warten musste.
Ein wenig nervös war Zenon schon, als er auf dem Thron des Autokrators im Großen Audienzsaal Platz genommen hatte. Er hatte bereits unzählige Audienzen erlebt, weswegen es nicht das Handwerkliche war, was ihn nervös machte. Nein, heute war sein erster großer Auftritt als Basileus seit seiner Ernennung zu eben diesem. Neben Zenon hatte auf einem deutlich kleineren Stuhl ein Staatssekretär platz genommen, war die Stelle des Reichskanzlers doch noch immer vakant - eigentlich ein unhaltbarer Zustand, um den sich jedoch niemand sonderlich scherte. Die Kanzlei lief wie geschmiert, wohl hauptsächlich deswegen, weil Zenon doch dann und wann dort auftauchte und nach dem Rechten sah, hier und dort an verschiedenen Strängen zog und die Staatsekretäre instruierte.

Fanfaren ertönten und der Basileus richtete sich auf. Erhaben und mit erhobenem Haupt blickte er auf Abas hinab, als dieser sich vor der Herrlichkeit des Byzantinischen Reiches verneigte. Offenbar kannte der Mann seinen Platz, nämlich zu Füßen des übermächtigen Nachbarn. Die Fanfaren verstummten. Der Basileus ließ beabsichtigt einige Zeit verstreichen, die dem König vorkommen mussten wie eine halbe Ewigkeit. Dann erst erhob er das Wort. "Hoheit, Wir sind erfreut über Euren Besuch in Unserer schönen Hauptstadt", eröffnete er und legte eine weitere Kunstpause ein. "Gleichzeitig sind Wir ebenso überrascht, dass Ihr völlig unangekündigt hier aufgetaucht seid, so blieb keinerlei Zeit, einen angemessenen Empfang vorzubereiten." Wenn man wollte, so konnte man durchaus einen kleinen Hauch Tadel in den Worten des Basileus hören. "Seine Majestät der Autokrator lässt sich indes entschuldigen - der Terminkalender ist über die Maßen gefüllt. Natürlich hätte man es bei einer rechtzeitigen Unterrichtung Eures Besuchs sicher einrichten können, dass er Euch persönlich empfangen hätte können."
Was klang wie eine Entschuldigung, war in keinster Weise so gemeint. Es war lediglich eine Information; der König hätte es eben besser wissen müssen.
"Nun sind Wir ebenso neugierig, was Euch zu einem Staatsbesuch bewegt hat. Der König von Armenien persönlich, das sieht man auch hier nicht alle Tage."


Dass Abas aus reinem Vergnügen der Hauptstadt der Rhomäer einen Besuch abstattete, war äußerst unwahrscheinlich. Irgendwas wollte er, etwas Wichtiges, sonst wäre er nicht in persona aufgetaucht. Geld vielleicht?

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Dienstag, 23. Oktober 2018, 23:19

Der König von Armenien war ein Mann im fortgeschrittenen Alter, Mitte fünfzig, und regierte bereits seit 928. Damals war Romanos I. noch fest im Sattel gesessen und hatte niemand eine Restauration der Makedonen für möglich gehalten. So konnte man sich täuschen. Mit seiner spezifischen Landes- und Barttracht fiel Abas I. hier gleich als Ausländer auf. Die Armenier waren stolz auf ihre Historie und konnten von sich behaupten, das erste christliche Königreich überhaupt gewesen zu sein, lange bevor das Christentum im Römischen Reich zur Staatsreligion wurde. Nur konnte man von dieser glorreichen Vergangenheit eben nicht ewig zehren.

"Euer Majestät, die Freude liegt ganz auf meiner Seite", entgegnete Abas sogleich und neigte noch einmal ganz leicht sein Haupt. "Das Wohlbefinden Seiner Majestät des Autokrators ist für uns Armenier das Wichtigste, von daher entsendet dem Allerhöchsten meine persönlichen Grüße." Soviel Förmlichkeit musste sein, das geboten das Zeremoniell. "Nun, ich darf Euch gerne den Anlass meines wahrlich überraschenden Besuches erläutern. Es trug sich nämlich zu, dass der Oberbefehlshaber Seiner Majestät an der östlichen Grenze, Prinkeps Romanos Argyros, auf den Gedanken verfiel, auf dem Gebiete Armeniens Rekrutierungen vorzunehmen, und dies noch dazu, ohne mich davon in Kenntnis zu setzen. Ich setzte also ein Schreiben an den General auf und ersuchte ihm, diese Praxis doch bitte künftig zu unterlassen, entspricht sie doch nicht dem Miteinander auf Augenhöhe, welches Rom und Armenien seit Jahrhunderten eint." Er ließ das Gesagte kurz wirken, ehe er fortfuhr. "Allerdings erhielt ich eine überaus brüske Antwort des Prinkeps, der auf seinem unverhältnismäßigen Tun beharrte und meinem Reiche gar ganz direkt mit einem Überfall drohte, sollte ich mich weiterhin dagegen sträuben. Als Gipfel des Ganzen schlug Argyros eine Eheverbindung zwischen meinem Sohn und seiner Tochter vor, was man ja beinahe als Verrat am Kaiser ansehen darf." Wieder machte er eine Pause. "Ich bin also in höchster Eile hierher gereist, um den Autokrator von diesen überaus ungewöhnlichen Vorgängen persönlich in Kenntnis zu setzen und auf eine Garantie der Unversehrtheit des Königreiches Armenien zu pochen. Euer Majestät, ich bitte Euch daher um eine weise Entscheidung im Sinne Armeniens, Eures alten Verbündeten." Nun endete der Monolog des Königs und er wartete die Reaktion des Basileus ab.

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Freitag, 26. Oktober 2018, 21:20

So interessiert Zenon zu Beginn dieses Treffens auch gewesen war, so sehr langweilte ihn der König auch schon, obwohl das Gespräch ja eigentlich noch gar nicht begonnen hatte. Wie sehr sich doch die Sichtweise auf die Dinge änderte, wenn sie plötzlich zu lästigen Überhängseln wurde, mit denen man sich eigentlich gar nicht zu beschäftigen hatte. Der Kleinkönig trug alsdann sein Anliegen vor. Wie so oft in den letzten Tagen war wieder einmal der Oheim des Kaisers, General Argyros, der Grund für Zoff. Man hatte den Mann an die Ostgrenze verfrachtet und ihm den Auftrag gegeben, diese zu sichern. Man war davon ausgegangen, dass er hier am wenigsten Schaden anrichten konnte. Dass der General indes einen Angriff auf die Stadt Edessa plante und damit dem Kalifat Bagdad ganz offiziell den Krieg erklären würde, wusste man in der Hauptstadt indessen mitnichten. Zenon schaffte es gerade so zu vermeiden, genervt die Augen zu verdrehen und atmete tief und hörbar aus. "Hoheit, Wir sind uns bewusst ob der tiefen Freundschaft, die unsere Nationen über Generationen hinweg geprägt hat. Wirtschaftlich wie kulturell profitieren unsere Reiche voneinander." Innerlich gluckste er. Als ob das großartige Byzantinische Kaiserreich von einer Mikronation wie Armenien auch nur in irgendeiner Weise abhängig war. "Wir sind ebenso überrascht wie betrübt zu hören, dass es hier ganz offenbar ein grobes Missverständnis gab. Ihr müsst wissen, dass die Muselmannen in den letzten Monaten mehrmals über die Ostgrenze in Unser Reich eingefallen sind, um zu plündern und brandzuschatzen. Der Oheim Seiner Majestät ist derzeit unterwegs, um vor Ort für Ordnung zu sorgen. Die Sicherheit und Souveränität der christlichen Staaten ist ein hohes Gut, zu dessen Erhalt wir alle unseren Beitrag leisten müssen." Im Prinzip erläuterte der Basileus, dass ihm in gewisser Weise die Hände gebunden waren. Die Mission des Generals hatte augenscheinlich höchste Priorität. "Offenbar mangelt es dem General an Rekruten. Wir werden daher veranlassen, dass 5.000 Soldaten an die Ostgrenze versetzt werden. Auf diese Weise sollte General Argyros genügend Männer vor Ort haben, sodass er nicht auf die Euren zurückgreifen muss."
Man würde also ein kleines Heer nach Osten verlegen. Für ein Reich wie Armenien musste sich diese Zahl gigantisch anhören. Zenon hoffte, der alte Mann würde sich mit dieser Geste zufrieden geben. Auf die Anmerkung mit der angebotenen Hochzeit ging er gar nicht erst ein, er hatte keine Lust, über derartigen Unfug zu diskutieren. "Lasst mich Euch als Zeichen Unserer Aufrichtigkeit eine Entschädigung aus der Kaiserlichen Schatzkammer zur Verfügung stellen. 5.000 Solidi sollten genug sein, um die Zurückgelassenen zu versorgen, bis die Familienväter wieder nach hause kommen." 5.000 Solidi waren eine Menge Geld, sowohl für den Kleinkönig als auch für die Familien in Armenien. Für die byzantinische Staatskasse hingegen nicht mehr als ein Mückenschiss, völlig unbedeutend. Man würde das Geld aus der sprichwörtlichen Portokasse bezahlen.
"Des Weiteren werden Wir dafür sorgen, dass General Argyros künftig davon absehen wird, die Staatsgrenze zu Eurer Nation ohne Eure Einwillig zu übertreten. Die Souveränität Eures Königreichs ist natürlich unbestritten."

Zenon beendete seinen Redeschwall. Damit sollte der Kleinkönig sich zufrieden geben. Mehr konnte und wollte der Basileus heute nicht für ihn tun.

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Montag, 29. Oktober 2018, 14:49

Hatte König Abas zunächst befürchtet, man habe ihm hier den Kaiser für Arme vorgesetzt, während sich der wahre Machthaber nicht mit ihm beschäftigen wollte, zeigte sich doch zur Freude des Armenierkönigs, dass dieser Basileus Zenon II. darum bemüht schien, die Wogen zu glätten. Er betonte die engen freundschaftlichen Verbindungen zwischen dem Römerreich und Armenien und dass beide davon profitierten. Dieser Argyros sollte scheinbar für Ordnung im Osten sorgen, ging in einem Anflug von Übereifer aber weit übers eigentliche Ziel hinaus. Fast entschuldigend räumte der Basileus dies ein und betonte, dass man dem sofort Abhilfe schaffen wollte, indem man 5.000 Soldaten an die Ostgrenze verlegte, um die Gier des Argyros nach neuen Rekruten zu befriedigen. Abas neigte sein Haupt dezent und zufrieden. Außerdem wollte ihm Konstantinopel 5.000 Solidi zukommen lassen, quasi als Entschädigung für die territorialen Verletzungen, die sich Argyros erlaubt hatte. Eine gewiss nicht geringe Summe, die Armenien, das ja selber von Feinden bedrängt wurde, gut gebrauchen konnte. Zu guter Letzt verpflichtete sich Zenon dann sogar dafür zu sorgen, dass es in Zukunft zu keinen solchen aggressiven Aktionen des Generals kommen würde.

"Habt vielen Dank, Euer kaiserliche Majestät", sprach Abas I. und schien zufrieden mit diesen Zusagen. "Das armenische Volk wird Euch dieses Euer Entgegenkommen hoch anrechnen, dafür kann ich mich verbürgen." Ob dies Zenon II. überhaupt interessierte, stand auf einem anderen Blatt. Die wahre, eher abfällige Meinung des Basileus über den christlichen Nachbarn im Osten blieb ihm ja verborgen. "So will ich mich als zufriedengeben mit Euren Ausführungen und meinen Aufenthalt in der Reichshauptstadt Konstantinopel noch etwas ausdehnen, mindestens solange, bis Seine Majestät der Autokrator geruhen, mir all dies schriftlich zu bestätigen." Denn wie viel waren Zenons blumige Worte rechtlich denn wirklich wert? Er konnte nur auf Nummer sicher gehen, wenn ihm das Gesagte auch von ganz oben bestätigt wurde. Dies trübte den Verhandlungserfolg, doch war er sich gewiss, dass es bloß eine Formalität darstellte. "Ich nahm bereits zuviel Eurer wertvollen Zeit in Anspruch, Majestät, und werde mich nun mit Eurer Erlaubnis in meine Gemächer zurückziehen." Er verneigte sich abermals und schritt dann langsam in Richtung Ausgang.

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Montag, 29. Oktober 2018, 15:47

Wie erwartet schien der Klein-König Abas I. von Zenons Vorschlag überzeugt zu sein und zeigte sich einvernehmlich. Ein wenig Erfolg musste ja schließlich durch die jahrelange Erfahrung bei Hofe herausspringen, so dass Zenon nun zufrieden nickte. "Gut, sehr gut. Wir sind erfreut, dass wir so schnell zu einem Konsens kommen konnten." Während ein anderer wohl pikiert reagiert hätte, dass der König die Versprechungen schriftlich haben wollte, wusste der Basileus aus seiner Zeit als Kanzler, dass ein gesprochenes Wort keinen Pfifferling wert war, wenn man keine Papiere hatte, um sie zu beweisen. Dennoch fühlte er sich in seiner Ehre ein wenig verletzt. "Ich werde die Kanzlei umgehend damit beauftragen." Sein Blick ging zu dem Staatssekretär neben ihm, der nickte und sich sofort erhob, die Aufforderung des Basileus verstehend. "Wie es der Zufall will, so feiern wir morgen den einundzwanzigsten Geburtstag unseres Kaisers Romanos. Ihr seid herzlichst eingeladen, der großen Militärparade und dem anschließenden Bankett beizuwohnen. Ich freue mich schon auf unser Wiedersehen."
Damit entließ Zenon den Gast. Einmal mehr hatte er sich als Problemlöser bewiesen, auf den sein Freund Romanos sich blind verlassen konnte. Selbstredend.

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