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Rhomäisches Reich: In der Magnaura des Großen Palastes gab es eine Explosion, deren Ursache bisher unklar ist. Da man von einem Anschlag ausgeht, wurden das Stadtviertel und der Palast selbst abgeriegelt.
Armenien: Sämtliche Zölle zwischen Armenien und dem Reich wurden aufgehoben. Das Kaiserreich plant den Bau einer Zweigstelle der Kaiserlichen Kreditanstalt in Kars.

[Sitzungssaal des Kronrates] Sitzung des Kronrates (Mai 952)

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Dienstag, 21. Mai 2019, 23:42

Sitzung des Kronrates (Mai 952)

Drei Monate war es her, dass der Kronrat zum letzten Mal zusammengetreten war. Damals war noch der glorreiche Heimfall Edessas an das Reich gefeiert worden. Die Feierlaune diesbezüglich war einem mittlerweile vergangen. Die Stadt war wieder in der Hand der Sarazenen, eine militärische Katastrophe konnte nur knapp abgewendet werden. Immerhin war der Waffenstillstand wiederhergestellt worden, wenn auch teuer erkauft. 150.000 Solidi hatte Konstantinopel berappt.

In diesen drei vergangenen Monaten gab es aber auch Positiveres zu vermelden. Das Königreich Armenien war erfolgreich unter das Protektorat des Reiches gestellt worden und faktisch zu einer Art besseren Provinz mutiert. Nun gaben eindeutig Byzantiner in Kars, der armenischen Hauptstadt, den Ton an: Auf der einen Seite die byzantinisch-stämmige Königin Thekla, auf der anderen Seite der Reichsprotektor Ioannes Kourkouas, ein Enkel von Bardas Phokas.

Der Prozess gegen Romanos Argyros lief seit einiger Zeit. Noch immer waren die Zeugen nicht sämtlich befragt worden. Die Anklagepunkte wogen schwer.

Doch auch scheinbar lapidarere Dinge wollte man hier und heute ansprechen. So gab es offenkundig eine gewisse Verwirrung hinsichtlich der Kompetenzverteilung innerhalb der Hauptstadt. Zumindest hatte des Kaisers Schwager Konstantinos Phokas dergleichen Anmerkungen geäußert. Eine drittklassig bedeutsame Kirchenrenovierung stand plötzlich im Mittelpunkt des Interesses, war es doch zu einer Art Machtkampf zwischen dem obersten Reichsarchitekten und Tribounos sowie dem Reichsinnenminister gekommen. Es häuften sich die Beschwerden gegen Ioustinianos Doukas, denn auch innerhalb der hauptstädtischen Justiz hatte er es sich offenbar Gegner gemacht. Und der Praitor von Konstantinopel fühlte sich auch auf den Schlips getreten. Womöglich käme es also zu einer Aussprache.

"Meine Herren", begrüßte der Kaiser die bereits anwesenden Kronräte und schritt geschwind zu seinem Sitzplatz. Erst danach setzten sich auch die Mitglieder des Rates. Direkt hinter dem Thron hatte sich der Panhypermangblabites Gregorios Daimonozannes placiert und hatte die Runde mit Argusaugen im Blickfeld. "Nun, was gibt es Neues? Ich bin ganz Ohr." Er schaute kurz durch die Reihen und zuletzt zum neben ihm sitzenden Schwager Konstantinos Phokas, als wollte er diesem das Wort erteilen.

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Mittwoch, 22. Mai 2019, 00:55

Honorios Zarides, des Reichs kürzlich ernannter Reichskanzler, saß zur rechten des Kaisers und blickte so dem Konstantinos Phokas entgegen, der den gleichen Platz zur Linken des Romanos eingenommen hatte.
Es war seine erste Sitzung im Kronrat und daher natürlich eine Beweisprobe dafür, dass der Kanzler seiner Aufgabe gerecht wurde.
So sah er es als seine Pflicht an, gleichsam als oberster Minister, als erster anzuheben.
"Euer Majestät!", erhob er sich. "Werte Mitglieder des Kronrates. Erlaubt mir, zunächst ein paar Worte zur außenpolitischen Lage des Reichs zu verlieren."
Der Kanzler räusperte sich und da ihm niemand widersprach hub er abermals an.
"Es dürfte allen Anwesenden bekannt sein, dass man sich in der Causa Edessa mehr als verkalkuliert hat. Allein, dass ein Prozess gegen General Argyros geführt wird spricht Bände. Fürwahr, sein Schicksal hängt an dem Befund des Gerichts, doch mitnichten kann man dies von der Reputation des Reichs behaupten. Als wäre die Niederlage nicht genug, so hat sich die Nachricht vom Ungehorsam des Generals auch in fremden Landen verbreitet, allen voran in Armenien, doch nicht zuletzt ist dieses Zeichen der Schwäche auch zu den islamischen Fürsten vorgedrungen. Man hat nicht mehr das gleiche Maß an Ehrfurcht, das man zuvor vor dem Rhomäischen Reich hatte."

Ernst blickte der Zarides in die Runde, um die Wichtigkeit seiner Aussage zu unterstreichen.
"Es ist von oberster Priorität, dass der Respekt vor Seiner Majestät wieder vollends hergestellt, wenn nicht sogar übertroffen wird. Kurzum, ich schlage vor, dass man den Fehler Edessa durch eine erfolgreiche Kampagne zur Rückerobung Gesamt-Bulgariens vergessen macht."
Mit diesem Paukenschlag blickte der Logothetes tou dromou zu Kriegsminister Monomachos.
"Gewiss bedarf dies einer fähigeren Hand, als der des Argyren."
Der Blick schweifte ab zu seinem Gegenüber, Konstantinos Phokas."Euer Vater wäre ein passender Vorschlag. So kann er auch seinen Namen von dieser befleckten Kampagne reinwaschen, die er ja kaum zu verantworten hatte.
Zudem könnte man damit beweisen, dass die Schwäche des Reiches einzig allein durch die Fehlentscheidungen des Argyros zu erklären sind."
Damit setzte sich der Zarides, um der nun folgenden Debatte zu lauschen.

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Mittwoch, 22. Mai 2019, 19:30

Seit der letzten Kronratsitzung waren über zwei Monate ins Lande gezogen. Gregorios erinnerte sich noch gut daran, war es doch hauptsächlich um Edessa gegangen. Der Kriegsminister hatte die Sitzung dann – für sich – beendet, indem er aufgestanden und gegangen war. Die Basilissa Helena hatte nämlich damit begonnen, Gift gegen ihn zu versprühen und es ihm zum Vorwurf zu machen, den Argyros nicht unter Kontrolle zu haben. Wie sich bald herausstellte, hatte aber nicht einmal der Autokrator selbst, dieser Mann am Zenite der irdischen Macht, den Mann unter Kontrolle halten können.Nicht nur hatte Gregorios unter Einsatz seines Lebens für Reich und Kaiser gekämpft, sondern sich auch freiwillig als Geißel in die Obhut der Sarazenen begeben. Im Zuge dessen konnte er auch die Schwester jener Frau, die den Monomachos so sehr kritisiert hatte, befreien: Agatha Lekapene.

Nun saß der Monomachos wieder an seinem ihm angestammten Platz, neben dem Reichsmarschall Phokas und dem Marineadmiral Chrysaphis. Der Neuling in der Runde, der Logothetes tou dromou, Honorios Zarides, erhob schließlich als Erster das Wort. Er sprach darüber, dass das Ansehen des Reiches, vor allem hinsichtlich dessen Unbezwingbarkeit, angeschlagen war. So sei es das oberste Ziel, den Respekt des Kaisers im Auslande wiederherzustellen. Er schlug vor, dies durch die Rückeroberung Gesamt-Bulgarien zu tun und wandte sich dann an den Monomachos, der ja schließlich Kriegsminister war.

Der Monomachos lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Bei allem Respekt, Herr Reichskanzler, aber ich schlage vor, zunächst die Kräfte zu sammeln, bevor man wieder mit einem Feldzuge beginnt. Unsere Tagmata wurden im Zuge der Edessa-Kampagne bedenklich ausgedünnt. Die Lage im Osten ist zwar ruhig und durch einen Waffenstillstand gesichert, doch würde ich mich nicht allzu sehr verlassen, dass es dort nicht wieder losgehen könnte. Einen Friedensvertrag gibt es ja nicht und die Muslime riefen zuletzt, aufgrund der Aktionen des Argyros, gar den Dschihad gegen uns aus.“

"Die gefährlichste Grenze bleibt jene im Osten, wie es uns leider eindrucksvoll vorgeführt wurde. Und die Sarazenen sind, mag man von ihnen halten was man wolle, keine Narren, die sich von einer Kampagne gegen Bulgarien Sand in die Augen streuen ließen. Die Sarazenen sind, soweit ich das sehe, unser mächtigster Feind. Und ihnen werden wir gewiss nicht mit einer Aktion in Bulgarien imponieren. Die Muslime sind sich ihrer eigenen Macht bewusst, das merkte ich während meiner Geißelhaft äußerst eindrucksvoll. Der General Ad-Sahira hat außerdem mir gegenüber angemerkt, dass dies bei weitem nicht alle Kräfte seien, die sie zusammenziehen könnten. Natürlich kann dies ein Bluff sein, andererseits erwartete auch niemand eine Streitmacht von der Größe, wie sie die Sarazenen eben mir-nichts-dir-nichts bei Edessa zusammengezogen haben.“

Nun rieb sich der alte Monomachos seinen struppigen Drei-Tage-Bart am Kinn und schien zu überlegen. „Meiner Meinung nach sollte man also einen weiteren kriegerischen Feldzug solange abwarten, bis unsere Mannschaften wieder ihre Sollstärke erreicht haben. Es ist nicht weise, eine geschwächte Armee – und das ist sie zurzeit, nach dem schweren Schlag bei Edessa, nun einmal, gerade hinsichtlich der Elite Regimenter, der Hikanatoi, der Scholai und der Exkoubitoi – weiter aufzuteilen und in den Krieg zu schicken.“ Dass des Reichskanzlers & Reichsaußenministers erste Forderung jene nach einem Kriege war, sprach für den Logothetes tou stratiotikou Bände. Wohl wollte er auf der Stelle seine eigene neue Position durch einen erfolgreichen Feldzug stärken. Dass die Armee dringendst einer Ruhepause bedurfte, dass der Osten zwar durch Waffenstillstand beruhigt, aber die Gefahr nach wie vor über ihnen lauerte, schien der Zarides indes zu ignorieren. Es zeugte von einer gewissen Ironie, aber auch von einer großen Vorsicht, dass sich ausgerechnet der Kriegsminister nicht gerade begeistert von diesem Vorschlag zeigte. Wiederum wollte man auf Bardas Phokas zurückgreifen und sicherlich war dieser dazu fähig, Bulgarien einzunehmen und dem Reiche einzuverleiben. Nur würde diese Aktion zehntausende Soldaten binden, die Unterstützung der Elite Tagmata bedürfen und wiederum viel Geld verschlingen. Außerdem hatte die Feldzug-Saison längst begonnen und alleine die Ausarbeitung der Kriegspläne, etwas, worauf die Rhomäer viel Wert gaben, würde Wochen wenn nicht gar über ein Monat beanspruchen. Interessiert blickte er nun zu seinem Kollegen und Kumpanen, den Reichsmarschall Phokas und wartete dessen Reaktion und Expertise ab.

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Donnerstag, 23. Mai 2019, 00:45

Etwas verspätet, vielleicht drei Minuten, traf auch der Reichsmarschall Kaisar Bardas Phokas im Sitzungssaal des Kronrates an. Wer den alten Phokas kannte, wusste dass er der Inbegriff von Pünktlichkeit war. Entsprechend selten kam es vor, dass er irgendwo zu spät auftauchte. Tatsächlich hatten ihn seine Pflichten dieses Mal aber derart so in Beschlag genommen, dass es sich zeitlich nicht mehr ganz ausging, rechtzeitig zur Sitzung zu erscheinen. Mit einem kurzen Nicken in Richtung des Autokrators trat er ein, um sich auf seinen Platz zu setzen, der direkt neben dem des Reichskriegsminister lag. Formal gesehen war er an diesem Tage sogar der nach dem Autokrator Höchstrangigste, auch wenn Bardas eher wenig auf den Kaisar-Titel gab, der ihm verliehen worden war - anders als sein Sohn Konstantinos, der ihn ebenfalls trug und sich auch eingefunden hatte.

Gerade als er hereinkam, hatte der Reichskanzler geendet. Aus der Erwiderung des Ministers Monomachos konnte Bardas indes den Inhalt der Ausführungen des Zarides rekonstruieren. Er hatte offenbar für einen Militärschlag gegen Bulgarien plädiert, ein Ansinnen, das der Kriegsminister ziemlich schroff zurückwies. Er mahnte an, erst einmal die Sollstärke der Tagmata wieder herzustellen und die Ostgrenze nachhaltig abzusichern, ehe man solche Gedanken auch nur in Betracht zog.

Der Megas domestikos verfolgte die Worte seines Kameraden Gregorios Monomachos genau, ohne aber erkennbar eine Position zu beziehen. Schließlich holte er tief aus, nachdem der Minister seine Anmerkungen beendet hatte. Es war nun fraglos an ihm, Bardas Phokas, sich zu der Sache zu äußern. Dabei fixierte er den Honorios Zarides, der der Vater des Gedankens gewesen war.

"Ein neuer Kriegszug gegen Bulgarien, werter Reichskanzler, soll es also sein? Die langjährigen Auseinandersetzungen mit den Bulgaren lehren uns, dieselben nicht allzu leicht zu unterschätzen. Ich selbst machte so manche Schlacht gegen dieselben mit, die erste, da war ich in etwa so alt wie Ihr es heute seid. Ich habe die katastrophale Niederlage von Anchialos im Jahre 917 nicht vergessen. Der Blutzoll, den das Reich damals zahlen musste, war verheerend." Tatsächlich, die Schlacht von Anchialos galt als eine der schlimmsten byzantinischen Niederlagen überhaupt. Es waren sich 70.000 Byzantiner und 100.000 Bulgaren gegenübergestanden. Die Bulgaren hatten 20.000 Mann verloren, die Byzantiner vermutlich doppelt so viele. Eine der größten Schlachten in der jüngeren Reichsgeschichte. "Und soweit müssen wir gar nicht zurückgehen. Wir alle erinnern uns nur allzu gut an den letzten Bulgarienkrieg. Einer meiner Söhne kehrte nicht mehr aus demselben zurück, wie so viele andere. Mit Müh' und Not haben wir ihn dann noch zu unseren Gunsten entscheiden können."

Er hielt kurz inne. Einen Moment musste er an das noch immer ungeklärte Schicksal seines Sohnes Alexandros denken. "Es ist keinesfalls so, dass ich grundsätzlich gegen eine Fortsetzung unserer bulgarischen Bemühungen eingestellt wäre, schon unseren Toten geschuldet. Allein, die Situation an der Ostgrenze ist, wie der Reichskriegsminister zurecht ausführte, nach wie vor instabil. Sobald man einen wirklichen Friedensschluss mit dem Kalifen vorweisen kann, wäre ich indes geneigt, mich Eurer expansiven Bulgarienplänen anzuschließen. Nun ist aber erst einmal die Diplomatie und somit Euer eigenes Ressort gefragt. Der Frieden ist der Schlüssel zum Krieg, wenn man so will." Dies mochte seltsam klingen, traf es aber, denn nur wenn man im Osten absolute Ruhe hatte, konnte man gegen ein Reich wie Bulgarien ausgreifen, das noch immer beachtlich war, auch wenn Donaubulgarien an Byzanz gefallen war.

Somit pflichtete Bardas Phokas auf der einen Seite zwar Monomachos bei, zeigte sich auf der anderen Seite aber auch grundsätzlich bereit, den Kurs des neuen Reichskanzlers mitzutragen. Sobald die Voraussetzungen gegeben waren. Und dies war auch als Wink mit dem Zaunpfahl an die Reichskanzlei zu verstehen, die nun einen für Konstantinopel vorteilhaften Frieden mit den Sarazenen aushandeln sollte. Denn erst danach konnte man die Situation an der Ostgrenze als entschärft ansehen.

Konstantinos Phokas

Protoarchitektonas tes Rhomaikes Autokratorias

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Donnerstag, 23. Mai 2019, 11:52

Konstantinos Phokas saß zwischen seinem Vater Bardas und seinem Onkel Diokles; so ergab sich neben der Militärfraktion im Kronrat eine eigene Phokas-Fraktion. Alleine daraus ließ sich bereits der gute Stand der Familie innerhalb der rhomäischen Machtkonstruktion erschließen. Der Autokrator, mit dem er sich gerade erst nach einem Disput vertragen hat, eröffnete die Sitzung und warf ihm, Konstantinos, einen eindeutigen Blick zu. Schon wollte der Kaisar das Wort erheben doch kam ihm der neue Reichskanzler und Außenminister zuvor.

Wie ein Paukenschlag kam es nun: Der Oberminister schlug vor, einen Krieg gegen Bulgarien zu beginnen und Konstantinos fragte sich ernsthaft, ob der Zarides ein schlechtes Gedächtnis hatte, waren die letzten militärischen Auseinandersetzungen mit den Bulgaren doch schlecht bis katastrophal, jedenfalls aber äußerst verlustreich, verlaufen.
Interessant war an dieser Stelle die Reaktion der Oberbefehlshaber des Militärs, also des Kriegsministers und des Reichsmarschalls. Der Kriegsminister Monomachos, ein alter Kompanion seines Vaters, schien die Idee eines Feldzuges einstweilen rundum abzulehnen. So eindeutig war die Ablehnung in den Worten des alten Ministers, dass Konstantinos zum Zarides hinüberlugte und dessen Reaktion genau beobachtete.

Dem Monomachos folgte sein Vater, der nun das Wort erhob. Sofort merkte man den Unterschied zwischen den zwei Männern; diplomatisches Geschick erwies der Reichsmarschall viel eher als der Kriegsminister, dessen offene Worte durchaus Missgunst auslösen könnten, aber das hing wohl vom Charakter des Reichskanzlers ab. Sein Vater schien denselben Gedankengang wie der Sohn zu pflegen und sprach die vergangenen Versuche an, Bulgarien zu unterwerfen und betonte den Blutzoll, den man damals zahlen musste. Bei der Erwähnung seines Sohnes, also des Bruders Konstantinos‘, nickte der Kaisar langsam und mit versteinerter Miene. Ja, sein Bruder war seither verschollen, womöglich in irgendeinem Massengrab verscharrt. Geschickt spielte Bardas den Ball zum Zarides zurück und verwies darauf, dass zunächst einmal die Diplomatie am Zuge sein sollte. Konstantinos räusperte sich schließlich, als seines Vaters Worte verklungen waren. „Gerne bin ich bereit, einige meiner Baumeister und Architekten für die Ostgrenze abzustellen. Soweit es mir aus den Plänen ersichtlich ist, sind die meisten Fortifikationen vor Ort alt, sehr alt, ja, älter als wir alle zusammen, um nicht zu sagen: veraltet. Dabei kann selbst eine kleine Besatzung im Schutze einer ordentlichen Fortifikation einer großen Armee standhalten oder ihr zumindest Probleme bereiten.“ Konstantinos erwies sich hier als jemand, der durchaus etwas vom Militär verstand. Er selbst war ja seinerzeit Manglabites gewesen, war im Range eines Komes bzw. Tagmarchos und hatte den Kaiser im furchtbaren Bürgerkrieg im Felde begleitet. Außerdem war er eben ein echter Phokas und Bardas hatte ihm seit seiner Kindheit Militärunterricht angedeihen lassen. Ein Krieger ist aus ihm nicht geworden, doch hatte er die Lektionen nicht vergessen. "In diesem Sinne unterstütze ich den Herrn Reichsmarschall und denke mir, es wäre klug, zunächst einmal Frieden mit den Sarazenen zu schaffen. Ist der Friede einmal hergestellt, so würde ich, bezüglich der Bulgaren, dem Sprichwort unserer antiken Vorfahren folgen: Si vis pacem para bellum."

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Donnerstag, 23. Mai 2019, 15:18

Für den Minister der Finanzen waren Kronratssitzungen an sich eher unangenehme Veranstaltungen, ging es doch meist darum, zu eroieren, wofür man sein... des Kaisers Geld als nächstes ausgeben würde. Die Sitzung wurde ohne Umschweife eröffnet und der Kaiser erkundigte sich bei den Ratsmitgliedern nach Neuigkeiten, als gäbe es dieses Mal keine Agenda. Hatte der Mystikos gepennt? Überhaupt schien er sich in letzter Zeit dünn zu machen und zeigte wenig Präsenz.
Das neueste Mitglied in der Runde, der Reichskanzler Honorios Zarides, der gleichsam seinen Bruder was das Amt anging beerbt hatte, erhob so dann zuerst das Wort und schlug vor, Bulgarien zu erobern. Diokles hob eine Augenbraue. War es nicht Aufgabe des Ministers, sich der Diplomatie zu widmen? Bei der derzeit angespannten außenpolitischen Lage ein neues Fass aufzumachen hielt Diokles für töricht, was ihm gleich darauf die höchsten Offiziere des Reiches bestätigten.
"Der Waffenstillstand mit den Sarazenen wurde auf ein paar Monate festgelegt. Was glaubt Ihr, Exzellenz, was die Muselmannen machen, wenn diese Frist abgelaufen ist und unsere Soldaten sich in Bulgarien befinden?"
Es war so, als würde man den Sarazenen den östlichen Teil des Reiches gerade zu auf dem Silbertablett servieren.

"Ich pflichte dem Protoarchitektonas bei, Majestät. Wie ich bereits schriftlich habe mitteilen lassen, war die Kriegssteuer äußerst ertragreich, mit diesen Geldern sollte die Sicherung der Ostgrenze finanziert werden, schließlich wurde sie deswegen erhoben." Mehr hatte der Minister der Finanzen vorerst nicht zu berichten. Seine Neuigkeiten hatte er hiermit angeschnitten und der Kaiser war vorab über die Kostenaufstellung des Edessa-Krieges informiert worden. Sollten sich Rückfragen ergeben, würde er sie beantworten, bis dahin lehnte er sich nun aber vorerst zurück.

Dann lehnte er sich sprunghaft doch nochmal nach vorne. "Gestatte mit eine kurze Zwischenfrage, Majestät. Mir wurde vom werten Herrn Innenminister vorgetragen, die Verantwortung über die städtischen Polizeibehörden unter dem Praitor wurden kürzlich dem Innenministerium übertragen. Der Praitor selbst war überrascht, von diesem Schritt zu hören, war er doch gar nicht informiert worden und der Herr Minister versäumte es bisher, mit eine entsprechende kaiserliche Order, die wie er sagte nur mündlich erfolgte, endlich auch schriftlich vorzulegen. Hintergrund ist eine Erhöhung des Etats, die seine Exzellenz erbeten hatte. Nun, da wir hier alle zusammensitzen, könnte Ihr mir die entsprechende von Euch erlassene Order sicherlich bestätigen, Majestät?"

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Freitag, 24. Mai 2019, 01:16

"Aber, aber, meine Herren..." , wiegelte Honorios die scharfe Kritik seiner Kollegen grinsend ab. Der eine hatte den Vorschlag des Zarides mehr, der andere weniger stark kritisiert. Scheinbar hatte man Honorios missverstanden.
"Man tut ja gerade so, als hätte ich bereits den Marschbefehl auf den morgigen Tag datiert.", lachte der Reichskanzler."Mitnichten! Ihr merktet zurecht an, dass wir zu diesem Zeitpunkt nicht in der Position sind, von jetzt auf gleich einen neuen Feldzug zu beginnen. Selbstverständlich genießt der Schutz der Ostgrenze oberste Priorität und ein Frieden mit den Sarazenen ist unabdingbar. Da dies jedoch eindeutig in mein Ressort fällt, bitte ich fürs erste davon abzusehen, dies weiter zu thematisieren. Gewiss ist dies Vorraussetzung für alles weitere und selbstverständlich würde auch ich von einer Aktion abraten, ehe der Frieden ausgehandelt ist.

Doch nicht nur die Sicherung des Ostens ist eine nötige Vorbereitung."
Der Logothetes tou dromou legte eine kurze Kunstpause ein, ehe er eine Karte des Bulgarenlandes hervor zauberte und diese auf dem Tisch ausbreitete.
"Die Beschaffenheit unserer Ausgangposition birgt einige Vorteile für uns." , fuhr er fort und sein Zeigefinger deutete auf den Fluss Donau.
"Durch diesen Fluss wird es uns leichter fallen, zum einen unsere Grenze zu sichern, zum anderen unsere Truppen zu versorgen. Er ist breit und tief genug, um unseren Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen. So wird es uns gelingen, Marine und Landstreitkräfte kombiniert einzusetzen. "
Doch das war noch nicht alles. Der zaridische Zeigefinger wanderte an den nördlichen Rand der Karte.
"Diese Lande werden von den Rus besiedelt, ein Volk, das nur darauf brennt die Bulgaren zu vernichten. Wie sagt man? Der Feind des Feindes ist ein Freund. Daher sollte es ebenso eine Vorbereitung sein, einen Pakt mit den Rus zu schließen und somit Druck von zwei Seiten auf die Bulgaren auszulösen. Es ist quasi eine Hammer und Amboss Taktik im großen Stil. Euer Vorfahr, Alexandros Megas, war mit dieser taktik mehr als einmal erfolgreich, wie ihr wisst, Majestät."
So schloss Honorios seinen Plan und blickte zu Romanos. Nun war es an ihm zu entscheiden, ob ein solcher Plan überhaupt verfolgt werden solle, oder ob man ihn verwerfen solle.

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Freitag, 24. Mai 2019, 20:09

Von ganz allein entspann sich eine lebhafte Debatte, ausgelöst durch den Vorschlag des neuen Reichskanzlers, Rest-Bulgarien ebenfalls zu annektieren. Selbst all jene, die ob dieses Vorschlages beinahe vom Schlag gerührt wurden, mussten wohl zugeben, dass es Honorios Zarides meisterlich gelungen war, sofort die Initiative an sich zu reißen. Kraftvoll und streitbar trat er in den Ring und setzte als erstes eine umstrittene Agenda auf den Plan. Ihm musste klar gewesen sein, dass sich Widerspruch regen würde. Vielleicht nahm er dies ganz bewusst in Kauf, ja legte es geradezu darauf an. Die Diskussion wurde jedenfalls nun stark von dieser Thematik dominiert und viele Kronräte sahen sich gezwungen, selbst das Wort zu erheben und ihre Meinung kundzutun. Es war ein Reagieren auf die Vorgabe des Kanzlers.

Einzig der Reichsfinanzminister versuchte einen Themenwechsel herbeizuführen, indem er auf eine auf den ersten Blick banal anmutende Kompetenzfrage zu sprechen kam. Diokles Phokas merkte nämlich nicht ohne Hintergedanken an, dass sein Ministerkollege Ioustinianos Doukas eine Art Unterstellung der hauptstädtischen Polizei unter die Fuchtel des Innenministeriums propagiert hatte. Nun wollte der oberste Aufseher über die Reichsfinanzen wissen, ob es dafür eine tatsächliche Grundlage in Form einer kaiserlichen Entschließung gäbe. Sicherlich tat der Phokas dies aus Berechnung.

"Was die Polizeibehörden der Reichshauptstadt betrifft, so kann es sich nur um ein Missverständnis handeln, unterstehen diese doch nach wie vor dem Praitor von Konstantinopel, und dieser allein dem Eparchos und mittelbar Uns", führte der Autokrator aus und unterließ es, den Doukas hier im Kronrat völlig bloßzustellen, indem er eine reine Fehlinterpretation unterstellte. "Gewiss geschah dies von Seiten des Herrn Reichsinnenministers ohne böswillige Absicht und ist allein der Kürze der Verweildauer in der Ausübung seines Amtes zuzuschreiben." Anders gesagt: Zwar keine Boshaftigkeit, aber doch ein Anfängerfehler. "Ein Zusammengehen der Reichspolizeibehörden mit der hauptstädtischen Polizei ist indes zu befürworten, sofern es die Lage erfordert. Dies hat aber auf Augenhöhe und in Absprache zu geschehen." Der Innenminister sollte sich also gefälligst mit dem Praitor zusammensetzen und mit diesem seine Aktionen in Konstantinopel abstimmen, anstatt Alleingänge zu praktizieren.

Damit war dieser Punkt aus kaiserlicher Sicht abgehakt. Es gab schließlich weit Wichtigeres zu besprechen. Hinsichtlich der Bulgarienfrage hatte sich Romanos nämlich bislang nicht positioniert. Verlockend war der Gedankengang des Reichskanzlers allemal, so dass ihn Romanos wieder die Eroberungslust geweckt wurde, die nach Ende des Bürgerkrieges und der Rückgewinnung Kretas und Zyperns erst einmal saturiert gewirkt hatte. Zwar hatte es in Edessa einen Rückschlag gegeben, doch war dieser durch die erfolgreiche Armenienpolitik mehr als wettgemacht worden. Man gewann den Eindruck, als hätten die Falken nach wie vor das Übergewicht unter den kaiserlichen Ratgebern.

"Ongal 680, Markellai 792, Pliska 811, Boulgarophygon 896, Aichalos 917, Philippopolis 947 – wir entsinnen uns alle der desaströsen rhomäischen Niederlagen gegen die Bulgaren. Solange das Bulgarische Reich besteht – und sei es seit 950 auch in geschwächter und territorial reduzierter Form –, ist es ein potentieller Gefahrenherd für das Großrhomäische Reich und insbesondere für Konstantinopel." Er blickte durch die Reihen und verharrte bei Bardas Phokas, der auf den vermutlichen Tod seines Sohnes im letzten Bulgarienkrieg hinwies, freilich ohne ins Sentimentale abzugleiten, war dies doch seine Sache mitnichten. "Hochverehrter Reichsmarschall, hochgeschätzter Schwiegervater, ich weiß aber auch um die vielen Toten und Vermissten, um die schrecklichen und unheilbaren Wunden, welche die Bulgarienkriege in zahllosen rhomäischen Familien geschlagen haben, angefangen bei den einfachen Bauern, dem Gros des Reichsaufgebotes, bis hin zu den edelsten und altehrwürdigsten Häusern, welche die Zier unseres Offiziersstandes ausmachen. Sie alle sollen nicht umsonst gefallen sein. Ich erinnere in diesem Zusammenhang stellvertretend für die zahllosen Gefallenen an den Prinkeps Alexandros Phokas, gewesenen Reichskriegsminister und Domestikos ton scholon, der nun genauso mein Schwager wäre wie der Kaisar Konstantinos, sein Bruder. Nutzen wir diesen Augenblick, um ihn und die unzähligen anderen Helden, die für Gott, Kaiser und Reich fielen, mit einer Gedenkminute zu würdigen." Pathetisch erhob sich der Autokrator also, worauf es ihm alle gleichtaten. Mit betretener Miene und gesenkten Blick starrte Romanos eine gute Minute lang auf den Tisch des Sitzungssaales. Kein Mucks war zu vernehmen, schienen alle in diesem Heldengedenken vereint. Schließlich setzte man sich wieder und ließ es noch etwas nachwirken.

"Von daher werde ich den Herrn Reichskanzler hiermit offiziell bevollmächtigen, baldmöglichst einen tragfähigen Friedensschluss mit dem Kalifen von Bagdad, dem geistlichen Führer des Islams, auszuhandeln, auf dass die Sicherheit der Ostgrenze dauerhaft gewährleistet sei. Die Fortifikationen werden in der Tat weiter verstärkt und auf den neuesten Stand gebracht werden." Dazu blickte er zu Konstantinos. "Sowie der Frieden mit den Mohammedanern steht, wird sich das Großrhomäische Reich seiner schicksalhaften Pflicht zuwenden, der Vorsehung gemäß ein für allemal für Ordnung auf dem Balkan zu sorgen und somit Sorge zu tragen, dass der Staat, der in der Vergangenheit allzu oft geglaubt hat, das Reich hinterrücks feige anfallen zu können, endgültig und final dafür zur Rechenschaft gezogen wird. Dies als Rache und Vergeltung für die Toten aus bald drei Jahrhunderten, seitdem der Khan Asparuch und mit ihm Bulgarien im Jahre 680 unheilvoll in den Lauf der Geschichte trat."

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Samstag, 25. Mai 2019, 00:05

Nicht nur der Familienpatriarch der Phokadai war an diesem Tag etwas verspätet zur Sitzung des Kronrats aufgetaucht, auch Helena betrat kurz nach dem Kaiser den Sitzungssaal. Beim Vorbeigehen berührte sie ihren Sohn an der kaiserlichen Schulter und schritt einmal um den Tisch herum, um sich ihm gegenüber auf ihrem Thron niederzulassen. Aufmerksam verfolgte sie das Geschehen, ohne selbst das Wort zu ergreifen. Offenbar hatte der Reichskanzler einen Vorstoß hin zu einer aggressiven Expansionspolitik nach Norden gewagt, womit er in der Runde weitgehend auf Widerstand stieß.
Helena beobachtete den Mann eingehend, der, ebenso wie der Innenminister, zum ersten Mal an einer solchen Sitzung teilnahm. Da der Mann es geschafft hatte, sich das oberste Ministerialamt unter den Nagel zu reißen, musste er logischerweise etwas auf dem Kasten haben und hatte seinen Vorschlag sicher gezielt gewählt und geäußert. Ein Lächeln umspielte die Lippen der Basilissa, als der Kaiser gleichsam die Soldaten ins Spiel brachte, die ihr Leben im Kampf gegen die Bulgaren lassen mussten. Es war ein geschickter Schachzug von Romanos, ließ er dadurch doch keinen Widerspruch mehr zu den Vorschlägen des Kanzlers zu, würde man dadurch doch gleichsam das Gedenken an die Gefallenen in den Schmutz ziehen. Erhobenen Hauptes blickte sie ihrem Sohn in die Augen, einen Mundwinkel nach oben gezogen. Dabei deutete sie ein kaum merkliches Nicken an, um dem Sohn ihre Anerkennung für seine Worte auszudrücken - die kaiserlichen Pläne hatten damit also den mütterlichen Segen.

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Samstag, 25. Mai 2019, 11:57

Die heutige Sitzung im Kronrat war die erste des Doukas als offizieller Innenminister. Er würde so einiges aus seinem Amtsbereich zu berichten haben und besonders die weitere Fortsetzung der Morde in der Hauptstadt würde er dem Kaiser zu dessen besserer Information über die aktuelle Lage vorlegen müssen, doch wurde der Kronrat kurz nach seiner Eröffnung durch einen Vorschlag des Reichskanzlers Zarides auf das Thema Krieg und Frieden gelenkt. Einem so gewichtigen Thema hatte Ioustinian als Innenminister erst einmal keine Angelegenheiten aus seinem eigenen Haus hinzuzufügen, sodass er den Gang auf's Erste als Beobachter verfolgte. Schien zunächst eine eher reservierte Haltung gegenüber einem möglichen Krieg vorzuherrschen, kam es nach einer direkten Intervention des Kaisers schließlich dazu, dass man wohl die Möglichkeit eines baldigen Krieges gegen die Bulgaren ins Auge fassen musste. Ioustinianos war in der Sache zunächst unentschieden und hielt sich auch daher mit Kommentaren bezüglich solcher Kriegspläne zurück. Erst kürzlich wurde ja die Sondersteuer aufgehoben, was er aus wirtschaftlicher Sicht nur begrüßen konnte. Mit einem neuen Krieg aber, dessen Länge und Kosten man ja nicht abschätzen konnte und der auch verloren gehen könnte, drohten neuerliche Belastungen für die Wirtschaft.

Nach der vom Kaiser verordneten Gedenkminute ergriff sodann der Doukas das Wort. "Euer Majestät", er verneigte sein Haupt leicht Richtung Autokrator. "Mögliche Kriegszüge würden unweigerlich zu hohen Kosten führen, die man im Zweifel wieder einholen müsste." Genau dies könnte Wirtschaft und Handel belasten. "Allerdings, so denke ich, gibt der Herr Reichsbauminister mit seiner Idee der Fortifikation eine Lösung dieses Problems vor. Wenn das Reich in großem Ausmaß in solche Baumaßnahmen investiert, würden die Bauarbeiter und Handwerker und all die anderen daran hängenden Gewerbe sicher davon profitieren, sodass ein negativer Effekt auf die Wirtschaft im Gesamten gemindert, wenn nicht gar zum Positiven überführt werden kann." Mit einer solchen Argumentation würde der Innenminister am Ende zweifellos ein solches kriegerisches Vorhaben unterstützen. "Auch kann ich davon berichten, dass die Zollunion mit Armenien nun Züge angenommen hat. Der Reichsprotektor setzt sich intensiv für die Öffnung des Handels ein, sodass ein positiver Effekt in Kürze zu erwarten ist."


Dann jedoch gab es noch unerfreuliche Nachrichten bezüglich der Mordfälle, die der Innenminister nun hier einbringen wollte. "Bedauerlicherweise muss ich aber ebenso berichten, dass die Morde in der Hauptstadt nach wie vor zugenommen haben. Erst kürzlich traf es eine gesamte Familie und vor wenigen Tagen wurden neuerlich Tote in einem Freudenhaus aufgefunden." Die Situation war also ernst, das musste jeder erkennen; und der Innenminister war sehr erbost über die eben getätigten Äußerungen des dicken Phokas, der ihm seine Worte verdrehte. "Euer Majestät, mit Verlaub: Ich habe Minister Diokles sicherlich nicht das vorgetragen, was er hier behauptet. Vielmehr habe ich ihn davon in Kenntnis gesetzt, dass Euer Majestät eine Aufstockung der Geheimpolizei wünschten. Er verwechselt hier also etwas. Was die Verantwortung der städtischen Polizeibehörden angeht, so wurde diese nicht kürzlich dem Innenministerium übertragen, sondern es handelt sich um das Recht, Weisungen an die untere Ebene der Hierarchie zu erteilen. Eine Zuständigkeit, die seit jeher beim Innenministerium liegt und ebenso in anderen Ministerien wiederzufinden ist. Wenn man eine solche hierarchische Ordnung nun verwirft, wünsche ich ebenso den Herren Kriegsminister und Finanzminister viel Erfolg bei der Unterredung mit der unteren Hierarchie auf Augenhöhe und in Absprache. Wenn Majestät diese Zuständigkeit dem Ressort des Inneren absprechen wollen, dann sei es selbstredend nach Eurem Willen so, doch sehe ich mich in diesem Fall außer Stande, die letztliche Verantwortung für die Aufklärung der grausamen Mordfälle zu übernehmen, wenn man mich dieser notwendigen und essentiellen Instrumente beraubt. Ich trete die Verantwortung dann gerne, wie Majestät erwähnten, dem Praitor oder mittelbar dem Eparchos ab, denen ich viel Erfolg wünsche und die auf meine Solidarität und Unterstützung stets bauen können." Was sollte man denn auch anderes tun? Ioustinian würde sicher nicht die letzte Verantwortung für eine Lage übernehmen, in der er kaum noch Möglichkeiten zum Eingreifen hatte. Ohnehin war diese vom dicken Phokas ausgehende intrigante Beschneidung der Zuständigkeiten des Innenministeriums skandalös. Da ernannte der Kaiser ihn und beraubte ihn kurz danach seiner Möglichkeiten. Wofür brauchte man seine Behörde am Ende überhaupt noch, wenn man alle logische Hierarchie über Bord warf?

"Wo wir schon beim Thema sind, so fände ich es doch am Ende ebenso sinnvoller, die Zuständigkeiten des Innenministeriums im Bereich der Staatsdomäne dem Reichsbauministerium zu übertragen, hatte dies doch erst kürzlich zu Komplikationen geführt." So hätte man diese Konflikte auch bald gelöst. "Auch scheint mir die Lösung effektiver den wirtschaftlichen Bereich des Innenministerium dem Finanzministerium zuzuschlagen, sodass dort gezielt Investitionen getätigt und deren Früchte sogleich geerntet werden können. Die letzte Zuständigkeit der Geheimpolizei könnte man dann ebenso an die regionalen Polizeibehörden oder an den Mystikos oder gar die Armee übertragen. In diesen Hände wäre sie wohl ebenso besser aufgehoben. Am Ende würde eine Umbenennung meines Ministeriums in Ministerium für besondere Angelegenheiten die Situation endgültig bereinigen. Dies halte ich, rational betrachtet, am Ende für sinnvoller, selbst wenn es das Ende meines Ministeriums bedeutet." Das wäre wohl das logischste was man aus diesem Wirrwarr von Rumpf-Ministerium machen könnte. Dem Doukas war es nun auch egal, sein Ministerium auf diese Weise wegzurationalisieren. Er würde als gelehrter und fähiger Mann auch andere Möglichkeiten haben, sein Geld zu verdienen. Er war viel mehr empört über diese lächerliche Situation seines Hauses zwischen den anderen und müsste sich mit diesem nervenden Spektakel auch nicht mehr herumärgern.

11

Samstag, 25. Mai 2019, 14:46

Eins musste man dem Kaiser lassen: Er verstand es, die richtigen Worte zu finden, wollte er etwas auf den Weg bringen. Indem er an die abertausenden Gefallenen der Bulgarienkriege erinnerte und deren Tod nicht als sinnlos dastehen lassen wollte, brachte er das Momentum auf die Seite der Kriegsbefürworter. Obwohl Bardas Phokas kein ruchloser Krieger war, hatte er mit den Bulgaren doch noch eine ganz persönliche Rechnung offen. Sie hatten ihm einen seiner Söhne genommen, dessen genauer Verbleib nach wie vor im Dunklen lag. Auf diesen Alexandros hatte der Alte viel gesetzt gehabt. Er hätte ihm einst als Reichsmarschall nachfolgen können. Seine Pläne musste er seither relativieren. Solange Bulgarien als Staat existierte, würde er tagtäglich an diese Ungeheuerlichkeit erinnert werden. Rein militärisch gesehen, waren die Bulgaren zudem noch immer die ernsthafteste Gefahr für die Reichshauptstadt. Ihre derzeitige vermeintliche Schwäche durfte nicht überschätzt werden. Die Zeichen standen also auf Vergeltung, zumindest langfristig.

Danach meldete sich der neue Reichsinnenminister Doukas zu Wort. Bardas kannte den Mann am ehesten durch die Eheverbindung, die er und Konstantinos Doukas, der Familienpatriarch der Doukai, kürzlich vereinbart hatten. Dieser Ioustinianos schien einiges von seinen eigenen Fähigkeiten zu halten, hatte er es über einen Posten in der Reichskanzlei doch selbst zum Reichsminister gebracht. Lauschte man allerdings seinen Ausführungen, so drängte sich der Eindruck auf, der Mann fühle sich leicht überfordert. Er beklagte die gegenwärtige Kompetenzverteilung, dachte laut über eine Abtretung des Geheimdienstes an die Armee und des Wirtschaftsressorts ans Finanzministerium nach und sogar über die Auflösung seines eigenes Ministeriums. Da er von solch einer Rochade selbst betroffen worden wäre, erhob er nun abermals das Wort.

"Bei allem nötigen Respekt, Herr Reichsminister, doch ist die Sonderstellung der Reichshauptstadt und der dort ansässigen Behörden seit Urzeiten ein Grundpfeiler unserer staatlichen Ordnung. Bereits Konstantinos der Große übertrug dem Eparchos von Konstantinopel als dem sprichwörtlichen Vater der Stadt die Aufsicht über Recht und Ordnung, welche dieser an den Praitor delegierte. Die hauptstädtische Autonomie kann nicht einfach so über den Haufen geworfen werden. Ihr habt doch im gesamten restlichen Reich den direkten Zugriff auf die Polizeibehörden. Täglichen Mord und Totschlag gibt es bekanntlich auch in Thessalonike, Adrianopel und Kaisareia. Womöglich solltet Ihr den Blick künftig darauf werfen." Das war ja Jammern auf hohem Niveau. Das Innenministerium hätte wahrlich genügend andere Baustellen gehabt, so dass es sich die mannigfaltigen Probleme der Hauptstadt nicht auch noch aufbürden musste. Gerade weil Konstantinopel so gewaltige Dimensionen hatte, war es klug gewesen, dessen städtischen Behörden besondere Vollmachten zu erteilen. "Was die Abtretung von Kompetenzen Eures Ministeriums anbelangt, so solltet Ihr bei einer augenscheinlichen Überforderung doch besser ehrlich genug sein und Eure eigene Demission in Aussicht stellen, anstatt Euer Ressort derart beschneiden zu lassen, bis es Euren Fähigkeiten nahekommt, aber zugleich seine Sinnhaftigkeit verliert. Nur weil Ihr in Fragen der Ökonomie an Eure Grenzen zu gelangen scheint, muss die Wirtschaft doch nicht sogleich ans Finanzministerium abgetreten werden. Zudem gibt es meines Wissens bereits ein Reichsministerium für besondere Angelegenheiten, auch wenn man den zuständigen Minister schon seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen hat. Ist der Mann gar bereits verstorben?" Gemeint war Davin al-Isfahani, der mit großen Erwartungen ins Amt gekommen, aber kurz darauf in der Versenkung verschwunden war. Man übertrüge dieses Ressort besser heute als morgen einem tatkräftigen Mann, anstatt es weiter versauern zu lassen.

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Samstag, 25. Mai 2019, 15:17

Nach den Vorschlägen des Doukas schilderte Bardas Phokas seine Sicht der Dinge. Der Mann war selbstredend als Militär in gutem und tadellosem Rufe, jedoch schien er nicht auf der Höhe der Zeit zu sein, was die sinnvollen Veränderungsvorschläge des Doukas anging und versuchte ihm gar seine ministeriellen Fähigkeiten und damit auch seine Ehre vor dem Kaiser abzusprechen. Die Verdienste und das Alter des Mannes dennoch respektierend, sah sich Ioustinianos zu seiner weiteren Äußerung genötigt.

"Hochgeehrter Herr Kriegsminister, uns allen ist die besondere Bedeutung der Hauptstadt bekannt. Doch ihre Autonomie sollte nicht losgelöst über Allem stehen. Es muss Ausnahmen geben! Gesetzt den Fall, dass der nächste Kaiser einer anderen Stadt dieselben Rechte gewährte und der ihm nachfolgende wiederum einer anderen Stadt? Wir fänden uns in Zuständen wieder, die denen der barbarischen Landen der Deutschen oder Franken anmuteten. Man muss sich diesen Dingen mit rhomäischem Verstand nähern, wie es schon unsere Vorfahren taten, welche das mächtige Imperium Romanum begründeten. Wenn man aber nun an dieser unumstößlichen Autonomie festhalten will, bleibt nur der logische Schluss, auch die Geheimpolizei auf regionale Ebene zu übertragen, um eine effektive Ermittlungsarbeit zu gewährleisten." Alles andere würde doch nur zu Chaos führen und keinem das Leben leichter machen.

"Es handelt sich mitnichten um eine Überforderung. Seien wir ehrlich: Welche Kompetenzen besitzt ein Wirtschaftsminister? Soll ich als Minister, genauer als Jurist und damit fremd vom Fach, bisweilen schlau von der Wirtschaft parlieren und dafür ein ordentliches Gehalt einstreichen? Man sollte hier konsequent sein und diesen Bereich entweder direkt dem Finanzministerium unterstellen oder daraus einen Wirtschaftsbeirat als beratendes Organ machen, das ausschließlich von Fachmännern besetzt sein sollte." Dann kam der alte Phokas auf das bereits vorhandene Ministerium für besondere Angelegenheiten zu sprechen. "Das würde doch passen! Man könnte die beiden Ministerien nach genannten Reformen einfach verschmelzen. Man kann ja ohnehin nicht sagen, was denn nun deren Kompetenzen sind. Am Ende eines solchen Reformprozesses wäre ich sogar bereit, dafür meine Demission anzubieten, wenn gewünscht. Denn meine Gedanken dabei gelten stets dem Wohl des Reiches und seiner effektiven Verwaltung." Sollte der Phokas diese sinnvollen Vorschläge nur lächerlich machen, als alter Greis war er wohl von einer gewissen Konservativität, aber die Jungen sahen die Welt anders, zumal ja sogar die alten Römer ein gutes Vorbild darin waren. Der Doukas war zwar beschäftigt in seinem Amt, aber überfordert war er nicht, vielmehr verärgert über die Unzulänglichkeiten der Verwaltung auf dieser hohen Ebene. Seine Demission anzubieten, das bereitete ihm sicher keinen Kummer. Man hatte mit diesem beschnittenen Amt ohnehin keinen Einfluss, den man großartig verlieren könnte. Einzig um das Prestige und den Turban wäre es schade. Aber er hatte ja noch andere Möglichkeiten und bereits Gedanken an den Turmbau durch den nunmehrigen Senator Alamannikos.

Konstantinos Phokas

Protoarchitektonas tes Rhomaikes Autokratorias

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Samstag, 25. Mai 2019, 21:50

Entweder hatte man den Logothetes tou dromou falsch verstanden, oder er ruderte mit seinem Vorhaben geschickt zurück. Natürlich würde man zuerst einen Frieden im Osten schließen, die Fortifikationen dort stärken und erst dann gegen die Bulgaren losschlagen und die Grenze bis zur Donau schieben. Auf den Reichskanzler folgte Romanos und dieser legte Zeugnis von seiner glänzenden Rhetorik ab. Der gesamte Kronrat schloss sich ihm zu einer Schweigeminute an, man würdigte die gefallenen Soldaten der Rhomäisch-Bulgarischen Kriege. Sodann entschloss Romanos, eben jenen Plan zu verfolgen, zunächst die eine Grenze zu sichern und daraufhin die andere Grenze durch militärische Gewalt zu verändern.

Schließlich erhob der Logothetes ton oikeiakon das Wort, der Mann, den er bislang hauptsächlich von ihrer amtlichen Korrespondenz her kannte. Die Rede des Doukas nutzte Konstantinos also um diesen näher zu betrachten. Einerseits hatte der Innenminister zwar auf die Restauration der Kirche verzichtet, andererseits aber nur nach langem und verdrießlichem Beharren auf seine angebliche Zuständigkeit als Innenminister. Dabei hatte der Apokomes Doukas stets vom Kaisar Konstantinos Phokas als ‘Kollegen‘ gesprochen, was an sich unerhört war, hatte er ihn doch schlichtweg mit ‚Euer Hoheit‘ anzusprechen. „Mit Verlaub, aber die Komplikationen sind allein auf Euer Beharren auf Zuständigkeiten zurückzuführen, die Ihr gar nicht habt. In diesem Sinne könnt‘ Ihr sie mir jetzt natürlich auch nicht anbieten. Immerhin findet Ihr in Eurem Amte scheinbar die Zeit, Euch mit der Restauration einer Kirche zu beschäftigen, wo dies doch eine Kompetenz ist, die in der Stadt Konstantinopel allein dem Tribounos untersteht, gewiss aber nicht Euch, Herr Innenminister.“

Er blickte zu seinem Vater, dann einmal in die Runde und schließlich wieder zum Doukas. „Ich empfehle Euch, Euch schlichtweg auf eure natürlichen Kompetenzen zu besinnen: das ist die innere Sicherheit des Reiches, die da die öffentliche Ordnung und das wirtschaftliche Wohlbefinden des Reiches und dessen Bürger beinhaltet. Eine ohnehin große Aufgabe. Auch meine Aufgabe ist groß, daher finde ich es bedauerlich, dass es vier Briefe brauchte, um Euch daran zu erinnern, dass die Restaurationen von Kirchen nicht in Eure Zuständigkeit fallen. Ein Brief hätte genügen müssen! Selbstverständlich fallen diese Zuständigkeiten zunächst an den Tribounos und dann ins Reichsbauministerium – beides zurzeit in Personalunion vertreten durch mich -, deren Mitarbeiter sich auch geflissentlich und mit größter Leidenschaft um die Erhaltung unserer edlen Denkmäler aller Art kümmern und unsere rhomäische Kulturlandschaft noch um weitere Güter erweitern.“

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Sonntag, 26. Mai 2019, 10:58

Zufrieden mit der kaiserlichen Entscheidung, lehnte sich Honorios nach der Schweigeminute und der Ansprache des Autokrators zurück. Seine Majestät hatte mit seiner Antwort jegliche Kritik abgeschmettert und den Zarides sogleich mit der Grundsteinlegung des Planes betraut. Gewiss, der schwierigste Teil würde nun beginnen, sollte der Reichskanzler doch einen stabilen Frieden min den Sarazenen aushandeln, doch Honorios war sich ob seiner gewinnenden Art sicher, dass er auch dies bewerkstelligen konnte.
Innerlich machte er sich bereits Notizen, wie ein solcher Frieden aussehen könnte. Desweiteren freute er sich doch ein wenig, wieder eine Reise unternehmen zu können, doch würde er diese dieses mal schwerlich allein unternehmen. Er würde sich eine Gesandschaft nebst militärischer Protektion auswählen müssen. Am meisten jedoch, würde er sich über die Gesellschaft einer gewissen Dame freuen, sollte sie zustimmen ihn zu begleiten.
Die Debatte im Kronrat ging indes weiter und hatte sich in eine Art Kompetenzstreit gewandelt. Innenminister Doukas schien die Aussage des Finanzministers Phokas, schwer aufzustoßen, bezichtigte er ihn doch indirekt der Lüge. Offensichtlich waren die ersten Wochen des Turbanträgers im Amt nich von der Leichtigkeit geprägt gewesen, die Honorios in seinem Amt erfahren hatte. Scheinbar hatte er es sich nun gleich mi zwei Kronratsmitgliedern verdorben, Diokles, den er laut dessen Ausführungen, ohne schriftliche Legitimation um ein zusätzliches Budget gebeten haben solle, und Konstantinos Phokas, der sich in seiner Funktion als Tribounos übergangen und veralbert fühlte, beliebte es dem Doukas doch eine Kirche zu sanieren, die vor einiger Zeit schon durch den Phokas saniert worden war. So berichteten es zumindest die Quellen des Honorios. Der Logothetes tou dromou hatte nämlich Augen und Ohren offen gehalten, was die Personalie Ioustinianos Doukas anging, seitdem er die Beobachtung in den Palastgärten gemacht hatte.
So glaubte er zumindest für die Hälfte der Vorwürfe, den Grund für das Verhalten des Innenministers zu kennen.
Ohne Aufsehen erregen zu wollen, lehnte er sich langsam nach links, in Richtung des kaiserlichen Ohres und flüsterte ihm folgendes zu:"Mit Verlaub, Majestät, ich glaube zu wissen, warum der Logothetes ton oikeakon seine Kompetenz im Bereich der Bauarbeiten überschritten hat.
Mir wurde zugetragen, dass der Baumeister, dem er die Arbeiten an der Sergios- und Bakchoskirche auftrug, sich auch bereits privat mit ihm getroffen haben soll.
Wie der Zufall so will, sah ich den Innenminister vor einigen Wochen, wie er von eben jenem Baumeister in den Palastgärten einen Silber- und einen Goldbarren zugesteckt bekam."
Damit lehnte sich Honorios wieder zurück und vertraute darauf, dass Romanos Eins und Eins in dieser Sache zusammen zählen würde.

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Sonntag, 26. Mai 2019, 12:44

Als wären die Vorwürfe der beiden anderen Phokas Männer nicht schon ehrverletzend genug gewesen, äußerte sich nun auch Konstantinos Phokas, der Reichsbauminister, der dem Doukas neuerlich und völlig zu unrecht vorwarf, seine Kompetenzen überschritten zu haben. Man hatte zuvor Streit gehabt bezüglich der Sanierung einer Kirche, die Ioustinianos Doukas sogar völlig aus eigenen Mitteln bezahlen wollte. Dem Innenminister war es nun aber klar, dass die Phokas Männer alle gemeinsame Sache machten, um ihre eigenen Kompetenzen zu bestärken und die Position der Doukai zu verringern. "Ich werde es nicht länger hinnehmen, dass durch Verleumdungen und Unterstellungen die Ehre meiner Person in dieser Weise verletzt wird.", meinte er dann in Richtung der versammelten intriganten Phokodai. "Euch ist sehr wohl bewusst, Reichsarchitekt, dass genannte Zuständigkeiten beim Innenministerium liegen, wenn sie auch von meinem Vorgänger vernachlässigt wurden." Für Ioustinian aber war mit dieser neuerlichen Verletzung der doukaischen Ehre das Maß des freiwillig Erträglichen erreicht. Er würde seine wertvolle Zeit nicht seiner Ministerarbeit für das Reich opfern und dann dafür solche Schmähungen vor dem Kaiser hinnehmen müssen, zumal dieses Amt ja nur noch einer Sinekure gleichkam, das keinen eigentlichen Wert mehr besaß.

"Ich werde meine Zeit sodann nicht länger mit diesem Schauspiel vergeuden, meine Herren. Wenn den Phokodai danach ist, Intrigen zu spinnen, dann nur bitte: Der Kaiser möge meine Reformvorschläge zu Euren Gunsten prüfen. Diese Farce von Amt werde ich jedoch nicht länger bekleiden und auch nicht länger Teil dieser "Regierung" sein." Sollten diese inkompetenten Leute die Bürokratie zum Nachteil des Reiches nur weiter zu ihrem eigenen, persönlichen Vorteil beschädigen; dem Doukas war es jetzt auch gleichgültig. "Ich trete hiermit mit sofortiger Wirkung von meinem Amt als Innenminister und meiner Funktion als Kronrat zurück. Ich gedenke, die begrenzte Zeit, die Gott einem Jeden auf Erden gewährt, besser zu gebrauchen als sie hier unter diesen Umständen zu verschwenden. Auf Wiedersehen!" Sollte man doch einen anderen Narren für diese Arbeit finden. Nach einer letzten Verneigung Richtung Kaiser -immerhin wahrte der empörte Doukas selbstredend noch die ihm durchaus wichtige Form und Etikette- begab sich Ioustinianos aus den Räumen des Kronrates heraus. Der Kaiser könnte über seine Empfehlungen nachdenken, aber er selbst sah kaum Chancen, dass der Verstand in dieser vernebelten Runde obsiegen würde. Noch am selben Tage ließ er seinen Rücktritt in schriftlicher Form ausarbeiten und verkündigen. Nochmals in die staatliche Bürokratie würde er freiwillig nicht gehen und sich sicherlich nicht noch einmal diesen Schwachsinn, der hier herrschte, antun. Hier war man ja nur dabei der Dekadenz zu frönen und die alten römischen Tugenden zu vergessen. Ein Trauerspiel!

Konstantinos Phokas

Protoarchitektonas tes Rhomaikes Autokratorias

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Sonntag, 26. Mai 2019, 13:52

Konstantinos entging nicht, dass der Reichskanzler dem Autokrator etwas zuraunte. Worum es sich handelte, konnte er sich vorstellen, war ihm doch Ähnliches bereits zugetragen worden. Schon setzte der Logothetes ton oikeiakon zur Antwort an, sprach den Kaisar schlichtweg als Reichsarchitekt an. Über diesen mangelnden Respekt wurde er derartig wütend, dass seine Hand sich zur Faust ballte und auf den Tisch niedersauste. „Ich werde mir Euren mangelnden Respekt nicht länger gefallen lassen! Weder bin ich Euer Kollege, noch schlicht der Reichsarchitekt, wenn Ihr mit mir sprecht, so spricht mich gefälligst mit Hoheit an, so wie es sich gehört. Hat man in der Familie der Doukai denn gar keinen Wert auf die gute Kinderstube gelegt?“

Der Doukas beklagte sich sodann beim Kaiser und der Allgemeinheit über dieses Schauspiel, mit dem er seine Zeit nicht weiter vergeuden wollte. Konstantinos kniff die Augen zusammen. „Ihr habt Euch somit selbst diskreditiert. Nicht nur greift Ihr das Haus Phokas an, welches dem Kaiser die treuesten und größten Dienste leistet, nein, Ihr bezeichnet den Kronrat Seiner Majestät auch noch in Anwesenheit derselben als Schauspiel, dass Eure Zeit vergeudet und das Amt, welches Euch Seine Majestät gnadenvoll übertrug, als Farce. Ja, geht nur, überlasst die Aufgabe, die zu groß für Euch ist ruhig kompetenteren Leuten.“ Den Mann, der sich nun aus dem Staub machte und selbst den Autokrator praktisch sitzen ließ – eine Ungeheuerlichkeit an sich -, würdigte er keines weiteren Blickes. „Dies scheint mir seine erste und letzte richtige Entscheidung in seinem Amte gewesen zu sein“, meinte er fast amüsiert über den aufbrausenden Innenminister.

Er warf einen Blick zum Autokrator und sagte laut: „Unglaublich! Mein Autokrator, wenn ich mir noch ein Wort erlauben darf? Nehmt seinen Rücktritt an. Er hat nunmehr jedes Recht auf dieses Amt verwirkt, er will es ja auch gar nicht mehr und eine Zusammenarbeit mit so einer Person hat und würde keine Früchte tragen.“ Konstantinos lehnte sich zurück, platzierte den rechten Arm auf der Sessellehne und wartete die Reaktion des Kaisers ab.

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Sonntag, 26. Mai 2019, 19:35

Während der Innenminister seine Show abzog, fixierte ihn Daimonozannes ganz besonders. Der Mann schien die Nerven zu verlieren und vollzog ein Spektakel, das an Unwürdigkeit kaum zu überbieten war. Es hätte nur eines Winks des Kaisers bedurft und er, der Daimon, hätte ihn zermalmt, der es wagte, eine Entscheidung des Kaisers vorwegzunehmen, indem er einfach wie ein beleidigtes Kind aus dem Saal stürmte. So einer war als Minister aber auch wirklich fehlbesetzt, da mit den kleinsten Schwierigkeiten überfordert. Auf jeden Fall kam er auf die Liste des Daimonozannes und musste in Zukunft auf der Hut sein.

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Sonntag, 26. Mai 2019, 21:06

Wer den effektvollen Abgang des Reichskriegsministers Monomachos bei der letzten Kronratssitzung für skandalös erachtet hatte, wurde bei der jetzigen Sitzung desselben Gremiums eines Besseren belehrt. Gegen das, was der Reichsinnenminister Doukas hier ablieferte, war Monomachos' Reaktion damals ein Vogelschiss in der Geschichte gewesen. Das zunächst banal anmutende Kompetenzgerangel schaukelte sich nämlich im Laufe der Debatte dermaßen hoch, dass eben jener Innenminister nun empört seinen sofortigen Rücktritt erklärte und Hals über Kopf aus dem Saal floh. Das Ganze ging dermaßen rasant, dass eine vernünftige Reaktion zeitlich gar nicht möglich war. Einzig der Panhypermangblabites wäre bereitgestanden, den kopflos Wirkenden auf der Stelle aufzuhalten. Allein, der kaiserliche Befehl hierzu kam nicht, so dass der Doukas ungehindert hinauslaufen konnte wie eine beleidigte Leberwurst. Dies schien den Daimon irgendwie leicht zu frustrierten, hätte er den Kerl wohl allzu gerne aufgehalten.

Besonders mit Konstantinos Phokas, aber auch mit seinem Vater Bardas, der am heutigen Tage ungewohnt direkt vorging, war der Doukas aneinander geraten. Indem er den Kaisar Konstantinos beharrlich nicht bei seiner ihm zustehenden Anrede als hochrangigem Mitglied des kaiserlichen Hauses titulierte, beging der Innenminister (vermutlich geflissentlich) einen Kardinalfehler und verärgerte des Kaisers Schwager über die Maßen. Die Kunst, sich innerhalb des Kronrates persönliche Allianzen zu schaffen, verstand der Doukas dem Anschein nach nicht, da sich kein einziges Mitglied des Ratsgremiums für ihn ins Zeug legte. Der Reichskanzler flüsterte dem Kaiser gar noch fragwürdiger erscheinende Details zu, die das Wirken des Innenministers weiter kompromittierten. So kam Ioustinianos Doukas gewissermaßen wegen einer lachhaften Kirchenrenovierung zu Fall. So etwas hatte es in der Form wohl auch noch nicht gegeben, aber vom Erhabenen zum Lächerlichen war es bekanntlich oftmals nur ein Schritt.

Der Kaiser verfolgte die zunehmende Entgleisung innerhalb seines obersten Rates nur mit scheinbarer Ruhe und Gelassenheit. Innerlich brodelte er. Erst als die Tür zum Kronratssitzungssaal krachend zugefallen war, erhob er das Wort. "Da besprechen wir hier die großen und wichtigen Fragen unserer Zeit, und dann wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht." Er verdrehte zunehmend die Augen und war recht erschüttert ob dieses unwürdigen Abgangs. "Ist es nicht seltsam, dass ein jeder Reichsinnenminister bis auf den heutigen Tag seine Aufgaben trotz der angeblichen Unmöglichkeiten, die in den Raum gestellt wurden, ordnungsgemäß ausüben konnte? Philosophisch könnte man also fragen: Waren es die Unzulänglichkeiten des Amtes oder waren es nicht bloß die Unzulänglichkeiten der Person, die zu einem solchen Ausgang führten?" Es war nicht so, dass Romanos auf diese Geschichte mit der scheinbaren Bestechung durch irgendwelche Goldbarren allzu viel gegeben hätte. Aber die Art und Weise, wie hier einer seiner Minister den Autokrator selbst wie irgendeinen Grüßaugust erscheinen ließ, empörte ihn. "Und ich hatte eine Zeitlang ernsthaft erwogen, diesen Mann zum Reichskanzler zu ernennen ... Da ist wohl ein Kelch an uns vorübergegangen." Dezentes Gelächter im Sitzungssaal. "Dabei wäre die Sache denkbar einfach zu lösen gewesen: Man hätte das Amt des Reichsinnenministers mit demjenigen des Praitors von Konstantinopel in Personalunion vereint, wie es bereits mit Erfolg beim Protoarchitektonas und beim Tribounos vorgenommen wurde. Durch diesen voreiligen Rücktritt des Ministers, der sich damit selbst aus dem Spiel genommen hat, wird es nun also der Herr Praitor sein, der künftig auch dem Reichsministerium des Innern vorstehen wird." So konnte es gehen. Denn auch andersherum wäre es durchaus denkbar und sogar nicht unwahrscheinlich gewesen. An den seit Jahrhunderten bewährten Kompetenzen des Innenministeriums würde man deswegen bestimmt nicht rütteln.

Der Kaiser schaute in die nun etwas verkleinerte Runde. "Da dies nun geklärt ist: Welche weiteren Dinge stehen im Rahmen dieser Kronratssitzung auf der Tagesordnung?" Er hatte selbst keinen blassen Schimmer. Kürzlich war ihm der Mystikos, sein Privatsekretär, abhanden gekommen, so dass es gar keine offizielle Tagesordnung gab. Auch dieses Amt würde man alsbald neu besetzen müssen.

19

Sonntag, 26. Mai 2019, 22:13

Diokles hatte mitnichten versucht, den Innenminister beim Kaiser anzuschwärzen. Schließlich durfte man davon ausgehen, dass der Doukas die Wahrheit gesprochen hatte, als er behauptet hatte, der Kaiser habe die Order gegeben, die städtischen Polizeibehören aus der Verantwortung des Praitors in die Hände des Innenministeriums gelegt zu haben. Von daher konnte von Intrigen ja überhaupt keine Spur sein. Der Autokrator verhinderte eine etwaige Eskalation, indem er die Kompetenzen klärte und die Sache richtig stellte - dabei wollte er es auch belassen und selbst Diokles wäre zufrieden damit gewesen, war er doch dem Doukas überlegen geblieben (was Ioustinianos wusste und womit er zurecht kommen musste).
Der Innenminister jedoch entschied, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen und behauptete, das Gesagte nie geäußert zu haben. In geradezu bravouröser Art und Weise machte er sich vor dem gesamten Kronrat lächerlich, beklagte sich beim Kaiser über seine Aufgaben, denen er nicht gewachsen war; sodass sogar Diokles' Bruder Bardas den Minister scharf anging, wie es sonst überhaupt nicht seine Art war, wenn es nicht ums Militär ging.
"Mein lieber Herr Minister, Ihr bezichtig mich der Lüge? War es nicht so, dass Ihr behauptet hattet, eine kaiserliche Order zur Übertragung der Verantwortung sei mündlich erfolgt und ich könne auf das Wort eines doukaischen Edelmannes vertrauen? Dem Kaiser legt Ihr die Worte in den Mund und wenn Euer Netz aus Lügen unter Euch zusammenbricht, jammert Ihr herum, wie ein kleines Kind! Eure Art und Weise, ein ministeriales Amt auszuüben, ist empörend und entwürdigend!"

Die Worte des Finanzministers bekräftigte der Doukas selbst, indem er beim geringsten Anzeichen von Gegenwind nun aufsprang und seinen Rücktritt als Minister erklärte. Wie lächerlich er sich und seine Familie in diesem Moment machte, schien ihm völlig egal zu sein, er sprang auf und verließ den Saal - eine Beleidigung an Seiner Majestät!

Gebannt blickte Diokles zu Romanos, der ruhig blieb und sich im Stillen wohl überlegte, wie er den Schand-Doukas am besten bestrafen konnte. Anschließend wollte er das Thema schnell wechseln und erkundigte sich bei weiteren Punkten, die man besprechen konnte.

"Was das Ressort der Finanzen betrifft, Majestät, so kann ich berichten, dass etwaige Löcher im Staatshaushalt durch die Sondersteuer gestopft wurden und solange keine unvorhergesehenen, größeren Ausgaben - mit Ausnahme des Ausbaus der Verteidigungsanlagen im Osten - auf uns zu kommen, sollten wir am Ende des Jahres ein dickes Plus verzeichnen."
Nun lehnte er sich wieder zurück, seine Laune war seit des Verschwinden des Lügners deutlich gestiegen.

20

Montag, 27. Mai 2019, 01:03

Noch immer saß Helena schweigend da und blickte durch die Runde. Während der Reichskanzler seinen ersten Tag im Kronrat mit Bravour gemeistert zu haben schien, stellte sich der Kaiser doch vollumfänglich hinter seine Idee und übertrug ihm sogar eine Mammutaufgabe, zeugte die Präsentation des Reichsinnenminister von absoluter Inkompetenz, wie Helena sie bisher nur selten gesehen hatte. Nicht nur, dass er sich mit mehreren Rats- und Regierungsmitgliedern angelegt hatte (noch dazu mit Zweien, die das höchste Vertrauen des Kaisers genossen und von der vermutlich einflussreichsten Familie des Reiches stammten), nein, er beklagte sich auch darüber, dass er seinen Aufgaben als Minister des Inneren nicht gewachsen war.
Ganz offen stellte er sich selbst bloß, in dem er sich in geradezu ridikülen Art und Weise vor dem Kreis der Regierung lächerlich machte, wie ein kleines Kind, das man aufgrund irgendeines Fehlverhaltens getadelt hatte. Und ganz nach der Manier eines Vierjährigen plärrte der Doukas herum, sodass sich andere schämen mussten, diesen Namen mit dem Mann zu teilen. Er sprang auf und kündigte an, sein Amt niederlegen zu wollen. Das Ende einer vielversprechenden Karriere und ein Rückschlag für eine einst große Familie des Reiches.
Wie dumm konnte ein einzelner Mann sein?

Nachdem er eine Szene hingelegt hatte, die einer Primadonna würdig gewesen wäre, verließ er den Sitzungsaal mit einem lauten Knall der Türe. Romanos äußerte sich kurz, aber bestimmt, schien die Sache jedoch nicht breit treten zu wollen. Nun meldete sich Helena zu Wort, um entgegen der Frage des Kaisers das leidige Thema noch einmal anzuschneiden.

"Das Verhalten dieses Mannes ist untragbar. Er ist eine Schande für das Reich und diese Regierung! Das entgegengebrachte Vertrauen Seiner Majestät tritt er mit Füßen, als handelte es sich um eine Wohltat, dieses Amt zu bekleiden, ein Gefallen, den er dem Kaiser tut; statt sich vor Demut auf dem Boden zu winden, wie es sich für einen Wurm seiner Art gehört. Ein derartig respektloses Verhalten habe ich nur selten erlebt, es handelt sich hier ganz offen um Majestätsbeleidigung! Nein, der Mann muss zurechtgewiesen werden, da reicht eine Entlassung aus seinem Amt nicht aus. Nein, man sollte diesen Mann auch seine Ehrentitel und die Senatorenwürde entziehen, hatte er sich doch gänzlich unwürdig für ein prestigeträchtiges Amt erwiesen. Augenscheinlich möchte er mit dieser Regierung, diesem Kaiser, nichts zu tun haben, man sollte also dafür sorgen, dass er genau das bekommt."

Der Inhalt von Helenas Worten war hart und sie sprach sie gleichsam bestimmend und kalt aus. Man hatte sogar gute Gründe, den Mann verhaften zu lassen, ob der Respektlosigkeit, die der Doukas an den Tag legte. Auffordernd blickte sie erst in die Runde, dann zu Romanos, der nun gleichsam noch einmal das Wort erheben musste.