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Rhomäisches Reich: Der Friedensvertrag zwischen dem Kaiser und dem Kalifen wurde beiderseitig ratifiziert. Ein Geheimbündnis zwischen dem Reich und den Kiewer Rus wurde geschlossen.
Armenien: Sämtliche Zölle zwischen Armenien und dem Reich wurden aufgehoben. Das Kaiserreich plant den Bau einer Zweigstelle der Kaiserlichen Kreditanstalt in Kars.

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Montag, 29. Oktober 2018, 15:38

Staatsbankett zum Kaisergeburtstag (Oktober 951)

Nachdem die prachtvolle Militärparade, die die gewaltige Macht des Reiches aller Welt zur Schau gestellt hatte, zu Ende gegangen war, gelangten der Kaiser und seine Umgebung mittels der Megas Romanos vom Theodosioshafen zum Prosphorionhafen, der direkt hinter der massiven eisernen Schutzkette lag, welche bei Bedarf den Bosporus sperren konnte. Eine relativ kurze, aber beschauliche Fahrt auf dem neuen Prestigeobjekt der überlegenen rhomäischen Zivilisation, bei der man unter dem anhaltenden Jubel der Bevölkerung vom Marmarameer in den Bosporus einfuhr. Vom Prosphorianhafen gelangte man relativ rasch ins Palastviertel, wobei das Volk nochmal eine letzte Möglichkeit hatte, einen Blick auf seinen Kaiser zu erhaschen, ehe er hinter den hohen Mauern des Palastviertels, im Grunde genommen eine eigene Stadt in der Stadt, verschwand.

Den feierlichen Abschluss des Kaisergeburtstages bildete ein Staatsbankett im Chrysotriklinos, der Goldenen Halle in der Form eines Oktogons und mit einer Kuppel bekrönt. Die in der monumentalen Halle befindlichen Orgeln spielten pathetisch auf, als der Zug das Chrysotriklinos erreichte. An der kaiserlichen Tafel, die etwas erhöht war, durften nur die allerwichtigsten Würdenträger Platz nehmen. Neben dem Kaiser, der Kaiserin und den Kindern waren dies Zenon II. nebst Gemahlin, der Altkaiser und die Kaiserinmutter, die Kaisares Bardas und Konstantinos Phokas, letzterer mit Gemahlin, die übrigen Kaiserschwestern, der Parakoimomenos, der Großadmiral, auf ausdrücklichen Wunsch des Altkaisers Senator Poltos, der Patriarch, der Metropolit von Chalkedon, der Erzbischof von Derkos, der päpstliche Legat Kardinal Crescentius, der Erzbischof von Oxyrhynchus in Arcadia sowie als Ehrengast der König von Armenien.

Die übrigen Gäste verteilten sich auf die restlichen Tische, die in gebührendem Abstand standen. Die Vorspeisen wurden sogleich serviert und die Bestellungen für die Hauptgänge aufgenommen. Wie üblich, hatte man keine Kosten gescheut, so dass auch Extrawünsche erfüllt wurden. Den Wein steuerte Kyros Poltos als kaiserlicher Hoflieferant bei, was ihm, so hieß es, eine gewaltige Summe einbrachte. Romanos hatte sich für diesen Anlass den Nordmann Ivar Sigurdsson und den Griechen Kyriakos Taronites als persönliche Leibwächter auserwählt, die folglich direkt neben seinem thronartigen Stuhl standen und einen wachen Blick behielten. An jeder Tafel waren mehrere Vorkoster versammelt, die ständig ihres Amtes walteten. Sei den jüngsten Mordanschlägen war die Sicherheit im Palast auf die höchste Stufe gesetzt worden.

König Abas I. von Armenien durfte als persönlicher Gast des Kaisers zu seiner Rechten sitzen, was recht kurzfristig anberaumt worden war und den päpstlichen Legaten auf den Platz daneben verwies, worüber Romanos nicht ganz unglücklich war, immerhin hatte Lucas Crescentius ihm gegenüber nicht eben den allerbesten Eindruck hinterlassen.

Während das Bankett bereits in vollem Gange war, begann der Kaiser ein Gespräch mit dem Armenier. "Man trug mir zu, es sei zu diversen ... Zwischenfällen an der Ostgrenze gekommen", sprach er an Abas gerichtet und blickte kurz zu Zenon, der ihm direkt gegenüber saß. "Dies ist überaus bedauerlich, doch erreichte mich eine Eilmeldung von der Ostfront per Taubenpost, in welcher General Argyros einen ganz formidablen Vorschlag unterbreitet: Soll doch Euer Sohn und Thronfolger meine Cousine Thekla, die Tochter meiner Tante Agatha Lekapene und meines Oheims Romanos Argyros, ehelichen. Setzen wir unter diese leidige Angelegenheit dadurch einen Schlussstrich, Hoheit." Er hatte dies mit niemandem vorab abgesprochen; selbst Zenon wusste nicht Bescheid und war wohl genauso verdutzt wie alle übrigen in Hörweite. Dass Romanos nicht mehr völlig nüchtern war, animierte ihn zu noch Weitergehendem. "Ferner werdet Ihr Eurem Sohn Aschot die Regentschaft überlassen und Euch in den wohlverdienten Ruhestand zurückziehen." Nun gab es erstes Murmeln und Flüstern. "Die rhomäisch-armenischen Bande sollen durch diese Eheschließung untrennbar werden." Er schmunzelte. Das eigentliche Ziel war natürlich, mit Thekla Lekapene Argyre eine byzantinische Machthaberin in Armenien zu installieren, welche die eigentliche Herrschaft ausüben würde. Damit würde Armenien faktisch zu einem byzantinischen Satellitenstaat werden. "Zur Absicherung des Königreiches Armenien wird das Reich eine Schutztruppe von 5.000 Mann in Kars stationieren." Dies unterstrich nun endgültig die wahre Absicht des Kaisers. Die von Zenon in Aussicht gestellten 5.000 Soldaten für Argyros würden also praktisch in Armenien einmarschieren und die dortige Hauptstadt besetzen. Abas schien völlig sprachlos zu sein, so dass Romanos noch hinzufügte: "Oh, Ihr müsst Euch bei mir nicht bedanken. Sehen wir es als Freundschaftsdienst unter alsbald Verwandten an." Sprach's und prostete dem König unverschämterweise auch noch zu.

Konstantinos Phokas

Protoarchitektonas tes Rhomaikes Autokratorias

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Montag, 29. Oktober 2018, 15:53

Nun endlich startete das große Festbankett anlässlich des kaiserlichen Geburtstages. Die übermäßig pompöse Militärparade war beendet worden und nun fanden sich die Gäste des Kaisers im Palaste ein. Dem übrigen Volke wurden an diesem Tage allerlei Spektakel geboten; in der Stadt verteilt gab es Gesangsvorführungen, Theateraufführungen, Redner hielten Lobreden auf den Kaiser, ja, es gab sogar so etwas wie Freibier bzw. Freiwein. So einfach konnte man Beliebtheit nicht nur sichern, sondern auch fördern.

Als Konstantinos an seiner Schwester vorbeiging, drückte er kurz unauffällig ihre Hand und warf ihr ein aufmunterndes Lächeln zu. Er konnte sich gut vorstellen, dass ihr dieser ganze Aufwand alles andere als geheuer war. Der Phokas beauftragte indes einen Palastkurier, zum Lausospalast zu gehen und die dortige Dienerschaft darüber zu informieren, dass sie das Geburtstagsgeschenk herbeibringen konnte. Sie sollten aber darauf achten, dass die Abdeckung nicht herunterrutschte. Es sollte eine Überraschung sein. Konstantinos hatte Wochen gebraucht, bis er dieses Werk – eigenhändig – vollbracht hatte.

Schlussendlich setzte er sich an die Tafel, die für die Familienmitglieder des Kaisers sowie ranghohe Würdenträger gedacht war. Rechts von ihm saß sein Vater Bardas Phokas, links von ihm seine Ehegattin. Ihm gegenüber saß der Großadmiral, was das aufmerksame Auge des Phokas durchaus mit Zufriedenheit feststellte. Eine schöne Aussicht, sozusagen. Ob der Kaiser das organisiert hatte? Wohl kaum. Zwar hatte der dem Schwäger den unverheirateten Großadmiral praktisch aufgetragen, andererseits gab sich Romanos wohl kaum mit der Sitzordnung ab. Wohl war es ein glücklicher Zufall.

Der Wein floss alsbald in Strömen, der Lärmpegel stieg in dem Tempo, in dem die Pegel der Weinfässer niedersanken. Der immer hungrige Phokas ließ sich eine große Portion Essen servieren, die wohl sogar den Patriarchen Basiliskos zufriedengestellt hätte. Auch Kyriakos Taronites sah er an diesem Festtage zum ersten Mal wieder, seit sie sich im Zwiste während seiner Kurzreise getrennt hatten. Er warf ihm nur einen kurzen Blick zu und ignorierte ihn dann, so wie er auch das restliche Wachpersonal geflissentlich ignorierte.

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Montag, 29. Oktober 2018, 16:18

Besonders viel bekam der Alte von der pompösen Parade nicht mit, war er doch die meiste Zeit über damit beschäftigt gewesen, den Poltoswein zu trinken und den am Straßenrand stehenden Pöbel zu grüßen. Die Megas Romanos, der neue Stolz der Kaiserlichen Marine, erschien ihm zunächst wie ein Feuer spuckender Seedrache, doch konnte ihm seine Umgebung versichern, dass er sich dies nur einbildete. Am Theodosioshafen traf er auch endlich auf seinen guten alten Freund Kyros Poltos, der wie der Heiland auf einem Esel daherkam. Sogleich legten sich die beiden Männer im besten Alter auf den nächst gelegenen Ständen ein paar Schnäpse auf, ganz zum Ärgernis der Kaiserinmutter, die wohl alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte, damit dieser Poltos hier nicht aufkreuzte. Nun lud ihn ihr Gatte gar noch auf die Schiffsfahrt ein und versprach ihm einfach einen Platz an der kaiserlichen Tafel, wodurch irgendein höherer Offizier woanders sitzen musste.

Die beiden Trinker hatten schon zu tun gehabt, überhaupt an Bord der Megas Romanos zu kommen. Die Abfahrt des Schiffes hatte sich nämlich um eine geschlagene halbe Stunde verzögert, musste man Konstantinos und Poltos doch zwischen den unzähligen Marktständen auf dem Hafen suchen, wo sie immer neue Spirituosen entdeckten. Der Alte erfreute die Händler mit eigentlich intimen Anekdoten aus dem Palast, was für Heiterkeit sorgte. Schließlich fand man die beiden weitgehend orientierungslos hinter einer heruntergekommenen Bude, wo sie mit einigen verwahrlosten Obdachlosen Bruderschaft geschlossen hatten und gemeinsam anstießen. In der Folge trug es sich zu, dass sich der Altkaiser auf der kurzen Überfahrt mehrmals an der Reling übergeben musste.

Am Ende kamen die beiden dann gleichwohl im Großen Palast an, wobei man nicht genau sagen konnte, wer sich auf wen stützte. Nachdem sich der Altkaiser zunächst fälschlicherweise auf den Thron des Autokrators gesetzt hatte und nur mit gutem Zureden dazu bewegt werden konnte, diesen zu verlassen, beschwerte sich der Militär, der seinen Platz Poltos überlassen musste, deutlich hörbar, so dass unfreiwillig für Aufregung gesorgt wurde. Schließlich saßen die beiden Freunde tatsächlich nebeneinander an der kaiserlichen Tafel und dominierten zumindest an diesem Teil des Tisches das Gespräch. Da der Alte nach wie vor den Rang eines Basileus innehatte, konnte es sich niemand erlauben, nicht auf die eher simplen Gesprächsthemen einzugehen, die er und Poltos anschlugen.

Stolz meinte der zuständige Kellermeister, den Konstantinos zu sich bestellen hatte lassen, zum Altkaiser:


Kellermeister

"Euer Majestät, ich darf mit Stolz vermelden, dass nicht weniger als fünfzig Fass Wein bereitstehen für dieses herrliche Bankett."

Der Alte wurde ob dieser Ansage gleichwohl kreidebleich und erwiderte entsetzt: "Nur fünfzig? Guter Mann, Senator Poltos und ich benötigen ja alleine schon zehn." Er schüttelte mit dem Kopf. "Nein, nein, das ist ja kein Zustand nicht. Das ist ja ein Schaden für das rhomäische Volk, nicht wahr. So organisiert sogleich Nachschub, Mann. - Kyros, dieser ganz exquisite Tropfen da", meinte er zum Senator. "Und zwar hurtig, hurtig!", dann wieder im Befehlston zum Kellermeister. "Wir lassen uns doch nicht lumpen", lachte er leutselig. Sogleich erhob er abermals den Kelch und nötigte Bardas Phokas, der als Asket galt, zu einem deftigen Umtrunk.

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Montag, 29. Oktober 2018, 16:41

Item so ward da eine grosse militairische Parade zu Constantinopel , da unsers Herrn des Kaisers Geburtstag im Mittelpunkte stand.
Unser lieber Herr der Legat Dero bäpstl.Hlg.keit Cardinal Lukas Kreszenz ward zugegen und an seiner Seite der Ertz=Bischoff zu Oxyrhynch und Weih=Bischoff zu Porten bei Rom , Adeodat der fromme Mönch.
Im Anschluss bankettierte man im Grossen Palast und sassen der Cardinal=Legat und Adeodat an Dero kays.Mayt. Tafel.
Da ward die Rede von einer Abdikation : auch Thronentsagung des armenyschen Königs , der das hiess Abba.
Adeodat , seins Zeichen Bruder Ordinis S.Benedicti , hub an : Armenyen als ur=christlichstes Land auf Erden sollt hinkünftig enger verbunden sein mit der römischen Kirchen , auf dass unser Hl.Vater der Papst zu Rom möge berufen einen Legaten alldort zur Mehrung des gut katholischen : auch orthodoxen Glaubens.
Damit tat Adeodat kund , dass er es als ein gut Ding sah , wenn die armenyschen Gebiete enger an das Römische Reich kämen.

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Montag, 29. Oktober 2018, 16:53

Irgendwie hatte es Poltos geschafft, zu seinem Freund aufzuschließen und endlich in die illustre Runde um den Altkaiser herum anzuschließen. Auf dem Weg zum Bankett entschuldigte sich Poltos noch kurz bei Konstantinos und erleichterte sich an einem der Büsche in der Außenanlage des Palastes. Irgend so eine Hofschlange sah ihn dabei und empörte sich lautstark darüber.

Kurz darauf saß man schon an der Kaisertafel im großen Festsaal des Palastes. Der Wein – sein Wein! – floss in Strömen und kam wie immer hervorragend an. Gerüchte, die ein gewisser Akrita Petros Balsamon über seinen Wein verbreitete, konnte er als Hoflieferant geflissentlich ignorieren. Er stand über solchen Banalitäten. Sein Wein und dessen Qualitäten sprachen eindeutig für sich.

Gerade hatte Kyros damit begonnen, seinem Busenfreund ein neues Lied vorzusingen, "Brüder in Zechen und Stuben, Brüder ihr hinter dem Krug! Aus den Gehöften und Spelunken, folgt unsre's Weines Zug!", da unterbrach sie ein Mann, der sich als Kellermeister entpuppte. Vollmundig erklärte er den zwei Herrschaften, dass sie ganze fünfzig Fässer für dieses Bankett gelagert hätten. Kyros Poltos, der gerade an seinem Wein nippte, spuckte den gesamten Inhalt des Mundes aus und hustete heftig, wobei er sich vor Schreck bei seinem Sitznachbarn dem Altkaiser Konstantinos anhielt. „Ffffünfzig???“, fragte er schockiert. „Also nein, das geht nicht, gell, das trinken wir ja schon zu zweit, wenn a lustige Stimmung beinander ist“, sagte er und übertrieb dabei leicht; fünfzig Fässer schafften nicht einmal diese beiden Weinliebhaber an einem Abend. „Also jetzt pass Obacht, du gehst jetzt zu meinem Hauptlager und holst gleich noch einmal fünfzig Fässer Wein, gell?“

Der Kellermeister nickte mit offenem Mund, glaubte zunächst an einen Scherz, erkannte dann aber an den todernsten Mienen der zwei Herrschaften, dass dies als ein Befehl anzusehen war. Schon wandte sich Poltos an seinen Freund. „Also, hast du des gehört? Hast du des gehört?“, fragte er seinen Freund der natürlich den Kopf schüttelte und erstmal keine Ahnung hatte, worauf Poltos hinauswollte. „Erleichter‘ ich mich gerade ganz gepflogen in ein Gebüsch vor dem Palast, kommt so irgend so eine Akritissa daher und macht einen riesigen Aufstand. Sag ich: Also gnädige Frau, jetzt bitte! Ja! Sie dumme Gans! Wir sand doch do nicht im Kaiserpalast, sondern nur im Garten, du Amsel du blöde!“ Donn fängt sie an: „Ich werde mich beschweren, ich werde zum Kaiser gehen, ich werde mich beschweren!“ Na, weißt du, de Frau soll sich beschweren! Ja, die soll sich beschweren! Weil was so eine Hofschranze sagt! Sowas ist einfach unter meinem Niveau!“
Empört kippte er den restlichen Inhalt des Bechers hinunter und ließ sich nachschenken. „Wo kommen wir denn da hin, wenn man seinen Rausch nicht mal mehr hier ordentlich ausleben kann? So eine Hämorrhoidenpritsche!“

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Samstag, 3. November 2018, 15:46

Der armenische König traf nun unverhofft doch noch direkt auf den Autokrator. Die Unterredung sollte sich indes völlig anders entwickeln, als Abas I. dies für möglich gehalten hätte. Der Kaiser nämlich stand zur Überraschung des Königs völlig hinter der an und für sich impertinenten Absicht des Romanos Argyros, eine Tochter desselben mit dem Thronfolger von Armenien zu verheiraten. Bereits das war ein Affront gegen den souveränen Staat im Osten. Doch es kam noch deutlich schlimmer: Unverhohlen deutlich forderte der Kaiser den König zum Thronverzicht auf und verlangte, dass er sofort die Regentschaft auf seinen Sohn Aschot übertrage. Abas war kurz davor, Schnappatmung zu bekommen; dergleichen war ihm seiner Lebtage noch nicht untergekommen. Süffisant schien sich Romanos II. in seiner Allmacht zu weiden und genoss sichtlich den Augenblick. Indem er Armenien eine "Schutztruppe" von 5.000 Mann ankündigte, meinte er ja letzten Endes mehr oder weniger eine Besetzung des Königreiches.

Abas' Puls wurde deutlich schneller und er war wie wie gelähmt. Was konnte Armenien dieser byzantinischen Frechheit denn entgegensetzen? Wenn er sich nun sträubte, würde sich der Kaiser mit Gewalt nehmen, was er sich wohl schon lange unter den Nagel reißen wollte. Viele tausend unschuldige Armenier würden ihr Leben lassen. Militärisch betrachtet, hatte Armenien nicht den Hauch einer Chance gegen die Übermacht aus dem Kaiserreich. Die christlichen Bande halfen offenbar auch nicht viel. Der König atmete tief durch, ehe er zu einer Erwiderung ansetzte.

"Euer Majestät sind sehr direkt, das muss man Euch lassen", meinte er zunächst und schien sich den letzten Rest seiner königlichen Würde bewahrt zu haben. "Auch ich kann frei heraus reden. Ich sehe sehr wohl die Fakten. Widersetze ich mich, fällt mein Land als byzantinische Provinz an das Reich. Stimme ich zu, bleibt es zumindest der Form halber auf der Landkarte erhalten, auch wenn es faktisch zum byzantinischen Protektorat wird." Sohn Sohn hätte in einer ähnlichen Situation wohl impulsiver reagiert und lieber den aussichtslosen Kampf gewagt. Abas aber hatte Jahrzehnte der Erfahrung im Regierungsamt hinter sich und kannte seine höhere Verantwortung. "So soll mir der Königstitel erhalten bleiben, mein Sohn zum Regenten des Königreiches werden und er diese Prinzessin heiraten, um des lieben Friedens und der ... traditionell so guten Beziehungen zwischen Konstantinopel und Kars willen." Er hob seinen Weinbecher und stieß mit dem Kaiser an.

Ob er damit Armenien soeben quasi aufgegeben oder zumindest formal gerettet hatte, würde sich zeigen. Er hatte ohnehin schon seit längerem an Abdankung gedacht, so dass es ihm nicht so schwer fiel, wie man meinen mochte, auf die Regierungsgewalt zu verzichten.

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