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Rhomäisches Reich: Der Ex-Innenminister Ioustinianos Doukas ist tot. Der Prozess gegen Romanos Argyros ist vorüber; der Kaiser hat die lebenslange Haft auf zwanzig Jahre verkürzt.
Armenien: Sämtliche Zölle zwischen Armenien und dem Reich wurden aufgehoben. Das Kaiserreich hat umfassende Investitionen in die Infrastruktur zugesagt, um den Handel anzukurbeln.

[Gemächer der Basilissa Ismene] Eine hysterische Offenbarung

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Freitag, 14. Dezember 2018, 15:47

Eine hysterische Offenbarung

Die letzten Wochen waren für die Kaiserin zur Qual geworden. Nicht nur, dass sie sich nur schwer mit der ganzen Situation anfreunden konnte, es kamen auch noch körperliche Gebrechen hinzu, die sie zumindest die ganze Zeit in ihre Gemächer zwang, und an schlimmen Tagen sogar ans Bett fesselten. Der Gedanke an eine offene, präsente Kaiserin war damit schon lange vergessen.
Ging man zunächst von einer einfachen Grippe aus, die sie sich wohl beim Bad in der Menge zugezogen hatte und einfach nicht auskurieren konnte, machte man sich doch mehr Sorgen, als es anhielt. Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit, sodass ihr morgens beim Ankleiden schon alles zu viel wurde, ließen auf etwas ernsteres schließen. Da Ismene jedoch schon den Ruf hatte, ein gebrechliches, zartes Pflänzchen zu sein, und ohnehin meist in ihren Gemächern (oder zumindest in den Gärten, die im Winter jedoch von ihr gemieden wurden) war, nahm man die ganze Situation jedoch weniger ernst; zumal sie verboten hatte, irgendein Sterbenswörtchn zu irgendwem zu sagen, und ihre Hofdamen wussten ihren Mund zu halten.
Es war wohl auch ein geheimes Wissen, das sie alle verband, das jedoch niemand aussprechen wollte, nicht vor der Kaiserin selbst. Sie alle wussten irgendwie, was der Grund für Ismenes Misere war; war es, dass sie sie gut kannten oder sie in einer geheimen Schwesternschaft des Uterus waren, sie wussten es.


Im Dezember, gut zwei Monate nachd em Kaisergeburtstag, jedoch ging es ihr so hundsmiserabel, dass sie dann doch den Hofarzt herzitieren ließ, der sie auf das mysteriöse Gebrechen untersuchen durfte und auch sehr schnell zur Diagose kam: der Kaiser dürfte sich auf sein sechstes Kind freuen.
Ismene hatte es ohnehin gewusst; diese Schwangerschaft unterschied sich kaum von der mit Matthaios und Ioanna, zumindest körperlich, wo sie in den ersten Monaten auch kaum das Bett verlassen konnte, nur mit dem Unterschied, dass sie sich dort im ehelichen Glück und Italien wähnte und nichts dieses Idyll stören konnte. Dieses Kind jedoch... es war nicht einmal etwas an ihrem Bauch zu erkennen, und sie wusste nicht, wie sie Muttergefühle aufbringen sollte. Bei ihren anderen Kindern ging das so schnell, aber dieses...
„Wollt Ihr es dem Kaiser nicht mitteilen, Euer Majestät?“, fragte dann eine der Hofdamen, nachdem sich die freudige Schar wieder beruhigt hatte. Ein Kind war doch ein Grund zum feiern, und so rasch nach der Hochzeit!
„Ich werde“, begann sie, während ihr Kopf wieder ins Kissen sank und sie das Baldachin über sich anstarrte.
„Ich werde es tun. Ja. Persönlich, am besten. Und macht Mitteilung an die Kaisares.“ Ihr Vater und Bruder sollten es wissen, ehe man wohl offizielle Mitteilungen machen würde. Die Kaiserinmutter wusste es wahrscheinlich in diesem Augenblick schon und auch der Basileus Zenon würde bald davon erfahren. Vielleicht auch Theophano, aber... aber es wäre ihr da wohl lieber, sie persönlich zu sprechen.
„Lasst mich allein, bitte. Ich bin erschöpft und möchte ein wenig schlafen.“
Wohl weniger die Reaktion, die man sich erwartete.

2

Sonntag, 16. Dezember 2018, 03:27

Der Kaiser hatte sich in seinen Gemächern gewissermaßen verbarrikadiert. Er war gerne alleine und liebte die Abgeschiedenheit, was im Winter noch ausgeprägter war als in jeder anderen Jahreszeit. Es wurde bereits dunkel (was in dieser Zeit des Jahres allerdings generell früh der Fall war), als er sich überhaupt aus dem Bett wagte. Er machte die Nacht zum Tag und schlief oft den halben Tag lang durch. Sicherlich hatte er seine Gemahlin in den letzten Wochen ab und an gesehen, wobei es eher kurze Höflichkeitsbesuche gewesen waren, nichts Intimeres. Nach den Ereignissen ihrer Hochzeitsnacht war Romanos recht deprimiert gewesen. Sie reihte sich freilich nahtlos in seine früheren Hochzeitsnächte ein, die alle auf irgendeine Art und Weise ein Desaster gewesen waren. Er hatte die Sache mit Tiberios vor der Heirat unterschätzt. Sie lag wie ein böser Fluch über seiner neuen Ehe mit Ismene. Beide hatten sie Tiberios geliebt, doch irgendwie war er ja auch das, was zwischen ihnen stand, selbst als Toter. Es war nicht so, dass Romanos sich keiner eigenen Schuld bewusst gewesen wäre. Vielmehr sah er die Schuld sogar ganz auf seiner Seite. Sein unregelmäßiger Tagesrhythmus war wiedergekehrt seit jener Nacht, dabei hatte er ihn einigermaßen unter Kontrolle gehabt während der Zeit der Euphorie, als er sich mit Ismene verlobt hatte. Irgendwie hatte er gehofft, dass ihn diese Ehe endlich auf den rechten Pfad führen würde; dass er über seine Schwächen hinwegkäme; dass er der sündhaften Verlockung künftig widerstehen könnte. Diese Hoffnungen waren natürlich zu hehr gewesen, schien die neue Kaiserin keine sonderliche Neigung zu ihrem Gatten zu verspüren. Zumindest bildete sich Romanos dies ein, auch wenn es ohnehin nicht an ihr gewesen wäre, ihn aufzusuchen.

Dass sie schwanger war und daher noch zurückgezogener lebte als sonst schon, war ihm tatsächlich entgangen, wobei es bis auf die allerengste Umgebung Ismenes wohl wirklich keiner mitbekommen hatte. Romanos hätte auch gar nicht gewusst, wie das überhaupt zustande gekommen war, konnte er sich doch an keine Details in den überschaubar wenigen Nächten mit Ismene erinnern. Dies mochte allerdings auch an seinem jeweiligen Alkoholpegel gelegen haben, war er nächtens doch praktisch nie nüchtern anzutreffen. Gezwungen hatte er sie jedenfalls zu nichts, das hätte er doch gewusst ...

So war es eher Zufall, als er, nachdem er sich von den Eunuchen einigermaßen hatte herrichten lassen (was nicht weniger als zwei Stunden in Anspruch nahm), auf den Gängen an ihren Gemächern vorbeikam. Selbstredend in Begleitung der Manglabitai, denn sein Verfolgungswahn war nicht geringer geworden. Spontan entschied er sich, kurz bei Ismene hineinzuschauen, war es doch erst etwa acht Uhr abends, für seine Verhältnisse also gewissermaßen Mittag. Natürlich informierten ihn die Hofdamen, dass die Kaiserin sich zur Ruhe begeben habe und fest schlafe, aber die dummen Hühner scheuchte er schlichtweg beiseite, konnte ihn doch niemand davon abhalten das zu tun, wonach ihm gerade eben war.

So geräuscharm wie möglich betrat ihr schließlich ihr Schlafzimmer und fand sie tatsächlich in einem scheinbar tiefen Schlaf vor, was ihn aus unerfindlichem Grunde doch etwas erregte. Er bediente sich kurzerhand an der nächstbesten Weinflasche und trank ein paar Becher, bevor er sich dem Bett näherte. Wie engelsgleich sie doch war, fiel ihm in diesem Moment bei dezentem Kerzenschein erst wieder auf. Er wollte sie um nichts in der Welt erschrecken, deswegen nahm er auf einem Sofa ganz in der Nähe Platz und widmete sich wiederum dem Rebensaft. Irgendwann würde sie schon erwachen, da war er sich sicher. Vielleicht würde sie sich sogar freuen. Dass sie froher Hoffnung war, wusste er ja noch gar nicht.

3

Freitag, 28. Dezember 2018, 00:32

Es dauerte trotz allem einige Zeit, bis Ismene wieder einmal aus unruhigen Träumen aufwachte. Zwar war sie nicht in ein Ungeziefer verwandelt worden, aber sie fühlte sich ähnlich schäbig. Die Anwesenheit ihres Gatten nahm sie zunächst nicht wahr, als sie sich unter Ächzen und Mühen aufsetzt. Der lose Zopf hing ähnlich schlaff über ihre rechte Schulter, es gab für sie wenig Grund, sich täglich zurecht zu machen. Die Anwesenheit der Kaiserin war nicht gefragt und man stellte sich keine Fragen, wo sie blieb. Immerhin gab es eine Frau, die quasi ihre Rolle erfüllte - ihre Schwiegermutter - und sie störte da eigentlich nur. Herausgeputzt im Bett zu sitzen lohnte sich auch nicht.
Ismene rieb sich den Schlaf aus den Augen, blinzelte, um die Umrisse ihres Gemaches in der nur von Kerzen erhellten Dunkelheit zu erkennen. Sie wusste nicht, wie früh oder wie spät es war, es wurde doch immer so schnell dunkel, und da sie die meiste Zeit ohnehin im Bett verbrachte, machte es kaum Unterschied. Ihre Kehle fühlte sich trocken an. Es hielten sich sicher noch ein oder zwei Frauen im Nebenzimmer auf, aber sie wollte nicht nach ihnen krähen, sodass sie ihre steifen Glieder um Bettrand bewegte und ihn dort auch zum ersten Mal seitdem er hier saß wahrnahm.


"Herr im Himmel!" Das Einzige, was sie hervorbrachte, konnte sie noch einen Fluch abwehren, als sie sich die Decke wieder bis an den Hals zog. Wohl eher ein Reflex als eine Notwendigkeit, war ihr Schlafgewand doch so dick und dicht, dass es kaum Unterschied zu ihre täglichen Kleidung besaß. Dennoch hielt sie es für angebracht.
"Du hast mich erschrocken... Romanos, was tust du hier? Brauchst du etwas?" Na, hoffentlich nicht. Sie war nun wirklich nicht in der Stimmung, sein Ego zu streicheln. Aber sie erinnerte sich, dass sie gemeint hatte, mit ihm persönlich sprechen zu wollen, hatte eine der Hofdamen schon etwas gesagt? Das war aber sicherlich nicht das, was sie gemeint hatte. Sie fühlte sich immer noch nicht sonderlich wohl dabei, mit ihm allein zu sein, insbesondere in einem solch intimen Rahmen. Natürlich waren die Hofdamen und Manglabitai in direkter Nähe, aber es ging ums Prinzip. Sie runzelte die blasse Stirn, weniger nobel denn ernsthaft krank, und blinzelte ihn wieder an.

4

Freitag, 28. Dezember 2018, 00:53

Es verging etliche Zeit. Vielleicht eine Stunde, vielleicht auch nur eine halbe. Romanos kam es jedenfalls lange vor. Obwohl er erst nach der Mittagszeit aufgestanden war, fühlte er sich schläfrig. Dass der Wein daran seinen Anteil haben mochte, lag auf der Hand. Gerade als er drohte gänzlich einzunicken, als er urplötzlich durch den Aufschrei der wohl gerade erwachten Ismene aufgeschreckt wurde und wieder hellwach war. Dabei verschüttete er beinahe noch den Wein, der vor ihm auf dem Tisch stand. Die Kaiserin meinte, er habe sie erschrocken, was aber nunmehr gleichsam auf Gegenseitigkeit beruhte.

"Ismenchen ... ich ...", begann er etwas verwirrt, "brauchen? Nein, nicht direkt." Er stand auf und näherte sich dem Bett. "Ich wollte mich nur nach dir erkundigen. Bist du denn wohlauf? Du wirkst ein wenig kränklich", sprach er und klang ehrlich besorgt. Er setzte sich ungefragt an den Bettrand und reichte ihr seine Hand. "Soll ... soll ich mich ein wenig zu dir gesellen?" Dabei blickte er sie treudoof an, wie man es von ihm nur selten kannte. Dass Schwangere wohl andere Sorgen hatten, konnte er nicht ahnen, was man zu seiner Verteidigung einwenden musste. Denn tatsächlich wusste er wirklich nichts davon. Da seine bislang ziemlich passive Art seine Ehefrau nicht unbedingt zum Frohlocken zu bringen schien, wollte er hier und jetzt ein wenig mehr aus sich herausgehen. Kurzerhand legte er seine Schuhe ab und drängte er sich selbst unter die Bettdecke, wenngleich noch am Rande liegend. "Ich habe dich sträflich vernachlässigt und es ist allein meine Schuld", meinte er kleinlaut. "Dabei will ich dir doch ein guter Ehemann sein." Sprach's und und berührte ihr Bein mit seinem eigenen. "Gerne bleibe ich heute Nacht bei dir. Ich fühle mich ohnehin so schlapp und erledigt." Wovon auch immer, hatte er doch an diesem Tage nicht das Geringste vollbracht. Er musste sich wirklich zusammenreißen, damit ihm nicht gleich die Augen zufielen. Vielleicht machte sie das ja auch an. Wer wusste das schon.

5

Freitag, 28. Dezember 2018, 01:53

Oh ja, mir geht es blendend. Ich habe seit Monaten kaum mehr meine Gemächer verlassen, mir wird von verschiedenen Gerüchen schlecht, meine Füße sind geschwollen und meine Stimmung schlägt in Sekunden um. Das wäre wohl das, was sie eigentlich sagen wollte, aber Romanos hätte dann wohl angemerkt, dass das doch bedeuten würde, dass es ihr doch nicht blendend ging. Dass er Symptome einer Schwangerschaft erkennen würde, wagte sie stark zu bezweifeln; die meisten Männer konnten das wohl nicht und Ismene hielt ihren Mann bei allem Respekt nicht für die hellste Kerze in diesem Raum. Ihr Blick folgte ihm, als er sich dann zu ihr setzte, ungefragt, aber sie hatte nicht einmal die Kraft, zu protestieren, sich wieder in die Decke einzurollen und frecherweise einzuschlafen. Wohlmöglich hätte er das auch noch als eine Einladung zum Kuscheln empfunden.
Genau das passierte nun doch, was sie eigentlich befürchtet hatte, dass er sich nun einfach Platz nahm. Aber sie war schon zu müde um etwas zu sagen, sodass sie einfach sitzen blieb. Dass er sie vernachlässigt hatte, war eigentlich nicht ihr Problem gewesen. Davon ab, dass sie ohnehin nicht die Möglichkeit hatte, viel zu unternehmen, hatte er ihr eigentlich auch versprochen, dass sich nichts ändern würde, und nun störte er die Idylle ihrer Isolation. Nicht nur jetzt, sondern auch mit dem kleinen Prinzen oder der Prinzessin, der oder die im Sommer zur Welt kommen würde. Sie seufzte, rutschte ein Stück weit zur Seite, dass er auch Platz hatte - er erinnerte sie an ein Hündchen, das sie als Kind zum Spielgefährten hatte, der sich dann auch immer ungefragt auf ihr Bett gelegt hatte und gestreichelt werden wollte. Immerhin sabberte Romanos nicht. - und rutschte wieder in ihre Kissen.
Gerne hätte sie angemerkt, dass sie ihn nicht eingeladen hatte, aber sie musste sich zusammenreißen. Egal wie devot er sich aufführte, er war schließlich noch der Kaiser und sie sollte besser in seiner Gunst bleiben. Andererseits... sie war seine letzte Chance. Ein Gedanke, der ihr momentanen Trost gab.
"Wovon bist du denn erledigt?", fragte sie im Versuch, Interesse aufzubringen, doch ihre Stimme klang fast zu monoton dafür. Sie hatte ihre Hände im Schoß gefaltet und blickte einen unbestimmten Punkt im Raum an.
"Und du hast getrunken. Wieviel hast du getrunken?"

6

Freitag, 28. Dezember 2018, 02:32

Wie ungebeten er ihr im Moment kam, bemerkte Romanos nicht. Ob dies an seiner Ermüdung oder aber an seiner zuweilen grenzenlosen Menschenunkenntnis lag, war nicht ganz eindeutig. Jedenfalls meinte er fest, er täte Ismene einen Gefallen, indem er sich nun neben sie bettete. Sicherlich war das sein unumstrittenes Recht als Kaiser und Ehemann. Und wenn man ehrlich war, hatte sie mit ihm ja nicht unbedingt den schlechtesten Gatten gefunden, ließ er ihr doch insgesamt sehr viel Freiraum und lief nicht Gefahr, ihr nachzustellen. Womöglich war Romanos einfach nur ganz allgemein eheunfähig. Zählte man die annullierte Ehe mit der Ostfränkin mit, war die Phokaina ja sogar schon die vierte Gemahlin. Da sollte nochmal jemand behaupten, es sei der größte Traum einer jeden Frau, Kaiserin zu sein.

"Ich weiß nicht genau. Es sind die allzu profanen Verpflichtungen, mit denen man mich tagtäglich konfrontiert. Das überfordert mich mehr und mehr." Und das war noch nicht mal gelogen. So glanzvoll er nach außen wirkte, so zerrissen war der Kaiser in seinem Innersten. Die äußerlichen Erfolge täuschten darüber hinweg, dass er nicht eben der geborene Herrscher war. Seitdem die Tage kürzer wurden, wurde dies wieder deutlicher als in der wärmeren Jahreszeit. "Ich sollte Konstantinopel so schnell nicht mehr verlassen. All das Reisen ermüdet mich zusätzlich." In einem Elfenbeinturm leben, das wäre doch toll. Zum Glück war der Große Palast mehr oder weniger dergleichen.

Dann fragte sie ihn ganz unvermittelt und direkt, wieviel er getrunken hatte, nachdem sie dies als Faktum darstellte und keinen Widerspruch zu dulden schien. Ein wenig hilflos blickte er sie an und stockte einen Moment. "Na ja, vielleicht eine Flasche Wein, also bevor ich hierher kam." Denn in Ismenes Gemächern hatte er ja sicher nochmal eine halbe geleert, wie man unschwer auf dem Tischlein ersehen konnte. Er griff nach ihrer feingliedrigen Hand und fuhr sich mit seiner anderen durch den eigenen Bart. "Findest du, dass er mir steht? Ich fühle mich dadurch männlicher." Er grinste. "Leg dich ruhig zu mir. Ich kann dich beschützen." Womöglich brach sie darob unfreiwillig in einem Lachkrampf aus.

7

Sonntag, 3. Februar 2019, 02:59

Es stand ihr nicht zu, zu urteilen. Die kurze Zeit als Kaiserin hatte sie im Bett verbracht, und die Zeit als Kaiserin-im-Namen hatte man ohnehin nichts von ihr erwartet. Schwer ruht das Haupt, das eine Krone drückt. Das hätte wohl ein Dichter besser gesagt, aber Ismene war es nicht nach Platitüden und sie hatte immer noch so ihre Probleme, Mitleid mit ihm zu empfinden. Insbesondere, wenn man von seinen neuesten Ideen mit einer Stadt in seinem Namen und dem generellen Glanz und Gloria absah. Sie blickte ihn lediglich an.
"Nun", begann sie nach einer unangenehmen Pause, "Vielleicht solltest du dann versuchen, deine Verpflichtungen an jene zu delegieren, denen du trauen kannst." Wobei das weiß Gott nicht viele waren, und fähige Männer konnte sie auch an einer Hand abzählen. "Jene, die dich auch unterstützen und dir loyal ergeben sind." Mochte sie auch ihre Probleme mit Romanos haben, konnte sie sich nun die Freiheit nehmen, ihm nicht Honig ums Maul zu schmieren. Es würde ihm nicht schaden, wenn er gelegentlich auf den Boden der Tatsachen geholt werden würde. Bescheidenheit schadet niemandem. "Aber vergiss nicht, dass ein Kaiser auch sein Volk kennen sollte, mit allen profanen Seiten."
Ich habe gehört, Britannien soll um das Jahr wunderschön sein. Sie sagte das natürlich nicht laut.

Ach, nur eine Flasche! Dann war ja gut. Glücklicherweise nicht übertrieben.
"Ja, man bemerkt es." Mehr Kommentar gab es dazu nicht. Dank der Schwangerschaft reagierte sie noch sensibler auf Gerüche als sie es ohnehin tat, und der Alkoholgeruch zählte nicht unbedingt zu ihren liebsten.Ismene machte keine Anstalten, sich zu bewegen, sondern blickte ihn lediglich fragend an, mit einer feingeschwungenen Augenbraue leicht hochgezogen. Romanos wäre eher der Letzte, zu dem sie flüchten würde, damit er sie beschützen könnte. Sie war eine Phokaina, ihr Vater und die meisten ihrer Brüder waren hohe Würdenträger im Militär - ihr Vater gar der Generalissimus - und wo sie doch zartbesaiteter und schöngeistiger war als sie, mit Ausnahme von 'Tinos, wusste sie dennoch, wo sie herkam. Es war doch eher der Vater, den sie aufsuchen würde. So auch ihr Unverständnis über die Frage,ob er männlich damit aussehe. Wahnsinning männlich, die Koryphäe eines Mannes. Aber ihre Aufmerksamkeit schwenkte wieder um.
"Wovor?" Ihre Frage war so schlicht und beißend. "Werden wir wieder angegriffen?"
Nachdem sich die Anschlagssituation hoffentlich geklärt hatte, denn Matthaios selbst wäre fast ein Opfer geworden, wäre das das letzte, was sie brauchte. Als ihr Sohn verschwunden war, war sie außer sich gewesen, an einem Tag wo es ihr schon psychisch nicht gut ging, und wenn sie jetzt noch um die Leben ihrer Kinder fürchten musste, selbst das Ungeborene...

8

Sonntag, 3. Februar 2019, 19:52

Nachdem er von seiner Überforderung gesprochen hatte, lag erst einmal seltsame Stille im Raume, als ob er damit etwas ganz und gar Unerhörtes von sich gegeben hätte. Vielleicht war die Erziehung im Hause Phokas dergestalt, dass sich auch die weiblichen Mitglieder nicht erlauben konnten, an ein Eingeständnis von überfordernden Umständen zu denken. Ismene machte schon einen sehr aristokratischen Gesamteindruck, verstand sie es doch blendend, ihre Gefühle zu verbergen. Dass sie womöglich wirklich nichts empfand, mochte Romanos nicht glauben. Sie riet ihm jedenfalls dazu, die lästigen Verpflichtungen, die ihm so zuwider waren, auf loyale Delegierte zu übertragen. Vielleicht dachte sie dabei durchaus an ihren eigenen Bruder Konstantinos, der ja in der letzten Zeit wieder zu einigem Ansehen beim Kaiser gelangt war.

"Zenon, fürwahr", meinte Romanos darauf, denn der kam ihm als erstes in den Sinn. Dass sich sein Mit-Basileus ohnehin immer herrischer gebärdete und von der eigenen Teilhabe an der Macht zunehmend berauscht war, mochte dem Schwager entgegenkommen. Aus Zenons Sicht konnte es wohl nur billig und recht sein, wenn der Autokrator sich immer mehr zurückzog, erhöhte dies doch seine eigene Bedeutung im Gesamtgefüge. "Er täte alles für mich, dessen bin ich gewiss." Dies betonte Romanos noch einmal gesondert, denn tatsächlich gab es wohl keinen loyaleren Freund als den gebürtigen Zarides. Ob Ismene ebenso begeistert war von Zenon, war nicht gewiss. Vielleicht fand sie diesen Schönling ja anziehender als den eigenen Gemahl. Oder aber sie konnte mit seiner extravertierten Art wenig anfangen.

"Völkisch wollte ich immer sein, meine Liebe", betonte er sodann und verstand darunter wohl nicht wirklich dasselbe, was sie meinte. Des Kaisers Volksnähe beschränkte sich im Grunde genommen auf die niedere Dienerschaft, die seinem Diktat zu folgen hatte, ohne dass es einen Ausweg gegeben hätte. "Ich habe daher die Anweisung herausgegeben, künftig gerade Angehörige des dritten Standes zu favorisieren, wenn es um Domestiken geht." Dies kam wohl der Personalpolitik des neuen Parakoimomenos Kosmas Laskaris gerade recht, der sich ein Netzwerk aus Jünglingen aus der Unterschicht rekrutieren konnte, dass ihm völlig untertan war.

Dass man während der Schwangerschaft besser nicht übermäßig Alkohol trank, war seinerzeit noch nicht unbedingt Allgemeinwissen. Folgerichtig meinte Romanos, seiner Gattin gelüste es auch nach etwas Wein. Überhaupt wäre sie betrunken wohl leichter zu handhaben. "Verlangt es dich auch nach einem Gläschen, mein Augenstern?", blinzelte er sie an und grinste.

"Angegriffen? Bei Gott, nein. Ich ließ die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal verstärken seit diesem unschönen Vorfall neulich", meinte er darauf und wusste wohl, dass die Sache mit Matthaios Ismene ganz schön mitgenommen hatte. Zum Glück war nichts Ernsthaftes passiert, aber dennoch. "Sei ganz unbesorgt. Keinem unserer Lieben wird ein Leid geschehen." Dies legte er nun einfach als unerschütterliche Tatsache fest.

9

Samstag, 9. Februar 2019, 16:05

Romanos schien sich immerhin schon Gedannken darum gemacht zu haben, so geistesgegenwärtig war er immerhin doch. Selbstverständlich wurde sein Mitkaiser genannt, der, im Gegensatz zu ihrem verstorbenen Mann dann doch eher ein Talent für das Regieren hatte. Bei Tiberios war das eher eine Formsache gewesen, und wahrscheinlich eine Belohnung für einen Günstling. Etwas stach in ihrer Magengrube, aber es war weniger der Stich er Eifersucht, der es früher einmal war, sondern mehr das Gefühl, unwichtig zu sein. Es war nicht die Macht gewesen, der Rang und Pomp, an dem sie interessiert gewesen war, sondern dass man sie nicht einfach so links liegen ließ. Romanos war nun wirklich sehr aufmerksam, aber dennoch... wieder einmal sah sie Tiberios' Gesicht vor sich.
"Zenon ist ein sehr fähiger Mann, ja", sinnierte sie dann und fummelte am Ende ihres Zopfes. "Dir so treu ergeben, wie seiner Familie und dem Reich. Es ist kein Fehler, wenn er dir hilft und Aufgaben abnimmt." Sie kannte ihn kaum, aber sie hatte noch nie ein Problem mit ihm gehabt, insbesondere da Theophano ihn so abgöttisch liebte und er sich dem Hause Phokas gegenüber noch nie feindlich verhalten hatte. Und wenn er ein besserer Verwalter und Regent war als Romanos, würde das Reich davon auch nur profitieren. Immerhin war dies die oberste Priorität.

"Eine gute Idee." Tatsächlich ihre Meinung, denn trotz der Tatsache, dass sie aus dem höchsten Adel stammte, bedeutete es für sie auch nicht, dass sich alle fähigen Männer dort ansammelten. Ein wenig Aufmischung würde dem ganzen gut tun, wenn sie auch kurz anzweifelte, was er nun tatsächlich damit meinte. Könnte auch nur sein, dass er einen schönen Jüngling in den Rang setzte mit dem er sich dann vergnügen würde und der dann eben nur keinen Titel hatte. Entweder würde man sie dann später adeln oder man könnte sie rauswerfen ohne Probleme mit einer Familie. Ismene lächelte, wenn auch ein wenig gekünselt.
"Ich wollte die Wissenschaften fördern... die Universität, die Forschung. Es erscheint mir sinnvoll... mit den karitativen Aufgaben. Zoe wird man nicht so schnell vergessen."
Und sie wollte sich nicht hineindrängeln, in das vergötternde Bild, das das gemeine Volk von der verstorbenen Kaiserin hatte. Gut, wenn sie sich etwas anderes aussuchte und ihre Aufgaben mitübernahm. Und die Förderung der Wissenschaften würde ihnen allen dienen auf Dauer. Die Frage nach Wein verneinte sie mit einem Kopfschütteln. Insbesondere jetzt war sie dem Wein wenig zugetan, was nicht zuletzt am Brechreiz lag...

Ach, was sollte es. Spätestens in ein paar Monaten würde man es ohnehin sehen. (Ismene bezweifelte nicht, dass man davon ausgehen würde, dass es Romanos ohnehin weiß und deshalb würde niemand es erwähnen.) Würde sie eben jetzt in den saueren Apfel beißen.
"Ich bin übrigens schwanger."

10

Mittwoch, 13. Februar 2019, 17:28

Offenbar dachte Ismene gar nicht primär an ihre eigene Familie, als sie ihrem Gemahl vorschlug, sich auf die Loyalen unter seinen Beratern zu stützten. Indem sie sich für Zenon so stark machte, bewies sie wohl letztlich auch politisches Feingefühl. Ihren Bruder Konstantinos erwähnte sie gar nicht namentlich; vielleicht konnte sie gut unterscheiden zwischen geschwisterlicher Zuneigung und der Staatsraison. So sollte also erstmal Zenon davon profitieren. Fast unmerklich hatte dieser in den letzten Monaten an Profil gewonnen und drückte der Politik seinen eigenen Stempel auf.

"Nichts hält dich davon ab, eben dies zu tun", bestärkte Romanos sie durchaus in ihrem Ansinnen, das Ismene dann gleich einschränkte durch Zoes Vorarbeit. "Man sollte dies auch nicht überschätzen. Sie war eine Landfremde und zudem nur kurzzeitig Kaiserin. Das Volk wird bald schon nur mehr Augen für dich haben, so wie ich." Er grinste sie treudoof an und wirkte zumindest in diesem Moment so, als meinte er das wortwörtlich. Ob Ismene das überhaupt so toll gefunden hätte, wenn sich ihr Gatte Tag aus, Tag ein nur noch ihrer angenommen hätte? Wohl kaum. Nachdem sie das Weinangebot angelehnt hatte, setzte er ihr, für ihn untypisch, einen dicken Kuss auf die Wange. Quasi Romeo und Julia für Arme.

Gerade als er wieder einen Schluck nahm, fiel sie mit der Tür ins Haus. Fast hätte er sich verschluckt, aber eigentlich waren die Anzeichen einer Schwangerschaft nun wirklich nicht zu übersehen gewesen. Außer natürlich für Männer, die sich mit dergleichen für gewöhnlich nicht auskannten. "Das ist ja ... phantastisch!", hob sich seine Stimmung gleich nochmal um ein ganzes Stück und man konnte seine Freude regelrecht am Gesicht ablesen. Er legte seinen Arm um ihren Nacken und drehte sich in ihre Richtung. "Es wird doch auch alles gut klappen?", versuchte er sich hinsichtlich ihrer Gesundheit zu vergewissern. "Ob es wohl ein Junge wird oder ein Mädchen? Was wäre dir lieber?" Mit Alexandros und Honorios hatte der Kaiser ja bereits zwei gesunde Söhne, mit Eudokia aber erst eine Tochter, so dass Romanos gar so darauf erpicht war, dass es wieder unbedingt ein Junge sein müsste.

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Donnerstag, 14. Februar 2019, 15:34

Ismene hätte natürlich ihren Bruder und andere männliche Familienmitglieder nennen können; Fakt war, dass es um die Phokadai besser denn je bestimmt war, mit dem Patriarchen als Reichsmarschall, seinem Bruder als Finanzminister, dem jüngsten Sohn als Protoarchitekten und der jüngsten Tochter auf dem Thron. Noch mehr zu wollen würde Hybris gleich kommen, und Ismene wusste inzwischen besser als einen politischen Ikarus zu machen und Leute für etwas zu empfehlen, die sich schwer tun würden. Sie liebte ihren Bruder von ganzem Herzen, aber er war gut in seiner aktuellen Rolle, so wie Zenon gut in der seinigen war.

Dennoch, Zoe blieb ein unangenehmes Thema. Sie wollte ihn nicht wirklich fragen, ob er sie so schnell vergessen konnte - und wie oft er diese Worte schon gesagt hatte - "Sie hat Gutes getan und dir zwei gesunde Kinder geschenkt. Wir werden sie alle in guter Erinnerung behalten, allein wegen Honorios und Eudokia, denen ich eine gute Mutter zu sein versuche." Die vage Antwort war erst einmal genug. Sie hatte Zoe gemocht mit ihrer Eigenheit und Fremdheit, aber vielleicht war ihr das alles zu viel geworden. Vielleicht konnte sie sich nicht an Byzanz gewöhnen, an all die Eigenheiten, die Intrigen, alles was ihre Kultur auch ausmachte. Und vielleicht hatte sie dennoch den Freitod gewählt, auch wenn sie nach außen hin so fröhlich war. Aber sie war doch eine so fromme Christin gewesen...
Aber darüber konnte man lange debattieren. Die Zukunft war wichtig, und die kleinen Kinder. Ismene wusste ja, wie es war, ohne Mutter aufzuwachsen. Sollte den Kleinen das Schicksal erspart bleiben; auch wenn die Großmutter sich sehr... bemühte.

Aber er freute sich! - Warum sollte er es auch nicht, er musste das Kind ja nicht austragen. "Die ersten Monate waren für mich immer schwer gewesen", versuchte sie es mit einem knappen Lächeln. Besser nicht zu erwähnen, wie traumatisch die Geburten Matthaios' und Ioannas gewesen waren. Noch ein Grund wieso sie nicht sonderlich begeistert bezüglich einer Schwangerschaft war, da sie wusste, wie schwer die Geburt werden würde. Aber eine Verbindung der Beiden wäre notwendig.
"Ich weiß es nicht", sagte sie dann ehrlich, sie hatte sich relativ wenig Gedanken darüber gemacht, wenn sie ihren Mageninhalt ausspuckte. "Vielleicht ein Mädchen. Dann wären es drei Jungen, drei Mädchen. Du bist vorwiegend mit Schwestern aufgewachsen, und ich mit Brüdern, so ist es gleich für sie." Und weniger Kampf um Rang und Ansehen. Vielleicht müsste man an ein kleines Mädchen weniger Anforderungen stellen, aber als Jüngste war sie auch die, die nun Kaiserin war. Und vielleicht würde es nicht die Jüngste bleiben. Gott, dieser Gedanke allein ließ ihr schwindlig werden. Aber sie wehrte ihn nicht ab, sondern blieb still, wie bereits beim Kuss auf die Wange.
"Es ist noch viel zu früh, um irgendetwas zu sagen, der oder die kleine Purpurgeborene wird im Sommer zur Welt kommen. Aber bisher..." Sie zuckte vage mit den Schultern. "Alles wie immer."

12

Freitag, 15. Februar 2019, 16:29

Dass sich Ismene rührend um die beiden Kinder kümmerte, die dem Kaiser von Zoe geschenkt worden waren, konnte man nicht unbedingt als selbstverständlich bezeichnen. Eine andere hätte wohl eher versuch, ihre eigene Brut ans Ruder zu bringen. Ismene schien indes nicht über derartige fragwürdige Charaktereigenschaften zu verfügen, die sie angespornt hätte, am liebsten ihren eigenen Sohn Matthaios einst auf dem Thron sitzen sehen zu wollen. Tausend Jahre später hätte man es vielleicht eine Patchwork-Familie genannt, die bald schon nicht nur aus Kindern aus drei Ehen des Kaisers bestehen würde, sondern zudem noch aus von seiner derzeitigen Frau in die Ehe eingebrachten und von ihm adoptierten Kindern bestand. Der Himmel allein wusste, was dies eines Tages bedeuten würde, wenn die Söhne älter waren. Niemand schien sich darüber Gedanken zu machen, war Romanos doch selbst erst Anfang zwanzig. Jedenfalls wurde es nicht unbedingt unkomplizierter, je mehr Söhne hinzukommen, die theoretisch Anspruch auf die Krone hatten.

Die Schwierigkeiten, die eine Schwangerschaft für die austragende Mutter mit sich brachte, konnte sich ein Mann wohl in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen. Zumal nicht ein Kaiser, der ja nicht auf engstem Raume mit seiner Ehefrau zusammenlebte und all die Widrigkeiten gar nicht mitbekam. Dass es im zehnten Jahrhundert zudem durchaus nicht ungefährlich war, ein Kind zu gebären, kam noch hinzu. Einen kurzen Moment musste Romanos dann doch überlegen, als Ismene von idealerweise drei Söhnen und drei Töchtern sprach, hatte er die von ihm adoptierten Matthaios und Ioanna doch einen Moment lang gar nicht mit bedacht. Andererseits hätte Romanos, der nun gewiss nicht danach lechzte, doch noch gerne auch einen Sohn mit ihr gehabt.

"Am Ende nimmt uns ja der Himmel diese Entscheidung ab", lächelte er sie freundlich an und hoffte, dass dieses gemeinsame Kind dazu beitragen würde, die noch bestehenden Barrieren, die zwischen ihnen standen, abzubauen. Zumindest schien Ismene mehr und mehr in ihre Rolle als Gemahlin des Autokrators hineinzuwachsen. Wer auch, wenn nicht sie, die sie bereits Basilissa gewesen war und aus einem der erlauchtesten Häusern des gesamten Reiches stammte.

Schläfrigkeit überkam ihn wiederum, obwohl er erst so spät aufgestanden war. Praktischerweise lag er bereits in einem Bett, wenn auch nicht seinem eigenen. Ein paar Minuten die Augen zu schließen, konnte nicht schaden, da hätte sie gewiss nichts dagegen. Er wollte sie ja nicht über Gebühr bemühen. Tatsächlich schlief er dann allerdings ungewollt völlig ein, die Hand noch immer locker auf die ihrige gelegt. Das gleichmäßig hörbare Atmen zeigte ihr zumindest an, dass er noch lebte.