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Rhomäisches Reich: Eine Heiratsverbindung zwischen dem Imperium und dem Königreich Armenien ist beschlossen worden: Der armenische Kronprinz wird Thekla Lekapene Argyre ehelichen.
Kirchenstaat: Der Papst hat Legaten nach Konstantinopel und Augsburg entsandt. Des Schelmenromans zweiter Teil "Neues vom Theodul" erweist sich als Verkaufsschlager.
Alemannien: Dem Papstdarsteller Theodoulos Philanthropenos wird vor einem Kirchengericht in Augsburg der Prozess gemacht.

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Dienstag, 4. Dezember 2018, 20:15

Staatsempfang für den Kronprinzen und Regenten von Armenien (Dezember 951)

Nach etwa einmonatiger Reise gelangte Aschot, Kronprinz und neuerdings auch Regent des Königreiches Armenien, mit seinem Gefolge nach Konstantinopel. Er war sogleich abgereist, sowie er Nachricht vom Thronverzicht seines Vaters erhalten hatte. König Abbas weilte noch immer in der Kaiserstadt; vielleicht gedachte er dort ja seinen Alterssitz zu nehmen. Aschot, ein junger Mann von fünfundzwanzig, war in der Vergangenheit vor allem durch seine Prunksucht aufgefallen, die er offen zur Schau stellte. In selbem Maße, wie er sich gerne angeberisch gab, war dieser arrogante Schnösel aber auch naiv und leichtgläubig. Im Grunde genommen völlig ungeeignet, um ein Land in einer solch krisenhaften Zeit zu führen, war er umso stolzer darauf, dass er nun endlich die Macht selbst ausüben sollte. Dass man eine Heirat mit irgendeiner byzantinischen Prinzessin arrangiert hatte, kam ihm nur Recht. Er hatte sich den Ruf eines ausschweifenden Lüstlings erarbeitet, vor dem keine junge Frau sicher war.

Da Armenien eine eng befreundete Nation war, die gar als erste das Christentum zur Staatsreligion gemacht hatte, glaubte Aschot, er könnte gar dem Kaiser auf Augenhöhe begegnen. Die wirklichen Machtverhältnisse waren ihm nicht wirklich bekannt, auch wenn er sie hätte kennen müssen. Als scheinbares Entgegenkommen war der Staatsempfang nicht in den großen Thronsaal, die Magnaura, sondern ins Chrysotriklinos, die Goldene Halle, verlegt worden, was ein wenig intimer und heimlicher war. Aschot betrat mit seinem Anhang hochnäsig stolzierend den Saal und bestaunte die kunstvollen Verzierungen, die ihn schmückten. Er hatte sofort nach Bekanntgabe seiner Regentschaft die alten und bewährten Berater seines Vaters in den Ruhestand geschickt und denkbar unpassende Nachfolger ernannt, die ihn nun ständig umgaben und berieten. Gleich schon würden hier wohl der Kaiser sowie seine künftige Gemahlin eintreffen, von der er sich nur den Vornamen, Thekla, gemerkt hatte.

"Recht annehmbar, diese Halle", tat er den prächtigsten Raum des Großen Palastes überheblich ab und fügte hinzu: "Man wird in Kars etwas ungleich Beeindruckenderes errichten - mit der Mitgift meiner zukünftigen Gattin." Seine Ratgeber stimmten in sein Lachen ein, das ziemlich kindisch und unreif herüberkam. "Wo bleibt sie denn? Wir haben doch nicht den ganzen Tag Zeit", schimpfte er und zeigte sich ungehalten.

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Dienstag, 4. Dezember 2018, 20:28

Die Ankunft des armenischen Kronprinzen war in der Reichshauptstadt selbstredend nicht unbemerkt geblieben. Der Autokrator, der ganz eigene Pläne mit Armenien verfolgte, zeigte sich sogleich interessiert, dem Kronprinzen Honig um den Mund zu schmieren und ließ einen Staatsempfang in der Goldenen Halle anberaumen. Dass er für Aschot genauso wenig übrig hatte wie für dessen Vater König Abbas I., wusste die Eingeweihten bestens.

Zusammen mit König Abas, seiner Tante Agatha Lekapene und deren Tochter Thekla, seiner Cousine und der künftigen Kronprinzessin von Armenien, begab sich der Kaiser schließlich in Begleitung von einem Dutzend der Manglabitai ins Chrysotriklinos. Es galt rasch die Formalitäten dieser Eheschließung hinter sich zu bringen, auf dass sie baldigst stattfinden konnte. Dass sich Aschot und Thekla im Leben noch nicht gesehen hatten, interessierte keinen so wirklich. Die Machtgier des jungen Armeniers kam dem Kaiser zupass, der sich mittels dieser Heirat den unmittelbaren Zugriff auf Armenien erhoffte.

Betont freundschaftlich und scheinbar auf Augenhöhe begrüßte Romanos daher Aschot, der ihn an Alter ein wenig überragte, ihm an Intellekt aber sicher nicht das Wasser reichen konnte, wie sich bald schon zeigen sollte. Wie ein Pfau wirkte der Kronprinz und gab sich gerade so, als sei er hier eigentlich der Höherrangige. "Es freut mich, endlich Eure persönliche Bekanntschaft zu machen, Kronprinz Aschot", umarmte er den Armenier gar kurz und war gespannt, wie Thekla wohl auf ihn reagieren würde, dem man schon aus einer Meile Entfernung ansah, dass er nicht der Allerhellste war. "Ich hoffe, Ihr hattet eine gute Anreise. Darf ich Euch meine Cousine, die Prinkipissa Thekla Lekapene Argyre, vorstellen." Als sei dies zufällig, führte er Aschot zu dieser hinüber.

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Mittwoch, 5. Dezember 2018, 16:19

An der Seite des Kaisers betrat auch König Abas den prachtvollen Saal und erblickte dort sogleich seinen Sohn Aschot, umgeben von einer Meute von Speichelleckern, die er allesamt als unfähige Tunichtgute kannte, die sich aber der persönlichen Freundschaft des Kronprinzen erfreuten und nun wohl zu seinen Ratgebern zählten. Abas hatte auch deswegen bisher gezögert gehabt, seinen Sohn an den Regierungsgeschäften zu beteiligen. Nun zwang ihn Byzanz, dem nachzukommen. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war nicht das innigste, wusste der Alte doch um den Charakter des Jungen, dem eine wahrhaft königliche Ausstrahlung abging und der zu sinnlosen Ausschweifungen neigte.

"Ich sehe, du hast es wider Erwarten bis hierher geschafft", begann der König ohne wirkliche Macht zu seinem Junior und versuchte erst gar nicht, seine nach wie vor vorhandenen Bedenken zu verschleiern. "Eine schöne Ansammlung an Hofschranzen hast du da um dich versammelt." Er beäugte diese ihm unangenehmen Berater, die sicher einen noch schlechteren Einfluss auf Aschot haben würden. "Du bist dir hoffentlich deiner Verantwortung bewusst", meinte der König bestimmt zum Kronprinzen und schwieg dann erst einmal, traten doch seine zukünftige Schwiegertochter und die Brautmutter heran.

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Mittwoch, 5. Dezember 2018, 16:33

Aschots Blick verfinsterte sich, als er seines ungeliebten Vaters gewahr wurde. Den alten Herrn konnte er nicht ausstehen, da er es ihm verübelte, dass ihn Abas nicht schon früher an die Regierung herangelassen hatte. Dass dies auch am Kronprinzen selbst lag, war Aschot natürlich nicht bewusst, der sich selbst maßlos überschätzte und für den Größten der Größten hielt. So hielt er sich auch lieber an den Kaiser als an den König und erwiderte Romanos II.: "Die Anreise war schrecklich, mein Kaiser, ganz unter meiner hohen Würde. Ich hasse Reisen sowieso, sind sie doch unbequem und sogar gefährlich. Unseresgleichen sollte doch lieber in komfortablen und sicheren Palästen verweilen, umgeben von hübschen Weibern, die einem das Leben versüßen." Er lachte kindisch und klopfte dem Kaiser unpassend wie einem Saufkumpanen auf die Schulter. "Die schicke Schnecke dort drüben ist wohl diese Thea? Ich muss schon sagen, schnittig und hübsch anzuschauen, Eure Cousine. Aber einem wir mir kann eh kein weibliches Wesen widerstehen", prahlte er, hob sein Haupt noch mehr und starrte unentwegt auf die Brüste seiner zukünftigen Gemahlin.

Kurz darauf näherten sich die Prinkipissa und eine ältere Frau, während der Kaiser die einander Versprochenen formell miteinander bekannt machte. "Sehr hübsch", meinte Aschot zu Thekla und blickte zu Agatha hinüber. "Aber wer ist denn die alte Wachtel dort drüben?", meinte er dann auf einmal und war sich des peinlichen Fauxpas aufgrund seiner angeborenen Dummheit gar nicht bewusst. Einer der Berater flüsterte Aschot dann etwas zu. "Ah, die künftige Schwiegermutter! Darf ich Mutti zu Euch sagen? Aber das muss Euch gar nicht verlegen machen. Wir vertrocknen schließlich alle eines Tages, da kann man nichts machen." Wieder kicherte er wie ein unreifer Junge und sorgte für ungläubige Gesichter.

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Mittwoch, 5. Dezember 2018, 16:51

Der große Tag war schneller gekommen, als es Agatha lieb war. Heute würde Thekla ihren zukünftigen Ehemann, den Kronprinzen von Armenien, kennen lernen. Niemand wusste so recht, was der Kerl für einer war, wie er aussah und ob er überhaupt irgendwelchen Ansprüchen des Hauses gerecht werden würde. Der Empfang sollte in der Goldenen Halle stattfinden, allein dies war schon eine Ehre für den Kronprinzen. Diesen konnten Agatha und Thekla bereits früh aus dem Hintergrund beobachten, war doch Kaiser und König der Vortritt zu überlassen. Agatha blickte durch die schweren Vorhänge, die den Durchgang zum Nebenraum, wo sie und ihre Tochter warteten, verhangen. "Sieht aus wie ein Pfau", meine Agatha abschätzig und machte keinen Hehl daraus, was sie dachte. "Etwas feminin." Sie blickte zu ihrer Tochter, gespannt, wie wohl ihr erster Eindruck sein würde. Im nächsten Moment verlangte man bereits nach den beiden, sodass keine Zeit mehr blieb, im Verborgenen zu sprechen. Erhobenen Hauptes erschienen die beiden Lekapenoi und näherten sich dem Kronprinzen. "Wenigstens ist er nicht klein", richtete Agatha einige aufmunternde Worte im Stillen an ihre Tochter. Sie konnte sich kaum vorstellen, dass sie allzu begeistert von der schmächtigen Erscheinung des jungen Mannes war, der dem Kaiser in diesem Moment wie ein Flegel von der Straße auf die Schulter klopfte.
Der Kaiser persönlich stellte die beiden Verlobten dann einander vor. Was folgte, hätte die meisten Menschen der Welt ihren Kopf gekostet. Wäre Agathas Gatte anwesend gewesen, er hätte den Kronprinzen ungeachtet jeglicher Konsequenzen mit bloßen Händen augenblicklich getötet. Agatha verzog keine Miene, stattdessen näherte sie sich dem Kronprinzen mit einem gefährlichen Lächeln. Eine Umarmung andeutend ging sie auf ihn zu, packte ihn dann am Kragen und zog ihn zu sich. Das Lächeln war binnen Sekunden gestorben. "Pass auf Kleiner", zischte sie bedrohlich in gedämpfter Lautstärke, sodass nur Aschot es hören konnte, "für einen Provinzadligen bist du ganz schön vorlaut. Ein Bauer bist du, nichts weiter. Ein falsches Wort von dir, nur ein gekrümmtes Haar an meiner Tochter und du bist die längste Zeit ein Mann gewesen." Was damit gemeint war, brauchte sie wohl nicht näher auszuführen. Ihr Blick gab ihrem Gegenüber zu verstehen, dass mit ihr nicht gut Kirschen zu essen war. Nun ließ sie wieder von dem jungen Mann ab. Für die umstehenden Anwesenden musste es ausgesehen haben, als habe die Brautmutter den Kronprinzen umarmt und ihm gut zugeredet. Im Nu hatte sie wieder ihr falsches Lächeln aufgesetzt und gab den Weg zu Thekla frei. "Komm nur, meine Liebe, und lerne deinen... Mann kennen." Es widersprach ihr, den Milchbubi als 'Mann' zu bezeichnen. Es war unmöglich, dass der Kerl einer Frau wie Thekla auch nur ansatzweise gewachsen war. Die Sache versprach, spannend zu werden...

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Freitag, 7. Dezember 2018, 16:39

Ein Mal mehr stand eine Hochzeit auf dem Plan, dieses Mal würde jedoch nicht der Kaiser, sondern seine Cousine, die Prinkipissa Thekla Lekapene Argyre den Bund der Ehe eingehen. Die Tochter der Kyria Eugenis Agatha war bereits 29 und damit so gut wie aus dem besten Alter heraus. Für jemanden wie die Lekapenoi sollte es doch ein Anliegen sein, ihre Linie zumindest halbwegs zu erhalten und viele Nachkommen zu zeugen, die das Vermächtnis dieser altehrwürdigen Familie in die Welt hinaus tragen würden. Stattdessen waren beide Töchter von von Agatha und ihrem Gatten Romanos Argyros unverheiratet und kinderlos. Jeder Mann von Welt, der etwas auf sich hielt, musste doch denken, dass mit seinen Töchtern etwas nicht stimmte, wenn sie so lange auf dem Trockenen sitzen blieben. Wie dem auch sei, hatte man nun für Thekla im Kronprinzen von Armenien einen Bräutigam gefunden. Mit dessen Vater, Abat... Abar... Abas - so genau hatte Zenon sich das nicht merken wollen - hatte der Basileus bereits Bekanntschaft gemacht, als dieser persönlich nach Konstantinopel gereist war, um ihm die Ohren vollzujammern. Schlussendlich hatte der Kaiser im Sinne seines Onkels Romanos entschieden und die Heirat beschlossen.
Zenon war bereits anwesend und unterhielt sich angeregt mit der Kaiserinmutter, als der Thronfolger Armeniens aufgetaucht war. Kurze Zeit später erschienen auch der Kaiser samt Anhang. Der Basieleus musterte den jungen Mann, der sich als regelrechter Flegel herausstellte, keinerlei Sinn für derartige Anlässe besaß und ganz offenbar mehr einem Bauerntrottel glich denn einem König. Für Zenon verstärkte dies das Bild des Kleinkönigtums, dessen Regent sich dieser Emporkömmling nun schimpfen durfte. Einzig seine Vorliebe für junge, unfähige Berater die ihn umschwärmten schien Aschot mit dem Kaiser zu teilen, mit dem er sonst nur wenig gemein zu haben schien.

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Montag, 10. Dezember 2018, 08:59

Immer dann, wenn es Aussicht auf eine üppige Mahlzeit gab, konnte man mit dem Erscheinen des dicken Patriarchen rechnen. So galt dies auch für den Staatsempfang, den man dem armenischen Kronprinzen bereiten würde. Durch die strenge Diät seiner Ärzte bedingt hatte Basiliskos einige Kilogramm an Körpergewicht verloren - wenngleich er heimlich aß, wo er nur konnte, weswegen die Erfolge zwar sichtbar, aber weniger ausgeprägt waren, als sie hätten sein können. Die Mediziner dachten sich nicht viel dabei, sie gingen just davon aus, dass der Patriarch eben so veranlagt war.
Der Dicke hatte sich unter die Gäste gemischt. Den Weg zum Palast war er tatsächlich freiwillig zu Fuß gegangen (freiwillig bedeutet in diesem Fall: Er hat gar nicht erst versucht, an seine Sänfte zu kommen, weil die Ärzte sie ihm ohnehin vorenthaltet hätten). Gerade unterhielt er sich mit dem Innenminister über die mysteriösen, brutalen Morde, die vor einiger Zeit an Geistlichen verübt worden waren. Auch der Legat Lucas Crescentius war anwesend und schien ganz interessiert zu sein. Im nächsten Moment wurde die Ankunft des Kaisers angekündigt, der den Bräutigam sogleich seiner Angetrauten bekannt machte. Die Brautmutter war indes die erste, die den Armenier ganz herzlich zu umarmen schien. Dass sie dem Prinzen hingegen ganz offen drohte, war der Situation von außen nicht anzusehen. Der Patriarch begab sich watschelnd zum Kaiser, den er freundlich begrüßte. "Einen wunderschönen guten Tag, Majestät. Ein herrlicher Tag, nicht wahr?" In der Tat meinte das Wetter es gut mit den Kosntantinopelern oder "Byzantinern", wie sich die Bewohner der Hauptstadt selbst nannten. Für die Jahreszeit war es ungewöhnlich mild. "Habt Ihr bereits ein Datum für die Trauung ausgewählt? Und einen Priester? Ich kann den Erzbischof von Derkos wärmstens empfehlen." Der junge Ignatios war nach langer Abwesenheit in die Stadt zurückgekehrt. Für den Patriarchen war die Möglichkeit, diese Hochzeit zu vollziehen, ein großer Vertrauensbeweis, den er in Angelos und seine Fähigkeiten hatte.

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Donnerstag, 13. Dezember 2018, 16:56

Seine Cousine hielt sich vornehm zurück. So kannte der Kaiser sie gar nicht, aber man wurde schließlich nicht an jedem Tage mit seinem zukünftigen Gemahl bekanntgemacht. Vielleicht war Thekla auch nur irgendwie schockiert von diesem Kronprinzen, der sich gab wie ein ungebildeter Bauer und dazu großspurig tat, dass es selbst Romanos übel aufstieß. Da mochte Aschot auch ganz ansehnlich sein, aber nicht einmal dem Autokrator war der Kerl übermäßig sympathisch. Der Armenier schien ein Talent dafür zu besitzen, in Fettnäpfchen zu treten. Anders konnte man seinen Auftritt kaum interpretieren. Daheim in Armenien konnte er sich das wohl folgenlos erlauben, hier war er aber in Konstantinopel, dem Haupt der Welt. Da es um die Staatsraison ging und eben eine rein politische Heirat war, verzichtete Romanos gleichwohl auf irgendeine Belehrung und machte guten Miene zu bösem Spiel.

"Fürwahr, dies ist Thekla", bestätigte er Aschot (der nicht mal ihren Namen kannte) und ließ es sich nicht nehmen, seiner Cousine einen Handkuss anzudeuten, bevor er sie dem Kronprinzen offiziell vorstellte. Der war offenkundig wirklich nicht der Hellste, denn dass er seine zukünftige Schwiegermutter deutlich hörbar als erstes als 'alte Wachtel' bezeichnete, musste den unerfreulichsten Eindruck hinterlassen. Romanos bewunderte die scheinbare Zurückhaltung seiner Tante.

Zum Glück mischte sich der pausbäckige Patriarch gleich darauf ein, so dass der Kaiser einen Grund hatte, die beiden sich Versprochenen erst einmal unter sich zu lassen. "Euer Allheiligkeit", neigte Romanos pflichtschuldig kurz sein Haupt und küsste den Ring des Patriarchen wie ein gewöhnlicher Gläubiger. "Fürwahr, ganz herrlich", musste sich Romanos etwas überwinden, um glaubhaft zu klingen. "Sobald als möglich", platzte es dann aus dem Kaiser heraus, wollte er dieses Theater doch alsbald hinter sich gebracht haben, damit die Pläne bezüglich Armenien in die Tat umgesetzt werden konnte. "Ihr meint Erzbischof Ignatios Angelos? So Ihr ihn vorschlagt, soll er die Ehre haben." Ob es wirklich eine Ehre war, eine rhomäische Prinzessin einem solchen flegelhaften Ausländer in die Hand zu geben, blieb dahingestellt.

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